10. Februar 2022

Prädikat wertvoll: Auszeichnungen, Preise und Stipendien in der Akquise nutzen


 
Ich glaube, es ist ganz menschlich, wenn wir für das, was wir tun, gesehen und positiv bestätigt werden wollen. Wirst du mit deiner kreativen Arbeit ausgezeichnet, ist das eine positive Bestätigung. Und das fühlt sich toll an.

Aber vielleicht hast du dich ja auch schon einmal gefragt, wie wichtig Wettbewerbe und Auszeichnungen für die Auftragsakquise sind. Sind sie wichtig? Brauchst du sie? Oder interessiert das am Ende niemanden? Deshalb möchte ich heute das Thema Wettbewerbe, Preise und Stipendien in den Fokus stellen.

Kurzer Disclaimer vorab: Alles, was ich hier schreibe, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen, die ich in meiner eigenen Nische gemacht habe. Wenn du andere Erfahrungen gemacht hast, teile sie gerne in den Kommentaren auf dem Blog oder auf Instagram oder schreibe mir eine Email.

 

Auszeichnungen sorgen für mehr Sichtbarkeit

Los geht’s: In bestimmten Marktbereichen der Illustration und im Design sind Preise und Auszeichnungen definitiv hilfreich, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und gegebenfalls dadurch auch weitere Aufträge zu generieren.

So steigert zum Beispiel eine Nominierung mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis das Interesse an und die Sichtbarkeit des nominierten Buches. Und das ist gut für den Verkauf von Büchern. Wird das Buch dann sogar prämiert, erzeugt das oft einen sprunghaften Anstieg in den Verkaufszahlen.

Auch für die beteiligten Kreativen ist eine Nominierung oder Auszeichnung gut. Insbesondere, wenn sie an den Buch-Verkäufen prozentual beteiligt werden, können sie die Auszeichnung eins zu eins durch höhrere Auszahlungen auf ihrer Verlagsabrechnung wiederfinden. Und auch die ausgezeichneten Kreativen selbst werden durch die Auszeichnung sichtbarer. Durch die Medienpräsenz, die durch den preis entsteht, ergeben sich oftmals für die Kreativen auch Folgeaufträge.
 

Auszeichnungen helfen, Vertrauen aufzubauen

Andere Preise und Auszeichnungen sind zwar für die Verkaufszahlen von Büchern weniger relevant, können allerdings in der Akquise als »Beweis« für Expertise und Kompetenz genutzt werden. Ein gutes Beispiel ist hier der Wettbewerb der Schönsten Bücher der Stiftung Buchkunst. Hier ausgezeichnet zu werden ist (zumindest für mich) wie ein Ritterschlag im Typografie- und Buchgestaltung-Königreich. Man kann sich zwar nichts davon kaufen, aber es ist gut für’s Gestalter*innen-Herz. Und auch für’s Portfolio. Indem du diese Auszeichnungen zum Beispiel auf deiner Website oder in deinem PDF-Portfolio zeigst, macht du es deinen Auftraggeber*innen leichter, dir zu vertrauen.

Der Vertrauensvorschuss bei potenziellen Kund*innen, den eine Auszeichnung generiert, ist wahrscheinlich die wichtigste Funktion von Auszeichnungen und Preisen in deiner Akquise. Sie helfen deinen Auftraggeber*innen, zu sehen, dass jemand anderes deine Arbeit schon einmal als auszeichnungswürdig und sehr gut befunden hat. Dadurch fällt es deinem Gegenüber leichter, auch in deine Kompetenz zu vertrauen. Das klingt zwar doof und irgendwie auch unmutig, allerdings funktioniert das bei vielen Menschen oftmals so.

Aus dieser Perspektive sind Auszeichnungen und Preise vertrauensfördernde Maßnahmen. Aber es sind nicht die einzigen Dinge, mit denen du Vertrauen aufbauen kannst. Du kannst auch über die Gestaltung und die Konzeption deines Portfolios Vertrauen generieren – also ganz ohne Auszeichnungen.
 

Auszeichnungen sind kein Muss

Es geht also auch gut ohne. Preise und Auszeichnungen sind defintiv nicht essenziell, also nichts, was du unbedingt nachweisen musst, um als kreative*r Unternehmer*in erfolgreich zu sein. Und es gibt viele Branchen, in denen kein Hahn nach Auszeichnungen und Preisen kräht. Hier haben sie nur eine geringe Bedeutung für die Auftragsvergabe.
 

Eine Faustregel

Umso angewandter, kommerzieller und bodenständiger deine Märkte und deine Nische sind, desto weniger relevant sind Auszeichnungen und Preise. Umso künstlerischer du dich auf deinem Markt und in deiner Nische aufgestellen möchtest, desto relevanter können Auszeichnungen für deine Akquise und deinen Markenaufbau sein.
 

Teure Wettbewerbe, hohe Gebühren

Hier auch noch ein Hinweis zu kostenpflichtigen Wettbewerben. In vielen Wettbewerben ist eine Teilnahmegebühr fällig. Meistens bist du auch selbst verantwortlich für die Belegexemplare, die zum Beispiel bei einer Auszeichnung fällig werden, um deine Arbeit zum Beispiel in der begleitenden Ausstellung zu präsentieren.

Einige Wettbewerbe allerdings fordern auch eine Gebühr, die fällig wird, wenn du gewinnst, zum Beispiel für die Publikation, den Ausstellungskatalog oder die Präsentation der ausgezeichneten Arbeit auf der Wettbewerb-Website. Diese Gebühren können bis in den vierstelligen Bereich gehen. Hier muss jede*r Kreative*r selbst entscheiden, wie sinnvoll so eine Auszeichnung noch ist. Ist diese Gebühr noch angemessen für das, was du dafür erhältst? Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Allerdings kann es helfen, abzuwägen, was du mit dem investierten Geld noch tun könntest, um sichtbar zu werden. Deshalb ist es sinnvoll, die Teilnahmebedingungen genau zu lesen, damit du von solchen Gebühren nicht überrascht wirst.
 

Achtung: AGBs checken!!

Apropos Teilnahmebedingungen: Auch aus einem zweiten Grund ist es essenziell, dass du diese vor der Einreichung deiner Arbeiten genau studierst. Einige Wettbewerbe sind in der Vergangenheit negativ aufgefallen, weil sie sich mit der Wettbewerbsteilnahme umfangreiche Nutzungsrechte an den angereichten Arbeiten eingeräumt haben. Auch hier gilt es, vor der Einreichung genau abzuwägen. Insbesondere wenn die eingereichte Arbeit für mehr als die Bewerbung der Gewinnerarbeit und des eigentlichen Preises genutzt werden soll, ist vorsicht geboten. Hier gibt es wirklich viele schwarze Schafe, also Wettbewerbe, die eigentlich keine sind. Sondern sich bei genauem Hinsehen als getarnter Pitch darstellen und über kostenloses Crownsourcing Ideen und kreative Leistung einsammeln.
 

Hier findest du eine Auswahl von etablierten Design- und Illustrations-Preisen.
 

Deutscher Jugendliteraturpreis

Er ist mit insgesamt 72.000 Euro dotiert und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftet. Die Einreichung erfolgt durch den Verlag, durch die Kreativen oder durch verschiedene Leseclubs. Mit der Einreichung wird eine Titelgebühr von 49 Euro fällig. Der Jugendliteraturpreis ist der Oskar der Deutschen Jugendliteratur, mit dem jährlich herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet werden.
 

Die schönsten deutschen Bücher, Stiftung Buchkunst

Einreichen dürfen die Kreativen selbst oder der Verlag. Bei Prämierung wird das ausgewählte Buch im Katalog und in einer Wander-Ausstellung präsentiert. Außerdem können die ausgezeichnete Bücher mit einem Aufkleber auf dem Buch vom Verlag beworben werden. Die Teilnahmegebühr beträt 50€ netto, der Katalogkostenbeitrag liegt bei 100 Euro pro prämierten Buch.
 

Hamburger Bilderbuchpreis

Er wird alle zwei Jahre vergeben. Das Preisgeld beträgt 12.000 Euro. Damit ist der Hamburger Bilderbuchpreis der höchstdotierte deutsche Förderpreis für Bilderbuchkunst. Der Preis wird ergänzt durch einen Verlagsvertrag für das prämierte Werk mit einem garantierten Honorarvorschuss in Höhe von 5.000 Euro. Außerdem gibt es eine begleitende Ausstellung, in der auch nominierte und ausgewählte weitere Arbeiten gezeigt werden.
 

Carl-Buch-Preis

Der mit 2.000 Euro dotierte Illustrationspreis der Hamburger Firma Carl Buch möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass der Kinderbuchillustration und besonders ihren Schöpfern etwas mehr Aufmerksamkeit zukommt.
 

German Design Award

Einer der teuren Preise. Vergeben wird der German Design Award vom Rat für Formgebung. Dieser wurde 1953 auf Initiative des Deutschen Bundestages als Stiftung gegründet. Die Teilnahmegebühr geht bei 330€ los. Wird ein Werk ausgezeichnet, kostet das einen vierstelligen Betrag. Kläre hier, ob dein Verlag oder deine Auftraggeber*innen deine Arbeit einreichen und somit die Wettbewerbsgebühren übernehmen können. In die gleiche Preiskategorie fallen auch der ADC Wettbewerb und der Red Dot Award.
 

Illustrationspreis der GEP

Der Illustrationspreis für Kinder- und Jugendbücher wird vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) seit 1992 alle zwei Jahre verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Publikationen aus dem deutschsprachigen Raum mit künstlerisch und inhaltlich hervorragenden Illustrationen.
 

Der Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung

Dieser Preis ist eigentlich eher ein Projekt-Stipendium. Der ausgezeichnete Comic erhält ein Preisgeld von 20.000€. ​Der Comicbuchpreis wird jährlich für einen hervorragenden, unveröffentlichten, deutschsprachigen Comic vergeben, dessen Fertigstellung absehbar ist. Die Deadline für das Jahr 2022 ist der 30. Juni.
 

Der Max und Moritz-Preis

Als wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum wird er im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Comicsalons in Erlangen vergeben. Die Kategorie »Beste/r deutsch-sprachige/r Comic-Künstler/in« ist mit 7.500€ dotiert, weitere Kategorien mit 1.000€. Eine Jury nominiert und wählt die Werke.

 

Wie stehst du zu Wettbewerben und Preisen?

Benutzt du sie in deiner Akquise, also zum Beispiel in deinem PDF-Portfolio oder auf deiner Website? Oder ist dir das gar nicht wichtig? Schreib mir gern einen Kommentar hier direkt unter dem Blogartikel oder auf Instagram. Damit wünsche ich dir eine gute Woche und bis bald! Alles Liebe, Franziska

 

Darf ich dich um einen Gefallen bitten?

Für den Verkauf von Büchern sind gute Bewertungen enorm wichtig. Wenn du mein Buch »Die gute Mappe« schon gelesen hast und es dir gefällt, hilfst du mir sehr mit einer Rezension auf Amazon und Co. Du kannst sogar eine Bewertung hinterlassen, wenn du das Buch in einem anderen Buchladen gekauft hast (was ich begrüße). Sharing is caring! Danke dafür! Und auch ein ❤️ und ein Danke an die, die schon eine Rezension geschrieben haben.

Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf.

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Franziska Walther, Sehenistgold®
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