13. April 2023

#60 | Wie findest du deinen Stil? Und was machst du, wenn du mehrere Stile hast? Stilfragen an Sabine Kranz


 
Herzlich Willkommen zu dieser neuen Episode des Portfolio-Podcasts – zur Folge #60, in der die Buchillustratorin und Graphic Recorderin Sabine Kranz und ich über Stilfragen sprechen. Heute geht es also um die Frage, wie Kreative ihren eigenen Stil finden und entwickeln – und zwar unabhängig davon, ob sie illustrieren oder gestalten. Denn bei den meisten Kreative gibt es ja diesen wiedererkennbaren roten Faden, der sich durch die Arbeiten zieht. Sei es formal, also über formale Eigenschaften der Werke. Oder sei es konzeptionell, weil die Herangehensweise der Kreativen wiedererkennbar ist.

Sabine nutzt als Graphic Recorderin auch einen anderen Stil als in ihren Büchern. Deshalb teilt sie auch ihre Erfahrungen, welche Möglichkeiten es gibt, wenn du zum Beispiel zwei sehr unterschiedliche Stile in deinem Portfolio hast oder auf zwei Märkten arbeitest, die stilistisch sehr verschiedene Anforderungen haben.

Sabine und ich kennen uns über unseren gemeinsamen Verlag, den Kunstanstifter Verlag. Und ich schätze Sabines Arbeiten sehr für das Farbspektakel, das sie losfeuern, und für die unglaublich charmanten Figuren, die total liebenswert sind – ohne den typischen ästhetischen Kinderbuch-Standards zu folgen.

Sabine war auch die Initiatorin des »100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht«-Projektes – zusammen mit der tollen Franziska Ruflair vom Podcast »Work, Art and Progress«. Dieses Projekt zeigt 100 starke Frauen, die den Weg geebnet haben zum Frauenwahlrecht, das 2018 seinen erst 100. Geburtstag gefeiert hat. Starke Frauen bzw. starke Figuren sind ein roter Faden in Sabines Arbeiten. Aber mehr dazu gleich im Interview.

Die Stilfrage ist ja irgendwie ein Dauerthema für viele Kreative. Deshalb kannst du dich schon einmal freuen auf zukünftige Interviews, denn ich plane eine kleine Serie dazu. Aber jetzt: Los geht’s. Viel Spaß mit dem Interview.

 

Links zu Sabines Arbeiten:
www.sabinekranz.de
Sabine auf Instagram
www.thinkpen.de
100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht

[Transkript des Interviews]

Franziska:
Hallo! Hallo liebe Sabine, wie schön, dass du heute im Portfolio-Podcast mit dabei bist – und zu Gast bist. Wir wollen ja heute über Stil sprechen. Ich freue mich sehr, dass du da bist, weil ich persönlich habe in den letzten Jahren sozusagen dich und deine Arbeiten immer wieder ... ich will nicht sagen: beobachtet ... das klingt so, als ob ich dich die ganze Zeit mit dem Fernglas beäugt habe. Das war nicht so, aber.

Sabine:
So ein bisschen Stalker-mäßig 😉

Franziska:
Genau. Aber mir ist aufgefallen, dass du, dass dein Stil immer sicherer geworden ist. Und ich habe mich mehrfach dabei beobachtet, wie ich so dachte. »Hm. Ja, Sabine.« Und deswegen habe ich dich eingeladen. Weil ich einfach neugierig bin, wie du das so empfindest, wie du so deinen eigenen Weg zu deinem Stil beschreiben würdest und was Stil überhaupt für dich bedeutet.

Und vielleicht können wir ja mal anfangen. Vielleicht kannst du uns, also den Hörer*innen und mir, vielleicht als Einstieg mal erzählen, wie du überhaupt Illustratorin geworden bist, wie dein Weg war. War das ein gerader Weg oder gab es da so Umwege und Abzweigungen? Erzähl mal!

Sabine:
Ja, gerne. Also ich würde sagen, an sich war der Weg relativ gerade, weil ich gleich Grafikdesign studiert habe bzw. visuelle Kommunikation. Und da könnte man ja sagen, das ist ein gerader Weg. Aber innerhalb dieses Studiums gibt es ja ganz viele Abzweigungsmöglichkeiten und auch nach dem Studium. Bei uns war das zumindest so, dass man da ins Berufsleben geworfen wurde, wo ich eigentlich dachte: »Oh, ich bin ja noch gar nicht fertig. Ich weiß ja gar nicht, was ich genau machen will.« Und deshalb würde ich sagen, es ist eher eine Long and Winding Road.

Als Kind habe ich natürlich auch gerne gelesen und gezeichnet und selber Geschichten geschrieben, wie die meisten Illustrator*innen. Und auch ich habe jetzt gerade zwei junge Praktikantinnen und ich habe die auch gefragt, was bedeutet denn Illustration? Was fällt euch denn da ein? Was kann man denn damit machen? Und dann haben sie natürlich sofort gesagt: Kinderbuch.

Aber es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten und im Studium zum Beispiel hatte ich total Spaß an Plakaten. Also ich habe gerne so Wort-Bild-Marken gemacht und auch eine Idee auf den Punkt gebracht. Also eher so kräftig gearbeitet mit Lineal, Schnitt und Siebdruck. Und dann habe ich auch noch ein halbes Jahr bei Edelmann in Stuttgart studiert und der hat uns so eine Aufgabe gegeben. Man nimmt ein Objekt und erfindet damit Ideen. Ich habe Torte genommen.

Und dann war eigentlich die die Aufgabe, für jede Idee die passende Technik zu finden. Also erst mal ganz breit zu illustrieren. Also manche Bilder sind dann natürlich gelungen, manche nicht so gelungen und dadurch hat man auch so ein bisschen rausgefunden, was so meins ist und was jetzt nicht so meins ist oder: das kann ich gut und das fällt mir total schwer. Dann haben wir Figuren bearbeitet, also Cowboy, Prinzessin, Königin. Das fand ich eine total spannende Sache. Und da kommt man ja auch darauf – will ich jetzt eher niedlich, will ich es jetzt plakativ? Also ich habe das alles gemacht und ich wusste danach aber immer noch nicht: Will ich jetzt eher niedlich? Will ich jetzt eher plakativ oder will ich beides?

Dann habe ich eben erst mal in der Werbung gearbeitet und habe gedacht: Ja, Typografie ist auch voll spannend. Finde ich auch cool. Aber eigentlich wollte ich Illustratorin werden. Dann habe ich so halb selbstständig gearbeitet, habe mich dann in einer Agentur als feste Freie gearbeitet, neben selbstständig, hab dann erst mal alles mögliche gemacht. Also für Zeitschriften, Illustrationen. Und einen Spiel und Spaß-Teil habe ich ganz viele Jahre lang gemacht für eine Zeitschrift.

Dann kam ich irgendwie glaube ich ins Schulbuch rein. Und dann habe ich lange Cover gemacht, aber ich glaube, mein Stil war auch viele Jahre lang zu kräftig für Kinderbuch. Okay, und ich habe dann versucht, mich so ein bisschen anzupassen an das, was damals so in und üblich war. Und dann habe ich gemerkt, das ist auch nicht so meins. Also ich habe immer alles Mögliche gemacht, aber ich hatte irgendwie das Gefühl, ich schwimme so ein bisschen.

Franziska:
Und was hat dir dann geholfen, sicherer in deinem Stil zu werden? Oder besser gefragt: Fühlst du dich heute sicher in deinem Stil?

Sabine:
Also ich habe das Gefühl, die letzten Jahre hat sich das immer mehr entwickelt. So wie du es eigentlich auch sagst. Ein Ding war Photoshop. Also das war, glaube ich, so eine große Veränderung. Vorher, auf dem Papier, hatte ich manchmal so das Gefühl, ich muss so vorsichtig sein und bei Photoshop, das hat mir unheimlich viel Freiheit gegeben. Also auf Ebenen zu arbeiten, Farben auszuprobieren, Farben zu überlagern und so. Das hat mir total Spaß gemacht.

Und ich hatte dann die Gelegenheit für die Kunstanstifter ein Plakat zu machen. Zum 10-jährigen Jubiläum. Und damals habe ich erst gedacht, dass es ein Offset-Plakat ist und ich habe dann eben so eine ganz normale TIFF-Datei abgegeben. Und dann hat Jens-Uwe gesagt: »Äh, das ist Siebdruck, das sind viel zu viele Farben, das geht so gar nicht.« Und dann habe ich gemeint: »Oh Mist, das wusste ich gar nicht.« Und er: »Dann musst du wohl neuen Entwurf machen.«

Und dann habe ich das umgearbeitet in vier Farben und in Farbauszüge und habe mit den Farbüberlagerungen gearbeitet. Ja, und da habe ich gemerkt, ja, das habe ich schon so lange nicht mehr gemacht und ich finde es eigentlich voll gut. Und dann hatte ich die Gelegenheit, ein paar Bücher zu machen.

Also ich habe erst mal ein Buch gemacht: »Raumschiff der kleinen Forscher« für Rowohlt und da haben wir auch mit zwei Echtfarben gearbeitet und ich musste das auf die Kanäle verteilen. Also zwei Kanäle anlegen für die Farben. Da habe ich gedacht: Ja, das ist eigentlich eine tolle Möglichkeit, so zu arbeiten. Und durch die Beschränkung auf diese wenigen Farben entwickelt man sich weiter und man findet Lösungen, die man sonst vielleicht ohne diese Beschränkung anders gelöst hätte. Und dadurch wurde es stilistisch klarer.

Und dann hatte ich die Gelegenheit, »Sieben Ziegen Fliegen durch die Nacht« zu machen. Das waren drei Schmuckfarben, die habe ich mir auch selbst ausgesucht. Also eigentlich hatte ich auch die Idee, dass wir das mit diesen Farben machen und nicht im normalen Vierfarbdruck. Und das war eine tolle Erfahrung, weil ich kam immer wieder mal einen Punkt, dass ich dachte: »Oh, jetzt hätte ich gerne neue Farbe oder ich würde das jetzt gerne auf rastern oder irgendwie eine hellere Farbe.« Und dann ging es aber doch, dass alles mit diesen drei Grundfarben zu lösen – mit so einem warmen Gelb und Türkis und dem hellen Rot und deren Überlagerungen. Und da habe ich gedacht: »Ja, das ist wirklich mein Ding. Da habe ich total Spaß daran, das so zu machen.«

Franziska:
Ja, also ich finde es total schön, wie du es beschreibst, dass Photoshop für dich so einen Unterschied gemacht hat. Für mich war das ja auch so – auf Papier war ich immer super ungeduldig und ich habe vor allen Dingen auch echt Angst vor Fehlern. Und als ich mir mein Wacom gekauft habe, hat sich der Himmel aufgetan und auf einmal war die Welt so viel größer und ich hatte keine Angst mehr.

Und ich fand das so befreiend. Für mich war das ganz viel Freiheit, die da mit mitgekommen ist. Ich habe mir dann ein paar Tools überlegt, wie ich auch wieder Fehler einbauen kann, damit es nicht so perfekt digital ist. Aber das mache ich total gerne. Das nehme ich super gerne in Kauf, wenn ich dafür die Freiheit bekomme, die ich durch Photoshop und so ein Grafiktablet mitbekomme.

Sabine:
Das ging mir genauso. Also ich fand es auch unheimlich frei und es macht auch jetzt total viel Spaß, neue Pinsel zu entdecken. Bei dem letzten Buch habe ich dann so einen neuen Pinsel entdeckt und ja, da kann ich jetzt ganz anders arbeiten. Ich versuche diesen Pinsel auch so zu verwenden, dass er wirklich zu dem Ergebnis führt, das ich mir so vorstelle, dass ich dann manchmal auch kombiniere oder Überlagerungen mit dem Pinsel mache oder dann noch mal mit Spritzern reingehe.

Und ich arbeite eigentlich immer mit einer Farbe auf einer Ebene. Das ist vielleicht manchmal schwierig, weil man ja dann auf der falschen Ebene zeichnet oder weil man sich da relativ disziplinieren muss. Aber ich finde, es hat einen Vorteil. Man kann dann zum Beispiel die Farbe ein bisschen ändern und zum Schluss anpassen, wenn man nicht ganz zufrieden ist. Und es hat den Vorteil, dass man sich ja wirklich beschränkt. Ich sage vorher, ich nehme nur diese drei oder vier Farben für dieses Buch. Dadurch beschränke ich mich vorher und ich finde, das Ergebnis wird dadurch besser und schöner.

Franziska:
Ich arbeite übrigens auch so,. Ich habe auch immer eine Ebene pro Farbe. Also ich habe ja früher auch viel mit Überdrucken gemacht – das mache ich nicht mehr so – aber ich habe trotzdem immer noch diese Arbeitsweise. Also ich färbe sogar die Ebene ein mit einer Ebeneneinstellung und dann brauche ich noch nicht mal mehr drauf zu achten, dass ich die richtige Farbe wähle, sondern es ist immer die richtige Farbe.

Sabine:
Ah, okay.

Franziska:
Und das finde ich auch eine gute Limitation.

Sabine:
Ja, also im Prinzip könnte man dann ja von allen Arbeiten, die du jetzt machst oder die ich jetzt mache, eigentlich einen Siebdruck machen ...

Franziska:
Stimmt 🙂 Was ist denn Stil für dich? Ich weiß, das ist eine sehr große Frage, aber wenn du das mal so beschreiben müsstest, wie würdest du Stil einem Menschen erklären, der überhaupt keine Ahnung von Illustration hat?

Sabine:
Ja, es ist wirklich eine große Frage. Also ich denke, das ist auch eine Frage der Persönlichkeit. Wer bin ich oder wer will ich sein? Bin ich ein positiver Mensch? Bin ich kräftig? Bin ich zart? Bin ich eher Briefmarke oder bin ich eher ein Plakat-Maler? Und was ist mein Ding? Will ich mein Ding durchziehen, dann kann man sagen, das ist der Stil. Hmm, oder will ich machen, was andere machen oder was der Markt will?

Also ich glaube, man braucht schon recht viel Selbstvertrauen, um sein Ding durchzuziehen. Gerade wenn der Markt jetzt vielleicht sagt: Das brauchen wir jetzt eigentlich nicht. Ich glaube, das geht auch ganz vielen Illustrator*innen so. Also man braucht ja irgendwie eine Bestätigung. Denn man braucht natürlich auch Geld, man braucht ja Jobs.

Und ich finde, das ist immer zweischneidig. Einerseits hat man total Spaß, sein Ding durchzuziehen und andererseits braucht man natürlich auch die entsprechende Anerkennung und das entsprechende Volumen.

Franziska:
Ja, definitiv. Wie war das denn für dich? Weil: Was für mich deinen Stil ausmacht, ist, dass er sehr grafisch ist und sehr, sehr kräftig von den Farben her. Und zwar niedlich, aber irgendwie dann doch relativ reduziert, was ich für Kinderbuch – und du arbeitest ja viel im Kinderbuch – sehr ungewöhnlich finde. Wie war das denn für dich? Normalerweise ist es ja so, dass umso weniger kommerziell der Stil ist, desto schwieriger ist ja auch der Weg zur Wirtschaftlichkeit. Also dass Mensch dann damit auch irgendwann Aufträge bekommt.

Sabine:
Ja, mich hat es ehrlich gesagt auch gewundert. Beim Sieben-Ziegen-Auftrag hatte der Verlag total viel Vertrauen in mich und ich glaube, das Gute daran war, das es ein Gedichtband ist. Und man weiß ja: Gedichtbände, die leistet man sich. Da erwartet niemand jetzt große Auflagen oder so, sondern das macht man so eher so fürs Renommee oder weil man halt denkt, Gedichte sind toll und weil man möchte, dass die Leute mehr Gedichte lesen, vor allem Kinder-Gedichte.

Und ich denke, dass meine Bücher schon mehr Indie Books sind, also weniger die Riesen-Super-Bestseller werden. Aber wer weiß. Ja, also der Geschmack, glaube ich, ändert sich im Moment auch. Also ich denke vor zehn Jahren war es so, da gab es sehr viel brave Bücher, also mit Buntstift, Aquarell – und also auch sehr niedlich.

Und ich habe irgendwie so den Eindruck, dass in letzter Zeit mehr Verlage den Mut haben, auch mal was anderes zu machen und ich hoffe, das bleibt so. Ich beobachte immer die Verlagswelt in Spanien und Portugal. Da gibt es so tolle und sehr künstlerische Bücher. Da kaufen sich auch viele Erwachsene Bilderbücher, weil sie sie einfach so schön finden. Und ich fände das total toll, wenn auch in Deutschland dieser Trend weiterginge, dass die Leute halt sagen: »Ja, Bilderbücher sind nicht nur für Kinder.« Bilderbücher kann sich jeder angucken – in jedem Alter – und es ist für jeden irgendwas dabei.

Franziska:
Oh ja, das wäre schön und eine gute Beobachtung. Ich kann das gerade gar nicht so sagen, wie ich das empfinde, weil für mich ist es schon so: Ich finde es schon sehr auffällig, dass die deutschen Verlage dann doch sehr oft sehr konventionelle Sachen machen und eben ganz oft auch gar nicht so mutig sind. Aber bei deinen Büchern würde ich sofort sagen: »Ja, das sind mutige Bücher.« Sie sehen nicht so aus, wie kommerzielle Bücher oft aussehen.

Sabine:
Ja, mal gucken, wie es weitergeht. Also es ist ja auch toll, dass es so tolle Verlage gibt wie den Kunstanstifter Verlag, über den wir uns ja eigentlich auch kennen und die sagen ja auch: »Wir haben Lust, dieses Buch zu machen. Und wir gucken jetzt nicht danach, genau wie ist der Markt, wie viele Bücher wir vielleicht verkaufen können. Sie machen auch vorher keine Studien und so was, sondern sie machen einfach das, was so nach ihrem Geschmack ist. Das finde ich schon wundervoll, dass es solche Verlage gibt.

Franziska:
Ja, ganz großartig, das stimmt. Eine Sache interessiert mich wirklich auch persönlich sehr. Wie stehst du denn zu Niedlichkeit? Ich habe mich jahrelang mit Niedlichkeit abgerackert, weil ich nicht wollte, dass meine Sachen niedlich sind. Und dann habe ich aber irgendwann mir eingestehen müssen, dass meine Figuren dann doch irgendwie auch niedlich sind. Und das war so eine kleine Existenzkrise. Keine kleine, sondern eine ziemlich lange Existenzkrise. Bis ich irgendwann so gedacht hab: »Nein, nein, es ist total okay, wenn meine Sachen auch niedlich sind.« Wie ist das für dich?

Sabine:
Ja, ich glaube, gegen Niedlichkeit ist keiner gefeit. Irgendwie findet man ja selber Sachen auch oft niedlich – ob es jetzt ein kleiner Hund ist oder ein Emoji oder irgendwas. Also ich finde, es ist nicht schlimm, wenn was niedlich ist. Also meine Figuren sind schon auch niedlich, vielleicht anders niedlich, als jemand anders das machen würde, aber ich finde sie eigentlich schon auch niedlich. Also steh ich dazu.

Franziska:
Ja, ich hätte früher so ein komisches Gefühl dabei gehabt. Aber jetzt geht es mir ganz oft so, dass ich auf meine eigenen Arbeiten drauf gucke und mich echt freue für meine Figuren und meine Figuren einfach unglaublich niedlich finde und auf das auf so eine total gute Art und Weise. Aber ja, ich glaube, das kommt von diesem Kinderbuch-Ding. Im Kinderbuch müssen die Figuren ja auf eine gewisse Art und Weise niedlich sein – es ist fast schon eine Grundvoraussetzung, dass sie so einen Charme mitbringen und eben auch ganz oft eine gewisse Niedlichkeit, dass sie einfach liebenswert sind.

Sabine:
Ja, auf jeden Fall. Also die Kinder müssen ja die Figuren mögen und müssen sie sich gerne anschauen. Sonst würden sie ja das Buch gar nicht gerne anschauen. Also ich finde es immer schön, wenn Kinder sagen: »Oh ja, ich habe das und das entdeckt auf der Seite-« Oder: »Ich habe das Buch schon ganz oft angeguckt.« Oder: »Die Seite, die muss mir mein Papa immer jeden Abend vorlesen.«

Ich habe ja vor kurzem das Zahlenspektakel gemacht und das ist jetzt nicht so ganz reduziert. Also es ist schon recht wimmelig auf vielen Seiten und das finde ich auch toll – wenn die Kinder dann ihre Welt darin entdecken können. Also ich habe es gezeichnet und ich habe was vorgegeben. Und ich finde es schön, wenn Kinder dann noch weiterdenken und weitergucken und vielleicht auch ihre eigenen Geschichten damit verbinden. Das finde ich irgendwie auch total schön.

Franziska:
Voll gut. Du hast vorhin schön gesagt, dass Stil für dich auch ganz viel mit der Persönlichkeit zu tun hat. Wie wie erkennst du dich denn in deinem Stil wieder?

Sabine:
Ich habe ja vorhin erzählt, dass ich so ein bisschen so hin und her geschwankt bin und mich gefragt habe: »Will ich mich jetzt also anpassen und will ich auch niedlich und zart werden?« Und da habe ich einfach gemerkt, ich bin nicht so zart. Also ich finde es einfach schön, kräftige Figuren, auch kräftige Frauen oder Mädchen und Figuren, die Power haben.

Das finde ich schön und ich möchte halt auch gerne nach außen so eine positive Stimmung ausstrahlen. Es können natürlich auch ernste Themen sein, aber aus denen kommt man ja immer nur wieder raus, wenn man auch Kraft und Mut hat. Und so möchte ich gerne sein. So bin ich natürlich nicht immer, aber so möchte ich gerne sein. Und deshalb möchte ich auch gerne den Kindern oder den Erwachsenen, die meine Illustrationen sehen, so eine Power mitgeben.

Franziska:
Du arbeitest ja in verschiedenen Bereichen, sowohl im Kinderbuch als auch im Editorial. Und du arbeitest ja auch mit deinen Kolleginnen Florence und Stefan unter dem Namen ThinkPen als Graphic Recorderin. Wie ist es denn damit stilistisch? Du hast also zwei unterschiedliche Standbeine. Wie stellt sich da dein Stil da? Ist der immer der Gleiche oder gibt es da auch so einen roten Faden, der alles zusammenhält? Oder hast du da wirklich ganz verschiedene Stile? Sozusagen Dr. Jekyll und Mr. Mäßig verschiedene Personas?

Sabine:
Ja, ich glaube, es gibt schon einen roten Faden. Also zumindest bei Kinderbuch und Editorial. Da würde ich sagen, ist der Stil schon erkennbar und zusammenhängend. Und es wird ja auch ganz ähnlich gemacht. Für Editorial ist es halt dann eine kleinere Aufgabe und es ist vielleicht mehr auf den Punkt und ein bisschen abstrakter, aber ich denke, da finde ich mich in beiden wieder.

Also ich könnte jetzt zum Beispiel alle Editorial-Sachen und die Kinderbücher vermischen und ich würde sagen: »Ja, es passt trotzdem.« Mit dem Graphic Recording ist es schon ein bisschen anders, weil es ist ja was Schnelles. Man muss auf den Punkt jetzt gleich was zeichnen und kann nicht vorher groß überlegen. Und das finde ich eigentlich auch eine ganz schöne Herausforderung.

Es hilft, keine Angst zu haben, eben mal was aus Blatt zu zeichnen. Das habe ich dadurch gelernt, also einfach anzufangen und was zu machen. Und auch wenn die Idee nicht so perfekt ist oder auch, wenn jetzt zum Beispiel der Arm ein bisschen zu dünn ist oder das Bein irgendwie verquer oder irgendwas. Das ist nicht so schlimm.

Hauptsache also, dass das rüberkommt, was in dieser Sitzung gesagt wurde – vielleicht auf eine humorvolle Weise mit dem Blick von außen, Dann sehen die Leute sich das gerne an, sehen auch ihre eigene Sitzung interessanter und vielleicht auf eine andere Weise. Und das bleibt dann besser im Gedächtnis. Das ist ja der Sinn des Graphic Recordings. Aber die Ideen sind natürlich nicht so ausgereift, als wenn man sich im Atelier ein paar Tage Gedanken drüber macht.

Und auch die Ausarbeitung ist natürlich nicht so. Aber es macht auch voll Spaß, so schnell zu arbeiten. Das mache ich eigentlich auch sehr gerne und ich finde, es passt zumindest zu meiner Persönlichkeit auch ganz gut, verschiedene Sachen zu machen. Und ich finde es auch schön, immer wieder eine andere Aufgabe zu haben, was ganz anderes anzufangen, eine andere Firma kennenzulernen oder einen Text über ein psychologisches Thema oder ein Ernährungsthema zu machen und dann wieder ein Bastel-Buch für Kinder.

Also das finde ich eigentlich voll schön. Es verschränkt sich natürlich wirtschaftlich auch besser, weil im Kinderbuch ist es halt schon so, dass man nicht so viel verdient – vor allem wenn man sich sehr viel Mühe gibt und es auch gut machen will. Dann ist es ja klar, dass man jetzt nicht so sagen kann: »Ja, hier für diese Seite kriege ich soundso so viel und ich darf so und so lang brauchen und länger nicht.«

Es macht ja nur Spaß, wenn man dann auch hinterher zufrieden ist mit der eigenen Arbeit. Und deswegen gebe ich da eigentlich immer viel mehr rein, als eigentlich wirtschaftlich notwendig wäre. Und insofern ergänzt sich das ganz gut: Das Graphic Recording wird gut bezahlt, hat vorher ein paar Tage Vorbereitung, dann macht man den Job und kann hinterher die Rechnung schreiben.

Das ist auch ein sehr großer Vorteil. Und Editorial ist ähnlich: Da ist es auch so, dass man relativ schnell fertig ist. Also man macht zwei, drei Illustrationen, dann gibt man sie ab. Anders beim Buch: Das zieht sich ja oft ein halbes Jahr oder länger.

Franziska:
Ja, ja, gut, dass du das sagst, auch mit der Wirtschaftlichkeit. Ich persönlich bin ja auch eine große Freundin von verschiedenen Standbeinen. Ich glaube einfach, dass das eine sinnvolle Angelegenheit ist für sehr viele Kreative. Wie machst du denn das? Ich weiß einfach, dass jetzt ganz viele Hörer*innen darüber nachdenken, wie das denn dann mit verschiedenen Stilen funktioniert?

Also wenn sozusagen die verschiedenen Standbeine unterschiedliche Stilistiken haben. Also Kinderbuch und Editorial passen total gut zusammen, aber Recording ist einfach etwas anderes. Wie regelt ihr das so? Also du und deine Kolleg*innen? Wie löst ihr diese Stilfrage mit diesen verschiedenen Angeboten?

Sabine:
Wir haben eine eigene Webseite für Graphic Recording. Also ich mische das nicht mit meiner persönlichen Webseite. Und im Recording Stil würde ich sagen, dass zum Beispiel Florence und ich ähnlicher sind als Stephans Stil, aber es passt trotzdem alles drei eigentlich ganz gut zusammen, finde ich. Also wenn jetzt ein Kunde uns anfragt, dann entscheiden wir ja immer spontan, also je nach Zeit, Verfügbarkeit oder wer jetzt länger keinen Job hatte – derjenige nimmt den Job und das ist dann kein Problem.

Manchmal wünschen sich Leute vielleicht eine Person, aber eigentlich es in der Regel in Ordnung. Wir können uns da auch relativ gut anpassen und sind da auch sehr kundenorientiert. Also wenn jetzt jemand sagt, er will irgendein Motiv, was man vielleicht selbst nicht so gut findet, dann würden wir das natürlich trotzdem machen. Oder es gibt mal bei Dialog-Bildern – das sind Bilder, die man im Atelier macht und immer mit ganz viel Absprache mit dem Kunden.

Das sind oft so Leitbilder oder Reisen, also Bilder die zeigen, wie man von einem Punkt zum nächsten gekommen ist, oder auch Unternehmensphilosophien. Da gehört viel Absprache dazu. Das ist so eine ganz andere Art von Arbeit. Und da bin ich sehr kundenorientiert, dass ich dann auch sage: »Ja, wenn der jetzt das will, dann mache ich das.« Und im Kinderbuch oder auch beim Editorial ist man sehr viel freier und es wird ja auch eine ganz andere Leistung eingekauft.

Dann kauft ja jemand den Stil ein, den ich habe. Den will er auch gerne haben und will eigentlich gar nicht so viel dazu sagen oder mich beschränken da drin. Sondern er will ja, dass ich zu dem Text die passende Idee und das passende Motiv finde. Und ich glaube, die meisten wissen auch: Je mehr Freiheit man da als kreative Person hat, desto besser wird es dann auch.

Franziska:
Und die Lösung ist: Du hast eine eigene Webseite für deine Kinderbuch-Sachen und das Graphic Recording findet man unter www.thinkpen.de – und beide Standbeine sind einfach ganz klar voneinander getrennt.

Sabine:
Genau. Wir haben auch auf Instagram einen eigenen Account für ThinkPen. Wird nicht ganz so gut gepflegt, aber es gibt ihn. Und ich habe auch einen eigenen Account für meine Sachen.

Franziska:
Voll gut. Vielen Dank, liebe Sabine, dafür, dass du uns einen Einblick gegeben hast in deinen Stil und in deine Reise hin zu deinem Stil und in deine Arbeit und auch in deine Positionierung. Wo können denn die Hörer*innen mehr über deine Arbeit erfahren? Wo bist du im Internet zu finden?

Sabine:
Im Internet findet man mich unter www.sabinekranz.de oder unter @Sasaillu auf Instagram. Und natürlich kann man Bücher von mir im Buchladen finden. Und wer Lust hat, könnte auch an einem neuen Buch, an dem ich gerade arbeite, mitmachen. Und zwar ist der Arbeitstitel dazu »Gemüse-Freunde« und es soll im Kunstanstifter Verlag 2024 erscheinen. Ich suche da noch tolle vegetarische und vegane Lieblingsrezepte, die ihr vielleicht schon ganz oft gemacht habt und bei denen ihr Lust hättet, sie auch mit anderen zu teilen.

Das wäre total nett, wenn ihr mir ein Rezept schickt und zwar an meine Emailadresse mail (at) sabinekranz.de. Ihr könnt mich natürlich auch über Instagram kontaktieren.

Franziska:
Wie toll, da mache ich sofort mit. Dann schicke ich dir mein liebstes veganes Zitronen-Orangen-Pasta-Rezept.

Sabine:
Oh, das klingt aber lecker.

Franziska:
Ist gerade mein mein absoluter Favorit. Das, was ich vom Prinzip ständig koche.

Sabine:
Ja, also wenn es schnell geht, ist es ja auch noch umso besser. Großer Hunger, wenig Zeit.

Franziska:
Ja, das bin ich. Sehr schön. Und ja, gute Idee. Also: alle, die Gemüse-Rezepte haben und die sie gern teilen möchten, die schicken dir eine Email. Und was passiert dann damit? Dann illustrierst du sie?

Sabine:
Genau. Also ich ordne sie erst mal in verschiedene Kategorien und es gibt auch eine Kategorie für Desserts, also mit Obst und Gemüse. Es gibt sogar ein Zucchini-Kuchen im Buch. Es gibt eine Kategorie für Essen mit Freunden, Kochen für oder mit Freunden und für schnelle Rezepte – wie dein Lieblingsrezept. Und dann illustriere ich sie. Und es gibt auch noch die Möglichkeit, einen persönlichen Tipp abzugeben, also zu sagen, das kann man gut vorbereiten oder ich mache das am liebsten dann und dann oder ja, ich friere die Hälfte ein oder keine Ahnung, was für ein Tipp ihr habt. Jeder, der mitmacht, bekommt ein Buch.

Franziska:
Ah, wie toll, Wenn das mal kein guter Grund ist, ein Rezept einzuschicken. Vielen Dank, Sabine. Ich hoffe, dass wir uns bald mal wieder auch in Echt sehen.

Sabine:
Ja, das hoffe ich auch. Vielleicht komme ich ja mal nach Finnland. Wer weiß?

Franziska:
Ja, komme nach Finnland zu Besuch. Dann immer zusammen in die Sauna.

Sabine:
Bis dann. Dann. Tschüss.
 

 
So. Wie geht’s dir jetzt? Was hast du denn jetzt aus dem Gespräch für dich mitgenommen? Kannst du so aus dem Stand beantworten, was deinen Stil ausmacht? Und wie viele Stile hast du? Und wie gehst du mit ihnen auf deinem Web-Portfolio um? Trennst du sie? Mischst du sie wild zusammen? Und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Teile deine Erkenntnisse und Erfahrungen gern unter dem Podcast, hier direkt unter dem Blogartikel oder auf Instagram.
 
Und damit wünsche ich dir alles Liebe.
Wir hören uns wieder nächste Woche, bis dahin, Franziska
 

Darf ich dich heute um einen Gefallen bitten?

Für den Verkauf von Büchern sind gute Bewertungen enorm wichtig. Wenn du mein Buch »Die gute Mappe« schon gelesen hast und es dir gefällt, hilfst du mir sehr mit einer Rezension auf Amazon und Co. Du kannst sogar eine Bewertung hinterlassen, wenn du das Buch in einem anderen Buchladen gekauft hast (was ich begrüße). Sharing is caring! Danke dafür! Und auch ein ❤️ und ein Danke an die, die schon eine Rezension geschrieben haben.

 
Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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Disclaimer: Der Blog und der Podcast wollen und können eine rechtssichere, psychotherapeutische oder medizinische Beratung nicht ersetzen. Die hier geteilten Inhalte basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und sind konkrete Einzelfall-Beschreibungen. Deshalb hafte ich nicht für die hier geäußerten Inhalte. Die zur Verfügung gestellten Informationen begründen auch kein Beratungsverhältnis. Bitte triff deine Entscheidungen für dich selbst und hole dir im Zweifelsfall rechtliche oder andersweitige Unterstützung. Die gesammelten Informationen spiegeln den Stand des Veröffentlichungsdatums wider.
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