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19. September 2024

#132 | Selbstständig mit Brotjob: Ein oft unterschätzter Weg zu mehr kreativer Freiheit *mit Hilde, Studio Hildahlia

Warum ein Brotjob kein Hindernis, sondern eine Chance für kreative Selbstständige ist.

 

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Weitere Informationen

 
Du erfährst:

  • Vielfalt oder Nische – was ist besser zu Beginn der Selbstständigkeit?
  • Welche Vorteile bringt ein Brotjob beim Start eines Unternehmens? Und wo profitiert Hilde noch heute von ihrem Brotjob?
  • Was sind typische Hürden von Quereinsteiger*innen?
  • Imposter: Wie damit umgehen?
  • Welche Vorteile bringt ein Design-Studium mit sich, die Hilde manchmal vermisst?
  • Produkte auf Etsy verkaufen – wann lohnt es sich?
  • Wie können eigene Produkte und ein Personenmarkenaufbau Hand in Hand gehen?
  • Wie baut sich Hilde als Personenmarke auf?
  • Was funktioniert gerade auf Instagram?
  • Wie lange hat es gedauert, bis Hilde ihren Wunsch-Auftrag (ein Auftrag für ein Kinderbuch) bekommen hat?
  • PLUS: eine 0€-Ressource, die dir beim Positionieren hilft! (kommt nach dem Interview)

 
Auch wenn Designer*innen und Illustrator*innen vielleicht am Ende alle recht ähnliche Dinge anbieten, so unterscheiden sich unsere individuellen Wege im Detail: die einen haben ein Designstudium gemacht, andere eine Ausbildung und wieder andere kommen durch einen Quereinstieg in die Kreativwirtschaft? Genauso unterscheiden sich die wirtschaftlichen Startpunkte in die Selbstständigkeit. 100% Vollzeit vom ersten Tag an? Oder mit dem Support eines Förderprogramms? Oder selbstständig mit einer parallelen Festanstellung? Viele Wege führen nach Rom – den einen richtigen Weg in die kreative Selbstständigkeit gibt es nicht.

Aber die verschiedenen Wege kommen mit unterschiedlichen Vorteilen daher. Und auch mit Schattenseiten. Im heutigen Interview sprechen die Illustratorin Hilde Biedermann vom Studio Hildahlia und ich darüber, warum ein Brotjob neben der Solo-Selbstständigkeit viele Vorteile mit sich bringt – und warum trotzdem so viele Kreative sich scheuen, ihre parallele Festanstellung offen zu kommunizieren. Unser Gespräch ist auch eine Einladung, das zu ändern und mit mehr Offenheit über unsere individuellen Positionierungen zu sprechen. Und Hilde teilt, warum ein Brotjob kein Hindernis ist, sondern eine Chance für kreative Selbstständige und wie nützlich so ein Brotjob auch sein kann – nicht nur finanziell.

Im Gespräch erfährst du auch, was es beim Personenmarkenaufbau zu beachten gilt, denn das macht Hilde auch seit drei Jahren. Und wie lange es gedauert hat, bis Hilde ihren ersten Herzenswunsch-Auftrag bekommen hat – einen Auftrag für ein Kinderbuch – und wie sie das geschafft hat. Wer Hilde ist, erzählt sie dir gleich selbst im Interview.
 

Herzlich Willkommen im Portfolio-Podcast.

Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst – aber eben auch wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt.

Ich bin Franziska Walther und jetzt geht’s los mit dem Interview.
 

[Transkript des Interviews mit Hilde Biedermann vom Studio Hildahlia]

Hildes Website: www.hildahlia.com
Hilde auf Instagram: @studio_hildahlia
Hilde auf LinkedIn: www.linkedin.com/in/hilde-biedermann-a78426a7
Hilde auf Etsy: www.etsy.com/de/shop/hildahliashop

- - -
Franziska:
Hallo Hilde, herzlich willkommen im Portfolio-Podcast, wie schön, dass du heute da bist.

Hilde:
Ja, hallo liebe Franziska, ich freue mich auch ganz doll.

Franziska:
Ich mich auch. Erzähl uns doch bitte erst einmal so ganz kurz zum Einstieg: wer bist du denn und was machst du?

Hilde:
Ich bin Hilde, wohne in Offenbach und arbeite freiberuflich als Illustratorin und in dem Bereich Marketing und Kommunikation.

Das heißt, ich habe auf jeden Fall schon mal mindestens zwei Standbeine. Hinter dem Bereich Illustration verbirgt sich bei mir mein Studio Hildahlia. Ja, hier entwerfe ich beispielsweise Illustrationen für Kinderbücher und Auftragsarbeiten. Und dann habe ich aber noch eine Festanstellung im Bereich Marketing und Kommunikation.

Und ja, langsam merke ich auch, dass sich die Dinge immer weiter miteinander verbinden und wahrscheinlich auch in Zukunft weiter verbinden werden. Und das macht mir ganz viel Spaß.

Noch weiterhin zu mir. Ich trage immer ein Skizzenbuch mit mir rum. Das ist, glaube ich, so mein kleiner Signature-Move. Das ist immer dabei. Und ich bin auch sehr, sehr gerne draußen. Auch da darf mein Skizzenbuch dabei sein. Da finde ich Inspiration. Und ja, das bin ich.

Franziska:
Und du hast einen Hund.

Hilde:
Und ich habe einen Hund. Ja, den sieht man auch manchmal hier und da auf Social Media.

Franziska:
Genau. Daher kenne ich den. Du bist ja Quereinsteigerin Erzähl uns doch bitte mal, wie du Illustratorin geworden bist und warum?

Hilde:
Also ich glaube, es fängt tatsächlich so ein bisschen classy an. Ich habe schon immer ganz gern gezeichnet, auch als Kind.

Aber dann tatsächlich habe ich mich nach der Schule für ein Studium entschieden im Bereich Wirtschaftswissenschaften und Psychologie und später dann auch den Master in Marketing und Kommunikation. Und ja, jetzt fragt man sich wahrscheinlich, ja und hä, wie kam es dann zur Illustration? Tatsächlich habe ich in meinem Studium nebenher ganz oft auch Nebenjobs gehabt, habe da in verschiedenen Abteilungen gearbeitet und kam da auch schon ein bisschen gestalterisch in den Kontakt.

InDesign, Photoshop fand ich ganz cool, habe mich da ausprobiert und würde sagen, durfte da auch immer mehr ein bisschen meinen gestalterischen Blick schärfen. Und habe gemerkt, okay, das macht mir irgendwie Spaß. Und ich möchte aber auch trotzdem weiter gern im Bereich Marketing studieren. Und so hat sich das dann eigentlich immer weiter entwickelt. Irgendwann kam die Corona Pandemie. Ich hatte Zeit und habe gesagt, okay, ich schaue mir jetzt doch noch mal mehr auch diesen gestalterischen Bereich an.

Ich habe dann eine Online-Weiterbildung gemacht im Bereich Grafikdesign, wo man auch regelmäßig Projekte einreichen musste und habe tatsächlich dadurch auch meinen Weg gefunden zur Illustration. Ich habe mir mein iPad gekauft. Ich habe angefangen digital zu illustrieren. Ich habe mir viel angeschaut. Ich habe viel konsumiert.

Ich habe natürlich auch über den Tellerrand geschaut, was machen eigentlich andere. Vorher war ich immer noch sehr im Bereich Grafikdesign unterwegs. Und dann habe ich gemerkt, okay, Kinderbücher illustrieren ist auch echt ziemlich cool und spannend. Und so bin ich tatsächlich dort hingekommen. Und ja, nochmal so der der erste Meilenstein vielleicht in die Richtung war einfach, ich habe damals mit einem Etsy-Shop angefangen.

Ich habe gesagt, okay, ich möchte in diesem Shop einfach ein paar Postkarten, Poster verkaufen. Will einfach mal schauen, haben die Leute da Lust drauf? Braucht das jemand? Möchte das jemand? Und das hat mir dann eigentlich Mut gemacht. Und so bin ich eigentlich immer weiter in diesen Bereich Illustration gekommen.

Franziska:
Du arbeitest für sehr unterschiedliche Kund*innen. Du hast zum Beispiel für die Deutsche Bahn gearbeitet, Illustrationen für eine Kinderarztpraxis gemacht, machst Sketchnotes, Textildesign, Puzzle, Papeterie. Also wirklich ganz viele unterschiedliche Sachen. Und gleichzeitig arbeitest du ja auch noch im Marketingbereich.
Kannst du uns mal mitnehmen? Was für verschiedene Standbeine hast du und wie stehst du so sozusagen auf deinen verschiedenen Märkten?

Hilde:
Ich würde sagen, es ist eine bunte Mischung aus Standbeinen. Also ich habe auf jeden Fall Bock auf ganz, ganz viele verschiedene Themen, aber ich merke auch, natürlich immer Stichwort Positionierung, dass man für sich auch einfach finden muss, okay, was ist wichtig? In welche Richtung will ich gehen?

Und ich habe auch für mich gemerkt, unterschiedliche Aufträge auch gerade am Anfang auch anzunehmen, die ich mir zutraue, hilft mir total, weil ich bei jedem Auftrag einfach dazugelernt habe. Und ich jetzt heute auch sagen kann, ich mache es jetzt so seit drei, dreieinhalb Jahren, dass ich da auch einfach einen guten Überblick habe, was ich kann. Ich konnte mir noch mal gute Skills irgendwie dazu verdienen.

Und deswegen würde ich sagen, ja, gerade ist mein Bereich Auftragsillustration, wie du gesagt hast, sehr abhängig auch vom Auftrag, aber spezifisch auch für Kinder, also Kinderbuch, beispielsweise auch ein Kinderpuzzle, was ich entworfen habe. Und natürlich dann auch die Kombi. Du hast es schon angedeutet. Bei der Deutschen Bahn, da arbeite ich im New Learning Innovation Hub.

Wir machen digitale Lernmedien, also eigentlich ein bisschen was anderes. Aber für diesen Bereich mache ich Marketing und Kommunikation. Und merke aber auch, na ja, Marketing und Kommunikation ist überall. Also ich arbeite auch als Illustratorin. Ich muss mich auch selbst verkaufen. Ich muss meine Fähigkeiten verkaufen.

Und so merke ich eigentlich, dass sich das auch alles dann doch überschneidet und irgendwie auch aufgrund der vielen Standbeine dann Sinn ergibt.

Franziska:
Ja, ich glaube, gerade am Anfang ist es auch eine total gute Idee, einfach mal verschiedene Sachen zu machen, um herauszufinden Was man machen möchte. Da kann man halt stundenlang darüber nachdenken am Ende weiß man das erst, wenn man es mal gemacht hat.

Wie findest du denn deine Auftraggeber*innen?

Hilde:
Ja, tatsächlich ganz verschieden. Da hilft mir tatsächlich auch, ich nenne ihn jetzt einfach mal den Brotjob, den ich habe. Das soll ihn gar nicht abwerten und gar nicht bedeuten, dass er mir nicht Spaß macht. Aber das ist jetzt einfach mal, nennen wir mal so in diesem Podcast den Brotjob im Marketing und Kommunikation. So.

Und dadurch kann man halt sehr gut netzwerken. Das merke ich. Man arbeitet natürlich mit anderen Unternehmen zusammen, mit anderen Dienstleister*innen in meinem Job. Das ist so. Ich arbeite auch mit Agenturen zusammen, muss da Abstimmungen treffen. Und man geht natürlich auch zu Events. Da vernetzt man sich danach auf LinkedIn.

Und dann kommen die Leute manchmal und sagen, ach, hey, du machst ja auch Illustrationen. Okay, cool. Das passiert. Dann hilft mir auf jeden Fall auch Social Media dabei, würde ich sagen. Also auch Instagram. Als Akquise-Tool. Vielleicht jetzt nicht das Akquise-Tool schlechthin für mich, aber es macht mir auch einfach Spaß und darauf werden dann doch auch Kund*innen aufmerksam.

Dann natürlich auch Portfolios. Also gerade, wenn es in Richtung Kinderbuch geht. Da im Gespräch zu bleiben mit den Verlagen. Portfolio zu schicken. Termine zu machen. Auf die Buchmesse zu gehen, die ja jetzt auch bald im Oktober ist.

Franziska:
Machst du ganz bewusst proaktive Akquise oder bist du einfach sichtbar und Menschen finden dich?

Hilde:
Ich versuche vor allem generell sichtbar zu sein. Denn natürlich, was bei mir auch ein großes Thema ist, ist Zeitmanagement. Nun habe ich diesen Job und den anderen Job. Das heißt, ich muss natürlich auch schauen, dass das alles auch passt. Ich muss auch auf meine eigene mentale Gesundheit schauen, dass ich nicht irgendwie 80 Stunden die Woche arbeite und arbeite.

Das ist, glaube ich, wichtig, da auch für sich selbst zu schauen, wann macht man im richtigen Moment Akquise und wann hat man vielleicht auch genug Aufträge. Denn ich merke oft bei mir, ich möchte oft ganz, ganz viel. Und das könnte ich auch noch machen. Und ich muss das noch. Und in den Bereich Editorial, der interessiert mich auch. Da bräuchte ich jetzt mal noch ein Portfolio. Und dann muss ich mich manchmal auch ein bisschen selbst bremsen und sagen, vielleicht habe ich auch gerade nicht die Kapazitäten dafür. Und das ist auch okay.

Franziska:
Ja, das ist ja ganz oft so ein Struggle mit verschiedenen Standbeinen. Und ich glaube, bei so einem Brotjob ist es vielleicht noch so ein bisschen signifikanter, weil einfach die, wie sage ich denn das ... du hast ja einfach Verantwortlichkeiten in deinem Job. Also du kannst ja nicht aussuchen, wie viele Stunden du da die Woche aufschlägst. Und dadurch ist das einfach ganz fix, wie viel Zeit du hast.

Und ich glaube, das so zu jonglieren ist gar nicht so einfach. Und ich glaube bei so einem Brotjob ganz oft noch schwerer. Weil, ich kann nur für mich selbst sprechen, aber bei mir zum Beispiel, ich kann schon so ein bisschen flexibler jonglieren bei meinen verschiedenen Standbeinen und Dinge schieben und die acht Bälle vielleicht auch mal drei davon kurz zur Seite legen.

Hilde:
Ja, ich glaube, dieses Thema Fremd- und Selbstbestimmung ist für mich auch ein sehr, sehr großer Bereich, wo ich mir viele Gedanken gemacht habe. Wenn man natürlich, wie du sagst, in einem Brotjob ist, ich meine, als Illustratorin hast du auch feste Termine, aber in einem Brotjob vielleicht noch mal anders. Und man hat da vielleicht je nach Typ auch einfach manchmal das Gefühl, sehr fremdbestimmt zu sein.

Da merke ich für mich, dass das Arbeitsumfeld einfach sehr wichtig ist. Also ich bin in einem Großkonzern, aber wir als Team agieren sehr Start-up-mäßig. Was mir sehr gefällt. Es ist eine super gegenseitige Rücksichtnahme. Alle im Team wissen, dass ich auch als Illustratorin arbeite. Das heißt natürlich nicht, dass da irgendjemand mal was abpuffern muss, weil ich jetzt gerade irgendwie einen Auftrag habe, das nicht.

Aber da bekomme ich auch den Support. Das merke ich. Die Leute haben da auch Interesse dran. Und das ist cool. Ich kann mir halt vorstellen, dass das vielleicht nicht in jedem Arbeitsumfeld geht. Aber dieses Team gibt mir tatsächlich auch die Chance zu sagen, ich fühle mich jetzt nicht irgendwie fremdbestimmt, sondern da auch selbstbestimmt. Natürlich anders, als wenn ich komplett selbstständig wäre.

Franziska:
Was sind denn die Vorteile? Das hat doch bestimmt Vorteile, dass du das im Moment so organisierst.

Hilde:
Ich finde vor allem natürlich die finanzielle Stabilität, die man hat. Alles, was damit zusammengeht. Alles, was man an Benefits von einem festen Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberin bekommt. Das steckt da natürlich drin.

Das gibt mir natürlich auch die Freiheit, mir Aufträge auszusuchen, ob es dann auch tatsächlich auch zu mir passt. Klar, natürlich. Wenn man komplett selbstständig ist, hat man natürlich auch oft einen ganz anderen Druck, auch Aufträge zu akquirieren.

Und ich merke tatsächlich, für mich funktioniert es ganz gut, auch so einen sanften Übergang in die Selbstständigkeit zu machen, gerade aufgrund dieser Sicherheiten, die mir der Brotjob auch gibt. Und ich kann halt auch gut aus dem Job im Marketing und Kommunikation auch ein paar Skills mitnehmen. Also dieses sich selbst zu organisieren. Projektmanagement. Am Ende arbeite ich dort auch mit Kund*innen zusammen. Und ich finde, da kann man sich auch ganz gut ein paar Sachen abgucken.

Man lernt auch noch mal, ja, sich auch dort anders durchzusetzen, was vielleicht auch mal helfen kann. Also auch so ein paar Social Skills. Genau. Und für sich selbst auch zu schauen, okay, wie priorisiere ich Dinge? Das muss ich dort machen. Das muss ich auch als Illustratorin machen. Und es gefällt mir sehr gut, dass ich tatsächlich auch feste Austauschtermine habe.

Ich habe ein festes Team, mit dem ich zusammenarbeite. Ich arbeite sehr, sehr gern auch mit anderen Menschen zusammen und habe da halt auch meine festen Termine, die ich vielleicht so als Illustratorin nicht immer hätte. Ja.

Franziska:
Ich habe ja auch gerade am Anfang meiner Selbstständigkeit zum Beispiel in einem italienischen Magazin gearbeitet in der Grafikredaktion, für zwei Tage die Woche.

Also ich war nicht angestellt, aber es war so fix. Und ich fand das total schön, da einfach zweimal in der Woche hinzufahren und meine Buddies zu treffen. Und eben nicht alleine in meinem Studio am Schreibtisch zu sitzen. Also ich glaube, das ist auch so eine soziale Qualität, die durch so was auch entsteht. Du hast ja Marketing studiert. Wenn du so auf Kolleg*innen schaust und wie andere kreative Selbstständige Akquise und Marketing betreiben. Was siehst du denn da so für typische Missverständnisse oder auch Fehler?

Du hast das ja studiert. Du hast da Expertise. Und ganz viele Selbstständige müssen Marketing machen, ohne irgendwas davon mitbekommen zu haben. Wir sind ja vom Prinzip Autodidakt*innen.

Hilde:
Fehler würde ich tatsächlich nicht sagen, weil ich glaube, da kann man keine Fehler machen. Ich glaube, was ich eher oft höre, ist so die große Angst vor diesem Thema Marketing.

Ich habe manchmal das Gefühl, das ist so der Elefant im Raum. Oh Gott, wir müssen uns irgendwie alle selbst vermarkten. Und während das gesagt wird, habe ich das Gefühl, hat sich die Person schon hundertmal selbst vermarktet, weiß es aber vielleicht gar nicht. Also ich habe oft das Gefühl, als Illustratorin ist man ja selbst die Marke. Also man verkauft sich selbst und das macht man automatisch, weil du trittst immer auf. Du zeigst deine Arbeiten.

Ganz viele Illustrator*innen legen so diesen Druck auch auf Social Media. Das kann toll sein und das kann auch eine gute Akquise sein, wenn man, finde ich, auch dementsprechend die Reichweite hat. Aber da, finde ich ist es viel wichtiger, auch den einen Kanal zu finden, der vielleicht zu einem selbst passt. Und dann dort anzufangen. Und da authentisch aufzutreten.

Ich finde, solange man authentisch ist, wird sich das auch zeigen. Und dann macht man auch gutes Marketing in dem Sinne. Aber glaube ich, das Wichtigste, und das ist jetzt auch einfach krasser Marketing-Sprech, aber: Kenn deine Zielgruppe. Das ist, glaube ich, schon wichtig, weil das geht auch wieder mit Social Media einher.

Du hängst auf Instagram rum. Du bereitest pro Woche fünf Postings vor, aber du erreichst damit vielleicht gar nicht deine Zielgruppe. Wenn dir bewusst ist, dass du das machst, weil du daran Spaß hast, das mache ich zum Beispiel auch sehr viel, ist das total okay. Aber man sollte vielleicht dann nicht unbedingt denken, wenn ich präsent auf Instagram bin, akquiriere ich automatisch ein Projekt pro Woche.

Vielleicht kann man da so ein bisschen auch entspannter werden und vielleicht auch schauen, wie verteile ich da meine Ressourcen. Ja.

Franziska:
Ja, ein total guter Tipp. Solange einem das bewusst ist, dass auf Instagram halt die eigene Zielgruppe nicht so wirklich unterwegs ist. Also das ist nicht bei allen so. Ich glaube, das Schwierige ist ja auch, das kann man gar nicht so verallgemeinern Es ist einfach wichtig, das für sich selbst abzugleichen. Aber das ist definitiv ein ziemlich sinnvoller Schritt, da einfach mal genau hinzuschauen.

Wer ist denn da eigentlich? Wer guckt mir denn da eigentlich zu? Und sind das die Leute, die ich erreichen möchte? Voll gut.

Wie ist denn das für dich? Du bist ja Quereinsteigerin und hast jetzt eben nicht so ein klassisches Design-Illustrationsstudium hinter dir. Was glaubst denn, was sind so typische Hürden, die Quereinsteiger*innen zu überwinden haben?

Hilde:
Tja, und schon, Franziska, schaut dieser gigantische Imposter über meine Schulter und sagt. Na Hilde, was sind denn die Hürden? Genau das. Jetzt streichen wir mal ganz lieb meinen Imposter auf der Schulter. Den habe ich dort, den haben, glaube ich, viele andere Menschen auch in anderen Bereichen.

Also ich glaube, jeder kennt halt diesen Imposter, der sagt, kannst du das wirklich? Hast du das wirklich verdient? Du hast das nicht studiert. Also ja, ich glaube, das ist für mich persönlich, das war am Anfang die größte Hürde gewesen. Für mich selbst erst mal so ein Standing zu erarbeiten. Nicht, weil jemand anderes gesagt hat, du hast es doch gar nicht studiert. Das war wirklich, also rückblickend, ich selbst.

Ja, ich habe mir gesagt, mache ich jetzt doch noch mal ein Studium, brauche ich das? Das heißt, da habe ich echt ein bisschen Zeit gebraucht. Ja, aber natürlich auch mit wachsenden Aufträgen und einem größeren Skillset wurde der Imposter natürlich kleiner. Aber ja, ja. Ich weiß nicht, ob der jemals ganz verschwindet. Glaube ich nicht. Aber das, finde ich, ist eine Hürde.

Und ich denke auch, in so einem Studium. Du beschäftigst dich, weiß ich nicht, drei Jahre, vier Jahre, fünf Jahre halt auch wirklich mit dem Thema Gestaltung, Design. Und das ist schon cool. Ich glaube, auch von der Denkweise. Das zu lernen, das ist, glaube ich, auch einfach toll. Super spannend. Und da wünschte ich mir manchmal, vielleicht, ich hätte auch gern diese Zeit gehabt, da ein bisschen auch rum zu experimentieren und wild zu sein. Ja, und ich glaube, das sind so die beiden größten Sachen.

Vielleicht da noch dazu kann ich vielleicht aber noch sagen. Was mir sehr geholfen hat, war, dass ich eine sehr offene Community aus Illustrator*innen wahrgenommen habe, die mir auch einfach dann das Gefühl gegeben hat: Da fragt niemand, ob ich das studiert habe. Klar, manchmal, wenn ich eine Buchidee an einen Verlag schicke, dann steht da man muss eine Vita dazu packen. Und dann ist der Imposter natürlich wieder da. Und sagt so, ah ja, was jetzt in dieser Vita steht, na ja. Ich weiß ja nicht.

Aber ich finde, man sollte sich nicht entmutigen lassen. Und das ist wirklich einfach probieren. Und ich höre tatsächlich auch oft von einigen Kollegen und Kolleginnen, übrigens, ich habe auch noch eine Festanstellung irgendwo. Und dann sind wir so, ach, ich auch? Mensch. Und dann merkt man, das ist tatsächlich auch ein Modell, was es jetzt nicht nur einmal gibt.

Franziska:
Definitiv nicht. Und weißt du. Sogar ohne Festanstellung. Alleine verschiedene Standbeine zu haben, ist ja im Prinzip auch ein ähnliches Modell. Also ich zeige zum Beispiel ganz viele Sachen, mit denen ich Geld verdiene, nicht. Die sieht halt niemand. Und die sind halt einfach ein wirtschaftlich stabiles Standbein Was wichtig ist, aber was ich eben auch nicht nach draußen posaune. Ich glaube, das ist total vergleichbar.

Hilde:
Ja, ich fand, bei mir hat es noch mal so ein bisschen nachgehalten, dass du auch meintest in unserem ersten Gespräch, ach, du hast noch einen anderen Job.

Und dann habe ich gedacht, ich war vor kurzem in Köln zu einem Siebdruck-Workshop und sie, die diesen Workshop dort gemacht hat, oder so das Studio leitet, hat dann gesagt, ja, ich habe aber auch noch eine Anstellung. Und dann meinte die andere Illustratorin dort, ja, ja, ich auch. Und dann war es so. Okay, also alle.

Eigentlich ganz spannend. Aber zeigen tut es eigentlich dann doch niemand so richtig. Auch auf Social Media. Man sieht es nicht. Weil man, glaube ich, auch oft denkt. Wenn ich das jetzt verrate, dann bin ich ja nicht mehr 100% Illustratorin und dann nimmt mich ja keiner ernst.

Franziska:
Also ich kann es ja nur für mich sagen. Ich zeige das nicht aus den Gründen nicht, sondern eher so, weil das da nicht hingehört. Es geht ja auch darum, das auseinanderzuklamüsern. Und den Leuten, die das interessiert, für die ist es sinnvoll, das dort zu erzählen, wo man diese Menschen trifft. Es ist noch nicht mal so ein Geheimhalten. Es ist einfach nur so ein gutes Auseinanderklamüsern der verschiedenen Standbeine. Und dadurch passiert es, dass eben viele Sachen auch unsichtbar sind. Da hast du ja vollkommen recht.

Ja. Also meine Kommunikationsdesign-Kund*innen wussten, glaube ich, na doch, einige wussten das, dass ich zum Beispiel an der Hochschule gearbeitet habe, auch. Aber denen habe ich das jetzt nicht explizit erzählt. Warum auch? Das interessiert die ja nicht.

Hilde:
Ja, ist ja eigentlich auch wieder seine Zielgruppe zu kennen und dann zu sagen. Okay. Das interessiert ja vielleicht auch einfach keinen, ja.

Franziska:
Und der Imposter. Also ich kann das total nachvollziehen, was du beschreibst. Und ich glaube, ganz viele, die auch als Quereinsteiger*innen starten, haben wahrscheinlich alle beim Zuhören genickt.

Was ich aber interessant finde, ist, der Imposter sucht sich ja auch ganz oft einfach nur einen neuen Kanal. Menschen, die studiert haben, sagt der Imposter halt einfach was anderes. Der findet immer was zu sagen.

Aber ich kann es sehr gut nachvollziehen. Ich habe ja Design studiert, aber während meines Designstudiums hat mein Imposter die ganze Zeit immer gesagt. Du bist doch eigentlich Architekturstudentin und gehörst hier nicht her. Und er war auch sehr ausdauernd in seinem über die Schulter flüstern.

Hilde:
Ja, nach meinem ersten größeren Auftrag konnte ich den tatsächlich gefühlt gar nicht richtig genießen als der abgeschlossen war, sondern habe mir irgendwie eingeredet, das war ja nur Glück, dass ich den bekommen habe. Ich habe dafür wirklich Akquise gemacht auch für diesen Auftrag. Und dann habe ich ihn bekommen und konnte ihn umsetzen. Und trotzdem hat irgendetwas in mir gesagt, nee, also eigentlich war das nur ein Glücksgriff.

Franziska:
Der Klassiker. Das ist ja so der klassische Spruch von so einem Imposter. Bei mir sagt er dann ganz oft, so toll war das eigentlich gar nicht. Also ich habe da jahrelang drauf hingearbeitet, aber wenn es dann passiert ist, nee, eigentlich war das ja gar nicht so der Knaller. Und da muss ich auch immer sehr bewusst mich entscheiden, was ich darüber denken möchte

Hilde:
Und meinst du manchmal, wenn wir an langen Projekten arbeiten, dass wir so tief in dem Projekt drin sind, dass man manchmal vergisst, zwischendurch mal durchzuatmen und zu sagen, guck mal, ich habe den ersten Meilenstein geschafft. Weil ich habe manchmal das Gefühl, man ist dann so tief in dem Projekt und dann ist es fertig und dann ist man so, ja, okay, es ist jetzt halt fertig.

Weißt du, was ich meine? Also kann das auch manchmal sein, dass man deswegen auch danach sagt, okay, ja, jetzt habe ich es irgendwie hinter mir, aber so toll ist es ja dann doch nicht geworden.

Franziska:
Ja, ich kenne das total gut und ich kann bei mir sagen. Ich glaube schon. So wie du das beschreibst. Es hat einen großen Anteil daran, dass sich das nicht so anfühlt, wie ich mir das dann halt wünschen würde, weil dieses »immer so auf dem Ziel hinarbeiten« sorgt ja dafür, dass man eigentlich die ganze Zeit in der Zukunft ist und den Weg gar nicht genießen kann.

Und dann halt auch nicht so diese ganzen Zwischenschritte feiern kann. Weil gedanklich ich dann halt die ganze Zeit schon in der Zukunft sitze. Und wenn ich dann da ankomme, fühlt sich das sehr unüberwältigend an. Also einfach überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe.

Ich erwarte dann, dass der Himmel sich auftut, Konfetti-Kanonen losschießen und ich durch so ein Ziel durchrenne und die Arme nach oben reiße und Hurra rufe. Und das passiert dann aber gar nicht. Und dann ist das sehr irritierend. Und ich kann halt nur sagen. Für mich ist das immer noch so echt auch eine Lernaufgabe Und ich glaube, genau das, was du sagst, hilft.

Wohlwollender, auf sich selbst drauf zu schauen und auch die vielen kleinen Teilaufgaben zu feiern. Und sich einfach anzugewöhnen zu feiern, wenn man das geschafft hat, so jeden Tag.

Ich weiß gar nicht so genau, warum das bei kreativen Menschen so oft so ist. Aber das ist schon ein sehr typisches Phänomen, dass kreative Menschen sehr kritisch sind, sehr viele Imposter Stimmen im Kopf haben. Das kann man, glaube ich, schon verallgemeinernd sagen. Vielleicht, weil wir alle so sensible Geschöpfe sind.

Hilde:
Ja, vielleicht schon auch das Sensible. Was man mitbringen muss. Ja, Kreativität, Sensibilität, finde ich, geht sehr zusammen. Da, finde ich, merkt man wieder jetzt, um kurz zum Brotjob zu kommen, in diesem Corporate-Umfeld hat man ja mit so vielen verschiedenen Charakteren zu tun.

Ich finde, da lernt man das manchmal auch ganz gut, auch mal ein bisschen durchzugreifen. Das heißt nicht, dass mir das gelingt. Aber man beobachtet halt mal ganz andere Charaktere und ganz andere Menschen, die anders mit Unsicherheiten umgehen.

Franziska:
Ja, das ist ein total guter Hinweis Ich glaube nämlich auch, dass so ein Brotjob oder halt vielleicht auch ein Auftrag, der nicht in dem Bereich unbedingt ist, der Herzklopfen bei einem verursacht, kann einfach eine schöne Möglichkeit sein, auch einfach genau das, was du gesagt hast, Softskills zu entwickeln, zu lernen, mit sozialen Situationen umzugehen.

Ich finde das manchmal auch total entlastend Also gerade so in meinen Corporate-Design-Aufträgen. Da geht es nicht um meinen kreativen Ausdruck und meinen Strich und sonst irgendwas. Da geht es halt hauptsächlich darum, dass ich gut zuhören kann, Dinge zurückspiegeln kann und einen Prozess leiten kann.

Und ich finde das total entlastend auch, dann da andere Fähigkeiten zu üben. Wo es eben nicht um meine Persönlichkeit geht und um meine Kunst. Sondern es geht einfach um andere Sachen. Neben deinem Marketing-Brotjob und deiner Selbstständigkeit verkaufst du ja auch noch Produkte auf Etsy. Du hast ja vorhin auch gesagt, damit hast du ja angefangen. Und du hast auch schon über 500 Produkte auf Etsy verkauft. Ich habe nachgeguckt.

Hilde:
Du hast geguckt ja. Du hast Hausaufgaben gemacht. Hätte ich das gewusst dann nein. Quatsch

Franziska:
Ja. Wie wirtschaftlich relevant ist denn dein Etsy-Shop für dich und dein Illustrationsbusiness?

Hilde:
Real Talk? Nicht so relevant. Ist ein bisschen phasenweise. An manchen Monaten ist es stärker, an manchen Monaten weniger stark. Ich bin da tatsächlich ganz entspannt. Ich weiß aber auch, zukünftig ist für mich Etsy auch, glaube ich, nicht mehr der richtige Kanal. Es ist relativ teuer auch, was man an Prozenten abgeben muss an Etsy. Tatsächlich.

Es ist aber natürlich am Ende auch eine Social-Plattform. Also der Algorithmus funktioniert auch so. Aber der Algorithmus funktioniert. Aber man muss natürlich immer sehr viele und neue Produkte einstellen. Die Produkte müssen sehr spezifisch sein. Das merke ich auch. Also meine, glaube ich, mit am häufigsten verkaufte Klappkarte ist die von bouldernden Menschen, also Menschen, die klettern, was halt sehr spezifisch ist. Aber darauf haben die Menschen halt auf Etsy halt Lust oder suchen auch danach.

Aber da bin ich mir, zum Beispiel, auch bewusst zum Thema Prioritäten setzen, dass ich da nicht meinen ganzen Fleiß reinstecke, um das wachsen zu lassen. Das macht mir super viel Spaß. Mir macht auch mal dieses in Anführungsstrichen stupide Verpacken von Bestellungen Spaß. Das finde ich cool.

Aber perspektivisch würde ich eher den Shop wahrscheinlich auch auf meine Webseite integrieren Und ich merke auch, die Kombi macht auch einfach schon Spaß. Die Kombi aus digital zu arbeiten, aber dann tatsächlich auch mal ein Produkt in der Hand zu haben. Eine Postkarte. Einen Sticker. Ich denke aber auch, wenn man mit der persönlichen Marke noch weiter wächst, dann werden so Produkte auch extrem spannend, weil dann natürlich die Kund*innen sagen, oh ja, also den neuen Sticker brauche ich unbedingt.

Das heißt, ich finde das vielleicht auch gar nicht so schlecht ist, das ein bisschen parallel auch laufen zu lassen. Und ich habe einfach auch super viel Spaß daran, mir Produkte auszudenken. Das ist cool.

Franziska:
Ja, ich glaube, im Kontext von Personenmarken sind Produkte wirklich gut. Würde ich sofort mit unterstreichen, was du gerade gesagt hast. Das halte ich für eine sehr kluge Strategie.

Ich glaube, erst mal so Produkte zu verkaufen, ist echt hartes Business. Aber in Verbindung mit einem Personenmarkenaufbau kann das irgendwann sich verändern und auch eine andere Rolle einnehmen. Weil dann ist es ja auch nicht ein reines Produkte verkaufen, sondern eher so ein Bestandteil der Marke an sich.

Hilde:
Genau, deswegen habe ich mich auch dafür entschieden, erst mal auf Etsy zu gehen und zu sagen, okay, ich habe da diese Gebühren, die relativ hoch sind. Aber da wieder kann ich den Algorithmus nutzen. Und es werden vielleicht noch mehr Menschen auf mich aufmerksam. Es werden nicht so viele sein, aber es werden vielleicht ein paar sein. Anders, als wenn ich es vielleicht gerade über eine eigene Webseite mache. Genau.

Franziska:
Ja, es ist ja auch ganz oft so. Beim Wachsen gilt es ja auch so, die verschiedenen Phasen auch zu wertschätzen und sich dazu erlauben, Brücken zu bauen. Also ich glaube genau, das, was du gerade gesagt hast. Dann wäre ja Etsy eine Brücke. Und irgendwann wird vielleicht Etsy nicht mehr notwendig sein. Und du kannst es in deine Webseite integrieren, weil dein Standing sich verändert hat. Voll smart.

Was machst du denn, wenn wir es schon mal so angesprochen haben, was machst du denn für deinen Personenmarkenaufbau? Was gehört denn da alles so mit dazu?

Hilde:
Was mache ich da? Ich versuche authentisch zu sein Ich glaube, das ist so ein bisschen mit das Wichtigste. Ich bin ich und dahinter stehen auch meine Illustrationen.

Ich zeige auch gern auf Social Media Dinge aus meinem privaten Leben. Vor allem mein Partner und ich. Wir sind gern draußen unterwegs. Wir gehen gern klettern. Bikepacking. Keine Ahnung. Diese Abenteuer. Du hast gesagt, du kennst schon meinen Hund Inti. Die Dinge zeige ich gern von mir, aber das heißt natürlich nicht, dass jede Person das machen muss.

Ich fühle mich damit wohl. Aber ich bin trotzdem auch der Überzeugung, du kannst eine Personenmarke aufbauen, ohne private Einblicke zu zeigen.

Ich zeige da natürlich auch nicht alles. Aber mir hilft es auch, noch mal zu sagen, okay, gerade auch bei mir ist dieser Naturbezug, das ist mir super wichtig. Und vielleicht werden da auch meine Arbeiten, meine Illustrationen, von beeinflusst. Ich liebe Tiere. Das zeigt sich dann vielleicht auch wieder in meiner kleinen Maus, die ich benutze. Oder wo auch immer. Das ist mir, glaube ich, sehr wichtig.

Und ich versuche auch einfach, den Austausch zu pflegen. Also wenn mir jemand schreibt, hey, hast du mal einen Tipp dazu. Oder ich habe gesehen, du druckst Produkte selbst, was benutzt du dafür? Ich liebe das. Und das ist auch authentisch, weil das macht mir auch einfach Spaß, da auch immer im Kontakt auch mit anderen zu sein.

Franziska:
Wie ziehst du denn die Grenze zwischen dem, was du zeigen willst und dem, was du nicht zeigen möchtest? Hast du da so eine Grenze für dich definiert oder Regeln definiert?

Hilde:
Natürlich zeige ich keine Personen, die das nicht möchten. Also ich würde jetzt keine Freunde oder Freundinnen zeigen, die sagen, nee, habe ich keine Lust drauf.

Ich muss jetzt noch was gestehen. Ich habe auch mal anderthalb Jahre als Social Media Managerin gearbeitet in einem Startup. Ja, das heißt, das macht mir Spaß. Ich glaube, das hat mir auch geholfen, da so ein bisschen den Druck rauszunehmen und auch einfach intuitiv Sachen zu zeigen. Ich habe tatsächlich nicht diese ultimative Grenze für mich selbst, sondern ich zeige einfach für mich, wo ich denke, das passt.

Worauf ich trotzdem achte, ist, dass es immer auch eine Mischung ist. Also, dass man nicht vergisst, ach, Hilde macht auch Illustrationen, sondern dass man nicht nur denkt, also Hilde ist irgendwie nur noch mit dem Camper in der Natur im Wald und steht da unter einem Baum. Ist mal ganz spitz gesagt. Sondern da merke ich aber auch tatsächlich, dass das auch eine natürliche Kombination ist.

Wie gesagt, ich habe mein Skizzenbuch dabei. Also macht es mir dann Spaß. Und denke so, ach cool, jetzt teile ich mal die Seite aus meinem Skizzenbuch. Und ach guck mal hier, jetzt sind wir gerade da geklettert. Also für mich ist es tatsächlich eher so ein natürlicher Prozess.

Franziska:
Ja, es ist nur eine Frage, die ich oft bekomme. Wie zieht man diese Grenze und da gibt es ja kein Richtig oder Falsch.

Wenn du als Social Media Managerin gearbeitet hast, was wären denn so deine aktuellen Empfehlungen für Instagram? Da bin ich jetzt mal neugierig.

Hilde:
Ich finde, auf Instagram verändert sich sehr, sehr viel. Dann geht es mehr Richtung Bewegtbild, dann nicht. Dann spielen Hashtags wieder eine Rolle, dann auch nicht.

Ich glaube, für sich selbst, wie ich vorhin auch schon mal gesagt habe, ist es einfach wichtig zu schauen, wofür nutze ich das Tool. Wenn es für meine Akquise entscheidend ist, dann, finde ich, sollte man da natürlich auch immer up to date sein und wissen, okay, ich passe mich dem jetzt an und ich bin auch bereit dafür, jetzt nur noch Videos zu machen.

Aber wenn man da tatsächlich ein bisschen entspannter ist und auch sagt, ich habe auch die Zeit, da nachhaltig und langfristig irgendwie eine Personenmarke aufzubauen, dann würde ich sagen, go with the flow.

Franziska:
Ja, das, was du sagst das ist, glaube ich, sehr, sehr wahr und wichtig, das vielleicht auch noch mal zu wiederholen. Auf Instagram ändert sich ja alles ständig. Also ich habe eine Zeit lang wirklich auch Daten gesammelt, um den Algorithmus besser zu verstehen. Und irgendwann habe ich aufgehört, weil ich so gedacht habe. Die Daten, die ich vor einem halben Jahr gesammelt habe, sind überhaupt nicht mehr vergleichbar mit dem, was heute passiert. Das kann ich mir echt klemmen. Die Zeit kann ich für was anderes benutzen.

Und das finde ich auch ganz schön anstrengend ehrlich gesagt, dass sich da die Regeln ständig verändern. Aber ich glaube, es hilft auch, das zu wissen, das macht es leichter. Also mir hilft es, das zu wissen. Dann bin ich so ein bisschen gelassener, wenn irgendwann ich merke, das hat halt wieder gerade gar nicht funktioniert. Es haben halt irgendwie drei Leute gesehen. Nun denn, weiter geht’s.

Hilde:
Total. Da vielleicht noch als Ergänzung. Deswegen arbeite ich auch nicht mehr in dem Job. Es war einfach das Hinterherlaufen von Trends. Budget anpassen, Zahlen anschauen, welcher Content geht gut. Du schaust ja wirklich nur noch auf Zahlen.

Okay, die Leute wollen gerne Content X sehen, also machen wir jetzt nur noch das. Oh nein, oh mein Gott, jetzt wollen sie Content Y sehen. Okay, let’s go. Es ist einfach ein sehr unstetiger anstrengender Job, muss man auch sagen. Der, glaube ich, auch sehr, sehr cool und kreativ sein kann. Ich habe aber für mich gemerkt, ich mache das lieber im Privaten für mich selbst, beziehungsweise für mein Illustrationsbusiness, aber nicht im Corporate-Bereich.

Genau. Und vielleicht noch so ein bisschen als Tipp. Sich zu trauen, auch unperfekte Dinge zu zeigen. Nicht immer drauf zu warten, jetzt ist das Projekt abgeschlossen. Jetzt kann ich ein fertiges Projekt zeigen. Sondern, wenn man das natürlich auch darf, oder wenn man auch an einem privaten Projekt arbeitet, auch einfach die unfertigen Sachen zu zeigen. Ich finde, das zeigt auch super gut, wie man arbeitet. Wie man vorgeht. Welche Tools man benutzt. Also einfach auch da ein bisschen mehr trauen.

Franziska:
Das heißt, deine Instagram-Strategie ist langfristig kontinuierlich Personenmarkenaufbau. In was für einem zeitlichen Horizont denkst du das?

Hilde:
Ich gebe mir ganz viel Zeit, weil ich hoffe, dass ich noch ganz lange in dem Bereich arbeiten werde. Social Media macht mir vor allem Spaß und meine Strategie ist ein bisschen, dass man das hoffentlich auch sieht. Und ich damit auch wachse. Und ich tatsächlich auch zu mir selbst sanfter bin und sage, vielleicht wachse ich aber mehr mit einem geupdateten Portfolio. Mit der Pflege von Kontakten. Social Media ist ein Teil meiner Personenmarke, aber das andere gehört auch dazu.

Zum Beispiel meine Webseite. Könnte ich auch bald mal wieder updaten. Wer kennt es nicht? Aber es ist auch ein wichtiges Tool. Ich glaube, das beantwortet die Frage nicht so richtig.

Franziska:
Na doch.

Hilde:
Ich habe aber keinen Zeithorizont, muss ich ehrlich gestehen.

Franziska:
Das ist okay. Also weshalb ich das frage. Das ist jetzt auch nur so mein Gefühl, aber ich habe schon das Gefühl, dass es gut ist, das vielleicht auch mal zu hören, wie lang das halt auch dauert. Also weil zum Beispiel, ich habe vor drei, ich glaube vor drei Jahren, vor dreieinhalb Jahren, angefangen. Wenn ich jetzt nur auf Instagram drauf gucke. 2016 wäre das sehr viel schneller gegangen, wenn ich genau das gleiche gemacht hätte. Zahlen auf Instagram, Follower*innenzahlen, sagen ja am Ende gar nicht so viel über den Personenmarkenaufbau aus. Das ist ja nur so eine komische Zahl an der wir uns messen.

Und ich glaube, ich persönlich, zum Beispiel, denke bei Personenmarken-Aufbau wirklich auch in mindestens drei Jahresschritten. Also ich glaube, es ist total sinnvoll, sich drei Jahre Zeit zu nehmen. Mindestens. Um so ein Universum aufzubauen. Also es sind einfach Jahre, in denen man da rechnet. Und nicht Wochen oder Monate.

Und ich glaube, dass einfach so ein Zeithorizont mal zu hören, kann einfach sehr entlastend sein. So, ansonsten entsteht ja ganz schnell so ein Eindruck, dass, weiß ich nicht, man braucht nur ein Real, ein Video, was viral geht und dann kennt er die ganze Welt. Und das ist aber in den seltensten Fällen so.

Hilde:
Stimmt. Ja, das hilft, ja. Also für mich als Zeithorizont ist vielleicht ganz spannend, nach drei Jahren, in denen ich jetzt auch wirklich aktiv bin und auch angefangen habe, auf Buchmessen zu gehen, mein Portfolio zu aktualisieren, herumzuschicken, hat es jetzt mit meinem ersten Kinderbuch geklappt.

Also ich habe jetzt erst vor kurzem alle Illustrationen eingereicht. So, es ist jetzt fertig. Und das war für mich persönlich einfach ein riesiger Meilenstein, aber das hat auch wirklich gedauert bis ich den jetzt erreicht habe.

Am Ende war es cool, weil ich glaube, der letzte Funken kam tatsächlich über Instagram, was ganz spannend war. Ich hatte schon mal kurz in Kontakt mit der Verlegerin, aber der letzte Funken war tatsächlich, ich hatte damals an einer Instagram-Challenge teilgenommen. Da sollte man sich quasi fiktive Buchcover ausdenken. Und ein Buchcover hat halt vom Stil und der Art anscheinend auch sehr gut zu dem Projekt gepasst, dass tatsächlich Verlegerin und Autorin unabhängig voneinander gesagt haben, hier, hast du schon mal Hilde gesehen? Und das fand ich eigentlich ganz cute.

Und ja, Personenmarke. Das dauert auf jeden Fall. Und wie du schon auch gesagt hast, Follower*innen-Zahlen. Es ist eine Zahl. Es sagt am Ende, glaube ich, nicht so viel aus.

Franziska:
Nee, gar nichts eigentlich. Die Zeiten, in denen das eine Aussage getroffen hat oder man daran irgendwas ablesen konnte, die sind schon lange vorbei.

Jetzt mal so rekapitulierend. Es hat halt drei Jahre gedauert bis du jetzt deinen wirklichen Ziel-Wunsch-Auftrag bekommen hast und durch das Tor durchgerannt bist und die Konfetti-Kanonen sind losgegangen.
Und ich kann mir vorstellen, dass ja für diese drei Jahre dein Brotjob halt auch einfach eine großartige Unterstützung war, oder?

Hilde:
Absolut. Also der Brotjob, glaube ich, hat mir auch sehr, sehr viel geholfen, da auch langsam reinzuwachsen und Zeit zu haben, mich auszuprobieren.

Und ich habe das Gefühl, mein Mut ist auch immer mehr gewachsen. Ich wurde immer mutiger, auch zu sagen, ja, ich gehe jetzt auf die Frankfurter Buchmesse. Ich zeige jetzt mein Portfolio.

Dass ich dann da stand und der Imposter wieder kurz auf meiner Schulter war, als ich dann in der ersten Schlange war und dann dachte, oh mein Gott, was wird jetzt passieren?

Aber ich kann sagen, der Mut hat sich auch wirklich ausgezahlt. Also dieses auch einfach mal wirklich ins kalte Wasser zu springen und sich da auch einfach auszuprobieren. Auch sich die Zeit zu geben, das hat für mich auch, ja, rückblickend als Modell jetzt echt gut funktioniert, ja.

Franziska:
Ja ja voll schön. So als Abschlussfrage. Was würdest du denn deinem jüngeren Ich mitgeben, wenn du dir sozusagen von heute, von der Zukunft, oder besser gesagt von der Gegenwart, dir eine Botschaft in die Vergangenheit schicken könntest?

Hilde:
Dann würde ich mir, glaube ich, sagen, bleib auf jeden Fall mutig, trust the process, sperr auch mal den Imposter aus. Und man darf sich auch einfach mal ein bisschen selbst überschätzen. Weil manchmal passieren dann echt auch ganz gute Sachen. Und ich glaube, das ist so für mich dieses Ding: um noch mal kurz zur Richtung, das erste Mal Buchmesse und Portfolio zeigen.

Ich glaube, jeder oder jede, der oder die das kennt. Das ist einfach krass, so für sich selbst.

Und ich sage, okay, ich arbeite im Bereich Marketing, Kommunikation. Vielleicht gehen dann einige davon aus, okay, dann weiß sie vielleicht auch, wie sie sich selbst verkauft. Ja, vielleicht. Aber auch nein. Weil man macht sich einfach gefühlt extrem nackig.

Und ja, sich da auch einfach zu trauen und es auszuprobieren und sich nicht entmutigen zu lassen, denn ich glaube, wir wissen es im Bereich Design, Illustration, es gibt viele Meinungen also auch da gilt: einfach sich treu zu bleiben.

Franziska:
Voll gut. Sehr schön. Vielen Dank, Hilde, für dieses tolle Gespräch.

Hilde:
Danke dir, Franziska. Es hat ganz viel Spaß gemacht.

 
So. Das war das Interview mit der großartigen Illustratorin Hilde Biedermann vom Studio Hildahlia. Was hast du denn mitgenommen? Wie bist du denn in die Kreativwirtschaft gestartet? Was flüstert der Imposter manchmal zu dir? Und positionierst du dich auch als Personenmarke?

Diskutiere gern mit auf Instagram unter @diegutemappe oder auf LinkedIn. Dort findest du mich unter Dr. Franziska Walther.

Und hier noch ein Tipp für dich: Manche Aufträge können wirklich echte Gamechanger sein, weil sie zum Beispiel dein Herz zum Klopfen bringen oder dich in eine bestimmte Richtung katapultieren. Hier kann es sinnvoll sein, ja zu sagen – selbst wenn sie nur mittelmäßig bezahlt sind. Andere Aufträge dagegen sind schlecht oder mittelmäßig bezahlt und bringen dir langfristig nichts … außer vielleicht ein paar graue Haare. Weder finanzielle Freiheit noch Ruhm und Ehre und auch keine Karma-Punkte. Und hier gilt es also, mit einem klaren Nein abzusagen. Und dann gibt’s noch die Aufträge, die dein Herz zwar nicht zum Hüpfen bringen, aber die dir eine große finanzielle Freiheit schaffen.
 

Der Auftragsindex erlaubt einen differnzierten Blick auf Auftragsanfragen

Wäre es nicht der Knaller, wenn es ein Tool gäbe, das diese verschiedenen Aspekte von Auftragsanfragen vergleicht und mit dem du differenziert abwägen kannst.

Ja, das wäre der Knaller!! Deshalb habe ich für dich und für mich und für uns alle den Auftragsindex entwickelt. Dieser ermöglicht dir, einen differenzierten Blick auf deine Auftragsanfragen zu werfen und zu hinterfragen, ob und wie der potenzielle Auftrag dich auf deinem Weg unterstützt.

Und noch mal Knall: Den Auftragsindex kannst du dir für 0 Euro herunterladen unter www.diegutemappe.de/index. Mach das gern jetzt!

Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe, wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska

 

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