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Weitere InformationenHeute erfährst du im Podcast:
Herzlich willkommen zu einer neuen Episode des Portfolio-Podcasts. Heute habe ich einen Gast aus der Schweiz bei mir im Portfolio-Podcast: Claudius ist heute da, und er gibt dir einen Einblick in die Positionierung seiner Agentur Fischerdesign.
Claudius und ich sprechen darüber, wie wichtig eine passgenaue Positionierung ist und welche Unterschiede entstehen, je nachdem ob du dich in einer sehr kleinen und klar definierten Nische positionierst oder breiter aufgestellt bist und verschiedene Designleistungen anbietest, wie das viele Designagenturen machen. Wir tauschen uns auch darüber aus, welchen Vorteil die Arbeit im Team mit sich bringt, also zum Beispiel in einer Agentur, und welche Hürden vielleicht dadurch auch entstehen. Und es geht auch um die Frage, welche Akquiseformen für welche Designleistungen geeignet sind, welche Akquiseform die Wirksamste ist und wie du diese eine wirksame Akquiseart noch verstärken kannst. Und am Ende teilt Claudius noch noch, wie er und sein Team mit den neuen Veränderungen, die KI mit sich bringt, umgehen.
Du siehst: es ist ein mit Wissen vollgepacktes Gespräch.
Hier noch eine Randnotiz in eigener Sache:
In meinem wöchentlichen Newsletter bekommst du noch mehr Tipps und Tricks zu wirksamer Akquise und wenn ein Interview-Gast im Podcast war, dann bekommst du im Newsletter auch immer noch einmal ein paar exklusive Tipps und Inspirationen, die es wirklich nur im Newsletter gibt. Der Newsletter kostet nichts und du kannst dich ganz einfach anmelden unter www.diegutemappe.de/newsletter. Und aktuell bekommst du sogar noch ein Dankeschön für deine Anmeldung. Bist du neugierig? Was das genau ist, findest du auf www.diegutemappe.de/newsletter!
Bevor es losgeht, möchte ich dir Claudius und sein Team noch einmal kurz vorstellen: Claudius ist Kommunikationsdesigner und Zeichner. Er lebt in der Schweiz und ist Inhaber der Agentur Fischerdesign, die Kund*innen in der gesamten Bandbreite von gutem Kommunikationsdesign unterstützt. Die Angebote von Claudius und seinem Team sprechen auf zwei verschiedenen Webseiten unterschiedliche Zielgruppen an – und das ist auch so sozusagen schon der Einstieg ins Interview, der mit der Frage beginnt: Warum braucht ihr denn zwei Webseiten?
Also, ich wünsch dir ganz viele Aha-Momente und viel Spaß mit dem Interview und mit Claudius Fischer. Let’s go!
[Transkript des Interviews mit Claudius Fischer, fischer.design]
fischer.design Grafikdesign | Visuelle Kommunikation SGD: www.fischerdesign.ch
Die Etikette ist das Gesicht des Weines: www.wein-kompetenz.ch
fischer.de auf Instagram: @fischerdesign_- - -
Franziska
Hallo Claudius, wie schön, dass du hier bist im Portfolio Podcast. Ich freue mich total, dass wir uns heute hier getroffen haben und du ein bisschen mit uns teilst.Claudius
Ja, auch ein Hallo von mir, liebe Franziska, ich habe mich natürlich unglaublich gefreut über diese Einladung von Dir in deinen Podcast. Ich bin sehr gespannt auf unser Gespräch.Franziska
Du hast mir ja vor ein paar Wochen eine Email geschrieben – eine ganz charmante Email mit einem schönen Feedback. Und dann habe ich mir eure Webseiten angeguckt – ich sage »eure« Webseiten, weil du arbeitest ja im Team mit anderen Kreativen – und war total beeindruckt von eurer Positionierung. Deshalb wollte ich dich deshalb unbedingt einladen, damit du uns mal berichtest, wie das so zustande gekommen ist und welche Beweggründe ihr hattet, euch so zu positionieren.Aber vielleicht mal so als Einstieg: Du bist Kommunikationsdesigner und du bist Inhaber der Agentur Fischer.design.
Claudius
Genau.Franziska
Dort leitest du ein Team und bist verantwortlich für die Bereiche Beratung, Konzeption und Gestaltung. Vielleicht kannst du uns ja mal zum Anfang erzählen, wie du überhaupt Designer geworden bist.Claudius
Gerne. Ich wollte schon immer Grafiker werden. Das ist familiär begründet. Also mein Vater war ein Quereinsteiger. Er hat sich sein eigenes Business als Grafiker in den 60er Jahren aufgebaut. Und ich und meine Schwester, wir sind damit aufgewachsen. Er hatte sein Atelier zu Hause, er hat gemalt, er hat noch all diese klassischen Dinge getan: Anreibebuchstaben, Drucktechniken, …Und deshalb war für mich eigentlich immer klar – beziehungsweise für uns beide: Meine Schwester ist auch Grafikdesignerin mit ihren eigenen Business – dass ich diesen Weg gehen wollte. Und das bin ich dann auch gegangen – über mehr oder weniger holprige Umwege und Pfade.
Als ich 24 war, nach meinem Abschluss, der mir zu meiner Überraschung sehr gut gelungen war, hatte ich ein Angebot für eine Stelle in einer der größten Werbeagenturen in Zürich. Ich war damals ein Freak: hatte lange Haare den Rücken herunter, bunte Kleider, und gehörte zur Friedensjugendbewegung der 80er Jahre in der Schweiz. Und deshalb war das Werbeangentur-Angebot für mich ideologisch das totale No-go.
Und dann habe ich in zwei, drei kleinen Ateliers gearbeitet, habe dann auch noch an der renommierten Zürcher Kunstschule F+F das 3-jährige Kunststudium gemacht. Es war für mich lange nicht klar, ob ich in die freie Gestaltung, in die Kunst gehe. Denn ich bin ein Zeichner. Ich zeichne, seit ich denken kann, und ich pflege das auch heute noch mehr oder weniger intensiv und regelmäßig.
Trotzdem war mir aber irgendwie klar, dass die angewandte Dienstleistung, also die Gestaltung im Auftrag, in der man eine Lösung findet für ein gestalterisches Problem, das einen ganz konkreten, direkten Zweck erfüllt – das hat mich eigentlich schon immer fasziniert und herausgefordert. Das war dann auch der Grund, warum ich das dann weiter gepflegt habe bzw. nach dem Kunststudium wieder in die Grafik bin.
Zur gleichen Zeit habe ich dann meine Partnerin kennengelernt, habe den Kanton gewechselt und bin von Zürich auf’s Land in den Aargau gezogen. In dieser Zeit hatte ich eine schwierige Stelle und dann hat es sich so ergeben, dass meine Partnerin, die Lehrerin auf der Unterstufe ist, gerade keine Stelle hatte.
Sie war frisch geschieden und hatte zwei Kindern. Ich hatte dann mit 24 von null auf 100 plötzlich zwei Kinder. Ich konnte mich also entscheiden, zwischen Frau und Kinder und Land oder nicht. Und dann haben wir gemeinsam ein Jobsharing gemacht. Das war wunderbar. Am Anfang war es recht anspruchsvoll für mich, trotzdem habe ich dann aber für fast zwölf Jahre lang Haus und Kinder und Garten gepflegt.
Einige Jahre weiter habe ich dann auch ein paar Jahre Zeichenunterricht unterrichtet an der Primarschule, an der meine Frau unterrichtet hat. Und dann sind die Kinder langsam groß und größer geworden. Meine Anwesenheit war noch gefragt, aber nicht mehr aktiv.
Und so bin ich dann wieder eingestiegen in die Grafik bzw. ins Kommunikationsdesign und habe mich dann um das Jahr 2002 selbstständig gemacht. Und seither mache ich das.
Und wie gesagt, ich komme wirklich von der Gestaltung her, vom Design. Ich wollte einfach immer tolle Gestaltung machen. Ich habe so viele Vorbilder.
Während der Ausbildung musste ich die Stelle wechseln, weil der Betrieb aufgelöst wurde und konnte dann bei einem Lehrmeister, einem Gestalter der alten Schule, ein Praktikum machen. Und das war hochinteressant. Ich war drei Monate bei ihm, bei Hans Peter Schneider in Winterthur, und ich habe in diesen drei Monaten alles gelernt, was es für gutes Design braucht. Die Ausbildung als Grafiker dauert hier in der Schweiz normalerweise vier Jahre. Aber er konnte in mir dieses Feuer erwecken und mir die wesentlichen Grundlagen vermitteln, die mich eigentlich heute noch leiten und antreiben.
Franziska
Ich finde es total toll, dass du sozusagen in drei Monaten die wichtigsten Grundlagen für Grafikdesign mitgegeben bekommen hast. Ich werde oft gefragt: Franziska, gib mir doch mal ein paar Tipps. Ich möchte gerne im Grafikdesign arbeiten. Wie lerne ich die Basics?Und ich sage dann: Ganz ehrlich, ich nenne dir zwei Bücher. Wenn du die liest, weißt du alles, was du über Grafikdesign wissen musst. Und das ist einmal »Die Lesetypografie«, die bei Hermann Schmidt herausgekommen ist. Und da gibt es noch so ein ganz tolles Typographie-Buch, das vergriffen ist. Das heißt »Buchstaben kommen selten allein« von Indra Kupferschmid. Wenn man das irgendwie antiquarisch bekommt, ist das super.
Mit diesen beiden Büchern weiß man alles, was man wissen muss, um im Design zu arbeiten. Wie würdest du denn diese Frage beantworten? Claudius, was muss ich machen, wenn ich im Design arbeiten möchte?
Claudius
Ich wurde das schon oft gefragt, weil wir auch Lernende ausbilden und ich kann es vielleicht indirekt beantworten. Ich bekomme oft viele Anfragen von jungen Menschen: Ja, ich möchte ein Praktikum. Wenn ich das Gefühl habe, dass es Potenzial hat, lade ich sie ein, vielleicht zwei, drei Tage im Atelier zu arbeiten.Und es ist mir als ganz starkes Bild vor Augen geblieben. Die erste Lernende, die wir im Atelier hatten. Da dachte ich: Okay, ich nehme sie. Und dann habe ich sie zum Schluss des Gesprächs gefragt: Ja, was machst du denn, wenn ich sage: Nein, tut mir leid. Und dann hat sie gesagt: Ja, dann mache ich einfach weiter. Ich will das.
Die gestalterischen Grundlagen – das ist das, was du jetzt vorher mit dem Buch erwähnt hast – wenn du einen starken Antrieb hast, dann kannst du dir das aneignen. Formenlehre, Typographie, Farbgestaltung, … Bis zu einem gewissen Punkt kannst du das lernen, wie du eine Sprache lernen kannst. Das ist ein Handwerk.
Und daneben aber braucht es dieses … Ja, ich glaube, das ist so eine gewisse Leidenschaft, die dich antreibt, dass du Form geben willst.
Bei diesen jungen Menschen, die ich ausgebildet habe, kann man das früh sehen. Das ist manchmal wirklich interessant. Am Anfang hast du das Gefühl, da ist jemand total begabt. Aber im Laufe der Ausbildung stockt das. Dieser Mensch wird vielleicht auch mal in einer Agentur oder in einer Druckerei ein Grafiker sein, der seinen Job gut macht. Aber das Feuer brennt irgendwie nicht weiter.
Für den Anspruch, den ich habe, an mich selbst und den ich an gutes Grafikdesign als hervorragende visuelle Kommunikation stelle, da braucht man dieses Feuer.
Sonst denkst du irgendwan: Okay. Erster Entwurf für ein Inserat für eine Bäckerei. Okay. Der Kunde sagt: Ja, schön, gefällt mir. Und tschüss, oder? Und das ist auch okay. Wenn du das willst.
Aber wenn du mehr willst, dann brauchst du dieses dieses … dieses Feuer, diese Lust, diese Neugierde, dieses »immer wieder dranbleiben«. Im Grunde genommen ist das das typische Hinfallen, Krone richten, Aufstehen, Weitergehen.
Franziska
Ich fand es sehr schön, wie du beschrieben hast. Diesen Wunsch, Form zu geben. Das hast du total schön in Worte gefasst und ich kann gut verstehen, was du beschreibst.Ich glaube, dass es da einen Unterschied gibt, ob man einfach ein Handwerk lernt oder ob man einfach diesen inneren Antrieb hat, etwas Form zu geben. Und ich glaube auch, dass es notwendig ist, dass das Formgeben einen auch glücklich macht.
Also mich macht so ein schön von vorn bis hinten durch konzipiertes Buch mit einem konzeptionellen roten Faden … das macht mich total glücklich.
Claudius
Ja, da kann ich eins zu eins unterschreiben.Franziska
Lass uns mal über eure Positionierung sprechen. Dein Team und du, ihr habt ja mehrere Standbeine. Also einerseits arbeitet ihr unter dem Namen Fischer.design als Schweizer Grafikdesign-Studio und gleichzeitig unterstützt ihr als Expert*innen für Wein-Marketing auch Wein-Hersteller*innen dabei, ihre Produkte sichtbar zu machen und diese auch zu verkaufen. Und weil dieses Angebot so spezifisch ist, macht ihr es auch über eine eigene Webseite sichtbar.Warum habt ihr euch denn entschieden, euch mit diesen zwei Angeboten zu positionieren? Also einmal so super, super spezifisch in einer sehr, sehr kleinen Nische und dann einmal breit aufgestellt, wie wahrscheinlich einfach viele Grafikdesign-Studios im Bereich Design und Branding.
Claudius
Ja, das ist wirklich aus meiner Lebensgeschichte herausgewachsen. Wir hatten einmal, wie gesagt, vor 20 Jahren einen Freund bzw. Kunden, der hier im Dorf ein für unsere Verhältnisse größeres Weingut betreibt. Sie brauchten neue Etiketten und der kam dann zu uns und meinte: Ihr macht doch so was. Und aus diesem ersten Auftrag hat sich das so entwickelt.Er war sehr zufrieden, hat uns weiterempfohlen und so ist das in mehr oder weniger hoher Intensität gewachsen. Ich muss ich ehrlich sagen: Das ist jetzt nicht das, was uns seit 20 Jahre zu 80 % beschäftigt. Aber es hat sich über die Jahre eine Expertise herausgebildet.
Einerseits das Wissen über die Wichtigkeit einer Etikette. Das ist ja eigentlich wie eine Briefmarke. Gut, vielleicht hast du auf der Briefmarke vielleicht zwei auf zwei Zentimeter Platz zur Verfügung. Bei uns hast du vielleicht 8 Zentimeter auf 12 Zentimeter Platz.
Und dann ist das Gestalterische – verbunden natürlich immer mit meinem Anspruch an herausragendes Design, das man ja zum Glück nie erreicht. (Lacht)
Und zu guter Letzt gibt es dann noch die Herstellungskompetenz, die für viele unserer Kund*innen wirklich sehr entscheidend ist. Das ist das Wissen um die Bedürfnisse der Produzenten im Zusammenhang mit dem Etikett und der Flasche.
Für den Wein-Produzenten ist es manchmal wichtiger zu wissen, das da alle gesetzlich vorgeschriebenen Inhalte wirklich drauf sind.
Und vor Kurzem hatten wir zum Beispiel eine Palette mit Weinen, die haben wir vom Lager ins Geschäft transportiert und als sie dort ankamen, hatte jede Flasche einen Kratzer auf der Oberfläche.
Das ist durch die Erschütterung entstanden. Die Flaschen reiben aufeinander und die Oberfläche der Etiketten waren nicht gut versiegelt. Da gab es diese Spuren. Wir haben Expertise über den ganzen Prozess: vom Moment, in dem der Wein in der Flasche landet, bis er im Regal ist, bis er etikettiert ist etc. etc.
Da haben wir uns ein Know-how erarbeitet. Und irgendwann habe ich dann festgestellt, dass das niemand anders außer uns macht.
Also es gibt auch Agenturen und Design-Studios, die auch Etiketten machen. Das ist klar. Aber diese Kombination ist wirklich diese Einzigartigkeit und ein Alleinstellungsmerkmal, das wir ausspielen können.
Und darum haben wir uns dann entschieden – auch mit Blick darauf, dass einem die Aufträge nicht einfach so wie die Tauben in den Mund fliegen und man, wenn man aus dem gestalterischen Feld kommt, man mit dem Marketing und der Akquise nicht zu viel am Hut hat. (Lacht)
Weil man denkt, dass die doch alle wissen müssten, dass wir so toll sind. Oder? (Lacht)
Damals habe ich dann auch durch einen Kollegen, der so ein waschechter Verkäufer ist, Hard Selling im Bereich Getränke, viel profitiert. Mit seiner Hilfe haben wir auch die Seite ganz bewusst so aufgebaut.
Diese ist ja keine Portfolio-Seite, die ausbreitet, was wir können. Sondern auf der Webseite will ich verkaufen. So ist auch das Wording ganz bewusst so aufgebaut. Wir haben uns dazu aus meinem Netzwerk Unterstützung geholt – um genau das zum Ausdruck zu bringen.
Franziska
Ja, das ist einfach so wahr. Das beobachte ich auch total oft bei anderen, auch bei mir selbst. Wir als Designer*innen sind oft nicht gut darin, unsere Arbeit zu verkaufen. Und wir denken oft: Wir machen gute Arbeit, das müssen die Kund*innen doch sehen. Aber tun sie leider nicht ganz offensichtlich.Ich fand es total spannend, dass das eine Person aus dem Sales-bereich war, also ein*e Verkaufs-Expert*in, die den Impuls gegeben hat, die Perspektive zu wechseln bei eurem Etiketten-Angebot. Das ist einfach ein total smarter Move. Denn du hast ha Recht: Leute, die Etiketten brauchen, die haben mit großer Wahrscheinlichkeit andere Fragen als wir als Designer*innen, denken.
Die gehen nicht auf unsere Seite und fragen sich: wer macht das schönste Design? Sondern sie frage sich, was du beschrieben hast. Herstellungsfragen. Die wissen einfach, worauf es zu achten gilt im Herstellungsprozess und die wollen jemanden, der sich damit auskennt. Und die wollen sehen, dass du dich damit auskennst.
Claudius
Ja, das stelle ich auch immer wieder fest in den ersten Gesprächen. Ich weiß natürlich inzwischen, was für sie wichtig ist. Und wenn ich dann nicht sofort diese Fragen anspreche, sondern in einen Dialog gehe, im Sinne von: Ah, okay, und wie produziert ihr und wie sieht es bei euch im Keller aus? Etikettiert ihr selbst? Dann merken sie, dass ich sie verstehe und sie fühlen sich total abgeholt. Sie merken, dass jemand weiß, um was es ihnen zuerst geht.Das, worum es ihnen geht, ist ein Produkt. Das stellst du mit viel Leidenschaft her und du musst das verpacken. Du musst es bereitstellen. Und das sind die Alltagsthemen, die einen beschäftigen, oder?
Franziska
Ja! Weil man die gleiche Sprache spricht, fühlen sie sich abgeholt und verstanden.Claudius
Ja, genau. Da gibt es diese Begriffe und Worte, von denen du als Laie keine Ahnung hast. Das ist wie ein Slang, der da gesprochen wird, im Keller beim Wein produzieren.Und wenn die Hersteller*innen merken, diese Begriffe fallen, der Slang wird gesprochen – dann fühlen sie sich zu Hause.
Und natürlich ist das auch nicht nur ein reines Marketing-Instrument, das ich einsetze. Das ist tatsächlich wirklich wesentlich, um auch erfolgreich ein Etikett oder eine Serie oder auch ein ganzes Branding für eine Marke zu entwickeln.
Da ist es essenziell zu wissen, welches Papier möchte der Kunde. Und manchmal muss ich dann sagen: Sorry, bei deiner Auflage ist das nicht sinnvoll. Denn natürlich unterscheidet sich das auch vim Umfang und den ganzen Parametern. Sind das 100.000 Etiketten oder sind es 500? Welche Druckerei macht dir das? Wie kommst du zum Preis, den du bezahlen kannst? Und so weiter und so fort. Das ist die ganze Breite des Bedürfnisses, dass dieser Kunde hat – und das Design ist ja eigentlich nur eins der verschiedenen Bedürfnisse, die er hat.
Diese ganzen Dinge müssen zusätzlich für ihn möglichst auch einfach und mit möglichst wenig Aufwand und für ihn verständlich gelöst werden, oder?
Wenn du ein Produkt verkaufen willst, dann hast du eine Zielgruppe, du hast deine Positionierung. Vielleicht bist du in der Gastronomie oder du bist in Retail Selling. Und es ist essenziell, zu wissen, wie das Marketing und der Vertrieb dort funktionieren. Dort habe ich auch von Anfang an ganz gewisse andere Fragen gestellt: Zum Beispiel: Welche sind deine bevorzugten Kund*innen? Wo verkauft sich der Wein? Wo möchtest du vielleicht noch den einen Wein verkaufen? All das hat alles einen großen Einfluss auf das Design des Etiketts.
Franziska
Macht ihr unterschiedliche Akquise? Also einmal als Design Studio, als Atelier und dann als Wein-Etiketten-Expert*innen? Habt ihr da zwei verschiedene Strategien, die ihr fahrt?Claudius
Die Akquise ist nach wie vor ein schwieriges Feld für uns. Nein, muss ich mal so sagen. Ja, wir machen es. Wir machen aber leider immer noch viel zu wenig. Und ich will es verstärken.Und für mich ist auch klar, dass bei dem Etiketten-Design der Zugang wirklich ein anderer sein muss als beim klassischen klassischen Kommunikationsdesign. Denn dieses Angebot hat einen ganz großen Vorteil: Die Zielgruppe ist total klar eingegrenzt. In weiß ganz genau: In meiner Umgebung gibt es so und so viele Betriebe.
Was ich aktuell schon benutze, ist dieses kleine Leporello. »Ihr Wein wird gesehen, gekauft und begeistert.« Das Leporello funktioniert gut als Marketing- Tool. Wir nutzen es, um Marketingwissen zu vermitteln.
Hier funktioniert das Leporello gut – es ist so ein Einstiegsding. Wir bieten auf unserer Website auch ganz bewusst eine Gratis-Erstberatung an – gratis, Wert: 300 Franken. Unsere Akquisestrategie im Weinbereich ist viel marketingorientierter, weil es so klar ist, was die Zielgruppe braucht.
Und da ist noch der monetäre Aspekt. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass die kleinen und mittleren Betriebe nicht wirklich attraktiv für uns sind, weil die Budgets dort einfach zwangsläufig klein oder manchmal gar nicht vorhanden sind.
Und da denke ich oft: Okay, da machen wir mal was ganz Einfaches, etwas, was nicht viel Zeit kostet. Das hat dann allerdings eher mit der Leidenschaft und der Haltung zu tun. Und ist deshalb auch nicht immer möglich, rein wirtschaftlich. Denn der Grundaufwand für ein Etikettendesign ist einfach in einer gewissen Höhe. Wir gehen einfach in die Tiefe. Wir fragen nach. Jeder Betrieb hat seine Einzigartigkeit. Die Leute wissen es ganz oft nicht selbst. Unsere Aufgabe ist es dann, das herauszuschälen, dem auf den Grund zu gehen und beim Kunden einen Prozess auszulösen.
Dieser Prozess, mit dem wir diese Einzigartigkeit dieses Weines jetzt herausdestillieren und dann visuell umsetzen, der braucht mindestens eine Woche Arbeit, ob du willst oder nicht. Das ist einfach so.
Und darum ist es für uns eigentlich attraktiver, wenn wir größere Betriebe ansprechen: Weinhandlung … die gibt es ja auch in der Schweiz. Und da sind wir dran, weil das sind eigentlich die attraktiveren Kunden.
Du weißt, dass wenn ich eine Etikette realisiere oder eine Serie, ob diese dann über 100.000 oder über 20.000 Flaschen geht oder über 500 Flaschen, bis drei Sorten oder zehn Sorten – die Multiplikation, die du ja schon bereits am Anfang mitdenkst, sind für die Wirtschaftlichkeit einfach relevant.
Und um zurück auf die Frage zu kommen: Mein Ziel jetzt, dass wir vermehrt bei größeren Weinhandlungen, Weinhändlern, Getränkeimporten etc. Akquise machen – dass wir uns dort positionieren, weil dort die wirtschaftlichen Zahlen einfach besser sind.
Wenn du eine Marketingabteilung hast und einen Weinhandel mit 50 Angestellten, dann denkst du in anderen Zahlen. Und dann sehen unsere Honorarzahlen plötzlich ganz anders da. Die sagen dann einfach: Okay! Anders bei mittleren und kleinen Unternehmen. Da sehe ich schon gleich am Anfang, wie der eigentlich zusammen singt (wenn er die Kalkulation sieht) …
Franziska
Ja, das ist ja so wahr. Das mögliche Honorar ist einfach so abhängig davon, wer einem gegenübersitzt. Wir als Designer*innen entscheiden am Ende auch, wem wir ein Angebot machen und damit entscheiden wir mit, wie unser Honorar sein wird.Diese Entscheidung hat natürlich auch Konsequenzen. Die Arbeit verändert sich ja auch, wenn das Unternehmen größer wird – der Prozess wird anders.
Aber diese Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit sind ja einfach ein super wichtiger Faktor in unserer Selbstständigkeit, weil: wir machen das ja, um davon zu leben.
Claudius
Und da gebe ich ehrlich zu, das habe ich jahrelang sträflich vernachlässigt. Das liegt ein bisschen an unserer Geschichte, als ich wieder angefangen habe, hat meine Partnerin den Lohn nach Hause gebracht und ich habe da so ein bisschen vor mich hingearbeitet, ohne viel darüber nachzudenken. Das war bei mir zu Beginn einfach nicht so existenziell. Ich konnte mir das quasi leisten.Meine Partnerin hatte damit nicht immer Freude. Das ist gut zu verstehen. Wenn du es wirklich nüchtern wirtschaftlich betrachtest, geht das natürlich einfach nicht.
Franziska
Gibt es denn auch Synergieeffekte zwischen dem Design Studio und eurem Wein-Angebot?Claudius
Ja, ja, das gibt es. Da gibt es sogar sehr viele Synergien. Also das geht eigentlich Hand in Hand. Einerseits durch die grundlegenden gestalterischen Dinge, die natürlich in beiden Bereichen dieselben Parameter sind.Und die anderen Synergien, die sich daraus noch ergeben, beginnen dann oftmals mit einem Etikett. Dann merkt man plötzlich: Ja … und wie sieht denn Ihr Logo oder Ihr Firmenschild aus? … da hat uns der Techniker im Nachbardorf mal eine Tafel gemacht. … in solchen Fällen erweitert sich so ein Ettikettenauftrag schnell zu einem Corporate Design-Auftrag.
Da haben wir schon mehrere Projekte ausführen dürfen, die mit einem Etikett begonnen haben und zum Schluss haben wir wirklich das ganze Redesign oder überhaupt Branding des Betriebes über alle Teile hinweg gemacht. Da verschränkt sich das oft miteinander.
Franziska
Total spannend. Bei mir generiert das öfters mal auch Probleme. Deshalb frage ich mal nach: Gibt es bei euch auch Hürden, die durch diese zwei Angebote entstehen?Bei mir ist es oft so, dass meine Kund*innen dann so vor mir stehen und denken: Was bist du denn? Bist du jetzt Designerin oder bist du Illustratorin? Oder was machst du denn eigentlich? Du machst also viele Sachen.
Ich kann mir vorstellen, dass es bei euch komplett anders ist. Aber einfach nachgefragt: Gibt es bei euch auch Hürden?
Claudius
Nein, das gibt es nicht. Aber was du beschreibst, kann ich gut nachvollziehen. Zwischen der Illustration und dem Grafikdesign ist das verschieden. Wir sind da einfach per se ein bisschen breiter aufgestellt. Wir sind ja ein sehr kleines Team. Wir sind zu dritt und haben theoretisch zusammen etwa 250 Prozentstellen durch Teilzeit.Wir sind also drei Köpfe und haben unterschiedliche Fähigkeiten und Kompetenzen und Stärken. Das ist ein Vorteil, weil unsere verschiedenen Kompetenzen durch das Team repräsentiert sind und deshalb als Stärke anerkannt werden.
Franziska
Wie ist das denn bei euch? Bei mir gab es so einen Punkt in meiner beruflichen Laufbahn, wo ich gemerkt habe, wenn ich da mehr möchte, brauche ich Leute. Die nächstgrößere Stufe an Aufträgen bekomme ich einfach nicht mehr, weil ich das alleine zwar arbeitstechnisch schon leisten könnte, aber bestimmte Sicherheiten nicht anbieten kann. Wenn ich krank werde, falle ich heraus, weil ich nur eine Person bin. Und gleichzeitig kann ich auch bestimmte Prozesse nicht mehr alleine tragen. Hast du auch solche Beobachtungen gemacht?Gibt es einen Unterschied zwischen Soloselbstständigkeit und Agentur – in der Art und Weise, welche Art von Aufträge man akquirieren kann?
Claudius
Ja, das ist genauso wie du das beschreibst. Diese Erfahrung mache ich auch, mit größeren Projekte, die komplexer werden in der Gesamtstruktur. Wir haben zwar ein gutes Netzwerk, aber es gibt trotzdem Grenzen. Das, was in den letzten zwei bis drei Jahren mit Corona so normal wurde – diese kleinen Teams und das Arbeiten im Netzwerk – das praktiziere ich schon sehr lange. Aber es gibt dort wirklich auch Grenzen.Bei uns ist letztendlich immer noch so, dass die meisten Fäden letztendlich doch bei mir zusammen laufen. Das hat auch mit der Struktur zu tun, mit den Teilzeit-Pensen.
Trotzdem liebe ich unsere Größe so unglaublich. Wir haben eine breitere Palette an Expertise und Fähigkeiten. Wenn jetzt eine Anfrage reinkommt, und dort ist
Illustrativ gefragt. Dann weiß ich: Ah, Philipp, der kann das. Oder ich denke, das mache ich selber. Oder ich gebe es Shane. Das hilft einfach, auf mehrere Köpfe setzen zu können.Wir haben dadurch einen Vorteil, dass wir einfach breiter aufgestellt sind. Wir haben dadurch auch mehr Kreativitätspower. Und das unterscheidet sich zur Soloselbstständigkeit.
Aber auch bei uns gibt es gewisse Grenzen. Wir hatten gerade ein großes CD-Projekt, das über anderthalb Jahre lief. Ein großer inhabergeführter Gemüseproduzent. Das Projekt ist sehr gut gelaufen. Das hat aber auch damit zu tun, wie dieser Betrieb funktioniert.
Andere Jobs sind da schwieriger. Wir arbeiten auch viel für die öffentliche Hand, für den Kanton und die Region und die Verwaltung. Und dort sind dann die Prozesse viel träger und es sind so viel mehr Leute involviert. Und passiert es dann auch mal, dass wir in einem großen Branding-Projekt mal an unsere Grenzen kommen. Da merke ich schon ab und an: Okay, jetzt bräuchtest du jemand, der sich nur um die technische Seite kümmert und jemand, der wirklich nur die Administration macht – weil das Projektes zu groß wird.
Franziska
Ja, es deckt sich total mit meiner Erfahrung. Meiner Erfahrung nach ist im Design das wirksamste Akquisemittel das eigene Netzwerk und die Weiterempfehlung von Kund*innen.Und ich glaube, das vorhin auch bei dir herausgehört zu haben. Deswegen würde ich gerne noch mal nachfragen: Habe ich das richtig gehört oder wie schätzt du das ein? Was glaubst du denn, was für euch als Team der wirksamste Akquise Kanal ist?
Claudius
Ja, ist es – Weiterempfehlung. Ping. Aus.Franziska
Ist schon irgendwie das Ding, oder?Claudius
Ja. Weiterempfehlung ist das eine. Aber ich glaube, es braucht schon mehr, oder? Also eine gewisse Präsenz. Ich hadere immer etwas. damit, weil ich immer denke, ich müsste noch an diesen Netzwerkevent teilnehmen und und und. Und es gibt Leute, die gehen hin und dann sagen sie Hallo. Und nach einer halben Stunde kennen sie zehn Leute.Und so funktioniere ich nicht. Aber ich lerne. Denn ich will die aktive Akquise fördern. Ich will, dass Betriebe, die für uns interessant sind, wissen, dass es uns gibt. Oder das wäre schon mal der erste Schritt.
Und die Weiterempfehlung funktioniert ja dann mal per Zufall und plötzlich ploppt irgendwo etwas auf, was man nicht gar nicht erwartet hätte. Trotzdem: Da möchte ich wirklich mehr machen in den kommenden zwei Jahren.
Franziska
Das ist ein total guten Plan. Die Empfehlungen über das Netzwerk, die funktionieren ja auf eine gewisse Art und Weise organisch und man kann das auch nur bedingt kontrollieren. Man kann darum bitten und parallel ein paar ganz gezielte, pro-aktive Sachen zu machen. Aber diese wenigen Dinge können das einfach noch einmal so krass pushen.Claudius
Und ich muss jetzt mal sagen: Deinen Podcast finde ich wirklich hervorragend. Du hast ja das auch schon oft hier thematisiert – diese Geschichte, dass andere wissen müssen, was wir machen. Und ja, es ist ja manchmal so, dass Dinge, die du schon hundertmal gehört hast und die du eigentlich weißt, dann auf einmal andocken. Du hast da irgendwann mal im Podcast gesagt: Sag's jedem, den du triffst.Franziska
Ja.Claudius
Und das ist mir dann irgendwann bei mir angekommen. Und danach habe ich mich beobachtet, denn es ist wirklich witzig, dass ich jetzt in viel mehr Situationen sage, was wir machen. Das ist auch gar nicht so angestrengt, so wie: Ah, heute muss ich jetzt noch drei Leuten sagen, dass wir Grafik machen! Sondern es ist bei mir, glaube ich, so ein bisschen auf eine tiefere Bewusstseinsebene gerutscht. Und dann, wenn der Kunde sagt: »Das habt ihr wirklich toll gemacht.«, dann kommt bei mir heute automatisch der Satz: »Ja, du darfst uns gerne weiter empfehlen. Ich freue mich.« Das habe ich früher nie gesagt. Da habe ich gesagt: »Freut mich.«Oder ich erzähle es wirklich drei Leuten, die nicht wissen, was wir machen. Ich glaube, das funktioniert für mich. Manchmal muss es mit Methode sein, oder?
Franziska
Ja, total gut. Ich glaube, es ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Und du hast ja vorhin beschrieben, dass es dir früher auch deutlich schwerer gefallen ist, so in sozialen Situationen.Bei mir war das auch so. Soziale Situationen und Menschengruppen über fünf Personen haben mich total gestresst. Es ist immer noch so, dass es für mich schon noch echt Energie kostet.
Aber ich bin besser darin geworden, da gelassen zu bleiben und da auch mal, so wie du beschrieben hast, einfach mal proaktiv so ein paar Dinge zu platzieren und und einfach darüber zu sprechen, was ich mache. Das hätte ich mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können, wie einfach das heute für mich ist.
Und ich finde es total schön zu sehen, dass es am Ende eine Fähigkeit ist, die durch Üben besser wird.
Claudius
Das glaube ich auch. Ja.Franziska
Die meisten Menschen, die im Kreativ-Bereich arbeiten, sind wahrscheinlich tendenziell eher introvertiert und es ist für uns wahrscheinlich immer so eine gewisse Herausforderung. Aber wir sind lernfähig.Claudius
Definitiv. Ja, das ist wirklich so. Ich merke auch, dass die Akquise im Bewusstsein etwas präsenter ist. Das ist so der springende Punkt.Franziska
Okay, noch mal so zum Abschluss eine komplett andere Frage: Wie geht ihr denn in eurem Team und mit eurem Märkten, auf denen ihr arbeitet, mit diesen ganzen KI-Entwicklungen um.Claudius
Ja, wir gehen um. Es treibt uns um.Also für mich ist völlig klar, dass das für uns ganz wichtig ist. Ich finde es auch total spannend. Ich merke jetzt gerade, das wir da auch wieder einen Vorteil durch das Team haben. Weil: Meine Mitarbeiten, zum Beispiel Philipp, der ist viel gewandter damit. Er ist wirklich ein Digital Native – ganz im Gegensatz zu mir. Ich habe wirklich noch gelernt, mit Rapidographen und Maßstab und Klebe-Buchstaben zu gestalten. Und ich sehe das überhaupt nicht als Bedrohung.
Ich habe schon vor mehr als 30 Jahren erlebt, als die ersten Macs auf den Markt kamen. Damals ging auch diese Angst um in unserer Branche, dass wir jetzt alle überflüssig werden. Diese Angst habe ich auch jetzt wieder überhaupt nicht.
Sondern es ist wieder ein neues Werkzeug, ein unglaublich mächtiges Werkzeug und wir müssen für uns herausfinden, wie wir dieses Werkzeug für uns in den Alltag integrieren.
Jetzt haben wir Etwas, das es uns vielleicht in kürzerer Zeit ermöglicht, noch weitere Ideen und Ansätze zu entwickeln. Wir nutzen ChatGPT schon ein bisschen. Ich ein bisschen weniger. Philippe benutzt es viel mehr und es ist unterstützt uns, zum Beispiel, wenn mal keine Ideen da sind, um Ideen zu sammeln und zu brainstormen.
Ich möchte das gerne noch weiterentwickeln. Und wir müssen, wir müssen. Wir wollen uns vermehrt damit auseinandersetzen, so dass wir es selbstständig integrieren können und nutzen, so wie wir alle anderen Tools auch nutzen
Das ist witzig, dass du jetzt gerade diese Frage stellst. Ich habe gerade heute Morgen auf Page Online von dieser Gestalterin gelesen, die eine Kampagne für Avocados entwickelt hat – komplett mit KI. Also das sind Avocados aus Costa Rica und die werden in der Schweiz im Premiumsegment verkauft.
Bzw. sie wollen in diesen Markt hineingehen und die Designerin hatte da nur ein kleines Budget. Und die Zürcher Designerin Delia Guerriero hat ein total tolles Design inklusive Markenstrategie und Branding gemacht. Dabei war von Anfang an klar, dass es eigentlich kein oder nur ein sehr kleines Budget für die Fotografie gibt und dann hat sie gedacht: Ja, ich versuch das mal mit Midjourney.
Und sie hat da tolle Bildwelten mit Personen entwickelt. Wirklich total toll. Sie sagt, mit einem Fotografen wäre das nicht bezahlbar gewesen. Und da habe ich gedacht: Genau, das ist so der Punkt, an dem auch ein kleines Studio wie du und ich, wenn wir dieses KI-Werkzeug einigermaßen gut beherrschen, neue Möglichkeiten eröffnet.
Franziska
Hmm, ja, ja, den Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Haben sich bei euch schon irgendwelche Märkte verändert? Hast du schon irgendwas gemerkt, dass sich dadurch mit der Zusammenarbeit mit den Kund*innen irgendwas verändert hat?Claudius
Nein, habe ich bis jetzt nicht gemerkt. Aber es ist ab und an ein Thema. Gerade zum Beispiel ging es um Formulierungen im Zusammenhang mit dem Claim. Genau, und wir waren eigentlich schon recht weit. Und dann haben wir trotzdem das nochmal bei ChatGPT eingegeben und witzigerweise hat uns das, was dann zurückkam, uns sehr darin bestärkt, was wir selbst geschrieben hatten.Und es kamen dann auch ein, zwei Begriffe, die der Kunde nicht auf dem Radar hatte und wir auch nicht. Und das hat dann wieder einen Anstoß gegeben, um weiterzudenken. Das hat dann wieder eine weitere Diskussion ausgelöst, die dann das Ausgangsresultat verändert hat und ich glaube, es ist jetzt besser.
Und das bestärkt irgendwie auch darin, dass dieses, was ganz oft verkauft wird Ich habe letzte Woche so ein Baby gehört, wo jemand gesagt hat und der Bonus ist 10 %, mit denen kriegt ihr den Content für die nächsten 100 Tage, wo ich so dachte nie im Leben, so funktioniert.
Allerdings muss man schon etwas Zeit investieren, dass es eben auch zu einem alltäglichen, geläufigen Werkzeug wird, das ich so nutzen kann, wie ich auch die verschiedensten Grafikprogramm oder andere Tools nutze.
Und das verändert sich auch ständig, und das ist ja klar, dass die Aufgabe auch ist, da die Balance zu finden zwischen dem Gefühl »Ich renne der Entwicklung immer hinterher.« und andererseits das auch für sich so zu nutzen, dass es nicht zu einem Klotz am Bein wird. Das finde ich schon eine große Challenge.
Und ich finde es auch eine große Challenge, wenn ich jetzt so auf die letzten zehn, 20 Jahre zurückschaue. Die Komplexität der Aufträge übers Ganze gesehen ist schon gewaltig gewachsen. Klar, es gibt immer noch den Auftrag, eine Visitenkarte zu gestalten. Aber mit der Visitenkarte war es dann damals, wenn die gedruckt war. Und heute? Ja, sie wird dann vielleicht auch noch gedruckt. Möglicherweise. Aber dann kommt noch ganz vieles anderes dazu. Und auf all diesen neuen Aufgabengebieten müssen wir präsent sein, so dass dich jemand sieht.
Franziska
Ja, ja, die Aufgaben sind komplexer geworden und es ist einfach alles so viel mehr medial miteinander verknüpft. Ja, ja, danke für deinen Einblick, den du uns gegeben hast in eurer Arbeit mit KI. Ich finde deine Perspektive super hilfreich und ich glaube, das ist auch total gut, das sich einfach damit zu beschäftigen.Gleichzeitig merke ich auch, dass es einfach auch total gruselig ist, was da gerade so moralisch-ethisch passiert. Ich glaube allerdings, es ist wichtig, das voneinander zu trennen. Also einmal ist es sozusagen ein neues Tool, was wir jetzt einfach gerade alle lernen. Und da ist es auch wirklich sinnvoll, auf den Zug aufzuspringen, damit man mitreden kann und nicht irgendwann merkt, dass der Zug abgefahren ist.
Und gleichzeitig gibt es aber dann auch dieses strukturelle Thema, was da auch so dran hängt. Dass da gerade gigantische Megakonzerne sich einfach Wissen aneignen, das ihnen nicht gehört und die das alles einfach so vereinnahmen und verschlingen, was total kritisch betrachtet werden kann und auch kritisch betrachtet werden sollte.
Ich glaube es ist total wichtig, das voneinander zu trennen, um sich selbst nicht so komplett auszubremsen darin.
Claudius
Aber ich glaube, das ist etwas, was wir als Kommunikationsdesigner*innen ja sowieso machen – dieses permanente vernetzte Denken und Wissen. Wenn ich mich jetzt zum Beispiel für die Farbe Rot entscheide, mache ich das aus diesem Grund. Und ich weiß auch, dass Rot die Farbe der Liebe sein kann. Und ich weiß gleichzeitig auch, dass das Rot die Farbe des Grauens und der Abgründe der menschlichen Seele ist.Ich versuche deshalb da, nicht zu negieren, sondern bewusst damit umzugehen. Und ich finde es auch total wichtig, dass man sich dafür einsetzt, dass das kontrollierbar ist, dass wir uns auch engagieren für soziale Geschichten und Gerechtigkeit und gleichzeitig dieses neue Werkzeug mit Bedacht nutzen. Ja.
Franziska
Claudius, ich dank dir dafür, dass du dein Wissen mit uns geteilt hast und dass du uns so einen großartigen Einblick in eure Positionierung gegeben hast. Vielen, vielen Dank.
Claudius
Ist sehr gerne geschehen und ich danke dir vielmals für dieses schöne Gespräch so unter uns.Franziska
Viele Grüße in die Schweiz.Claudius
Viele Grüße nach Finnland und bis bald.
So, das war das Interview. Wie geht es dir denn jetzt damit? Ich bin sehr gespannt, was du dazu sagst, und freue mich, wenn du mir deine Aha-Momente und deine Gedanken dazu schickst. Schreib mir gern!
Und wenn du jetzt denkst: Ja, ich möchte mich auch ganz selbstbestimmt positionieren, verschiedene Angebote an verschiedene Zielgruppen richten und wirkam Akquise machen, dann komm in die Portfolio-Akademie. Die Portfolio-Akademie ist mein 12-wöchiges Online-Programm für Illustrator*innen und Designer*innen. Darin positionierst du dich nachhaltig, damit du die Kund*innen ansprichst, die deine kreative Arbeit auch brauchen. Deshalb machst du nach der Portfolio-Akademie ganz gezielte wirksame Akquise, die dir leicht fällt und die du immer weiter optimierst.
Die nächste Portfolio-Akademie startet im Frühling 2024 und aktuell kannst du dich ganz unverbindlich in die Warteliste eintragen. Dann bekommst du alle Infos zur PA als Allererstes und du bekommst sogar noch ein Special-Wartelisten-Angebot, bevor die Türen sich offiziell öffnen. Eintragen kannst du dich unter www.diegutemappe.de/pa.
Deshalb jetzt hier auch noch einmal die Frage an dich: Wie bist du denn aufgestellt? Wie klar definiert ist deine Nische und was machst du mit dem Wissen, das du heute hier sozusagen mitgenommen hast?
Ich bin gespannt und wünsch dir damit alles Liebe.
Wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska
Darf ich dich heute um einen Gefallen bitten?
Für den Verkauf von Büchern sind gute Bewertungen enorm wichtig. Wenn du mein Buch »Die gute Mappe« schon gelesen hast und es dir gefällt, hilfst du mir sehr mit einer Rezension auf Amazon und Co. Du kannst sogar eine Bewertung hinterlassen, wenn du das Buch in einem anderen Buchladen gekauft hast (was ich begrüße). Sharing is caring! Danke dafür! Und auch ein ❤️ und ein Danke an die, die schon eine Rezension geschrieben haben.
Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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