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Weitere InformationenHeute habe ich eine sehr persönliche Folge für dich. Letzte Woche ist die Illustratorin und Autorin Jutta Bauer im Alter von 70 Jahren gestorben – eine der bekanntesten deutschen Kinderbuch-Illustratorinnen, die Bücher wie »Die Königin der Farben«, »Schreimutter«, »Opas Engel« und »Selma« geschaffen hat.
Ich durfte bei Jutta studieren, und sie war eine wichtige Mentorin für mich.
In dieser Episode möchte ich dir erzählen, was ich von ihr gelernt habe – und warum es so wertvoll ist, Menschen an unserer Seite zu haben, die an uns glauben. Vielleicht findest du darin auch Anknüpfungspunkte für deine eigene kreative Reise.
Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit gut zu dir passende Aufträge akquirierst – und wie du gleichzeitig dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt.
Ich bin Franziska Walther und jetzt geht’s los.
In meiner Küche hängt eine Siebdruck-Postkarte von Jutta an der Wand, auf der ein Bär mit wild rudernden Arme vor einer Biene davon rennt. Eine Neujahrskarte, die Jutta vor vielen Jahren geschickt hat.
Die habe ich mir letzte Woche lange angesehen, als ich erfahren habe, dass Jutta Bauer plötzlich und unerwartet durch einen allergischen Schock, ausgelöst durch einen Insektenstich, gestorben ist.
Ich bin wirklich traurig, dass Jutta nicht mehr da ist.
Denn ich habe bei Jutta studiert. Sie war die erste Person in meinem Design-Studium, die etwas besonderes in meinen Zeichnungen gesehen und mich ermutigt hat, weiterzumachen.
Im Oktober 2006 kam Jutta Bauer für zwei Semester an die Bauhaus-Universität Weimar. Ich selbst hab zur gleichen Zeit mein Studium der Visuellen Kommunikation dort begonnen, war also ganz frische Design-Studentin.
Das Projekt, in dem ich Jutta kennenlernte, hieß »Die Nase des Buches« und in diesem sollten wir Buchcover für Kinderliteratur entwickeln.
Aber als ich dann das erste Mal mit Jutta und den anderen im Projektraum saß, wurde mir heiß und kalt. Denn ich war innerlich total blockiert und hatte große Angst vor meiner eigenen Courage, jetzt endlich mit der Illustration zu beginnen.
Jahrelang hatte ich davor als Architekturstudentin zu den Illustrator*innen rübergelunzt und hätte sooo gern mitgemacht – und jetzt saß ich auf einmal da, wo ich immer hinwollte. Das machte die Angst vor dem Scheitern fast unerträglich.
Das ist ja oft so bei den Dingen, die uns besonders wichtig sind. Da ist die Angst vorm Scheitern noch einmal größer, weil so viel dran hängt. Denn: Was ist, wenn dann rauskommt, dass man das nicht kann, was man sich so sehr wünscht.
Und mit diesem Riesen-Blockade-Rucksack auf dem Rücken saß ich bei Jutta im Illu-Projekt und versuchte, nicht aufzufallen.
Um mich herum saßen total talentierte Menschen. Viele von ihnen sind heute bekannte Kolleg*innen – und sie waren damals schon richtig gut. Das hat das Imposter-Syndrom nur angefeuert.
Meine ersten Cover-Versuche im Projekt zu zeigen, hat mich wirklich viel Überwindung gekostet und ganz viel Scham ausgelöst. Weil mir klar war, dass da noch ganz viel Potenzial nach oben ist.
Einerseits, weil mir das Handwerk und die Übung fehlte. Ich hatte ja vorher noch nie versucht, ein Buchcover zu illustrieren.
Und auch , weil man den Blockade-Rucksack in meinen Arbeiten ganz klar sehen konnte. Vielleicht kennst du das ja auch … ich hatte so große Angst, nicht gut genug zu sein, dass ich mir selbst total im Weg stand.
Aber ich hatte eben auch schon einige Male gehört, dass meine Zeichnungen nicht gut sind.
Zum Beispiel in der Schule. Dort hatte mich meine Kunstlehrerin zwar dabei unterstützt, meine Bewerbungsmappe für ein Kunststudium zusammenzustellen. Aber sie hatte mir auch gesagt, dass mein zeichnerisches Handwerk zu wünschen übrig ließ.
Sie hatte durch meine Mappe geblättert und mir aufgelistet, was alles nicht stimmte:
Ich hab damals schon eher im Comicstil gezeichnet und meine Kunstlehrerin meinte, dass ich damit an einer Kunsthochschule keinen Blumentopf gewinnen würde.
Recht hatte sie. Ich hab mich nach dem Abitur an diversen Kunsthochschulen für freie Kunst beworben und wurde überall abgelehnt. Deshalb hab ich dann Architektur studiert.
Weil an der Bauhaus-Uni interdisziplinär gelehrt wurde, hatte ich mich auch als Architekturstudentin mehrfach an der Fakultät Gestaltung für Illustrations-Projekte beworben, wurde aber nie genommen.
Einmal habe ich mich sogar getraut, mich persönlich beim Illustrations-Dozenten vorzustellen und mein Portfolio zu zeigen. Der schaute sich meine Arbeiten an und sagte: Nein.
Ich solle unbedingt in einen Buchladen gehen und mir erst einmal anschauen, was Buchillustration überhaupt ist. Meine Arbeiten wären da weit von entfernt.
Und dann kam Jutta in mein Leben … Jutta konnte unglaublich sicher und mit einer großen Leichtigkeit zeichnen, aber wenn du ihre Arbeiten kennst, dann weißt du auch, dass ihre Bilder oft ganz simple und schnell gezeichnet aussehen.
Das heißt nicht, dass das schnell ging. So zu zeichnen, dass es Leichtigkeit und Klarheit vermittelt, ist eine große Kunst.
Jutta hat meine Mitstudierenden und mich eingeladen, einfach und mit Leichtigkeit zu zeichnen.
Indem sie zum Beispiel im Projekt keinen Wert auf handwerkliche Korrektheit oder technische Perfektion gelegt hat.
Und sie hat mit Wohlwollen und Neugierde auf unsere Arbeiten geschaut und das Gute darin gesehen. Ich glaube, sie hatte einen guten Grund dafür.
Im Projekt erzählte Jutta einmal, dass sie es zu Beginn ihres Berufslebens mit ihrem Portfolio selbst gar nicht so einfach hatte – bis sie eines Tages auch ihre Skizzenbücher mit auf die Buchmesse genommen hat.
Und in denen steckten ihre Figuren und der Stil, für den Jutta heute bekannt ist.
Ich hab Jutta vor ein paar Jahren mal zum Thema Buchillustration interviewt. Und in diesem Interview erzählte sie, wie schwer es ist, die Leichtigkeit der Skizzen in die finalen Zeichnungen zu übersetzen. Denn die kleinen, hingekritzelten Skizzen sind oftmals die Schönsten.
Im Interview erzählt sie auch, dass es ja heute möglich ist, Skizzen auch zu scannen und dann so lange daran herumzufuhrwerken, bis man die Skizze in eine Illustration für ein Buch umgewandelt hat.
Und sie sagte dann aber auch, dann man total aufpassen muss, dass man die Zeichnung am Computer nicht … O-Ton Jutta … »tot renoviert«.
Damit meinte sie, dass man so lange korrigiert und herumwurtschtelt, bis man alles Leben aus der Zeichnung herausoptimiert hat und die fertige Illustration steif und unlebendig wird.
Vielleicht kennst du das ja selbst. Skizzen sind oft unperfekt, aber lebendig und haben etwas besonderes: Eine gewisse Ehrlichkeit. Und auch eine Sicherheit im Strich.
Und wenn du dann versuchst, aus dieser Skizze eine fertige Illustration zu machen, dann geht diese Ehrlichkeit und diese Sicherheit teilweise verloren.
Weil beim Noch-einmal-Durchzeichnen der Strich härter, fester und kontrollierter wird. Oder weil beim Kolorieren die Leichtigkeit verloren geht.
Vielleicht passiert das, weil du eine gewisse Idee davon im Kopf hast, wie eine fertige Buchillustration final aussehen soll.
Wie der Dozent, der zu mir sagte, ich soll mir doch erst einmal in einen Buchladen gehen und mir Bilderbücher ansehen und lernen, wie Bilderbuch-Illustrationen auszusehen haben.
Und ja, es ist ja auch so eine Schwierigkeit beim Illustrieren. Bücher sind eben nicht mit Skizzen gefüllt. Sondern mit Buchillustrationen. Die sind mehr als Skizzen.
Die Kunst ist, sie nicht »tot zu renovieren« wie Jutta das so schön beschrieben hat.
Das mag so leicht klingen, ist aber oftmals eine große Herausforderung für Illustrierende. Und eine Gratwanderung.
Juttas Arbeiten wandern genau auf diesem Grat. Und das macht sie so besonders.
Und damals hat Jutta meine Kommiliton*innen und mich auch eingeladen, diesen Balanceakt zu wagen und zu kultivieren.
Zum Ende des Semesters habe ich damals ein Projekttagebuch abgegeben. Mit vielen Skizzen und Notizen. Und Jutta mochte es. Sie hat mit gesagt, dass sie etwas darin erkennt, was besonders ist. Und dass es wert ist, dem mehr Raum zu geben.
Ich glaube, dass sie sich eigentlich nur in eine winzige Zeichnungen von einem Pony verliebt hatte. Aber die hat gereicht, um an mich zu glauben.
Wir alle brauchen solche Menschen, die uns ermutigen und motivieren.
Jutta selbst war sehr direkt – und wenn du sie mal kennengelernt hast, dann weißt du, dass sie manchmal auch ein bisschen bollerig war, wie ihre Figuren.
Was sie gedacht hat, hat sie in ihrer direkten Hamburger Art ehrlich herausposaunt. Deshalb konnte man sich auch darauf verlassen, dass wenn sie etwas für gut befand, sie das auch so meinte.
Juttas positive Unterstützung hat mir geholfen, weiterzumachen, auch wenn der Weg teilweise steinig war. Denn auch nach Juttas Projekt habe ich noch einige Zeit lang ganz schön viele Absagen für meine Illustrationen eingesammelt.
Die neue Illustrations-Dozentin zum Beispiel, die nach Jutta den Lehrauftrag übernahm, nahm mich nicht ins Projekt – sondern sagte mir wieder: Lern erst mal zeichnen.
Ich hab Jutta nie persönlich gesagt, wie wichtig ihre Unterstützung damals für mich war. Dass es ein Anker war, der mir geholfen hat, auch mit Gegenwind und Stolpersteinen weiter nach vorne zu laufen. Jetzt ist es zu spät – und das macht mich traurig.
Deshalb spreche ich es hier einmal laut aus. Danke, Jutta.
Und dir möchte ich eine Frage stellen: Welche Person hat dich denn auf deinem Weg unterstützt und dir Orientierung gegeben?
Vielleicht ist heute ja ein guter Zeitpunkt, mit Wärme und Dankbarkeit an diese Person zu denken – und ihr vielleicht sogar persönlich zu sagen, wie wichtig sie für deinen Weg gewesen ist.
Und mit diesen Worten wünsche ich dir für heute alles Liebe,
wir hören uns wieder nächste Woche,
ich freu mich auf dich, bis dahin, Franziska
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