31. März 2022

Wie Geld, Akquise und Portfolio Hand in Hand gehen

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Das ist eine überarbeitete Version des beliebtesten Artikels »Warum Geld und Portfolio zusammengehören« aus dem Jahr 2021. Weil das Geld-Thema ein Dauerbrenner ist und so wichtig für deinen nachhaltigen Erfolg als kreative*r Unternehmer*in, möchte ich das Thema Wirtschaftlichkeit und Geld heute noch einmal mit dieser überarbeiteten Version in den Fokus stellen. Let’s go!
 
Deine wirtschaftliche Aufstellung, dein Portfolio und deine Akquise sind untrennbar miteinander verbunden. Geld und Portfolio gehören zusammen! Ich weiß, ich weiß ... du liest diesen Blog, weil du dich für Portfolio-Themen interessierst, ggf. dein Portfolio überarbeiten und dich neu aufstellen willst. Und jetzt komme ich hier mit solchen Sachen wie Stundensatz, Jahresumsatz und Wirtschaftlichkeitsberechnung um die Ecke.

Aber: Mit deinem Portfolio akquirierst du deine Aufträge und die sind die Grundlage deines Einkommens, mit dem du sowohl dein Unternehmen als auch dein privates Leben finanzierst. Welche Art von Aufträgen dein Portfolio generiert – gut bezahlte oder schlecht bezahlte – hat also direkten Einfluss auf dein Leben, deine Zufriedenheit und deine mentale Gesundheit.

Und außerdem ist dein Portfolio ein Spiegel für deine individuelle Einstellung zu Geld und für den Wert, den du selbst in deiner kreativen Arbeit erkennst. Hast du nur eine sehr schwammige Idee davon, was deine Arbeit eigentlich bewirkt und welchen Wert sie erzeugt, sieht man das auch in deinem Portfolio. Über das liest dein Gegenüber deine Einstellung zu Geld und zu deiner Arbeit ab – wie aus einem Buch.

Und aus diesem Grund ist es wichtig, sich mit dem Portfolio wirtschaftlich selbstbestimmt und nachhaltig aufzustellen, damit dein Portfolio dich unterstützt, die Aufträge zu akquirieren, die zu deiner wirtschaftlichen Vision passen. Deshalb ist die Portfoliothematik untrennbar mit der Wirtschaftlichkeitsthematik verknüpft.
 

How-to: Nachhaltig wirtschaftlich aufstellen

Erfolg in der Selbstständigkeit entscheidet sich über die Zeit. Jede*r kann ein Jahr selbstständig sein. Denn auch eine schlechte wirtschaftliche Aufstellung kann man ausgleichen – zum Beispiel über 60-Stunden-Wochen, also zu viel Arbeit und Selbstausbeutung. Aber das ist nicht nachhaltig – und führt über die Zeit zu Burnout und Frustration. Um langfristig erfolgreich und gesund zu bleiben, brauchst du eine wirtschaftlich nachhaltige Aufstellung.

Im ersten Schritt gilt es also, dich wirtschaftlich so aufzustellen, dass du mit deinem Unternehmen in der Lage bist, langfristig und kontinuierlich so viel Geld zu verdienen, um entspannt zu existieren – und bestenfalls auch deine Visionen und Ziele zu verwirklichen.
 

Wie geht das?

Schritt 1: Verschaffe dir einen Überblick über deine Fix-Kosten und vergleiche diesen Wert mit den Ausgaben, die deine Vision von dir kosten würde. Deine Vision beschreibt die Ziele und Wünsche, die du über zum Beispiel die nächsten 5 oder 10 Jahre erreichen möchtest. Wie viel Einkommen brauchst du dafür?

Schritt 2: Kalkuliere daraufhin deinen Stundensatz. Es ist ok, erst einmal einen Mittelwert aus deinen aktuellen Lebenshaltungskosten und den Kosten deiner Vision zu bilden. Aber: Rechne deine Vision in deinen Stundensatz mit ein. Ansonsten bleibst du wirtschaftlich genau dort, wo du gerade stehst.

Schritt 3: Lerne im nächsten Schritt deine Märkte kennen und bewerte deren wirtschaftliche Situation realistisch. Frag dich dann, ob du gegebenenfalls weitere und andere Märkte brauchst, um dich wirtschaftlich besser aufzustellen. Hier ist es wirklich wichtig, ehrlich zu dir selbst zu sein und ganz genau hinzuschauen. Sowohl in der Illustration als auch im Design gibt es Märkte, die als alleiniges Standbein wirtschaftlich zu schwach sind. Möchtest du auf so einem Markt arbeiten, brauchst du dringend ein zweites, wirtschaftlich stärkeres Standbein.

Schritt 4: Treffe dann eine selbstbestimmte Entscheidung, wo und wie du deine dir zur Verfügung stehende Zeit einsetzen möchtest. Mit einem wirtschaftlich starken Standbein schaffst du dir zeitliche Freiräume, um auch wirtschaftlich weniger attraktivere Aufträge anzunehmen. Diese können dann zum Beispiel Herzensprojekte sein, die dich glücklich machen. Diese Rechnung geht allerdings nur auf, wenn du ehrlich und mit der wirtschaftlichen Brille sowohl deine Zeit als auch deine wirtschaftliche Situation analysierst und selbstbestimmt gestaltest.

 

Wie kannst du deine wirtschaftliche Situation sofort verbessern

Vielleicht denkst du jetzt: stimmt ja alles, aber die wirtschaftliche Realität sieht in der Kreativwirtschaft nun mal anders aus. Was hilft es mir, zu wissen, dass ich 100€ die Stunde verdienen müsste, um meine Vision von mir zu realisieren, wenn ich in meiner beruflichen Realität konstant deutlich weniger angeboten bekomme. Und ja, du hast natürlich Recht, es ist nicht immer einfach, in der Kreativwirtschaft gute Honorare zu verhandeln. Ich selbst nutze dazu drei Strategien:
 

Strategie 1: Jedes Mal fragen, ob da noch was geht

In Verhandlungen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, immer zu fragen, ob da noch was geht. Es ist zu einer Routine geworden. Und: Dabei zeigt sich – ja, meistens geht da noch was. Und wenn man nicht fragt, ist die Tür dazu verschlossen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass mein Gegenüber »Nein« sagt. Sollte das passieren, kann ich immer noch entscheiden, ob ich eine weniger komplexe und schnell umsetzbare Lösung für den geringeren Preis anbiete oder ob ich absage.
 

Strategie 2: Den entstehenden Mehrwert überprüfen

Ich überlege bei jeder Verhandlung, um welchen wirtschaftlichen Wert es hier geht. Wenn mein Gegenüber mit meiner Arbeit das Geld in Schubkarren wegfährt und mich gleichzeitig schlecht bezahlen will, finde ich das unfair. In solchen Fällen verhandle ich selbstbewusst (weil ich ja weiß, um welchen Wert es hier geht) und sage ab, wenn ich das Honorar nicht anpassen kann.

Manchmal ist es aber so, dass es sich bei dem Job wirklich um einen Auftrag handelt, bei dem auch für mein Gegenüber finanziell nur wenig rumkommt. Da kann ich verhandeln bis zum Umfallen und werde mit großer Wahrscheinlichkeit nur wenig damit erreichen. Hier kann ich mir allerdings überlegen, ob die Sache an sich für mich und mein Leben eine Relevanz hat. Und wenn ja, kann ich den Auftrag trotzdem machen, weiß aber gleichzeitig, dass ich dafür bei anderen Aufträgen kompromissloser sein muss, um langfristig wirtschaftlich gesund zu bleiben.

Hier noch eine Randnotiz: Dein Auftrag kann auch nicht messbaren Mehrwert für deine Kund*innen erzeugen. Wenn du zum Beispiel sehr zuverlässig bist und deine Auftraggeber*innen bedenkenlos an dich delegieren können, machst du ihr Leben besser, weil die Zusammenarbeit mit dir für mehr Gelassenheit und Frieden sorgt. Auch wenn solche Qualitäten nicht quantitativ und monetär messbar sind, sind sie ein Mehrwert für deine Kund*innen, für den diese auch gern Geld ausgeben werden.
 

Strategie 3: Meine eigene Arbeit monetär wertschätzen

Mir tut es gut, grundsätzlich mit einem höheren Stundensatz zu kalkulieren und lieber zu überlegen, wie ich den Auftrag dann mit der damit kürzeren Zeit hinbekomme. Anstatt 16 Stunden für 50 Euro zu arbeiten, suche ich lieber Lösungen, die ich in 8 Stunden für 100€ umsetzen kann. Denn damit kommen zwei Sachen: einerseits tut es mir gut, zu sagen: »Ja, meine Arbeit ist 100€ die Stunde wert.« Außerdem fühle ich mich selbstbestimmt. Denn ich entscheide über meine Zeit.

In der Konsequenz bedeutet das bei mir oft, dass ich bei Aufträgen oftmals meinen Anspruch runterschrauben muss, denn ich habe nicht so viel Zeit, wie ich gern hätte. Dafür hab ich aber Zeit, die ich in meine eigenen Herzensprojekte stecken kann und dort finde ich dann Raum für mich und kann mich weiterentwickeln. Dort darf ich alle Ansprüche der Welt haben, denn diese Projekte müssen nicht wirtschaftlich sein – weil es andere gibt, die für meine finanzielle Unabhängigkeit sorgen. Und das fühlt sich sehr gut an.
 

Was willst du heute verändern?

Am Ende gestaltet sich auch der Weg zur nachhaltigen wirtschaftlichen Aufstellung wie alles im Leben: Schritt für Schritt. Mit welchem Schritt möchtest du heute anfangen?
 

Mögliche nächste Schritte

  1. Formuliere ein klares Angebot und analysiere welche Kund*innen dieses Angebot dringend brauchen ... und deshalb bereit sind, dafür Geld auszugeben. Nutze dazu das Workbook »Dein kreatives Angebot« (für 0,00 Euro).
  2. Kalkuliere deinen Stundensatz mit dem kostenlosen IO-Stundensatzkalkulator (Excel-Sheet) oder dem freien BDG-Stundensatzkalkulator (interaktiver Online-Rechner).
  3. Überarbeite dein Portfolio, um passgenauer wirtschaftlich attraktive Kund*innen anzusprechen Die Portfolio-Checkliste (für 0,00 Euro) unterstützt dich dabei.

 
Und dann: Gehe deinen ersten Schritt. Noch heute! Los geht’s!

Ps: Kennst du eine kreative Person, die von diesem Artikel profitieren würde? Schick ihr doch einfach mal den Link zu. Wenn wir uns alle, alle Illustrierenden und Designer*innen, gemeinsam wirtschaftlich nachhaltiger aufstellen, verändern wir damit auch unsere Märkte. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir Dinge zum Positiven bewegen, zum Beispiel dass Stundensätze nicht weiter sinken, sondern wieder steigen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Kreativbranche sich zum Guten verändert.
 
Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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Disclaimer: Der Blog und der Podcast wollen und können eine rechtssichere, psychotherapeutische oder medizinische Beratung nicht ersetzen. Die hier geteilten Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und sind konkrete Einzelfall-Beschreibungen. Deshalb hafte ich nicht für die hier geäußerten Inhalte. Die zur Verfügung gestellten Informationen begründen auch kein Beratungsverhältnis. Bitte triff deine Entscheidungen für dich selbst und hole dir im Zweifelsfall rechtliche oder andersweitige Unterstützung. Die gesammelten Informationen spiegeln den Stand des Veröffentlichungsdatums wider.
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Franziska Walther, Sehenistgold®