14. Dezember 2023

#92 | Nadja, wie kommunizierst du deine Preise? *mit Nadja Zinnecker

Ein Gespräch über effiziente Kund*innenkommunikation, Akquise, Stil und KI-Werkzeuge.

 

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Warum ist das denn so teuer? Hast du diese Frage auch schon einmal von deinen Kund*innen gehört? Wenn ja, wie argumentierst du in so einem Fall? Heute ist die großartige Illustratorin Nadja Zinnecker zu Gast im Podcast und Nadja teilt mit dir ihre Strategien, was in so einem Fall hilft.

Heute erfährst du im Podcast:

  • wie du in die Selbstständigkeit startest: Wie geht’s? Wie geht’s mit Kindern? [00:06:33:03 – 00:11:31:08]
  • wie frühe Erfahrungen den Stil beeinflussen [00:12:07:04 – 00:14:28:18]
  • wie du angemessen kalkulierst und welches Werkzeug Nadja zum Zeit-Tracken nutzt [00:14:28:20 – 00:18:43:09]
  • warum dir Zeit-Tracking hilft, deine Honorarkalkulationen durchzusetzen [00:14:28:20 – 00:21:23:10]
  • wie sich die Arbeitsbedingungen und die Akquisestrategien im Editorial von denen im Bereich Unternehmenskommunikation unterscheiden [00:21:23:12 – 00:30:11:02]
  • wie du auf internationalen Märkten startest [00:30:11:04 – 00:31:52:09]
  • was es bedeutet, »das Netzwerk zu pflegen« [00:31:52:11 – 00:35:08:20]
  • warum Nadja den KI-Entwicklungen aktuell noch gelassen entgegenblickt [00:35:08:23 – 00:41:40:00]
  • wie du Stil als Hilfsmittel in deiner Akquise nutzen kannst [00:41:40:03 – 00:45:34:15]
  • und warum es trotzdem sinnvoll ist, deinen Stil nicht nur nach den Anforderungen deiner Märkte zu entscheiden [00:45:34:17 – 00:47:58:01]
  • und mehr.

 
Hej hej! Herzlich willkommen im Portfolio-Podcast. Wie schön, dass du da bist! Heute habe ich Besuch im Podcast, denn heute ist Nadja Zinnecker zu Gast. Und ich freu mich sehr, heute mit dir dieses intensive Gespräch zwischen Nadja und mir zu teilen, in dem wir soo viele spannende Themen bewegen.
 

Wer ist die Illustratorin Nadja Zinnecker?

Aber eins nach dem anderen: zuerst stelle ich dir Nadja mal vor. Nadja ist Illustratorin und arbeitet für Magazine, Werbeagenturen, für öffentliche Institutionen und für Unternehmen. Dabei sind Editorial, politische Bildung und Corporate Illustration Nadjas Schwerpunkte – und sie arbeitet sowohl für deutschsprachige Kund*innen als auch für US-amerikanische Magazine und Unternehmen. Dabei hat Nadja u.a. schon für die Beltz-Verlagsgruppe, für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, für die Deutsche Bahn, die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, für die Freundin, das Page Magazin oder auch die Psychologie Heute gearbeitet.
 

Worüber sprechen Nadja Zinnecker und ich im Interview?

Weil Nadja einen ganz wirklich kohärenten und wiedererkennbaren Stil hat, sprechen wir im Interview auch genau darüber: über Stil und welche verschiedenen Faktoren den eigenen Stil prägen und beeinflussen.

Gleichzeitig ist Nadja aber auch – wie ich – Mappenberaterin der Illustratoren Organisation und Nadja ist auch Mentorin im Mentoring Programm der IO: das heißt, sie betreut dort regelmäßig junge Kolleg*innen beim Start in die Selbstständigkeit. Und deshalb sprechen wir auch darüber, welche Tipps und Tricks beim Berufsstart helfen, wir sprechen darüber, wie Nadja selbst Akquise macht und auch darüber, mit welchen Werkzeugen und Routinen Nadja ihre Kund*innenkommunikation und die Honorarverhandlungen gestaltet. Und zu guter Letzt geht’s auch um Unterschiede: um die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und die unterschiedlichen Akquisestrategien der Bereiche Editorial versus Unternehmenskommunikation.

Du siehst, das ist ein mit Wissen vollgepacktes Gespräch. Und wir starten jetzt gleich durch ins Interview.
 

Kurze Randnotiz in eigener Sache:

In meinem kostenlosen Newsletter, der immer parallel zur Podcast-Folge am Donnerstag erscheint, teile ich jede Woche weitere exklusive Tipps, wie du dich nachhaltig positionierst, deine Akquise professionalisiert – und deine Kreativität wachsen lässt. Und wenn der podcast Besuch hat, es also ein Interview gibt, dann bekommst du im Newsletter auch vom Interview-Gast ein paar exklusive Tipps und Inspirationen.

Anmelden kannst du dich für 0,00 Euro unter www.diegutemappe.de/newsletter. Aktuell bekommst du noch als Dankeschön eine Ressourcen-Bibliothek zugeschickt. Diese wird es in dieser Form nicht mehr lange geben. Deshalb: Wenn du diese gern haben möchtest, meld dich gern jetzt zum Newsletter an. Werbung Ende 😉

 
Und damit: Lass uns loslegen, ich wünsche dir viel Spaß und ganz viele Anregungen und Erkenntnisse mit Nadja Zinnecker. Let’s go!
 

[Transkript des Interviews mit Nadja Zinnecker, www.nadjazinnecker.com]

Nadjas Website: www.nadjazinnecker.com
Nadjas LinkedIn-Profil: www.linkedin.com/in/nadja-zinnecker-96a11772
Nadja auf Instagram: @nadjazinnecker

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00:03:51:00 - 00:04:10:13
Franziska
Hallo Nadja, herzlich willkommen im Portfolio-Podcast! Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist.

00:04:10:15 - 00:04:14:11
Nadja
Hallo Franziska, ich freue mich auch sehr, dass ich dabei sein darf.

00:04:14:13 - 00:04:39:23
Franziska
Ich steig einfach mal gleich mit Kopfsprung ein – mit der ersten Frage. In der Vorbereitung habe ich auf deiner Webseite gelesen, dass du im Grafikdesign-Studio deiner Familie groß geworden bist. Mit Siebdruck, Werkstatt, mit Farbtöpfen, mit Abreibe-Buchstaben und mit dem ersten Apple Macintosh aus den 90er Jahren … was ich lustig fand, weil ich hatte auch so ein Apple Classic als Teenager.

00:04:40:00 - 00:04:48:03
Franziska
Ich finde es total toll, dass du in so einem kreativen Umfeld groß geworden bist. Wolltest du deshalb schon immer Designerin und Illustratorin werden?

00:04:48:05 - 00:05:12:03
Nadja
Ja, klar. Das ist natürlich ganz prägend für mich gewesen. Und jetzt muss ich dich gleich mal ein bisschen korrigieren. Das war sogar ein Apple Macintosh vom Ende der 80er Jahre, weil ich als Jugendliche schon im Unternehmen von meiner Familie gearbeitet habe. Da hatte ich auch keine Berührungsängste … und hab mit einem Apple Macintosh der ersten Generation gearbeitet, weil das einfach ein Arbeitsgerät war.

00:05:12:04 - 00:05:42:18
Nadja
Um das besser einordnen zu können: Dieses Unternehmen, das war ursprünglich mal so ein Schildermalerbetrieb, also so ein klassisches Handwerk – und hat sich dann im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Wir haben dann Siebdruck, Fotolabor, Digital-Großdruck angeboten – und die Kund*innen waren hauptsächlich Messe-Kund*innen aus dem Informationsbereich und Werbeagenturen. Also das heißt, das war ein ausführender Grafikbetrieb. Und mein Aufgabengebiet war dort unter anderem, die Siebdruck-Filme herzustellen.

00:05:42:20 - 00:06:10:20
Nadja
Ganz klassisch mit Repro-Kamera und in der Dunkelkammer. Und da habe ich auch ganz oft noch Reinzeichnungen bekommen, die wirklich mit Rapidographen hergestellt wurden und da waren natürlich auch sehr tolle Gestaltungen dabei. Und da habe ich ziemlich schnell herausgefunden, dass der eigentlich interessante Bereich nicht dieses Ausführen ist, sondern das Gestalten. Und mein Vater als Grafiker, der hat auch einigen Kund*innen so quasi nebenbei Gestaltung angeboten und ich habe schon gesehen, okay, das ist eigentlich das, was ich machen will.

00:06:10:22 - 00:06:25:23
Nadja
Ich will da nicht ewig in der Siebdruck-Werkstatt oder in der Dunkelkammer stehen, sondern ich möchte selbst auch etwas gestalten. Und dann habe ich Kommunikationsdesign studiert. Und ja, da habe ich insbesondere auch das Zeichnen total schätzen und lieben gelernt.

00:06:26:00 - 00:06:33:02
Franziska
Und bist du dann nach dem Studium sofort in die Selbstständigkeit gestartet oder wie war das bei dir genau?

00:06:33:03 - 00:06:52:18
Nadja
Ja, bei mir war das so: Wir haben sehr früh Familie gegründet und haben sehr früh unsere Kinder bekommen. Wir haben beide da noch studiert und ich habe während des Vordiploms mein erstes Kind bekommen und im Examen war ich schon wieder mit dem zweiten schwanger. Deswegen war das mit der Selbstständigkeit schwierig. Ein Jahr darauf habe ich gleich mein drittes Kind bekommen.

00:06:52:20 - 00:07:15:04
Nadja
Und neben der Kindererziehungszeiten habe ich immer versucht, in diesem Beruf drin zu bleiben. Ich hatte kleinere Kund*innen, die ich auch schon teilweise im Studium bekommen hatte und habe dann auch sehr viel ehrenamtlich gemacht. Das ist das, was das so mit sich bringt, wenn man im Kindergarten und im Schulbereich zu Gange ist. So habe ich auf sehr kleiner Sparflamme einfach weitergemacht.

00:07:15:06 - 00:07:35:17
Franziska
Und wie lange ging das so? Du bist ja 100% Vollzeit selbstständige Illustratorin, arbeitest auf einem internationalen Markt für Magazine und für Unternehmensberatung und machst noch 1000 andere Sachen. Wie bist du sozusagen vom »Ich mache es auf Sparflamme« zu heute gekommen?

00:07:35:19 - 00:07:53:16
Nadja
Also zwischendurch hatte ich versucht oder … ich habe es nicht nur versucht, ich habe es gemacht … ich habe mich beteiligt an einem Bilderbuch-Wettbewerb. Denn da habe ich gedacht, okay, die Illustration für Bilderbücher ist jetzt genau mein Ding. Da waren die Kinder noch recht klein und in diesem Wettbewerb bin ich auch nominiert worden. Trotzdem habe ich alleine für diesen Wettbewerb schon gesehen.

00:07:53:16 - 00:08:12:23
Nadja
Die Zeit und die Kraft, die reicht nicht aus, um Vollzeit berufstätig zu sein im Bereich Illustration. Und dann habe ich mich im Laufe der Jahre so langsam wieder heran gehangelt an. Ich fing zum Beispiel an mit dem Unterrichten von Aktzeichnen. Also da hatte ich ein Angebot über eine ehemalige Dozentin und das habe ich auch ganz, ganz lange gemacht.

00:08:12:23 - 00:08:45:01
Nadja
Das war eine ganz tolle Gruppe mit Leuten, die mich sehr herausgefordert haben als Dozentin – weil sie ein sehr, sehr hohes Niveau hatten. Das habe ich ein bisschen ausgebaut und habe dann auch in einer privaten Kunstschule unterrichtet. Und das war auch ganz toll. Da hatte ich ganz große Freiheiten. Ich konnte von Collage-Kursen bis zu Graffiti-Workshops alles Mögliche machen und dort hatte ich auch die Möglichkeit für Unternehmenskund*innen Teambuilding-Workshops anzubieten.

00:08:45:03 - 00:09:10:05
Nadja
Das war eine super tolle Zeit. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich eigentlich mehr will, dass ich wieder als Grafikerin bzw. Illustratorin arbeiten möchte. Deshalb habe ich mir Unterstützung geholt. Und zwar habe ich eine Weiterbildung gemacht in Frankfurt, in einem Verein, der Frauen unterstützt in der beruflichen Selbstständigkeit. Dort habe ich an einem Mentoring-Programm teilgenommen.

00:09:10:05 - 00:09:36:12
Nadja
Das ging neun Monate und da gab es ganz verschiedene Kurse, die mir ermöglicht haben, meine Qualifikationen im Bereich Selbstständigkeit auszubauen. Also es ging von Buchhaltung bis zu Körpersprache … alles möglich. Es war eine super tolle Chance. Ich wurde begleitet von einer Mentorin, die selbst auch eine Werbeagentur hat. Und meine Business-Idee in diesem Kurs war lustigerweise, mich mit Kunst-Workshops selbstständig zu machen.

00:09:36:14 - 00:10:10:08
Nadja
Und das habe ich dann auch neun Monate lang verfolgt und mir als Ziel gesetzt. Bei der Präsentation vor der ganz großen Gruppe, vor den Mentor*innen und Mentees, haben dann meine Illustrationen die größte Aufmerksamkeit erregt, die ich eben auch extra für diese Präsentation gemacht hatte. Und mir war auch schon im Laufe dieser neun Monate bewusst geworden, dass ich selbst wieder gestalten möchte und dass ich mich einfach trauen muss, auch mir wieder die Programme drauf zu schaufeln und dass in dem Bereich Illustration und Grafik mein Herzblut liegt.

00:10:10:10 - 00:10:39:11
Nadja
So bin ich über diesen Umweg dann dazu gekommen und gestartet. Also meine ersten Aufträge hatte ich tatsächlich von einer befreundeten Grafikerin bekommen. Die hatte mich gebeten, Infografiken und kleine Illustrationen und Logos zu erstellen. Für ihren Kund*innen, das war damals ein Bundesministerium und ja, und das hat mir den Einstieg ermöglicht. Und dann habe ich so ganz langsam parallel diese Grafik und Illustration aufgebaut und die Unterrichtstätigkeit reduziert.

00:10:39:13 - 00:10:41:13
Franziska
Wie lange hat das so ungefähr gedauert?

00:10:41:15 - 00:10:51:16
Nadja
Dieser Prozess und diese Abnabelung von der Unterrichtstätigkeit, der hat etwa fünf Jahre gedauert. Also ich habe dann parallel das auch immer noch weitergemacht.

00:10:51:18 - 00:10:53:23
Franziska
War das auch eine wirtschaftliche Entscheidung?

00:10:54:00 - 00:11:17:01
Nadja
Ja, natürlich auch. Also ich habe ziemlich schnell verstanden, dass ich in diesem Business-to-Business-Bereich (B2B) wesentlich bessere Honorare erzielen kann. Und auch einfacher! Das Unterrichten, so viel Spaß das auch macht, es ist auch sehr kraftraubend und du musst anreisen und du musst etwas vorbereiten, vielleicht auch Material beschaffen.

00:11:17:01 - 00:11:31:08
Nadja
Und es ist ja auch einfach stressig, mit einer Gruppe von Jugendlichen oder auch von Erwachsene, zu arbeiten. Ich wollte auch immer etwas weitergeben und das kostet natürlich viel Energie.

00:11:31:10 - 00:11:40:19
Franziska
Was hat denn am meisten geholfen, deine Selbstständigkeit im Bereich Illustration immer weiter auszubauen?

00:11:40:21 - 00:12:07:02
Nadja
Ja, das ist einfach ein ganz tiefer Wunsch. Ich glaube, das ist eine Leidenschaft, so eine Energie, die einfach fließt Und ich habe wirklich die ganze Zeit – auch als ich unterrichtet habe und auch schon bevor ich diese Aufträge hatte, mit meiner Grafikdesignerin, für die ich ja dann gearbeitet habe – immer illustriert. Mir hat das auch wieder richtig viel Spaß gemacht am Computer zu arbeiten, und ich habe mir Adobe Illustrator drauf geschaufelt.

00:12:07:04 - 00:12:38:03
Nadja
Früher habe ich immer noch mit Freehand gearbeitet, falls das noch irgendwelchen Hörer*innen etwas sagt. Und das war so auch eine Entscheidung, dass ich mir wieder die Programme anschaffe und dass ich mich da wieder einarbeiten. Und ich habe tatsächlich in der Zeit, von der ich vorhin erzählt hatte, diese Zeit Ende der 80er Jahre, da bestand mein Job unter anderem auch darin, dass ich zum Beispiel Logos für irgendwelche Kund*innen in Vektoren verwandeln musste, weil die dann geplottet werden mussten.

00:12:38:03 - 00:12:51:21
Nadja
Und dafür braucht man ja diese Vektor-Pfade. Und das hat mir damals schon unglaublich viel Spaß gemacht. Und im Grunde arbeite ich heute noch genauso. Ja, das ist ganz lustig, dass mich das so ja nie losgelassen hat.

00:12:51:23 - 00:13:10:04
Franziska
Es ist total spannend. Ich glaube auch, dass es ganz oft so eine Verbindung gibt. Ich habe ja als Architektin angefangen, mit Rapidographen auf Transparentpapier zu zeichnen, mit Rasierklinge zum Kratzen und so, und irgendwann saß ich so vor Photoshop … für mich war das digitale Zeichnen mit einem Grafik Tablet …

00:13:10:04 - 00:13:36:09
Franziska
… in Photoshop … das war so wie: Der Himmel tut sich auf, alles ist auf einmal so viel einfacher. Eine totale Befreiung. Und irgendwann habe ich verstanden, dass ich im Digitalen am Ende genauso arbeite, wie ich damals und ganz zu Beginn auf Transparentpapier gearbeitet habe. Ich trage auf, ich kratze weg. Auch meine Photoshop Brushes repräsentieren meine analogen Werkzeuge von früher.

00:13:36:09 - 00:13:41:08
Franziska
Und als ich das so gesehen habe, war ich das hat mich total glücklich gemacht.

00:13:41:10 - 00:14:02:04
Nadja
Ja, das ist wirklich genauso. Also ich mache zum Beispiel, wenn ich beim Aktzeichnen bin und das Modell vielleicht mal ein bisschen länger sitzt als eine Viertelstunde, dann packe ich wirklich Schere und Papier aus und mache Collagen. Ich mache eine grobe Skizze und dann schneide ich aus und mache eine Collage beim Aktzeichnen. Und genauso arbeite ich im Prinzip auch mit Illustrator.

00:14:02:09 - 00:14:28:18
Nadja
Ich zeichne vor … alle meine digitalen Illustrationen entstehen vorher auf Papier, also entweder mit Bleistift oder mit Tusche Stift … und dann mache ich das: Dann wird fröhlich hin und hergeschoben wie bei einer Collage. Dann schiebe ich Formen und Farben. Und diese Freude an der Collage, die habe ich eben auch, wie du das geschildert hast, in den digitalen Bereich übertragen – sozusagen vom Analogen ins Digitale.

00:14:28:20 - 00:14:35:04
Franziska
Wenn du heute zurückblickst, was würdest du denn heute anders machen? Also mit dem Start in die Selbstständigkeit?

00:14:35:06 - 00:15:02:15
Nadja
Also auf alle Fälle würde ich nicht mehr ohne Bezahlung oder mit geringer Bezahlung arbeiten. Ich würde heute wirklich von vornherein kalkulieren und auch gut überlegen, wofür ich meine Zeit spendiere. Ich hatte wirklich lange Zeit einen Kunden, dem habe ich wahrscheinlich noch nicht mal die Hälfte meiner Stunden in Rechnung gestellt, weil ich immer dachte: Ach, das macht ja auch Spaß oder ist ein alter Freund oder so. Aber er hat damit ja auch Geld verdient.

00:15:02:17 - 00:15:23:18
Nadja
Ja, das würde ich heute anders machen. Und ich bin ja auch Mentorin im Mentoring Programm der IO und das ist immer wieder wirklich ein Riesenthema: Kalkulation – und ja, unsere Dienstleistung kann man schwer kalkulieren. Da kann man nur auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Und deswegen bin ich so eine Verfechterin von Excel-Tabellen oder von anderen Zeit-Tracking-Programmen. Ich tracke die Zeit tatsächlich.

00:15:23:19 - 00:15:56:17
Nadja
Jede Email und jedes Gespräch mit den Kund*innen trage ich ein, damit ich hinterher bei der Kalkulation von neuen Aufträgen auch weiß, wie viel ich wirklich investiert habe. Und dann fällt mir die Kalkulation leichter. Und ich würde auch mit dem heutigen Wissen mich immer als Dienstleister*in begreifen. Also so, dass ich auch wirklich mit genau diesem Bewusstsein reingehe. Das gebe ich auch ganz oft meinen Mentees mit: Der Handwerker, der kommt, um irgendeinen Heizkörper anzuschrauben. Der berechnet auch wirklich seine komplette Zeit und die Anfahrt und alles.

00:15:56:17 - 00:16:16:05
Nadja
Und meine Zeit ist genauso wertvoll. Nur weil es mir vielleicht Spaß macht, muss ich trotzdem dafür bezahlt werden. Und ich habe eine lange Ausbildungszeit. Und ja, gerade bei Illustration hast du vielleicht eine Illustration in zehn Minuten skizziert, aber dafür hast du auch 20 Jahre Ausbildung bzw. Erfahrung hinter dir.

00:16:16:07 - 00:16:31:18
Franziska
Ja, total guter Hinweis. Was für Erfahrungen hast du denn gemacht mit dieser Herangehensweise? Ich kann mir gut vorstellen, das jetzt einige zu hören und denken: Das, was Nadja da erzählt, macht total Sinn. Aber wie setze ich das denn durch?

00:16:31:20 - 00:17:03:11
Nadja
Ja, das wird zunehmend leichter, je mehr Erfahrung man hat. Weil man dann eben auf diese Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Stichwort: Ich habe meine Excel-Tabelle und da schaue ich rein. Und da bin ich dann auch … oder bzw. … ich werde dann auch so ehrlich zu mir selbst und so auch dann nachher zum Kunden, dass ich sage: ich brauche für diese Abstimmungsphasen einen halben Tag und ich brauche für die Skizzen einen Tag und für das fertige Artwork noch mal 1 bis 2 Tage. Und dann kann ich das dem Kunden auch transparent machen.

00:17:03:11 - 00:17:35:09
Nadja
Und ich kann ihm auch erklären, warum es eben mehr kosten wird nach einer Korrektur. Und ich kann erklären, warum ich es dann berechnen muss, wenn er noch fünf Änderungen hat. Denn daran sitze ich dann fünf Tage und ohne Abrechnung dieser Zeit arbeite ich im Grunde dann fünf Tage ohne Bezahlung. Das liegt natürlich auch ein bisschen am Gegenüber. Mit Business-Kund*innen kann man das ganz selbstverständlich besprechen, weil die im Idealfall auch ein Honorar bzw. Budget zur Verfügung haben. Oder sie sagen mir: ich habe nur Honorar-Summe XY und dann kann ich sagen für mich: okay, das mache ich jetzt trotzdem.

00:17:35:09 - 00:17:51:19
Nadja
Nur mache ich das dann ein bisschen schneller und bisschen weniger. Und ich muss das mit ihnen besprechen. Meiner Erfahrung funktioniert so eine »einfachere Lösung« fast nie. Oder die Kund*innen haben eben das Verständnis und das Honorar dafür. Und wenn sie es nicht haben, können sie eben auch ehrlich sagen: Nee, dann kommen wir nicht ins Gespräch. Oder ich kann dann sagen: Es tut mir leid, ich kann das nicht machen für so wenig Geld.

00:17:51:19 - 00:18:20:22
Nadja
Bei Privatkunden, vielleicht auch noch Freunden, ist das sehr viel schwieriger. Gleichzeitig habe ich noch so eine goldene Regel. Die heißt: Honorar, Ruhm oder Spaß. Und wenn keins der drei Sachen dabei ist, dann lehne ich es auf alle Fälle ab. Was eben auch nicht bedeutet, dass ich jeden Auftrag ablehne, der jetzt kein oder nur wenig Honorar erzielt. Zum Beispiel schöne Buchprojekte mit Kolleg*innen – das ist dann Ruhm und Spaß.

00:18:20:22 - 00:18:43:09
Nadja
Das kann ich dann unter der Kategorie Ruhm und Spaß verbuchen. Und dann mache ich natürlich gerne mit, wenn es Freude bereitet. Aber ich denke, man kann es bei Kund*innen den preis durchsetzen, wenn der Kunde das Honorar zur Verfügung hat und wenn man das so transparent kommuniziert. Hier habe ich bis jetzt auch immer den Mehraufwand bezahlt bekommen, wenn das vorher gut abgesprochen war.

00:18:43:11 - 00:19:07:12
Franziska
Ja, ich glaube, das sind ja so zwei Sachen, die du gerade erwähnt hast. Einmal die Transparenz und vielleicht auch das Einblickgeben in den Prozess, damit es nachvollziehbar ist, warum der Auftrag eine bestimmte Anzahl von Stunden dauert. Das funktioniert über die Erfahrung. Und als zweiter Punkt spielt er ja auch mit rein, dass du klare Ansagen machst. Das heißt, du gibst Einblick in den Prozess, bist transparent und sagst auch:

00:19:07:15 - 00:19:24:06
Franziska
Bei den und den Sachen passiert das und das. So weiß die Kundenseite, worauf sie sich einlässt. Für mich hört sich das so an, als ob es auch immer wieder Momente gibt, wo du dann wahrscheinlich auch sagst: So, wenn wir jetzt hier einen Schritt weitergehen, dann kostet das mehr.

00:19:24:08 - 00:20:03:21
Nadja
Genau! Diese klaren Ansagen spielen ja auch mit hinein in die Transparenz. Wenn man vorher genau weiß, wie lange der eigene Gestaltungsprozess läuft und wie er läuft und wie viele Abstimmungsrunden da üblicherweise notwendig sind – denn die müssen ja auch in die Kalkulation mit rein. Also wenn ich zum Beispiel für ein sehr großes Unternehmen arbeite oder für eine größere Werbeagentur, dann sind die Entscheidungsprozesse und die Abstimmungsrunden natürlich sehr viel aufwändiger, als wenn ich zum Beispiel im Editorial Bereich arbeite. Da bekomme ich einen Artikel geschickt und eine Email und dann gibt es vielleicht mal eine kleine Änderung, was selten vorkommt.

00:20:03:21 - 00:20:12:03
Nadja
Das heißt, im Editorial ist dieser Abstimmungsprozess fast gar nicht vorhanden. Und das zu wissen ist natürlich ganz, ganz wichtig für die Kalkulation.

00:20:12:05 - 00:20:30:14
Franziska
Wie trackst du denn deine Zeit? In deiner Excel-Tabelle? Ich selbst habe früher mal in einem italienischen Magazin gearbeitet und da musste ich meine Rechnungen immer in 15-Minuten-Einheiten stellen und tracke deshalb auch heute noch meine Zeit in 15-Minuten-Einheiten. Wie machst du das?

00:20:30:16 - 00:20:57:15
Nadja
Ja, tatsächlich mache ich das auch so – nicht in 15-Minuten-Einheiten, sondern ich gucke wirklich auf die Uhr und schreibe einfach jeweils den Start und das Ende auf. Wenn ich an diesem Auftrag sitze, dann kommt alles in diese Exceltabelle rein. Diese Exceltabelle habe ich übrigens noch von meiner Weiterbildung vor über 10 Jahren. Damals hatte uns die Frau, die diese Buchhaltungskurse dort geleitet hat, uns diese Tabelle zur Verfügung gestellt. Und die benutze ich immer noch.

00:20:57:21 - 00:21:23:10
Nadja
Natürlich runde ich immer ein bisschen auf oder ab. Ich schreibe dann hin 14:00 bis 18:30 Uhr an dem und dem Tag und schreibe auch grob rein, was ich gemacht habe. Wenn es ein Pauschalpreis ist, ist es für mich so, dass ich weiß, okay, bin ich damit jetzt hingekommen mit dem Honorar oder nicht? Und für manche Kunden arbeite ich auch tatsächlich auf Stunden-Basis und dann ist es auch super-angenehm, den Kund*innen auch zu zeigen, wie lange was wirklich auch gedauert hat.

00:21:23:12 - 00:21:33:04
Franziska
Ja, total gut. Du arbeitest ja heute vor allem im Editorial- und im Unternehmenskommunikationsbereich. Wie sieht denn dein Arbeitsalltag so aus?

00:21:33:06 - 00:21:56:24
Nadja
Ja, also im Editorial Bereich ist das ganz einfach. Da kommt meistens eine Email … die Kommunikation erfolgt fast nur über Email. Ja … und dann gibt es eben ein Thema oder einen Text und der soll dann bebildert werden. Formate sind auch exakt vorgegeben. Meistens ist der Abgabe-Zeitpunkt, sind nicht eingesetzt. Also nach wenigen Tagen muss man halt ein paar Skizzen liefern mit Bildideen.

00:21:57:01 - 00:22:25:07
Nadja
Die schicke ich dann auch per Email. Die können auch relativ grob sein, Das Gegenüber ist ja in der Regel auch ein Bildredakteur oder eine Designerin. Und die können auch die einfachsten Skizzen gut lesen. Und dann gibt es ein Okay und dann kann ich mein Artwork machen innerhalb weniger Tage. Das wird dann auch per Email hingeschickt und dann sagen die meisten Redaktionen auch gleich: Schreib gleich mal die Rechnung. Und das erfolgt dann alles relativ unkompliziert.

00:22:25:09 - 00:22:47:24
Nadja
Im Unternehmensbereich ist das ein bisschen anders. Also da ist es wirklich so, dass die Kund*innen meistens keine Designer*innen oder Art-Direktor*innen sind – es sei denn, man arbeitet für Werbeagentur. Da ist es natürlich auch noch mal ein bisschen anders. Da wissen die Ansprechpartner auch oft, wovon sie reden, und wissen meistens auch ganz konkret, was sie wollen.

00:22:48:01 - 00:23:20:02
Nadja
Aber im Unternehmensbereich ist es häufig so, da muss ich erst mal das Briefing durch geschicktes Fragen einfordern. Oft ist gar nicht klar, welcher Inhalt überhaupt bebildert werden soll. Dann gibt es wieder eine Runde intern im Unternehmen. Dazu müssen sie sich einigen und mir dann sozusagen die richtigen Stichworte zu liefern. Und dann ist der zweite Schritt so, dass ich dann aufgrund dieses Briefings Skizzen mache und eine Präsentation vorbereite.

00:23:20:04 - 00:23:42:24
Nadja
Und diese Präsentation ist im Unternehmensbereich auch oft schwieriger, weil ich eben nicht so ganz einfache Skizzen machen kann, wie vielleicht jetzt beim Editorial, wo ich weiß, okay, mein Gegenüber, der weiß schon, was ich damit meine und der kennt meinen Stil und kann das irgendwie auch dann transferieren, wie das dann später aussehen wird im Stil. Im Unternehmensbereich muss ich da einfach auch mehr Worte dazu verlieren und so Hilfestellung geben.

00:23:42:24 - 00:24:05:18
Nadja
Das passiert oft in einem Meeting und dann erläutere ich das genau. Und da gibt es dann auch später häufiger Korrekturstufen, eben weil diese Vorstellungskraft vielleicht nicht so groß war oder weil es viele Korrektur-Schleifen gibt. Es sind oft sehr viele Entscheider*innen beteiligt, die intern noch mal Änderungen haben. Deshalb ist es einfach ein bisschen aufwändiger.

00:24:05:18 - 00:24:14:16
Nadja
Es ist mit sehr viel mehr Abstimmungsrunden behaftet und aus dem Grund muss man das auch einfach anders kalkulieren.

00:24:14:18 - 00:24:21:03
Franziska
Ja – je mehr Leute involviert sind, umso langatmiger wird alles.

00:24:21:05 - 00:24:36:12
Nadja
Genau. Aber ich habe auch gute Erfahrungen damit gemacht, es auch einzufordern und zu sagen: Ich kann die Skizzen erst machen, wenn wir wirklich auch die Begriffe definiert haben … oder den Satz oder den Inhalt … weil vorher macht das gar keinen Sinn, irgendwelche Bildideen zu entwickeln.

00:24:36:14 - 00:25:00:18
Franziska
Ja, das ist gut, dass du das sagst, weil das ja im Prinzip noch mal visualisiert, wie stark wir als Designer*innen auch den Prozess leiten. Und ich finde das total wichtig, diese Verantwortung auch zu übernehmen, weil klar ist, dass gerade in Kontexten, wo die Menschen nicht so viel Design-Expertise oder Bild-Expertise haben, brauchen diese Kund*innen auch eine Person, die sie durch den Prozess leitet und die sagt: Das und das brauche ich von euch – bestenfalls bis dann und dann.

00:25:00:24 - 00:25:21:23
Nadja
Genau. Das ist auch einfach Teil unserer Dienstleistung. Ja, es ist natürlich sehr viel komfortabler, im Editorial Bereich zu arbeiten. Aber es ist auch superspannend, Unternehmenskommunikation zu machen, weil man muss sich dann auf dieses Unternehmen einstellen und vielleicht auch noch auf das Corporate Design. Und die Leute sind auch oft sehr, sehr dankbar.

00:25:21:23 - 00:25:29:23
Nadja
Das ist auch toll, dass man da so eine Wertschätzung erfährt als Illustrator*innen.

00:25:30:00 - 00:25:39:02
Franziska
Wie machst du denn Akquise und machst du unterschiedliche Ergebnisse im Editorial-Bereich und im Unternehmensbereich? Unterscheidet sich da deine Akquise-Strategie?

00:25:39:04 - 00:25:58:04
Nadja
Ja, Akquise, das ist ja so ein Thema für uns Kreative. Das machen wir alle nicht so gerne. Also offen gestanden, im Editorial-Bereich ist es wirklich so, dass ich Portfolios verschicke. Das könnte ich bestimmt auch ein bisschen häufiger mache. Das ist ja auch immer so ein bisschen unangenehm. Aber das mache ich durchaus und da kommen dann auch Aufträge rein.

00:25:58:04 - 00:26:27:18
Nadja
Oder es kommen auch Aufträge, vielleicht weil jemand was in einer anderen Publikation von mir gesehen hat. Ansonsten, also gerade im Unternehmensbereich, bekomme ich die Aufträge über mein Netzwerk, also von befreundeten Grafiker*innen oder Werbeagenturen, die ich kenne. Ich habe auch schon sehr viele Aufträge bekommen über Kolleg*innen aus der Illustratoren Organisation, die gesagt haben: Du, hör mal, ich habe da eine Anfrage, das passt bei mir jetzt zeitlich nicht oder es passt stilistisch nicht.

00:26:27:18 - 00:26:47:14
Nadja
Und dann habe ich darüber Kund*innen weitergereicht bekommen. Das ist natürlich auch supertoll. Und wie gesagt, auch über das Netzwerk aus dem privaten Umfeld. Ja, vielleicht auch ehemalige Kolleg*innen. Und so weiter. Das ist für mich eigentlich die wichtigste Akquiseform: Weiterempfehlung.

00:26:47:16 - 00:27:01:15
Franziska
Das ist irgendwie absurd, dass die wirksamsten Akquiseformen ganz oft so seltsam unsichtbar sind, weil: So ein Netzwerk sieht man von außen nicht und dann sieht es vielleicht so aus, als ob jemand gar keine Akquise macht. Aber so ein Netzwerk will ja auch gepflegt werden. Und das ist ja auch Akquisearbeit.

00:27:01:17 - 00:27:09:01
Nadja
Genau. Ja, und das ist ja auch keine Einbahnstraße. Im Grunde ist es auch wichtig, dass man dann auch wieder Kolleg*innen weiter empfiehlt.

00:27:09:03 - 00:27:17:16
Franziska
Du arbeitest ja auch auf internationaler Ebene. Ist es da anders? Gibt es da Unterschiede in den Märkten und vielleicht auch Unterschiede in der Akquise?

00:27:17:18 - 00:27:30:03
Nadja
Ja, ich arbeite für Kund*innen in den USA. Und ja, offen gestanden, mein erster Auftrag kam tatsächlich auch übers Netzwerk. Und zwar hatte ich über Florine Glück ...

00:27:30:05 - 00:27:31:21
Franziska
Jaaaa! Floriiiine!!

00:27:31:23 - 00:27:57:14
Nadja
... genau 🙂 Mit Florine zusammen habe ich eine Masterclass in Wien belegt, bei dem amerikanischen Illustratoren James Yang. Und hinterher hat Florine zu mir gesagt: Deine Illustrationen, die könnten noch gut passen. Und dann hat sie mir den Kontakt gegeben in Amerika, von einer ganz tollen Art-Direktorin – von SooJin Buzelli. Die betreut mehrere Finanz-Magazine und da habe ich einfach mal ein Portfolio hingeschickt.

00:27:57:14 - 00:28:26:05
Nadja
Und dann kamen da tatsächlich Aufträge. Dadurch sind irgendwie andere Kund*innen in USA so aufmerksam geworden und da habe ich dann auch schon einige schöne Sachen machen dürfen. Und mittlerweile bin ich noch auf einer US-amerikanischen Illustrations-Onlineplattform – bei The iSpot –und dort muss ich mein Portfolio tatsächlich auch sehr rege pflegen.

00:28:26:05 - 00:28:55:21
Nadja
Das wird dort schon erwartet. Aber dann, wenn man das Portfolio pflegt, dann kommen auch manchmal ein paar Lizenz-Anfragen rein. Da habe ich durchaus schon Illustrations-Lizenzen verkauft. Insofern kamen auch diese Aufträge mehr oder weniger übers Netzwerk rein. Aber du hast noch nach Unterschieden gefragt. Ja, die Unterschiede sind schon groß. Also in den USA ist Illustration einfach viel stärker gesellschaftlich angesehen. Illustration hat einen sehr viel höheren Stellenwert.

00:28:55:23 - 00:29:38:16
Nadja
Du bist ja auch nicht der Illustrator oder die Illustratorin, sondern du bist da Artist. Das ist einfach sehr viel selbstverständlicher dort, dass man in Publikationen Illustration einsetzt, auch zu trockene Themen wie die Finanzwelt. Ich habe schon Sachen illustriert für irgendwelche amerikanischen Rentenfonds, aber diese trockenen Themen werden ganz selbstverständlich mit diesen verspielten und bunten und künstlerischen Illustrationen publiziert und es wird auf diese trockenen Themen durch wirklich tolle Kunstwerke aufmerksam gemacht.

00:29:38:18 - 00:30:01:20
Nadja
Diesen Mut sehe ich hier in Deutschland nicht so oft. Und gleichzeitig geht es sehr viel schneller. Die Anfrage kommt, Du musst innerhalb kürzester Zeit Skizzen abgeben und innerhalb weniger Tage das fertige Artwork abgeben. Das Feedback kommt genauso schnell. Ich hatte wirklich auch schon Feedback auf Skizzen innerhalb von wenigen Minuten. Also das ist schon einfach ein ganz anderes Tempo, was da vorgelegt wird.

00:30:01:20 - 00:30:11:02
Nadja
Und es ist ein sehr, sehr freundlicher Umgang. Und ja, wie gesagt, ein wahnsinnig schnelles Tempo. Insgesamt macht das schon wirklich Spaß.

00:30:11:04 - 00:30:22:11
Franziska
Wenn du jetzt sozusagen so einen Tipp geben würdest an Kolleg*innen, die sich dafür interessieren, in den USA zu arbeiten, was würdest du denen empfehlen?

00:30:22:13 - 00:30:43:01
Nadja
Das ist schwierig, weil, das ist ja schon ein sehr individueller Weg, den ich da gewählt habe. Ich glaube, es ist gut, sich erst mal einen Agent*en zu suchen. Das ist auch so ein Thema, was bei mir auch im Moment ansteht, wo ich auch mit Kolleg*innen im Gespräch bin, die das machen bzw. die über eine Agentur vertreten werden.

00:30:43:03 - 00:31:17:14
Nadja
Das ist vielleicht einfacher. Und ansonsten würde ich auch den Mut fassen und einfach das Portfolio an Bildredakteur*innen an die Art-Direktor*innen der Magazine dort schicken. Ja, muss man schauen, wie man die E-Mail-Adressen so herausfinden. Manchmal kann man bei Instagram was finden. Das ist vielleicht so ein Geheimtipp, aber mein Tipp wäre, den Mut zu haben und Sachen zu schicken. Oder auch bei Wettbewerben mitzumachen. Also das ist jetzt nicht immer so mein Weg, weil ich da oft auch einfach entweder die Termine verpasse oder ich habe dann nicht die Muße, da noch was einzuschicken.

00:31:17:16 - 00:31:30:14
Nadja
Aber das ist für viele auch ein Türöffner. Wenn man bei diesen Wettbewerben, z.B. bei AI-AP American Illustration oder was es da so gibt, mitmacht, dann kann man bestimmt auch eine Menge Aufmerksamkeit generieren.

00:31:30:16 - 00:31:50:00
Franziska
Ja, das glaube ich auch. Da gibt es schon Aufmerksamkeit für. In Deutschland, habe ich das Gefühl, gibt es viele Wettbewerbe, bei denen sich niemand interessiert, wer da gewonnen hat. Aber das scheint mir in den USA anders zu sein. Da gibt es zumindest einfach sehr etablierte Wettbewerbe, die dann auch dafür sorgen, dass die ausgezeichneten Arbeiten gesehen werden.

00:31:50:02 - 00:31:52:09
Nadja
Genau, das denke ich auch.

00:31:52:11 - 00:32:04:13
Franziska
Wir haben ja jetzt so viel über die Bedeutung des Netzwerkes gesprochen – vielleicht noch mal so zum Abschluss: Wie pflegst du denn dein Netzwerk? Man sagt das ja immer so: Ja, ich habe ein Netzwerk und ich pflege das. Wie sieht das denn konkret aus?

00:32:04:15 - 00:32:32:00
Nadja
Genau … (lacht) … wie eine Spinne im Netz. Nein, nein … ich finde, Netzwerken hat ja so zwei Aspekte. Einmal natürlich hat man dadurch irgendwie Vorteile oder es ist einfacher und man kann sich auch über berufliche Dinge austauschen. Aber es hat auch was mit Selbstbewusstsein zu tun. Wir sitzen ja alle in unserem stillen Kämmerlein zu Hause – die meisten Illustratoren und Illustratoren, die ich kenne, machen das.

00:32:32:00 - 00:32:56:17
Nadja
Da ist es einfach wichtig, sich auch mal auszutauschen und zu schauen, den anderen geht es genauso. Und wenn es Probleme gibt, dass man dann irgendwie Lösungsansätze über Kolleg*innen bekommt. Bei mir sind jetzt auch richtige Freundschaften draus geworden. Und ja, Möglichkeiten, die ich zum Netzwerken nutze oder wie ich angefangen habe, war wirklich der IO-Stammtisch in Frankfurt.

00:32:56:19 - 00:33:28:06
Nadja
Daraus haben sich auch Freundschaften gebildet und ich gehe da auch immer noch gerne hin. Vielleicht im Moment nicht so häufig, aber immer wieder. Und das ist auch ein ganz lebendiger Stammtisch, wo auch immer wieder neue junge Kolleginnen und Kollegen kommen. Das ist wirklich ein ganz wichtiger Faktor. Es gibt von der IO auch Workshops. Also vor kurzem gab es die sozusagen auch analog und live, was ich persönlich ein bisschen angenehmer finde, weil man den Leuten doch sehr viel näher kommt und der Austausch ein bisschen intensiver und tiefer ist.

00:33:28:08 - 00:33:52:03
Nadja
Das war für mich auch, oder ist es auch immer noch, eine tolle Art des Netzwerkens. Weil man sich dann gleichzeitig auch noch fachlichen Dinge drauf schaufeln kann. In Frankfurt gibt es auch den Hessischen Kreativwirtschaftstag einmal im Jahr. Da sind auch viele Kolleg*innen, auch einfach aus artverwandten Berufen bzw. aus der Kreativbranche, vor Ort. Das ist auch immer ganz toll.

00:33:52:05 - 00:34:23:03
Nadja
Ich gehe auch zu Design-Konferenzen. In Wiesbaden gibt es eine tolle Konferenz, diese See-Konferenz oder ich habe mir auch schon mal gegönnt, nach Barcelona zu fliegen zur OFFF-Konferenz, auch ganz toll. Ja, und natürlich Weiterbildung. Wie gesagt in Wien, im Atelier Olschinsky in dieser Masterclass mit dem Illustrator James Yang. Das war für mich auch eine ganz tolle Netzwerk-Veranstaltungen – neben dem fachlichen Wissen, das ich mir da drauf geschaufelt habe. Oder auch die Buchmesse in Frankfurt, da hast du ja auch schon ausführlich drüber berichtet.

00:34:23:03 - 00:34:41:20
Nadja
Da haben wir uns ja dieses Jahr auch gesehen. Nur zum Reden sind wir nicht gekommen, weil da einfach alle immer Termine haben. Und trotzdem ist eine super tolle Möglichkeit zu netzwerken, weil die Leute aus allen Teilen Deutschlands kommen und da vor Ort sind und sich am Ende dann am IO-Stand ausruhen. Und da kommt man doch ganz schnell ins Gespräch.

00:34:41:22 - 00:34:59:24
Franziska
Ja, das stimmt 🙂 … und weil du es gerade schon gesagt hast. Auch wenn das vielleicht nicht in jeder Stadt geht, aber Florines Illustrationsladies’ sind auch ein echt guter Anlaufpunkt, wenn man einfach Kolleginnen treffen und kennenlernen möchte. Florine und Janina machen da eine ganz tolle Arbeit.

00:35:00:01 - 00:35:08:21
Nadja
Genau. Ich denke, Florine ist da unsere Netzwerk-Königin und das ist toll – wirklich Hut ab! Das finde ich super wichtig und auch toll.

00:35:08:23 - 00:35:30:13
Franziska
Ja, das stimmt. Netzwerk-Königin Florine. 🙂 Jetzt zum Schluss vielleicht noch mal zwei komplett andere Fragen. Ich beginne mal mit der ersten. Das ist ja diese Frage, die ich gerade jeder Person im Podcast stelle. Wie gehst du denn mit den Entwicklungen und Veränderungen um, die gerade mit KI einhergehen?

00:35:30:15 - 00:35:57:15
Nadja
Also bislang macht mir das keine große Angst, auch wenn generell natürlich diese Entwicklung schon so ein bisschen unheimlich ist. Und im Grunde weiß ja auch niemand, wo es hingeht und wie es weitergeht. Es wird ein riesiger Umbruch sein. Im Moment bin ich allerdings noch der Meinung, dass es wie damals ist, als plötzlich das ganze Grafikdesign umgestellt wurde auf dieses Desktop-Publishing – und alle Grafiker*innen dachten, sie wären jetzt arbeitslos, was ja mitnichten geschah.

00:35:57:17 - 00:36:21:01
Nadja
Ich sehe es tatsächlich als Tool. Ich habe tatsächlich auch schon mal ein bisschen rumprobiert und ich glaube, gerade sehr reduzierte Illustration, wie ich sie nun mal mache, sind jedenfalls im Moment noch nicht so einfach mit der KI zu erzeugen.

00:36:21:07 - 00:36:43:20
Nadja
Da bin ich bestimmt noch schneller. Und es ist ein Tool, für das man auch genauso wie bei Photoshop und anderen Tools viel Zeit und auch Know-how braucht, um das wirklich gut einsetzen zu können – also um am Ende qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen. Dazu braucht man ein geschultes Auge und man muss damit umgehen können. Und das muss ja auch irgendwer bezahlen.

00:36:43:20 - 00:37:00:10
Nadja
Ich glaube nicht, dass in Werbeagenturen Leute sitzen, die dann nur noch auf’s Knöpfchen drücken und hinterher kommt ein tolles Foto raus, wofür sie sonst einen Fotografen oder eine Illustratorin engagiert hätten. Von daher bin ich da noch relativ gelassen. Aber generell macht das natürlich schon Sorge.

00:37:00:12 - 00:37:19:00
Franziska
Ja, mich überrascht es, dass es so schwierig ist, deinen Stil zu generieren. Aber das zeigt ja auch, wie wichtig es ist, das mal selbst auszuprobieren, um das zu überprüfen. Du hast ja ein super kohärenten, wiedererkennbaren Stil. Da hätte ich gedacht, dass das eigentlich prädestiniert dafür ist, dass man das generieren kann.

00:37:19:02 - 00:37:40:15
Nadja
Ich weiß nicht, ob es andere vielleicht besser können, aber ich habe es mehrmals versucht. Lustigerweise zusammen mit meinem Sohn. Der arbeitet auch in der Werbung im Bereich Film und Bewegtbild. Und er hatte neulich mal da so eine Schulung, dann musste er tagelang irgendwelche Prompts schreiben. Er hatte mir vorgeschlagen, dass wir eine von meinen Illustrationen mal ganz konkret versuchen nachzubauen.

00:37:40:17 - 00:38:03:24
Nadja
Und das ist uns beiden wirklich nicht gelungen. Also da kam dann immer was fotorealistisch raus und die Ergebnisse waren auch nicht besonders gut. Und da habe ich gedacht, es ist wahrscheinlich einfacher, irgendwas im Bereich Foto zu erzeugen, weil die KI da auf wahrscheinlich viel mehr Informationen zurückgreifen kann als auf so sehr reduzierte Arbeiten, wo ja auch eine gewisse Bildidee drinsteckt.

00:38:03:24 - 00:38:06:10
Nadja
Die nimmt einem ja auch keiner ab, diese Bildidee.

00:38:06:12 - 00:38:29:16
Franziska
Ja, das ist auch so ein ganz wichtiger Punkt. Ich habe vor kurzem versucht, ein Skript zu schreiben mit ChatGPT, weil ich dachte, so ein Skript hat ja so eine ganz klare Struktur die auf Rhetorik basiert. Das sollte eigentlich total einfach sein. Die Struktur hat es mir auch ausgespuckt, aber die Struktur zu füllen war so unglaublich aufwendig, dass ich dann am Ende gedacht habe, das schreibe ich jetzt einfach lieber selbst. Denn ich bin einfach selbst so viel schneller, weil ich ja weiß, wo ich hinmöchte.

00:38:29:16 - 00:38:33:12
Franziska
Und ansonsten muss ich überlegen, was ich denn tun muss, um zu dem Ergebnis zu kommen?

00:38:33:14 - 00:38:53:05
Nadja
Ja, das ist bislang noch das Argument. Ich glaube nicht, dass man so viel schneller ist, wenn man es mit KI-Tools erzeugt, also insbesondere im Illustrationsbereich. Wenn ich die Skizze habe, dann bin ich unglaublich schnell in meinem Stil. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es so viel schneller geht, wenn man ein bestimmtes Ergebnis erzielen will.

00:38:53:07 - 00:39:17:21
Franziska
Ja, und der Rückblick in diese Zeit damals, als sich die gesamte Grafikdesign-Branche durch die Digitalisierung so stark verändert hat, ich glaube, das ist ein guter Hinweis – da noch mal zurück zu schauen und auch davon zu lernen. Damals war ja auch die größte Hürde für die Menschen, die im kreativen Bereich gearbeitet haben, zu adaptieren, zu lernen und sich diese neuen Tools anzueignen.

00:39:18:01 - 00:39:40:24
Nadja
Genau. Aber das, was dahinter steht, was wir sozusagen im Grundstudium alle durchgemacht haben, also Kompositionslehre und Farblehre – die Dinge, die wir lernen, um diesen Blick zu entwickeln, dieses Auge zu entwickeln durch Übung – ich glaube, dieses Wissen und dieser Blick, beides bleibt wertvoll.

00:39:41:01 - 00:40:04:01
Franziska
Ich habe manchmal Angst, dass die Qualität nicht mehr so wichtig sein wird, sondern dass es so viel mehr Schrott geben wird und dass dadurch auch der Anspruch an gute Bilder niedriger wird in vielen Bereichen. Und ich glaube schon auch, dass das sehr wahrscheinlich passieren wird. Aber wahrscheinlich auch nicht überall. Es wird immer noch genug andere Bereiche geben, wo ein qualitativ gut funktionierendes Bild gebraucht wird.

00:40:04:01 - 00:40:04:16
Franziska
Hoffentlich.

00:40:04:17 - 00:40:34:22
Nadja
Ja, das stimmt. Und es gibt noch einen Aspekt, den ich beobachte Es gibt sehr viele, sehr erfolgreiche Illustrator*innen, gerade auch in den USA – die analog arbeiten, oder zumindest teilweise analog, indem sie zum Beispiel tolle Tuschezeichnungen herstellen und die dann nur noch digital kolorieren. Und gerade dieses Handgemachte hat ja einen ganz besonderen Stellenwert heutzutage. Es gibt ja auch diese ganzen DIY-Bewegungen. Und vor kurzem gab es einen New Yorker-Titel … oder es gibt ganz viele von einem Maler …

00:40:34:22 - 00:40:54:03
Nadja
… ich komme jetzt nicht auf den Namen, kann ich vielleicht noch nachliefern (Anmerkung: Nadja meinte Kadir Nelson). Also der malt wirklich in Öl oder in Acryl. Und der ist super, super erfolgreich. Und ich glaube, dieser Analog-Trend, der zeigt ja auch, dass es vielleicht immer wieder auch eine Gegenbewegung gibt bzw. eine Wertschätzung für das Handgemachte.

00:40:54:05 - 00:41:12:22
Franziska
Da stimme ich dir total zu. Ich bin mir auch ganz sicher, dass das analoge Handwerk, die analoge Zeichnung, dass die immens an Wert gewinnen wird. Wenn irgendwie alles generierter ist, bekommt das Original wert. Es hat so einen wirklich physischen Wert.

00:41:12:24 - 00:41:38:10
Nadja
Ja genau. Die Frage ist, ob die Budgets dafür frei sind. Das ist ja die große, spannende Frage. Wenn die Honorare oder die Budgets nicht zur Verfügung stehen, dann greifen wahrscheinlich Werbeagenturen, Verlage und Unternehmen zurück auf ein KI-Tool und geben sich eben zufrieden mit dem Ergebnis, was dann da rauskommt. Das ist ja für uns als Illustrator*innen nun die spannende Frage: Wie geht es jetzt weiter?

00:41:38:12 - 00:41:40:01
Nadja
Wie entwickeln sich die Märkte?

00:41:40:03 - 00:41:56:17
Franziska
Ja, wir werden es sehen. Hier noch mal die Frage Nummer 2: Du hast ja einen ganz kohärenten, wiedererkennbaren, ganz klaren Stil. Was bedeutet denn Stil für dich?

00:41:56:19 - 00:42:23:03
Nadja
Stil ist für mich auch ein Ausdruck von Persönlichkeit. Ich hatte ja vorhin auch schon erwähnt, woher das bei mir so kommt. Es ist bestimmt auch ein Spiegel der 70er und 80er Jahren, in denen ich aufgewachsen bin. Die Farben und die Gestaltungen und eben auch diese Erfahrung, die ich da ganz praktisch bei uns im Unternehmen gemacht habe, dass ich da irgendwelche Logos in Form Farbe verwandeln musste.

00:42:23:05 - 00:42:49:14
Nadja
Das hat mich einfach geprägt und das prägt auch meinen Stil. Deswegen arbeite ich ja auch so, wie ich arbeite. Collage kommt noch dazu, die ich natürlich auch immer super gerne gemacht habe und immer noch gern mache. Und Stil heißt auch für mich, dass ich meine Dienstleistungen für meine potenziellen Kund*innen und für auch für meine aktuellen Kund*innen anbiete und meine Kund*innen ganz klar wissen, was sie dann nachher bekommen, wenn sie mich beauftragen.

00:42:49:16 - 00:43:08:01
Nadja
Deswegen habe ich mich auch auf diesen Stil festgelegt, also sehr bewusst festgelegt. Abgesehen davon, dass es mir Spaß macht und dass ich super gerne so arbeite, denke ich, ist es für die Kund*innen schon auch sehr komfortabel zu wissen, was sie bekommen, wenn sie mich beauftragen.

00:43:08:03 - 00:43:09:24
Franziska
Stil ist Berechenbarkeit.

00:43:10:01 - 00:43:11:21
Nadja
Genau, Berechenbarkeit.

00:43:11:23 - 00:43:33:09
Franziska
Ich kann mir vorstellen, dass jetzt einige dankbar sind zu hören, dass das natürlich auch eine Entscheidung ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass um Stil immer auch so ein gewisser Mythos drum herum wabert. Stil ist auch irgendwie so ein Dauerthema für viele Kreative. Viele überlegen, ob ihr Stil richtig ist, ob sie zu viele Stile haben oder zu wenige Stile, den richtigen Stil oder den falschen Stil.

00:43:33:11 - 00:43:44:20
Franziska
Aber natürlich ist Stil auch eine Entscheidung. Es ist so eine seltsame Mischung aus Persönlichkeit, aus Einflüssen, die dafür gesorgt haben, dass wir heute der Mensch sind, der wir sind. Aber es ist natürlich auch eine Entscheidung.

00:43:44:22 - 00:44:15:13
Nadja
Ganz klar. Ja, es ist eine Entscheidung. Natürlich habe ich auch ganz andere Sachen gemacht: von fotorealistisch Zeichnungen im Studium bis zu diesen ersten Infografiken, die ich erstellt habe. Die sahen natürlich komplett anders aus. Und natürlich zeige ich auch auf meiner Website oder meinen anderen Portfolios nur die Sachen, die ich auch gern wieder machen möchte. Natürlich habe ich auch schon ein Feedback bekommen von Leuten, die zum Beispiel meine Skizzen gesehen haben und gesagt haben: Aber die sind ja so toll, deine Skizzen, die sind ja so lebendig.

00:44:15:15 - 00:44:32:23
Nadja
Und dann habe ich reflektiert und gedacht: Ja, es ist eine bewusste Entscheidung, meinen Stil so stark ins Digitale zu verfremden, und diesen Stil, den ich in den letzten Jahren entwickelt habe, so konsequent beizubehalten. Ja, also es ist tatsächlich eine bewusste Entscheidung gewesen.

00:44:33:00 - 00:44:57:05
Franziska
Es ist eine bewusste Entscheidung. Und um den Kreis zu schließen, es ist ja auch eine Entscheidung, die die Akquise so viel leichter macht. Wir haben ja am Anfang auch über Akquise gesprochen. Und darüber, wie man so in die Selbstständigkeit hinein startet. Und da trifft man ja ganz viele Entscheidungen für sich: auf welchem Markt möchte ich arbeiten? Welche Aufgaben möchte ich lösen? Und auch: welchen Stil biete ich dann an?

00:44:57:05 - 00:45:07:04
Franziska
Und ich glaube, diese Fragen helfen ja auch, um zu entscheiden, wie ich dann auch meine Akquise angehe. Wen spreche ich damit an? Wer braucht denn genau so eine Art von Stil?

00:45:07:06 - 00:45:34:15
Nadja
Ja, ja, das ist ja immer wieder ein Thema. Das ist ja genau die Schwierigkeit in diesem Beruf, das immer wieder abzugleichen. Wo könnte das dann auch passen? Und ist dieser Markt für mich sinnvoll? Ja, also zum Beispiel bei meinem Stil. Diese Entscheidung für den Stil, die passt natürlich auch gut zum Umfeld, aus dem ich kam, nämlich Unternehmenskommunikation oder auch Editorial.

00:45:34:17 - 00:46:18:06
Nadja
Und diese Entscheidung ist natürlich auch eine bewusste Entscheidung gegen zum Beispiel Bilderbuch, weil das in meinem Fall nicht gut passen würde. Also deswegen denke ich, wenn ich mich für einen bestimmten Stil entscheide, dann habe ich den Fokus natürlich auf einem bestimmten Kundenstamm oder auf einer bestimmten Branche. Und dann fällt die Akquise natürlich leichter. Und trotzdem habe ich in den USA ja diese Finanzwelt-Themen und diese trockenen Themen bearbeitet – mit meinem wirklich sehr verspielten und farbenfrohen Stil. Und was mich natürlich sehr gefreut hat: ich konnte auch dadurch, dass das in den USA so Anwendung fand, auch deutsche Kunden überzeugen.

00:46:18:09 - 00:46:46:21
Nadja
Ich habe dann auch deutsche Kund*innen aus der Finanzwelt gewinnen können, die den Mut hatten, diesen fröhlichen, verspielten Stil auch für ihre Produkte einzusetzen. Und das finde ich ganz erstaunlich. Was dem ja vielleicht ein bisschen widerspricht, was wir gerade gesagt haben. Es ist möglich mit einem Stil auch Märkte gewinnen kann, die auf den ersten Blick für diesen Stil nicht passend erscheinen und die vielleicht auf den ersten Blick da gar nicht so hinpassen. Das ist ja auch das Schöne,.

00:46:46:23 - 00:47:10:06
Franziska
Ah ja, in Stil spielt ja auch Trend mit rein und Präferenzen für bestimmte Ästhetiken, die natürlich total zeitgeist-geprägt sind. Und ja, das was du beschreibst, stimmt ja so sehr. Menschen brauchen ganz oft jemanden, der sich vorher traut, irgendetwas zu tun. Und dann trauen sie sich auf einmal auch und dann öffnet sich auf einmal diese Tür, die vorher zu war.

00:47:10:08 - 00:47:32:01
Nadja
Genau. Also ich glaube, deswegen ist es vielleicht auch ganz schlau, wenn man ein bisschen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht und diesen Stil nicht entwickelt in Hinblick auf einen potenziellen Markt, sondern wirklich den Stil entwickelt, einfach weil man ganz großen Spaß hat, sich so auszudrücken und gestalterisch genau so zu arbeiten, wie man arbeitet.

00:47:32:03 - 00:47:58:01
Franziska
Das ist ein schönes Schlusswort: die Rückbesinnung auf sich selbst. Weil Stil ist ja am Ende auch nur so eine Stimme, die man nach draußen gibt. Am Ende ist das, was alles zusammenhält, immer die Persönlichkeit der Person, die sich da gerade kreativ ausdrückt. Und du hast vollkommen recht, sich darauf zu besinnen und offen und neugierig zu bleiben, ist eh für alles im Leben eine gute Sache.

00:47:58:03 - 00:48:04:23
Franziska
Vielen, vielen Dank, liebe Nadja, dass du heute hier im Podcast mit uns so viel tolles Wissen geteilt hast.

00:48:05:00 - 00:48:19:23
Nadja
Vielen Dank, Franziska, dass ich dabei sein durfte Und es hat wirklich sehr, sehr großen Spaß gemacht und ich teile sehr gerne mein Wissen, weil ich denke, das ist unter uns Illustrator*innen auch so üblich und macht einfach Spaß.

00:48:20:00 - 00:48:23:08
Franziska
Vielen, vielen Dank dafür. Bis bald.

00:48:23:10 - 00:48:33:24
Nadja
Bis bald.

 
So. Wie sieht’s bei dir denn jetzt aus? Hattest du Aha-Momente? Welche Einflüsse deiner Vergangenheit bestimmen denn deinen Stil? Und wie pflegst du dein Netzwerk? Und trackst du deine Zeit?
 

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Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe und eine schöne Vorweihnachtszeit,

Wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska

Darf ich dich heute um einen Gefallen bitten?

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Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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