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Eins ist klar: Die Kreativbranche ist im Wandel. Denkst du mit den ganzen Veränderungen – ich sag nur KI und so – ab und an darüber nach, wie du in Zukunft dein Geld mit deiner kreativen Arbeit verdienen wirst? Fragst du dich vielleicht auch, ob und wo Design- und Illustrationsleistungen noch einen Wert und somit eine Zukunft haben?
Die gleichen Fragen stellt sich auch das PAGE Magazin, das Magazin der deutschsprachigen Kreativbranche. Die PAGE hat deshalb im Dezember 2024 eine große Umpositionierung für die PAGE angekündigt – und dazu eine neue Chefredakteurin an die Spitze gesetzt: die 26-jährige Designerin und Brand-Strategin Anne Kaiser.
Und heute ist Anne Kaiser zu Gast im Portfolio-Podcast. Anne erzählt uns im Interview, warum die PAGE sich gerade jetzt neu positioniert und was du davon lernen kannst für dich und deine Positionierung. Anne teilt auch, wie das eigentlich funktioniert, so eine Marke umzupositionieren und warum die PAGE sich in Zukunft auf Community und Vernetzung fokussieren will – und sie erzählt auch, wie die PAGE dich dabei unterstützen kann, dass deine kreative Arbeit sichtbar wird und deine Kund*innen verstehen, dass du mit Design und Illustration mehr machst als nur »aufzuhübschen«. Deshalb ...
Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst – aber eben auch wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt.
Ich bin Franziska Walther und jetzt geht’s los mit dem Interview mit der großartigen Designerin, Brand-Strategin, Journalistin und Chefredakteurin der PAGE Anne Kaiser.

[Transkript des Interviews mit Anne Kaiser]
Anne Kaiser auf PAGE: www.page-online.de
Anne Kaiser auf LinkedIn: www.linkedin.com/in/anne-kaiser-27530220b/PAGE auf LinkedIn: www.linkedin.com
PAGE auf Instagram: www.instagram.com/page_magazin- - -
Franziska:
Liebe Anne, ich freue mich total, dass du da bist.Anne:
Danke, dass ich da sein darf.Franziska:
Kannst du uns zu Beginn mal sagen, wer bist du und was machst du?Anne:
Ich bin Anne Kaiser, ich bin Chefredakteurin von PAGE, dem Magazin der Kreativbranche. Ich bin aber außerdem auch Brandstrategin für PAGE. Ich bin ursprünglich nämlich Kommunikationsdesignerin.Ich habe das studiert und in den verschiedenen Agenturen gearbeitet, bevor ich dann quer eingestiegen bin in den Journalismus. Und das PAGE-Team hat mich da sehr wundervoll an die Hand genommen. Und tatsächlich bin ich jetzt innerhalb von drei Jahren aus der Redaktion in die Chefredaktion gewachsen und mache das jetzt sehr frisch.
Franziska:
Das ist der totale Knaller.Anne:
Ja, es ist ein bisschen irre.Franziska:
Herzlichen Glückwunsch dazu.Anne:
Dankeschön.Franziska:
Wie hat dich denn dein beruflicher Weg aus der Designwelt in die Chefredaktion der PAGE geführt? Also, wie bist du dorthin gekommen?Anne:
Tatsächlich hat mich PAGE eigentlich schon meine komplette Design-Karriere lang begleitet. Design-Karriere ist aber vielleicht ein bisschen ein großes Wort dafür, weil so lange war ich gar nicht im Design, bevor ich in den Journalismus gegangen bin. Ich habe in Konstanz studiert und ganz klassisch Kommunikationsdesign. Ich habe mir tatsächlich auch sehr bewusst keinen Schwerpunkt gesetzt, weil ich finde, als Kreative müssen wir immer interdisziplinärer werden. Und mir ist das auch wahnsinnig wichtig.Hat sich dann aber später herausgestellt, dass mein inoffizieller Schwerpunkt, was Forschung und Recherche im Design war, sich dann auch Richtung PAGE ausgezahlt hat. Ich habe, wie gesagt, dann in Agenturen gearbeitet, tatsächlich aber auch insgesamt nur anderthalb Jahre. Das waren verschiedene kleinere und mittelständische Agenturen.
Und dann hat mir eine ehemalige Kommilitonin eine Stellenanzeige von PAGE weitergeleitet. Ich habe schon immer wahnsinnig gerne und viel geschrieben. Und bin auch eine absolute Leseratte und so. Die Liebe zum Text kommt dann doch einfach mit. Und tatsächlich hatten wir eine Dozentin, die früher bei der Süddeutschen gearbeitet hat, die auch immer einen Kurs gegeben hat zum kreativen Schreiben, den ich natürlich mehrfach belegt habe.
Und ich hatte mich dann bei PAGE beworben. Und es gibt diese großartige Hintergrundgeschichte, dass ich sehr lange nichts zurückgehört habe und mir auch dachte, komm, das wird nie im Leben was. Und ich habe dann eine Telefonnummer angerufen, die bei PAGE im Impressum stand. Da stellte sich raus, dass die direkt bei der Chefredakteurin auf dem Handy gelandet ist. Und so ist dann mein Portfolio wieder bei ihr auf dem Tisch gelandet. Und der Rest ist Geschichte.
Also ich bin wirklich in PAGE reingerutscht und das Team hat mich so großartig auch aufgenommen. Also, ich habe den Journalismus-Part tatsächlich bei PAGE gelernt. Und ich sehe mich aber tatsächlich auch vorrangig als Designerin, weil ich finde, es ist auch bei uns der Job, die richtigen Fragen zu stellen.
Und es geht auch ganz viel darum, bei Leuten erstmal zuzuhören, Leute kennenzulernen und dann rauszufinden, was sie eigentlich brauchen. Und das ist auch genau das, was Journalist*innen tun, genauso wie Kreative.
Franziska:
Das stimmt, ja. Eine Designerin in der Chefredaktion eines Magazins, das passiert ja nicht so alle Tage.Anne:
Tatsächlich hat PAGE da eine Historie mit. Unsere ehemalige Chefredakteurin Gabriele Günder ist selber auch Designerin. Sie hat PAGE wirklich auch mit großgezogen und hat das fast 40 Jahre lang gemacht. Also es ist tatsächlich ein bisschen PAGE-Tradition, dass in der Chefredaktion zumindest eine Designerin mit dabei sitzt. Und ich sage bewusst Designerin, weil PAGE ein sehr weibliches Team ist, in der Regel.Das ist irgendwie so gewachsen. Die gesamte Redaktion hat irgendwie Bezüge zur Designbranche und arbeitet selber auch teilweise noch nebenberuflich als Illustratorin. Unsere eine Redakteurin programmiert Websites, seit sie 14 ist. Also wir sind alle einfach mit drin und machen das auch wahnsinnig gerne. Und ich glaube, das braucht es auch, weil Design eben doch auch einfach eine sehr besondere Bubble ist. Und ich finde, man muss da irgendwie auch ein Verständnis für haben und das auch feiern, um dann wirklich auch drüber schreiben zu können.
Franziska:
Ja, jetzt mit dir als neuer Chefredakteurin wurde ja auch so eine Neupositionierung angestoßen. Was sagt denn diese Neupositionierung des PAGE Magazins, auch mit dir als Brandstrategin und Designerin als die Person, die die Richtung vorgibt, aus über die Rolle von Design in unserer Zeit?Anne:
Ich glaube, es ist eine sehr analoge Entwicklung zu dem, was in der Designbranche passiert. Weil wir das überall sehen, dass Kreative mehr auch in Management-Positionen kommen und da auch gefragt sind.Gleichzeitig haben wir aber auch genau dieselben Probleme, wie es viele kreative Unternehmen haben: dass wir unsere Position erstmal deutlich machen müssen. Und ich habe diesen Brand-Strategie-Titel sehr bewusst auch mit dazu ausgehandelt, dass ich nicht nur Chefredakteurin bin, weil ich a) in dieser Kompetenz als Designerin auch Bei PAGE wichtig bin und b) auch so wahrgenommen werden möchte. Und es ist für mich auch ein Hebel, um in die Community zu kommunizieren und auch intern zu kommunizieren.
Also, wir sind ja Teil von einem größeren Dachverlag. Und da ist Design sehr häufig ein Thema, das einfach viel Aufklärungsbedarf hat. Und ich sehe das auch als meine Aufgabe, das mit reinzutragen. Weil wir können ja schlecht über Design und über die Struggles berichten, die die Designbranche hat, wenn wir die bei uns selbst nicht angehen. Und ich finde, es ist nur richtig, dass wir uns parallel zur Branche entwickeln.
Damit bilden wir auch das ab, was da passiert. Weil im Moment ist es an den wenigsten Stellen so, dass Designabteilungen einfach nur Design machen. Sondern »Was Design leistet« wird einfach immer größer und man muss sich diesen Raum auch nehmen.
Franziska:
Was sind denn so die Punkte, wo ihr aufklärt?Anne:
Es geht ganz viel um den Wert und um die Rolle von Design. Weil die Eigenwahrnehmung und die Außenwahrnehmung einfach immer noch wahnsinnig weit auseinander gehen.Wir als Kreative, wir wissen, was wir machen. Wir wissen auch, dass wir nicht einfach Dinge schön machen und dass das auch so ein bisschen ans eigene Ego geht, wenn das jemand sagt. Aber tatsächlich ist es doch so, dass außerhalb von der Design-Bubble diese Annahme immer noch besteht. Und du kannst noch so viel darüber aufklären. Du musst im Einzelnen wahnsinnig viele Gespräche führen.
Und das sind in ganz vielen Stellen die Entscheider*innen, die man da an die Hand nehmen muss, um zu zeigen, was für einen Unterschied ein gutes Design machen kann. Und um zu zeigen, was strategisches Design leisten kann. Dass es eben nicht nur darum geht, ein Logo aufzuhübschen. Ich weigere mich auch, diesen Begriff anzunehmen. Das ist nicht das, was wir machen.
Das, was wir machen, ist zielgruppengerecht kommunizieren. Deswegen finde ich Kommunikationsdesign auch einen sehr passenden Begriff für das, was wir gerade tun. Und das zu erklären, was wir machen, ist eine ganz schön große Aufgabe.
Ich würde am liebsten den Leuten auch einfach PAGE hinlegen und sagen, hier, lies. Aber PAGE ist dann doch das Magazin für die Branche, die auch schon verstanden hat, was wir machen. Und ich glaube, es wird für uns in den nächsten Monaten und Jahren ein ganz, ganz großer Auftrag, auch nach draußen zu gehen und auch die Zielgruppe so ein bisschen zu erweitern, die wir ansprechen.
Wir haben vor zwei Jahren die Design Business Days ins Leben gerufen. Und letztes Jahr auch nochmal ein bisschen vergrößert. Und dabei geht es uns darum, Kreative und Menschen aus Unternehmen, die Kreativleistung managen, zusammenzubringen. Also gerade diese Kommunikationsgap auch zu überwinden. Und wir stellen dann immer wieder fest, dass es relativ schwierig ist, an diese Zielgruppe ranzukommen, die eben noch nicht so designaffin ist.
Und das ist die große, große Aufgabe, die wir jetzt auch in den nächsten, sagen wir mal zwei bis drei Jahren, haben werden. Weil die Designbranche sehr, sehr gut darin ist, untereinander zu kommunizieren, aber wenn es darum geht, die eigenen Leistungen sichtbar zu machen, nach Außen, haben wir noch Nachholbedarf.
Aber ist ja im Prinzip genau das, was du tust mit deinem Podcast.
Franziska:
Ja, wir haben eine ähnliche Botschaft. Ja, und so wahr. Ich glaube, das hast du gerade sehr viele abgeholt. Und viele haben genickt beim Zuhören. Ich glaube, das kennen viele, die in der Kreativwelt arbeiten.Anne:
Ja, es gibt mir aber tatsächlich auch einfach viel Halt zu wissen, dass wir nicht alleine dastehen und dass wir auch lernen, mit den gleichen Problemen wie die Branche. Weil das bedeutet, dass wir nicht einfach Sachen machen und kommunizieren, die nichts mehr mit der Realität von der Branche zu tun haben. Das ist so die ganz große Sorge, die man hat, wenn man im Journalismus arbeitet. Weil du kannst noch so viele Leute fragen, es ist halt immer ein eingeschränktes Bild von der Branche.Und das ist auch genau der Grund, warum ich versuche, PAGE noch mehr zu öffnen und mehr in Richtung Kollaboration zu gehen. Damit wir einfach mehr Stimmen auch abbilden können, weil das ist ein Anspruch, den wir in der Redaktion haben. Das ist aber schwierig mit einer gewissen Teamgröße, weil du nie die ganze Branche abbilden kannst.
Franziska:
Mit dir in deiner neuen Position wurde ja auch diese Neupositionierung nach Außen kommuniziert. Wenn ich das richtig verstanden habe, läuft die ja schon seit einer Weile. Das ist ja ein Prozess, der wahrscheinlich nicht erst gestern angestoßen wurde.Anne:
Genau.Franziska:
Aber was war denn der Stein, der das Ganze ins Rollen gebracht hat?Anne:
Tatsächlich ging das Ganze damit los, dass wir im Dachverlag einiges an Bewegung hatten. PAGE gibt es jetzt im ... wir sind im 38. oder im 39. Jahrgang sogar schon. PAGE gibt es schon wahnsinnig lange. Wir sind gestartet als eines der ersten Magazine das sich mit Desktop-Publishing beschäftigt hat.Und wir haben uns weiterentwickelt. PAGE hat mehrere Relaunches hinter sich und auch ein Team, das einfach schon unfassbar lange daran arbeitet. Das bedeutet aber manchmal auch, dass man sich so ein bisschen in seinen eigenen Prozessen verliert. Und dass es auch schwierig wird, richtig Bewegung reinzubringen. Und das ist das, was jetzt Anfang des Jahres gestartet ist mit der Ansage vom Dachverlag, dass wir unsere Printfrequenz ändern.
Und mit dieser quasi aufgesetzten Vorgabe, die ja durchaus richtig ist, sind wir gestartet in diesen Veränderungsprozess. Und haben dann aber die Bremse reingehauen und gesagt, okay, wir müssen das strategisch machen.
Wir müssen einmal von Grund auf klären, was das jetzt bedeutet für die Marke PAGE. Und dazu haben wir uns im Team zusammengesetzt und einen Markenworkshop gemacht. Und wir sind auch relativ schnell wieder dabei gelandet, dass wir in der DNA sehr genau wissen, was PAGE ist, dass wir das aber nach Außen hin nicht klar kommunizieren. Und dass wir eigentlich sehr stillschweigend die journalistische Arbeit machen, ohne uns zu positionieren.
Und das ist was, was für mich als Markendesignerin einfach ein Riesenthema ist, weil ich weiß, wie wichtig es ist, auch zu kommunizieren, was bei uns gerade passiert.
Deswegen haben wir im Prinzip Anfang des Jahres mit dem Magazin Relaunch angefangen Wir haben Stück für Stück dann auch unsere anderen Medien aufgearbeitet und redesignt. Wir haben auch neue digitale Formate entwickelt. Und die logische Schlussfolgerung, das jetzt zu kommunizieren, kam dann tatsächlich mit mir, weil ich da auch Wert drauf gelegt habe.
Ich finde es wichtig, dass wir uns nicht einfach nur bewegen, sondern dass wir das auch sichtbar machen. Weil es ist eine Entwicklung, wo die Branche ja durchaus auch was mitzureden hat. Also ich finde nicht, dass wir intern beschließen müssen, was mit PAGE passiert, ohne dass da jemand auch Feedback zu äußern kann.
Deswegen fragen wir das auch sehr häufig ab. Und ich finde das einfach wichtig. Wir sind das Magazin oder eher die Plattform für die Branche und deswegen ist das nichts, was wir hier alleine durchziehen in unserem kleinen Elfenbeinturm. Sondern das machen wir gemeinsam mit allen.
Franziska:
Ein großes Motto ist ja Gemeinschaft zu gestalten. Was bedeutet das denn jetzt für die Fans der PAGE und für die Design Community? Was passiert denn jetzt?Anne:
Eine ganz große Stärke von PAGE ist, dass wir sehr gut darin sind, Leute zusammenzubringen Also gerade wenn wir sehen, dass Menschen denselben Schwerpunkt haben oder auch ganz unterschiedliche Schwerpunkte, die sich aber ergänzen, dann bringen wir gerne Leute zusammen.Das machen wir eigentlich schon immer. Sei es in der Kuratierung für Geschichten. Oder auch mal in einem Panel für die Design Business Days. Das ist aber etwas, was wir jetzt verstärkt machen wollen. Wir haben alle ziemlich große Netzwerke in der Redaktion und auch super spannende Kontakte. Und ich finde es wahnsinnig reizvoll zu sagen, man bringt Leute zusammen, die sich sonst einfach nicht treffen würden.
Ein ganz, ganz großes Anliegen von uns in der Redaktion ist auch, den Nachwuchs nochmal anders zu fördern und sichtbar zu machen, weil einfach die nächste Generation Kreative mit den älteren Generationen gar nicht so sehr in Kontakt kommt, bis man sich dann in der Berufswelt trifft. Und ich finde, das ist auch eine Aufgabe, die wir haben. Weil PAGE so ein bisschen neutraler Grund sein kann. Ich finde das extrem spannend, dann auch mal die verschiedenen Perspektiven zu sehen.
Und es ist auch wichtig, dass wir eine Branche sind, in der man diskutieren kann und wo auch verschiedene Perspektiven Platz haben. Ich finde, das ist gerade in der Zeit, in der wir jetzt sind, und in der politischen Entwicklung und gesellschaftlichen Entwicklung, wahnsinnig wichtig. Und deswegen holen wir da auch verschiedene Stimmen nochmal vor und holen auch verschiedene Leute auf die Bühne bei unseren Events oder in die PAGE Academy. Und ich habe die Hoffnung, dass die Branche das auch mitträgt. Das Feedback bisher war wahnsinnig positiv und wir haben so viele Anfragen bekommen.
Franziska:
Welche Möglichkeiten wird es denn für die kreative Community geben, sich aktiv am Magazin zu beteiligen oder Dinge einzubringen?Anne:
Wir haben verschiedene Anlaufstellen. Also die erste ist natürlich, einfach direkt an die Redaktion heranzutreten. Und wir sortieren dann. Was wir gerne machen im Moment, ist verschiedene Formate auszutesten. Wir haben ja verschiedene Kanäle. Das heißt ganz klassisch gehen natürlich Artikel in Print und Online auch genauso weiter wie bisher.Wir versuchen aber jetzt auch weiter in Richtung Multimedia zu denken. Also gerade, wenn es mal darum geht, einen Redaktionsbesuch zu machen, wenn wir Leute hier haben, wenn wir Leute besuchen. Dass wir Dinge mitschneiden. Dass wir sichtbar machen, wie wir arbeiten. Und genau das Gleiche gilt eben auch für die Branche.
Wir haben verschiedene Formate und Artikelformate, in denen wir zeigen, wie Kreative arbeiten. Und ich möchte das verstärken Also wenn jemand zu uns kommt und sagt, hey, wir haben hier diesen super coolen Prozess oder das Projekt, dann schauen wir uns erstmal an, was inhaltlich da ist und entscheiden uns dann für eine Form.
Sei es in der PAGE Academy, dass man sagt, man bringt anderen Leuten bei, wie das funktioniert. Oder man holt Leute bei den Design Business Days auf die Bühne. Und manchmal sind das aber auch Dinge, die über einen längeren Zeitraum einfach wachsen und die dann eine neue Form annehmen. Und dafür sind wir gerade auch sehr offen.
Also wenn ihr Ideen habt, bringt sie mit. Wir versuchen das umzusetzen und wenn das nicht morgen geht, dann machen wir es in einem halben Jahr. Wir sind da gerade sehr im Entwicklungsmodus. PAGE hatte schon immer den Magazinkern, aber es ist tatsächlich für uns jetzt auch gerade ein Prozess herauszufinden, welche Formate noch funktionieren und welche handhabbar sind.
Und gerade mit Agenturen hat man da nochmal mehr die Möglichkeit, Dinge auch auszutesten, weil die natürlich selber auch eine gewisse Medienkompetenz mitbringen.
Franziska:
Ja, wir als Designer*innen sind ja irgendwie eigentlich die Expert*innen dafür, wie man Sachen nach Außen kommuniziert, aber seltsamerweise entwickelt sich dann trotzdem dieses Elfenbeinturmgefühl in der Branche, dass wir zwar alle miteinander reden, aber irgendwie nicht nach draußen.Anne:
Ja, und ganz oft geht es da auch um die Kommunikationskompetenz. Wir sind wahnsinnig gut darin, Storys für unsere Kund*innen aufzubereiten und wenn es dann um uns selber geht, fehlt uns auf einmal so ein bisschen der Faden.Franziska:
Ja, total.Anne:
Und das finde ich wahnsinnig schade, weil eigentlich können wir das ja. Aber das ist auch was, was wir als Redaktion dann anbieten. Also wir sind diejenigen, die die Themen aufbereiten, die auch auffangen und auch so ein bisschen den journalistischen Prozess dann auch weitergeben und beibringen. Also genau das, was PAGE für mich getan hat. Weil da sehr viele Parallelen sind.Also wenn ich ein Briefing noch mal reformulieren würde für einen Kunden, ist das gar nicht so viel anders, als wenn ich ein Konzept schreibe hier für einen PAGE-Artikel. diese Arbeit hat sehr viel Berührungspunkte, denn es geht viel darum, für die richtige Zielgruppe die richtige Form zu finden und das dann entsprechend zu kommunizieren.
Ich glaube, dieser Switch im Kopf macht schon einfach wahnsinnig viel. Es gibt verschiedene Wege, diese Botschaften zu transportieren. Und das heißt auch nicht, dass alle Kreativen jetzt auf eine bestimmte Art kommunizieren müssen oder alle anfangen müssten Artikel zu schreiben. Das, was uns bei PAGE wichtig ist, ist, dass wir diese Bühne bieten und dass wir auch der Sparing-Partner sind, um die Sachen auszuarbeiten. Wir sind dazu da, um die Sachen sichtbar zu machen und zu kuratieren. Und ich glaube, das wird ganz stark unsere Rolle in Zukunft sein.
Franziska:
Community ist ja eh so ein Begriff, der gerade immer wichtiger wird. Was bedeutet denn Community für dich?Anne:
Für mich spezifisch oder für PAGE?Franziska:
Warte mal, also erst mal für dich.Anne:
Community für mich bedeutet Design-Branche. Also alle Menschen, mit denen ich interagiere. Und ich fühle mich da auch als Teil von. Und ich glaube, dass mir das auch wahnsinnig hilft, gerade im Alltag, um die Themen rauszufiltern, die spannend sind.Community bedeutet für mich persönlich, aber auch so mein ganzes Umfeld. Und das ist teilweise Design, weil ich die Leute dann doch auch anstecke mit meinem Wahnsinn. Teilweise ist es aber auch sehr, sehr anders. Dann gibt es da Menschen, die als Historiker*innen oder in der Informatik arbeiten. Und ich finde es wahnsinnig wichtig, dieses persönliche Community-Gefühl auch mitzunehmen und dann zu hinterfragen, was zum Beispiel die PAGE-Community angeht. Weil die ist natürlich vorrangig Kreative im professionellen Bereich.
Wenn man die aber erweitert denkt, dann geht die ja auch genau diesen Weg, den ich vorhin schon angesprochen habe. Es geht dann nicht nur um Kreative, sondern es geht auch um die Auftraggeber*innen. Es geht um alle Menschen, die eigentlich davon profitieren könnten, mehr mit Design zu tun haben.
Im Bestfall haben wir also eine erweiterte Community. Eine, die nicht nur Design ist und nicht nur sich in der eigenen Bubble bewegt, sondern auch diesen Schritt nach Außen schon gemacht hat und dann eben so interagiert.
Franziska:
Also für mich ist Community zum Beispiel sich gegenseitig zu unterstützen. Und das ist in der, ich bin ja Illustratorin und Designerin, in der Illustrations-Community für mich noch viel stärker als in der Design-Community.Die Illustrations-Community ist für mich echt so eine Familie, wo ich einfach weiß, da kann ich Kolleg*innen fragen. Da ist ganz viel Fairness und ganz viel Solidarität.
Anne:
Gerade in den letzten Monaten und so vor dem ganzen KI-Hintergrund wird nochmal deutlich, welche Unterbranchen und Einzelcommunities innerhalb vom Design diesen Zusammenhalt auch haben.Also ich finde gerade alles, was Film und Illustration angeht und so, da ist dieses »Sich zusammenschließen« und auch eine Haltung entwickeln und sich gegenseitig unterstützen und solidarisch agieren viel, viel schneller passiert, als in der übergeordneten Agenturbranche.
Das ist ein Thema, was uns gerade sehr beschäftigt. Also natürlich steht KI bei uns sowieso sehr im Vordergrund gerade. Und wir versuchen, das aufzuarbeiten für alle. Aber auch da ist es wieder dieses verschiedene Perspektiven abbilden. Wir wollen natürlich ermutigen und wir wollen die Leute auch enablen, so zu arbeiten, dass sie in Zukunft gut klarkommen. Das bedeutet aber ganz unterschiedliche Dinge und gerade für die Illustrationsbranche ist es einfach eine Riesenveränderung.
Ich weiß nicht, wie du das erlebst im Moment, aber vielleicht kannst du auch ein bisschen davon erzählen, gerade was das Community-Gefühl angeht.
Franziska:
Ja, also KI ist einfach ein ganz großes Thema. Und in der Illustrations-Community, also in dieser Blase, in der ich mich bewege, kann ich schon sehen, dass das unglaublich viele Verunsicherungen hervorruft. Und auch ganz viel Widerstand. Die letzten Wochen hatte ich auch öfters mal das Gefühl, dass es für alle unglaublich anstrengend, weil da auch einfach so viele unkomfortable Gefühle nach oben kommen.Auch passiert es dann, dass in den sozialen Medien auch so ein Negativ-Twist entsteht und sich dann alles auf einmal so hochschaukelt, was einfach für alle anstrengend ist. Und irgendwie auch am Ende nichts bringt, finde ich. Also nichts wirklich Messbares, Wirksames.
Auch habe ich das Gefühl, dass in der Designwelt viel offener mit KI umgegangen wird. KI also auch zu benutzen. Während in der Illustration ein ganz großer Widerstand da ist. Das mag aber auch einfach daran liegen, dass es in der Designwelt einfacher ist, KI in den Prozess zu integrieren und so zu benutzen, damit man effektiver arbeiten kann, um ein besseres Ergebnis zu haben.
In der Illustration ist es halt, glaube ich, schwieriger. Weil im Prozess, eine Illustration zu entwickeln ... man kann sich bei Ideenfindung mit KI helfen, aber das Zeichnen an sich, da kommt man halt nicht drum rum. Das muss man halt machen, damit man da durch den Prozess durchgehen kann. Und ich glaube, deshalb stellt sich das auch so unterschiedlich dar, also im Design und in der Illustration. Ich habe viele Designer*innen-Freunde in meinem Umfeld, die total offen damit umgehen und KI halt auch wirklich schon sehr viel benutzen.
In der Illustration kenne ich ehrlich gesagt niemanden, der sagt, ja, ich benutze jetzt KI, um meine Arbeit zu machen.Also, ich glaube, viele benutzen es halt, um Buchhaltung schneller zu machen oder um mal einen Text für die Webseite zu schreiben mit ChatGPT. Aber so für zeichnerische Bildentwicklung benutzt das niemand, den ich kenne.
Anne:
Ich glaube, es ist gerade in der Illustrationsbranche auch eine Identitätsfrage. Also das, was Design und Illustrationen auch ganz oft angekreidet wird, ist, dass es nur um den Output geht, also nur um das, was du am Ende siehst. Der Entstehungsprozess ist für Kreative immer schon wahnsinnig wichtig, aber genau den sichtbar zu machen, lernen wir eben gerade erst.Das heißt, du musst dich jetzt gerade zusätzlich dazu, wie lange Sachen vielleicht sowieso schon dauern, auch noch dafür rechtfertigen, dass du sie nicht schneller machst, nur weil du vielleicht KI einsetzen könntest ... in irgendeinem Teil deines Prozesses, den ein Kunde und den teilweise auch deine kreative Community vielleicht gar nicht versteht.
Und ich glaube, das wird uns die nächsten Jahre auch noch weiter beschäftigen, weil KI sich einfach wahnsinnig schnell weiterentwickelt und auch nicht mehr verschwinden wird. Wir sind an dem Punkt, wir müssen damit umgehen lernen und wir müssen vor allem auch einen ethischen Umgang damit finden.
Wir sind in der PAGE-Redaktion sehr ... nicht zwiegespalten, aber wir sehen KI sehr differenziert. Müssen wir auch, weil wir eben, wie gesagt, die verschiedenen Bereiche aus der Community abbilden müssen. Tatsächlich ist gerade das Thema Illustration eins, das uns immer wieder beschäftigt.
Weil wir das sehen, also wir kriegen mit, wie sich das anfühlt für die Community gerade. Wir kommen aber nicht herum, trotzdem zu kommunizieren, wie man mit KI arbeiten kann. Und wir haben tatsächlich auch sehr, sehr negatives Feedback dazu bekommen, dass wir relativ viel KI gerade abbilden. Wir tun das immer auch mit dem Disclaimer, wie: ein KI ist einfach nicht unproblematisch im Moment.
Aber gerade diese Identitätsveränderung können wir eigentlich nur abbilden, indem wir die Leute dann selber auch zu Wort kommen lassen. Und das ist eine ganz schöne Herausforderung, weil viele Leute, die vielleicht auch schon mit KI arbeiten, sich gar nicht so sehr trauen, darüber zu sprechen, weil es eben so negativ aufgefasst wird.
Wenn du da Kontakte hast und Menschen, die darüber sprechen möchten, schick sie gerne zu mir.
Franziska:
Das mache ich total gern. Aber du hast recht, ich glaube, eine ganz wichtige Aufgabe, die sich dadurch stellt, ist halt, auch die Bildkompetenz unserer Auftraggeber*innen zu vergrößern. Also da haben wir auch eine Bildungsaufgabe. Viele verstehen halt einfach nicht, wie Bilder entstehen und wie gutes Design entsteht.Genau wie du vorhin gesagt hast, viele denken, wir hübschen halt auf oder wir nehmen halt einen Text und bilden das eins zu eins im Bild ab. Was total absurd ist. Wenn man einmal eine Illustration gemacht hat, weiß man, dass das so nicht funktioniert, weil es unglaublich viele Leerstellen gibt, sogar wenn das Bild total krass beschrieben ist.
Aber da gibt es einfach eine Aufgabe, die wir jetzt haben. Zu erklären, dass wir eben nicht nur aufhübschen, sondern dass da viel mehr passiert. Dass es ein Übersetzungsprozess ist. Aber eben auch nicht nur, sondern eben auch so ein, was ist ein gutes Wort dafür?
Anne:
Ich wüsste jetzt keinen guten Begriff auf Deutsch dafür, aber Visual Literacy, die Bildmetaphern zu finden und sich selber auch so aufzuladen, dass man Dinge auch zielgruppengerecht kommunizieren kann. Und das ist in der Illustration genau dasselbe wie im Design.Und dass der Wert von Design oder von Illustrationen auch nicht nur in dem entsteht, was am Ende dann da ist, sondern auch in dem Prozess in der Schöpfung. Das ist aber auch wieder so eine ganz grundlegende Frage, was Kreativität ist und was Designleistung ist. Da diskutieren wir auch viel drüber.
Franziska:
Ja, ich bin gespannt, was da die Zukunft bringen wird. Ich sehe schon in meiner Arbeit über die letzten Jahre, dass das Designer*innen und Illustrator*innen immer schon das Problem haben, dass wir auf eine gewisse Art und Weise mit Leuten reden, die unsere Arbeit nicht richtig verstehen.Und so oft in so einer Rechtfertigungsposition landen. Und sagen, doch, das, was wir machen, ist wichtig und das, was wir machen, bringt mehr als einfach nur aufhübschen. Und ich würde es total toll finden, wenn wir mal aus dieser Rechtfertigungsposition rauskommen und erreichen, dass der Wert von Design und Illustration besser sichtbar wird.
Aber wie gesagt, ich glaube, es ist einfach gerade das, was wir machen müssen. Das ist die Lernaufgabe, die uns KI gibt.
Anne:
Ja, und auch da ist das Stichwort Community einfach super wichtig. Also vielleicht müssen gar nicht die Illustratoren alle lernen, das zu erklären. Sondern es sind vielleicht auch die Agenturen, die gefragt sind, da wirklich solidarisch mal Aufklärungsarbeit zu machen. Weil die sehr häufig doch diejenigen sind, die Illustrationen beauftragen für die Kund*innen.Was ich auch ein super spannendes und tolles Konzept finde, sind Illustrationsagenturen. Also im Prinzip jemand, der im Vordergrund sitzt und das Kundenhandling übernimmt, damit sich die Illustrator*innen tatsächlich auf ihre Aufgabe konzentrieren können und eben nicht diese Erklärungsarbeit leisten müssen.
Ich finde Kombinatrotweiss mit Svetlana Jakel da toll. Wahnsinnig beeindruckende Frau. Also falls du noch jemanden suchst für den Podcast, absolut großartig. Würde ich auch jederzeit weiterempfehlen.
Franziska:
Ich habe sie gerade eingeladen in meine Portfolio-Akademie. Da war sie gerade als Expertin.Anne:
Ja, super. Und ich finde, es sind aber auch diese Köpfe in der Branche, die halt genau solche Probleme dann mal sichtbar machen und da auch offen drüber sprechen. Und genau das brauchen wir auch. Es müssen nicht alle machen, aber es müssen an den richtigen Stellen sich die richtigen Leute bewegen.Franziska:
Stimmt. Das ist ein guter Hinweis. Es müssen nicht alle machen, und gemeinsam sind wir stärker. Genau. Welchen Platz nimmt denn Storytelling ein? Also welche Art von Geschichten möchtet ihr denn in der PAGE jetzt erzählen über die Branche, über Kreative und vielleicht auch über euch selbst?Anne:
Ich glaube, uns fällt es sehr schwer, diese Geschichten über uns selbst zu erzählen Da bin ich vielleicht auch die Ausnahme, weil ich eben aus dem Design komme und genau dieses ... immer wieder auch sichtbar machen, was man selbst tut, weil das hilft, dass Leute verstehen, was man tut ... das liegt mir. Das kann ich. Das habe ich auch gelernt. Und ich bringe das meinen Kolleginnen gerade bei. Die kommen nämlich sehr klassisch aus dem Journalismus. Und für die fühlt sich das immer an wie Angeben. Und ich finde das total nachvollziehbar. Und ich habe das auch echt lernen müssen. Es ist aber ein sehr wichtiger Skill.Im Vordergrund bei uns steht, dass wir Menschen sichtbar machen. Also bei PAGE wird es jetzt noch mehr als sowieso schon darum gehen, Leute zu zeigen. Zu sehen, wie Menschen zusammen arbeiten in der Kreativbranche. Und wirklich auch diese persönliche Haltung nochmal rauszuarbeiten. Natürlich zeigen wir weiterhin Projekte. Wir zeigen, wie Prozesse ablaufen. Es geht aber ganz oft auch um Einzelpersonen in der Branche, die sich eben rausstellen oder die vielleicht auch großartige Sachen machen, aber überhaupt nicht so sichtbar sind.
Und da sind wir wieder beim Nachwuchs. Es gibt einfach nicht so viele Plattformen für junge Talente, um sich zu zeigen. Und das sehe ich auch als unsere Aufgabe, weil wir eben diejenigen sind, die den Blick dafür behalten können und die dann aber auch wieder Leute zusammenbringen können, die sich gegenseitig auch weiterbringen.
PAGE hat schon immer den Anspruch, exzellentes Design sichtbar zu machen. Es geht aber auch darum, dass man die Leute zeigt. Und da gehören wir einfach mit dazu. Weil es eben nicht nur darum geht, wie wir am Ende dann da liegen als Magazin, sondern es geht auch darum, dass man uns wahrnimmt dahinter.
Franziska:
Und ich glaube, es ist eine echt große Chance, dann Menschen auch mitzunehmen. Zu sagen, so entsteht ein Magazin. Hier arbeiten wir. Das ist das, worüber wir nachdenken.Anne:
Und ich muss auch sagen, diese Transparenz kommt uns an vielen Stellen auch einfach zugute. Also Medienlandschaft ist gerade schwierig. Nicht nur in Deutschland, sondern generell. Und wir spüren das natürlich immer.Also bei uns ist auch eine ganz andere Erwartung seitens des Verlages da. Es geht auch um ganz andere Budgets, als es das noch vor Jahren war. Und wir fahren aber auch mittlerweile den Kurs, dass wir wirklich alles kommunizieren, was wir irgendwie kommunizieren können. Ich finde das wichtig. Ich finde wichtig, dass die Branche versteht, was mit ihrem Magazin und auch dem Treffpunkt, den wir ja sein wollen, passiert. Und das funktioniert nur, wenn wir da ganz offen mit umgehen.
Und ich glaube, dass das aber auch was ist, was rein markenstrategisch eine ganz natürliche Entwicklung ist. Marken, die klar kommunizieren und die authentisch kommunizieren vor allem, performen besser als die, die es nicht tun. Und ich finde, das ist aber auch etwas, was zu uns als Redaktion persönlich passt. Also wir leben von dieser Interaktion.
Und ich habe auch überhaupt nicht den Anspruch, irgendwie PAGE da glorios darzustellen. Wir stehen alle hinter dem, was wir machen. Aber wir kommunizieren auch, wo Sachen nicht laufen.
Und gerade dieses Thema, dass wir uns weiterentwickeln, entsteht ja auch daraus, dass vielleicht manche Sachen einfach nicht passiert sind vorher. Und dass wir genauso wie alle anderen Marken manchmal ein bisschen hinterherhinken und dann manchmal auch sehr schnell uns wandeln müssen. Das ist ganz normal. Aber das muss die Branche halt wissen und verstehen. Und deswegen gehe ich da ganz offen mit um.
Franziska:
Ja, ich finde, dass Marken sich ja ganz oft auch immer in so einer Achterbahnschleife entwickeln. Also es ist sehr normal, dass es auch immer wieder so Phasen gibt, wo man merkt, oh, ich muss das mal aufräumen.Also sowohl bei größeren Marken, aber auch bei Einzelunternehmer*innen, die ja eine Personenmarke sind. Ich finde auch, da ist es sehr normal, dass man alle paar Jahre mal so merkt, huch, ich habe mich total verfranst. Jetzt gilt es mal wieder, hier so ein bisschen einen roten Faden reinzubringen. Aufzuräumen. Sich zu fokussieren.
Wie trefft ihr denn diese strategischen Entscheidungen? Also gerade in so Branding- und Markenprozessen. Also ist das eher intuitiv oder ist das eher datenbasiert? Also Bauch oder Data?
Anne:
Das ist eine Mischung. Also wir haben ziemlich viel Dateninput. Von den Digitalprodukten sowieso. Aus dem Print-Bereich gibt es relativ wenig Dateninput. Wir haben natürlich die Abo-Entwicklungszahlen. Was wir aber sehr gerne und mittlerweile auch regelmäßig machen, ist, dass wir uns Heft-Kritiken geben lassen. Also wir holen uns den Input aus der Community. Der ist aber vorrangig qualitativ.Also es geht wirklich dann um Feedback zu den Artikeln, zu den Themen, ob die Art, wie wir kommunizieren, wie wir Sachen aufbereiten, passen. Und das ist auch das, wo wir viel Wert drauf legen.
Weil die Zahlen sind nur bis zu einem gewissen Punkt aussagekräftig. Und auch da sind es halt wieder die Menschen, auf die es ankommt. Und was wir für das nächste Jahr geplant haben, was wir Anfang Januar kommunizieren werden, ist, dass es für PAGE in Zukunft eine Art Community-Rat geben wird.
Also wir wollen wirklich rausgehen und uns Leute ranziehen, die uns regelmäßig auch dieses Feedback geben. Und auch da wieder Leute connecten. Bisher war das Feedback zum Magazin immer von Einzelpersonen in der Runde mit der Redaktion. Und wir haben darauf basierend dann auch Entscheidungen getroffen.
Ich will aber auch da, dass dann schon eine Diskussion entsteht. Also, dass die Branche mitentscheiden kann, was mit PAGE passiert. Weil im Moment sind die Entscheidungen sehr aus uns selbst rausgetrieben. Und das ist okay, das macht auch total Sinn. Wir kennen die Marke. Wir verstehen PAGE. Aber auch da ist es für uns, glaube ich, Zeit, dass wir uns diesen Prozess ein bisschen unbequemer machen. Dass wir uns da vielleicht auch mal Meinungen reinholen, die ganz anders sind als unsere.
Weil selbst wenn wir uns dann für eine Sache entscheiden, dann haben wir mehr Perspektiven mit reingebracht. Und ich glaube, das ist gerade jetzt total wichtig, weil viele Marken sich wandeln auf Basis von Annahmen, die aber überhaupt nicht bestätigt sind. Und das ist etwas, was ich für PAGE unbedingt vermeiden will. Deswegen lieber mehr Input von Außen.
Franziska:
Wenn jetzt hier jemand zuhört und sagt, so, ja, ich möchte total gerne Feedback geben. Wie könnte das die Person machen?Anne:
Im Moment könnte die Person sich direkt an mich wenden, entweder per LinkedIn oder per Mail.Tatsächlich schreiben wir aber diesen Community-Rat im Januar aus. Wir werden Bewerbungen auch annehmen. Wir werden da auch regelmäßig durchwechseln. Und die Idee ist, dass wir da ein sehr diverses Bild von der Branche schaffen und verschiedene Leute einladen. Das heißt, da werden Menschen dabei sein aus der Industrie. Da werden Leute dabei sein aus Agenturen. Freelance. Aber eben auch aus dem Nachwuchs. Damit wir von vornherein eben diese verschiedenen Stimmen schon in die Konzeption vom Magazin mitnehmen.
Sprich, wer dabei sein möchte, kann sich dann bewerben auf diesem Weg, den wir kommunizieren werden. Und im Moment geht das alles eins zu eins, also direkt an uns als Redaktion.
Franziska:
Voll gut. Da bin ich jetzt mal gespannt, was dann passiert, wenn das Interview rauskommt.Ich habe noch so eine persönliche Frage. Auch wenn natürlich jetzt hier wahrscheinlich viele, die zuhören, nicht die Chefredaktion eines Magazins sind, aber wo wahrscheinlich viele so mitgehen können, ist, dass du jetzt wahrscheinlich ja deutlich mehr Hüte aufhast als vorher.
Und mich würde mal interessieren, wie hat sich denn deine persönliche Identität als Kreative dadurch verändert? Durch diese verschiedenen Hüte? Wie nimmst du dich selbst wahr?
Anne:
Das ist eine total spannende Frage. Ich sehe mich tatsächlich schon seit einiger Zeit als Hybrid. Also das, was mich immer antreibt und was mich auch weiterhin antreiben wird, ist einfach die Designperspektive. Ich finde aber, meine Wahrnehmung von Design hat sich eigentlich schon, seit ich bei PAGE angefangen habe, total gewandelt, weil es geht eben nicht nur um die Gestaltung, sondern es geht auch darum, diese Prozesse zu wandeln. Und das ist was, was ich jetzt sehr klassisch Learning by Doing mitgenommen habe.Ein ganz großes Ding, was so mein Verständnis von meiner Identität ausmacht, ist, dass die wandelbar ist. Das heißt nicht, dass mein Job heute derselbe ist, wie er morgen sein wird, auch wenn da derselbe Titel dranstehen kann. Und ich finde das wahnsinnig wichtig, dass wir uns als Kreative auch so verstehen und dass wir uns weiterbilden und dass auch so Dinge wie KI zum Beispiel uns dann auch nicht rauswerfen können. Weil wir uns sehr sicher sind in dem, was wir wollen.
Und ich glaube, für mich ist das ganz oft dann auch eine Frage der Haltung und von Moral und Prinzipien. Weil dann die Identität aus dem Job selber gar nicht mehr so wichtig ist. Die ergibt sich aus der persönlichen Identität und bei der bin ich mir sehr sicher. Und das hilft.
Und ich finde, es ist auch wichtig, dass die Jobidentität und die persönliche im Einklang sind. Weil wofür macht man es sonst? Da bin ich, glaube ich, sehr Gen-Z mit meiner Meinung, aber es gehört dann wohl auch dazu.
Franziska:
Ja, im Einklang mit den eigenen Werten zu arbeiten. Also ja, ich glaube, das ist am Ende der einzige Weg, der dafür sorgt, dass man das nachhaltig und langfristig machen kann.Du hast vorhin erzählt, dass ihr einen Markenworkshop gemacht habt und du hast eben auch gerade gesagt, dass du dir deiner eigenen Identität sehr sicher bist.
Wie habt ihr denn die Werte für PAGE herausgefunden? Weil das ist ja spannend für jemanden, der zuhört und vorhat, okay, ich möchte mich als Marke stärker positionieren. Was macht man da so, ganz praktisch?
Anne:
Wir haben uns tatsächlich live getroffen, was für PAGE auch relativ ungewöhnlich ist, weil wir vorrangig remote arbeiten. Aber ich finde, genau für solche Diskussionen muss man auch live vor Ort sein.Was ich außerdem wichtig finde, ist, dass man das Ganze von vornherein klar dokumentiert. Das heißt, wir haben wirklich auch auf Papier gearbeitet, haben dann Sachen nochmal übertragen und verfeinert. Und das Ganze hat sich jetzt gegründet in einem Trello-Board zu unserer Strategie, wo wir sehr, sehr klassisch nach Simon Sinek gearbeitet haben. Why. How. What. Für PAGE.
Und bei dem Why sind wir eben immer wieder auf diesem Thema Austausch gelandet. Und das, was wir machen, machen wir dafür, um diese Leidenschaft am Design zu teilen, aber auch, um eine reflektierte Design-Community zu schaffen.
Und aus diesem Antrieb raus ist es gar nicht so schwierig, dann Produkte zu entwickeln, die das erzeugen. Also unser Selbstverständnis ist tatsächlich: wir sind Kleber für die Designbranche.
Und ich glaube auch, Leute, die jetzt gerade ihre Marke neu aufstellen, sollten wirklich immer mit dem Warum anfangen. Warum machen sie das? Und das gibt es dann auf einer persönlichen Ebene und auf der Markenebene. Und bei PAGE sind beide von diesen Ebenen im Einklang.
Und das How: komplexe Inhalte greifbar machen, Community bilden, cross-mediale Verzahnung. Das sind Aufgaben, die wir jetzt für uns herauskristallisiert haben.
Und wie genau das aussieht, das sehen wir dann in 2025. Wir werfen gerade ganz viele Fragen auf, die wir vielleicht auch noch nicht jetzt sofort beantwortet haben müssen. Aber das lerne ich auch gerade. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Und manchmal Dinge auch stehen zu lassen und ein bisschen ruhen zu lassen, bevor man was entscheidet, liegt mir nicht so sehr. Aber das lerne ich gerade. Und mein Team bringt es mir auch bei.
Franziska:
Also das deckt sich total mit meinen Erfahrungen. Ich begleite ja viele Kreative dabei, sich als Marke aufzustellen. Und ich glaube, das ist was sehr Universelles. In solchen Momenten da neigen wir dazu, sehr ungeduldig zu sein. Aber sich diesen wirklich wichtigen, tiefen Fragen zu stellen, braucht ganz oft Zeit. Und man kann loslegen, ohne dass man alle Antworten hat, was ich total schön finde.Bei so einem Markenentwicklungsprozess geht es darum, das Why zu kennen. Die Motivation. Der Antrieb. Dann vielleicht so ein paar konkrete Schritte zu haben. Und der Rest ergibt sich dann auch in so einem lebendigen Wachstumsprozess.
In den 90er Jahren hat man Marken entwickelt, die war wie so ein Korsett waren. Und dann haben sich alle in dieses Korsett gezwungen. Dann hat man das zehn Jahre durchgehalten. Und nach zehn Jahren hat man ein Rebranding gemacht und dann war wieder alles neu. Und ich glaube einfach, dass dieses Brandingkonzept heute nicht mehr funktioniert. Es muss lebendig sein und dynamisch und agil und einfach im Prozess sich entwickeln können.
Anne:
Es muss vor allem ein System sein, was auch wachsen kann mit den Bedürfnissen, die wir haben. Das ist mir wahnsinnig wichtig in der visuellen Ausgestaltung von PAGE. Das gilt aber genauso für unser Produktportfolio.Und ich bin eine wahnsinnige Verfechterin davon, einfach regelmäßig einzunorden, ob die Strategie und das, was wir machen, noch übereinstimmt. Und dann ggf. anzupassen. Alles, was wir jetzt definieren für PAGE, verändert sich mit dem, was wir in der Branche machen. Heißt, es kann auch sein, dass eine KI-Veränderung im Publishing dafür sorgt, dass unsere jetzige Strategie in zwei Jahren überhaupt nicht mehr relevant ist.
Und es ist total wichtig, das auch abzufangen und dann anzuerkennen und umzubauen. Das bedeutet sehr viel Unruhe. Und das ist auch ein Prozess, wo man Leute echt an die Hand nehmen muss. Weil das einfach anstrengend ist. Also immer wieder auch zu hinterfragen, ob das, was wir machen, gerade wirklich zielgruppengerecht ist, ist wirklich, wirklich anstrengend. Es ist aber auch nötig, damit wir guten und relevanten Content machen.
Franziska:
Eine Sache, die, glaube ich, ganz gut damit Hand in Hand geht, ist ja: Du hast es vorhin gesagt. Die Rolle von Designer*innen verändert sich und wir übernehmen auch mehr Beratungsleistungen, mehr Prozessgestaltung. Du wechselst ja gerade in eine neue Rolle rein.Wie gehst du mit der Verantwortung von so einer kreativen Redaktionsleitung um und welche Überraschungen haben sich da für dich ergeben im Bereich Prozessführung. Du bist ja vom Prinzip jetzt auch eine Designerin, die einfach viel mehr Aufgaben übernimmt.
Anne:
Ja, ich glaube, was total wichtig ist, ist nie davon auszugehen dass man alle Info hat. Also ich glaube, es geht um einen ganz grundlegenden Respekt davor, dass man mit anderen Menschen zusammenarbeitet. Die haben alle eine Arbeitshistorie. Die arbeiten tatsächlich auch alle schon länger bei PAGE, als ich das tue. Und ich habe dadurch diese Position, dass ich ein bisschen von Außen drauf gucken darf und auch Fragen stellen darf. Aber es geht sehr, sehr viel um Respekt. Es geht darum anzuerkennen, dass andere Leute auch ganz andere Kompetenzen haben als ich und nachzufragen.Also das erste, was ich mit meinem Team gemacht habe, ist nachzufragen, nochmal ganz blauäugig, was sind eigentlich deren Jobs? Und wie verändern die sich? Und ich finde, das ist auch was, was man dann zusammen ausarbeiten muss.
Und was die Verantwortung angeht: Ich spüre das natürlich schon. Aber auch da kommuniziere ich einfach ganz offen, wo ich gerade stehe. Wo ich gerade auch meine Grenzen sehe.
Und ich bilde mich weiter. Ich gehe überhaupt nicht in diesen Job und nehme an, dass ich das alles einfach kann. Und ich glaube, das ist auch genau das, was bei uns im Team für so ein gewisses Vertrauen sorgt. Weil ich gehe auch nicht davon aus, dass mein Team in den neuen Rollen sofort alles kann.
Ich möchte überhaupt nicht diejenige sein, die alles auf einmal macht oder die bei allem die Finger drin hat. Mir ist Vertrauen wichtig. Mir ist wichtig, dass die Community weiß, was bei uns passiert. Und dass auch manchmal Dinge vielleicht nicht sofort funktionieren, weil wir gar nicht die Kapazitäten dafür haben.
Und mein Job ist es dafür zu sorgen, dass es meinem Team gut geht. Dass es mir gut geht. Weil, wenn ich mental nicht gut aufgestellt bin, kann ich auch nicht gut ein Magazin machen.
Und ich glaube, dass sich der Rest ergibt. Ich habe da tatsächlich aber auch ein Grundvertrauen, weil ich im Verlag gefördert werde und ich das auch sehr, sehr positiv wahrnehme, weil da so eine gewisse Veränderungskultur mit dabei ist.
Denn es ist ja eine super ungewöhnliche Position. Ich bin jetzt Dezember 2024 26. Jahre alt geworden. Ich bin relativ jung in der Position. Und das ist auch ungewöhnlich. Und ich finde, das ist aber auch ein sehr großer Vertrauensverschuss und eine coole Entwicklung. Weil die Designbranche ja auch dieses Thema hat, dass in der Arbeitswelt gerade verschiedene Generationen aufeinandertreffen. Und so sieht das bei uns in der Redaktion eben auch aus.
Und mein Team kommt aus dem Journalismus und da sind ganz andere Erfahrungswerte und ganz andere Hintergründe dabei, die aber super wertvoll sind. Das ist so die eine Sache, die ich gelernt habe in allen Interviews, die ich bisher geführt habe: Die Menschen mit einem diversen Hintergrund und die interdisziplinär arbeiten oder auch nur verschiedene Interessen haben, und das fängt auch schon an bei verschiedenen Hobbys, ... das sind immer die spannendsten und das sind immer auch diejenigen, die am flexibelsten auf Probleme reagieren können. Und das ist genau die Art von Menschen, mit denen ich arbeiten will.
Franziska:
Das ist jetzt eine gute Überleitung zu meiner nächsten Frage. Ich glaube ja, dass im Design Interdisziplinarität und das Verbinden verschiedener Expertisefelder so eine neue Superkraft von Kreativen wird. Das war es schon immer, aber ich glaube, die wird wichtiger. Was für Trends und Entwicklungen beobachtest du denn in der Designbranche?Anne:
Das Thema Interdisziplinarität ist etwas, was wir tatsächlich auch beobachten und eben auch über diese Identitätsfrage nochmal versuchen abzubilden. Was wir auch sehen, ist, dass viele, viele Agenturen sich neu positionieren im Moment. Und dass viel davon auch mit der technischen Entwicklung zu tun hat.Das wird unterschiedlich gehandhabt. Teilweise sind die Agenturen da wirklich auch an einem Punkt, dass sie sich sehr, sehr klar in Richtung KI positionieren und das auch so aufnehmen. Es geht an ganz vielen Stellen aber auch da wieder um das Thema Identität und darum, wie man sich Kunden gegenüber positioniert.
Und da sehen wir den Trend, dass es viel, viel mehr in Richtung Partnerschaft geht und gemeinsames Entwickeln: gemeinsames von Grund auf auch fast schon Unternehmenskonzepte entwickeln. Also Design entwickelt sich einfach weg von der Dienstleistung. Das ist aber eine Entwicklung, die in der Agenturbranche relativ früh begonnen hat und die in allen nischigeren Branchen gerade erst beginnt.
Was wir ansonsten sehen an Trends ist: Markenentwicklung verändert sich. Die Zielgruppen werden jünger. Es ist in der Gesellschaft ein Shift. Es ist aber grundsätzlich auch einfach so viel Unruhe und Unsicherheit.
Es gibt ganz klassisch die visuellen Trends, die sich irgendwie alle in Richtung Retro entwickeln, weil das auch so diese gewisse Sicherheit eben gibt.
Wir haben Marken die ganz, ganz anders kommunizieren als früher.
Und eben das Thema Authentizität wird immer wichtiger. Also es geht einfach darum, dass Marken klar kommunizieren, wer sie sind und dass sie eben auch eine Haltung haben und die kommunizieren. Und ich glaube, in den nächsten Jahren wird uns ganz, ganz viel beschäftigen, diese Lücken zu schließen zwischen dem, wie Marken kommunizieren und dem, wie sie tatsächlich aufgestellt sind.
Und das wird, glaube ich, eine Riesenaufgabe für Kreative. Weil du da eben nicht nur in das Erscheinungsbild musst, sondern auch in die Prozesse. Du musst gucken, wie sind Menschen im Unternehmen aufgestellt? Wie behandeln die sich gegenseitig? Wie kommunizieren die untereinander? Es geht gar nicht mehr so sehr darum, dann das Bild nach außen zu designen, sondern es geht darum, dieses Markenverständnis zu designen und auch eben sichtbar zu machen, was Kreative in Unternehmen leisten können.
Genau. Ich finde es eine wahnsinnig spannende Aufgabe. Die ist manchmal auch sehr kräftezehrend, aber die ist natürlich auch unfassbar befriedigend, wenn man dann sieht, wie viel man eigentlich verändern kann. Und ich glaube, wir haben selten eine Phase erlebt, in der sich so viel auf einmal verändert. Das ist teilweise, glaube ich, sehr überwältigend und super frustrierend, weil wenn man sich die Welt gerade so anguckt, ist es, glaube ich, schwierig, die Hoffnung zu behalten.
Es ist aber halt auch eine Chance. Und es ist, glaube ich, genau jetzt der Zeitpunkt, wo wir als Kreative uns dann auch einfach den Raum nehmen müssen und uns hinstellen und sagen, okay, wir sind jetzt diejenigen, die das auch anfassen. Und ich glaube, dass wir das gut können, gerade wegen der interdisziplinären Kompetenz und dem Kontakte knüpfen, Felder verbinden, Zusammenhänge sichtbar machen. Und da ist PAGE mit dabei, als Begleitung und als Anleitung und als Sparing-Partner, zum Mitdiskutieren.
Franziska:
Voll gut. So, als Abschlussfrage, welche Tipps würdest du denn jungen Designer*innen und Illustrator*innen geben, die heute in der Kreativbranche sichtbar werden wollen?Anne:
Nehmt Raum ein. Lasst euch nicht runterhandeln. Und überlegt euch genau, mit wem ihr arbeiten wollt. Weil tatsächlich die Menschen, mit denen ihr arbeitet, immer, immer wichtiger sind, als die tatsächlichen Projekte, an denen man arbeitet. Und das macht das auch besser. Man kann besser von Menschen lernen, mit denen man gut kann.Und ich glaube, es ist auch super wichtig, sich bewusst zu sein, dass man überhaupt nicht fertig in die Branche kommt. Und dass die sich verändert. Und dass die auch manchmal naive Fragen und Input braucht, die man vielleicht nicht im Studium in der Ausbildung gelernt hat, sondern die man einfach auch als Mensch mitbringt.
Und ansonsten ja, mein Lebensmotto ist: Das wird schon. Und es wird auch gut.
Franziska:
Das ist ein gutes Motto. Meins ist: Einfach weitermachen.Anne:
Ja, ergänzt sich ganz gut.Franziska:
Ja, vielleicht noch so als allerletzte Frage. Von außen betrachtet sieht das jetzt aus: Du bist eine junge Designerin, die eine total krasse Karriere hingelegt hat, eine total krasse Position inne hat, in einem jungen Alter. Gab es denn in deinem bisherigen Berufsleben auch Momente, in denen du an deiner Karriere oder an deinem Weg in die Kreativbranche gezweifelt hast? Und wie bist du damit umgegangen?Anne:
Ja, die gab es auf jeden Fall. Es gibt ja durchaus einen Grund, dass ich nicht mehr klassisch im Design arbeite sondern im Journalismus bin.Und zwar meine ... nicht die erste, sondern die zweite tatsächliche Agenturerfahrung. Der erste richtige Job, den ich hatte, aus dem Studium raus, war tatsächlich alles an negativen Erfahrungen kombiniert. Was man sich von Außen manchmal auch vorstellt über die klassische Werbebranche. Super kleines junges Team, wo ich sehr ins kalte Wasser geworfen wurde.
Das war hart. Ich war da sechs Monate und nach diesen sechs Monaten hatte ich ein Loch. Also ich bin danach dann zu PAGE gewechselt. Und im Nachhinein ich habe dann mal einen DDC-Salon besucht zum Thema Burnout in der Kreativbranche.
Und da gab es eine Grafik, die sich mir echt eingebrannt hat. Es gibt mehrere Phasen, die zu einem Burnout führen. Und ich konnte ziemlich genau sagen, bei welcher Phase ich dann ausgestiegen bin aus der Agentur.
Und das nochmal so reflektiert zu sehen und auch zu wissen, dass ich wirklich aufpassen muss, dass ich nicht mehr reinstecke, als ich gerade zur Verfügung habe und dass manchmal auch die 80% vollkommen in Ordnung sind, das war ein hartes Learning.Und auch einen Job zu kündigen, der grundsätzlich von den äußeren Faktoren her eigentlich total das gewesen wäre, was ich machen wollte. Und auch ein Team war, was ich gerne mochte. Aber wo von den Chefs so dermaßen problematische Sachen kamen. Das anzuerkennen, dass das nicht mein Fehler war. Und da einfach dann auch rauszugehen und mich rauszuziehen. Das war eines der ersten harten Learnings in meinem Berufsleben.
Aber es hat mich tatsächlich jetzt auch weitergebracht, weil ich genau das jetzt kann und da auch sehr darauf achte bei meinem Team. Und auch bei mir selber. Dass wir unsere Grenzen einhalten.
Das finde ich ist gerade für junge Kreative auch wichtig. Dieses sich selber erlauben auch einfach dann zu gehen und was anderes zu machen. Weil es wird schon. Und das wird gut.
Voll gut. Dankeschön liebe Anne. Vielen, vielen Dank für dieses tolle Interview und diese tollen Einblicke.
Danke dir. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und ich hoffe, dass wir uns auch bald mal wieder sprechen. Ich schätze schon.
Franziska:
Ja, hoffentlich. Da freue ich mich sehr. Dankeschön.
So, das war das Interview mit Anne Kaiser, der neuen Chefredakteurin des PAGE Magazins.
Was ist der für dich eindringlichste Impuls, den du aus diesem Interview mitnimmst? Willst du dich auch einbringen in der Community der PAGE? Und was hat dich vielleicht auch überrascht beim Zuhören?
Ich bin sehr neugierig, wie es dir mit diesem Podcast-Interview geht! Teile deine Gedanken dazu gerne auf Instagram unter @diegutemappe oder auf LinkedIn. Dort findest du mich unter Dr. Franziska Walther. Oder schick mir gern deine Haltung dazu als Kommentar auf Spotify oder per Bewertung!
Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe, wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska
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Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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