
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere InformationenAmelie Persson ist Mutter von zwei kleinen Kindern, Künstlerin und vollzeit-selbstständig – und teilt in der heutigen Podcast-Folge, welchen Weg sie gewählt hat, um das, was ihr im Beruf und in der Familie wichtig ist, Realität werden zu lassen.
Du erfährst:
Hej hej. Herzlich Willkommen im Portfolio-Podcast.
Es gibt diese großen Entscheidungen im Leben, die viel Mut brauchen – und alles auf den Kopf stellen. Zum Beispiel die Entscheidung, einen Neuanfang in einem anderen Land zu wagen. Oder als Quereinsteiger*in einen anderen Beruf zu ergreifen als man mal früher geplant hatte. Oder die Entscheidung, Kinder zu bekommen – vielleicht auch noch als selbstständige Person. Meine heutige Podcast-Gästin Amelie Persson hat alle diese drei Entscheidungen schon getroffen – und ja dazu gesagt.
Seitdem Amelie ihre Kinder hat, beschäftigt sie die Frage, wie sie Mutterschaft, Selbstständigkeit und die große Kunst unter einen Hut bekommt. Wenn du selbst Kinder hast oder darüber nachdenkst, eine Familie zu gründen, dann kennst du diese Gedanken sicherlich auch. Die Entscheidung für Kinder fühlt sich für viele Selbstständige oft an wie eine Entscheidung gegen den Erfolg. Aber es geht auch anders! Das, was wir dafür brauchen, sind neue Wege.
Und darüber sprechen Amelie und ich im heutigen Interview. Amelie teilt in der heutigen Podcast-Folge, welchen Weg sie gewählt hat, um das, was ihr im Beruf und in der Familie wichtig ist, Realität werden zu lassen.
Ich freu mich sehr darüber, Amelie zu Gast zu haben. Denn sie war in der allerersten Portfolio-Akademie im Jahr 2021 mit dabei – und hat mir damals einen ganz großen Vertrauenvorschuss geschenkt, mit ihrer Teilnahme an diesem Testballon, sozusagen. Und heute, zweieinhalb Jahre später, sprechen Amelie und ich deshalb auch darüber, was der Positionierungprozess bei Amelie bewirkt hat und was sich dadurch auch für sie verändert hat.
Deshalb: Lass uns gleich mal loslegen.
Finde heraus, was bei dir gerade der nächste Schritt ist
Aber bevor es losgeht, wie gehabt noch eine kurze Randnotiz in eigener Sache: Wenn du jetzt beim Zuhören merkst, dass du dir Veränderung wünschst, aber nicht so richtig weißt, was der nächste sinnvolle Schritt ist für dich, dann konsultiere doch mal »Deinen Guide für deinen nächsten Schritt«. Ich hab ein Quiz entwickelt, mit dem du mit der Beantwortung einiger weniger Fragen ganz schnell und leicht herausfindest, was bei dir gerade ansteht als nächster Schritt. Und der Knaller ist, dass du mit dem Ergebnis auch noch eine Playlist mit passenden Podcast-Episoden bekommest, die dich bei diesem nächsten Schritt unterstützen.Wenn du Lust darauf hast, dann mach das Quiz, unter www.diegutemappe.de/quiz/
Randnotiz Ende 😉
So, dann aber: Ich wünsche dir ganz viel Spaß und – wie immer – ganz viele Aha-Momente im Gespräch mit der ganz tollen Amelie Persson. Let’s go!
[Transkript des Interviews mit Amelie Persson, www.ameliepersson.com]
Amelie Perssons Website: www.ameliepersson.com
Amelies LinkedIn-Profil: www.linkedin.com/in/amelie-persson-a8a26322a/
Amelie auf Instagram: @studioameliepersson- - -
[00:03:36] Franziska: Herzlich Willkommen, liebe Amelie, wie schön, dass du heute im Portfolio-Podcast zu Gast bist.
[00:03:40] Amelie: vielen lieben Dank. Ich freue mich riesig, zu Gast zu sein. Es ist mir eine große Ehre, eher in einem meiner Lieblings Podcasts. Ja, interviewt zu werden, das freut mich sehr.
[00:03:52] Franziska: Und mich erst mal!
[00:03:54] Lass uns gleich loslegen: Du machst ja total krass viele verschiedene Sachen: Du illustrierst. Du schreibst Bücher. Du zeichnest Comics. Du verkaufst auch eigene Produkte. Du schreibst für diverse Magazine. Du hast früher auch mal im Radio moderiert, im Theater gearbeitet und sogar schon mal Musik aufgelegt. Wie ist es denn so, wenn wenn Menschen dich fragen, so diese übliche Frage, was machst du denn Was antwortest du denn da üblicherweise?
[00:04:22] Amelie: Das ist auch tatsächlich nicht so leicht irgendwie zu beantworten. Also meistens sage ich, ich bin Zeichnerin. Ja, das ist so die kurze Antwort. Und dann so: Ah, was? Kinderbücher? Und dann so: Ja oder so. Wenn ich nicht so lange darüber sprechen möchte. Ja. Wenn man dann anfängt, mal in die Details zu gehen, dann kann es mal ein bisschen länger sein. Aber das versteht eigentlich jeder, dass man zeichnet.
[00:04:42] Franziska: Das heißt, du bezeichnest dich nicht explizit als Illustratorin, sondern machst schon diese Unterscheidung Zeichnerin?
[00:04:48] Amelie: Ja. Oder Illustratorin und Autorin hab ich auch auf meiner Webseite stehen. Also es ist ein bisschen schwierig, weil die Übergänge sind halt fließend. Ja, das Konzeptionelle ist auch bei mir sehr wichtig. Die Denkarbeit, die ganze Idee hinter dem, was ich mache, hinter meinen Projekten.
[00:05:07] Von daher kann ich das immer nicht so auseinander halten. Also unter »Künstlerin« fühle ich mich eigentlich ganz gut abgedeckt mit meinen vielen Aspekten, da ich auch in der letzten Zeit nicht so kommerziell arbeite wie vielleicht manch andere Illustrator*in. Auch wenn das vielleicht auch wieder ein Knackpunkt ist, um ein gutes Leben zu führen. Oder langfristig muss das Kommerzielle vielleicht auch wieder mehr werden.
[00:05:31] Ich weiß es nicht. Sind immer solche Phasen, es geht alles in so Wellen. Aber ja, zur Zeit habe ich so eine Phase dieses Jahr, wo ich eigentlich ziemlich kompromisslos so meine Interessen- Projekte umsetze und was mir ziemlich viel Freude macht. Und ich merke so »it sparks joy«. Da gehe ich ganz nach Marie Kondo. Und kann auch eigentlich schon mal so die Erkenntnis vorwegnehmen, dass es für mich immer so ein Winning Concept war, auf das zu setzen, was mich interessiert, was irgendwie meine Leidenschaft ist.
[00:06:03] Dann waren es auch oft erfolgreiche Projekte. Also auch was meine selbst initiierten Projekte angeht, habe ich da sehr gute Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig ist das auch die Krux, denn an sich zu glauben und gerade kein Geld einzunehmen, ist auch eigentlich mit das Schwerste an der ganzen Situation. Denn ja, da sind so ganz viele Stimmen und Glaubenssätze, die man schon so seit frühster Kindheit so hat: dass man muss produktiv sein und Geld verdienen und Sicherheit und gleichzeitig ist es auch immer ein Investment, seine Projekte voranzutreiben und Zeiten zu haben, die so ein bisschen eher Saure-Gurken-Zeiten sind, wo aber Dinge wieder brodeln und köcheln. Also wir sitzen ja hier auch in meiner Atelier küche. Passt eigentlich ganz gut.
[00:06:48] Ich finde auch immer den Prozess des Zeichnens oder Illustrieren und des Kochens ähnlich, so irgendwie intuitiv. Ich arbeite nicht so nach Rezept, sondern gehe ganz viel nach Intuition und Lust. Die Farben, die Gerüche und der Geschmack, sodass ja dass dann irgendwie was entsteht.
[00:07:06] Franziska: Mhm. Kannst du uns so einen Einblick geben, auf welchen verschiedenen Standbeinen du wirtschaftlich stehst? Ich folg dir auf Instagram und habe gesehen, dass du echt in vielen Ausstellungen deine Arbeiten gezeigt hast, dass du einfach wirklich auch künstlerisch total viel unterwegs warst, Vorträge gehalten hast, aber ich weiß halt auch, dass du Kochbücher geschrieben und illustriert hast, dass du halt auch erfolgreiche Kinderbücher gemacht hast.
[00:07:28] Kannst du uns mal so n kurzen Einblick geben, welche verschiedenen Standbeine du hast?
[00:07:35] Amelie: Ja absolut genau, es sind mehrere wie du schon sagtest. Und ich muss mich manchmal selbst richtig konzentrieren, die wieder aufzuzählen und zwar einmal Bücher, Buchprojekte nenn ich’s. Also, das kann mal ein illustriertes Sachbuch sein. Ich mach arbeiten im Bereich Comic. Das wird auch jetzt mehr, was mich sehr freut dann hab ich auch im Editorial Arbeiten.
[00:07:59] Zur Zeit habe ich zum Beispiel eine Kolumne, eine monatliche, ganzseitige, in Frankfurt, was Riesenspaß macht, und auch wieder so eine wiederkehrende Deadline ist.
[00:08:07] Franziska: Und die auch ganz toll ist. Ich hab die schon gesehen und bin ein großer Fan.
[00:08:11] Amelie: Oh danke. Ja, es macht mir auch richtig Spaß, also ist auch so ein wunderbares Projekt, was mich irgendwie erfüllt. Und dann mache ich auch Bildungsprojekte. Das ist in den letzten Jahren ein bisschen mehr geworden.
[00:08:22] Das sind entweder so Workshops, ob mit Kindern, teilweise mit Fluchthintergrund, oder mit Erwachsenen. Mit Schülerinnen habe ich gerade ein Projekt von der Sparkassenstiftung in Frankfurt, was jetzt über ein ganzes Schuljahr geht. Also das endet demnächst mit einer Ausstellung. Und mit denen zusammenzuarbeiten hat richtig Spaß gemacht oder macht Spaß.
[00:08:42] Also die sind total engagiert und die zu begeistern und so macht mir auch Spaß. Und demnächst, also zum Sommersemester jetzt, beginnt auch zum ersten Mal ein Lehrauftrag für mich im Bereich Illustration. Das ist auch eine schöne neue Herausforderung, über die ich mich freue. Genau. Das und dann mache ich noch Kunstprojekte, also eher so Ausstellungen und alles so, was was unter diesen Bereich fällt. Da, da ist dann auch mal ein Talk dabei, wie du schon erwähnt hast.
Das ist auch was, was ich irgendwie kennengelernt habe durch eine Comic Vereinigung in England, der ich angehört habe, als ich eben in London gelebt hab, knapp fünf Jahre, und mich da vernetzt habe. Da waren wir auf der Graphic Medicine Conference, die jährlich stattfindet, eingeladen, das war damals zum Thema Comics und Mutterschaft. Und das Thema hat mich begleitet, seither, so wie mich Mutterschaft eben begleitet und ich das gerne so nutze für die Auseinandersetzung mit dem System, in dem wir irgendwie leben und täglich crashen die Bedürfnisse und Anforderungen miteinander und deswegen beschäftige ich mich damit zeichnerisch.
[00:09:46] Franziska: Ja. Total spannend. Du hast ja am 15. März, also wenn der Zeitplan des Podcasts klappt, dann sozusagen morgen hast du eine Lesung mit dem Titel »Yes, I care« im Klingspor Museum in Offenbach. Da geht’s ja auch ums Mutter-sein und ums Künstlerin-sein und wie das halt funktioniert, wenn man beides ist. Kannst du uns einen kurzen Einblick geben, was du da teilen wirst.
[00:10:11] Amelie: Ja. Da werde ich auf jeden Fall meine Erfahrungen teilen und so ein bisschen zugespitzte Situationen, die ich so gesammelt habe über die letzten sechs Jahre, und die besonders in der letzten Zeit irgendwie mehr geworden sind, auch in Hinsicht darauf, dass ich mich damit irgendwie eingehender beschäftige und ein Projekt damit plane. Ich habe tatsächlich auch eine Künstler*innen-Förderung gerade ganz frisch bekommen, für die ich mich beworben habe.
Also das ist ein Stipendium für Künstlerinnen, die Care-Arbeit leisten. Und das ist ein Arbeitsstipendium und das möchte ich eigentlich auch mit dem Thema gerne füllen. Und ja da werde ich so eine Art Work and Progress vorstellen ... Und meine eigenen Arbeiten und auch einige Arbeiten von ... ja, Freundinnen von mir und und Kolleginnen, die ich mag, die ich bewundere, deren Take ich auch zeigenswert finde. Und irgendwie soll es Mut machen sein.
[00:11:04] Ich denke es gibt noch viel zu tun und ich möchte das auch den Weg beschreiten und laut sein und gegen Klischees anarbeiten.
[00:11:11] Franziska: Wie toll! Erst mal herzlichen Glückwunsch für dein Stipendium. Und wie toll. Kannst du vielleicht noch mal den Hörer*innen, die dich vielleicht nicht so gut kennen, noch mal kurz erklären, warum das Thema Mutterschaft für dich wichtig ist? Also einfach so, in welchem familiären Kontext du einfach arbeitest?
[00:11:29] Amelie: Genau, also ich habe Kinder. Zwei Stück.
[00:11:31] Franziska: Zwei Stück.
[00:11:34] Amelie: ... zwei wunderbare kleine Frauen genau. The future ist female.
[00:11:39] Franziska: Mhm.
[00:11:40] Amelie: Für die kämpfe ich natürlich und die beiden ziehe ich äh mit meinem Partner – seit kurzem auf einen Mann ... Verheiratet ... Ganz frisch noch. Ja. Wir leisten die Care-Arbeit zusammen und das auch gleichberechtigt, was jetzt immer noch keine Selbstverständlichkeit ist.
[00:11:58] Da habe ich Riesenglück gehabt. Ich sag mal, das war auch meine Bedingung ihn sozusagen überhaupt als Partner zu haben. Und wie es dann in der Realität ist, da haben manche auch so den Reality Check. Der mann geht dann arbeiten und ... Ich rede jetzt natürlich nur von einer hetero- normativen Beziehung.
[00:12:16] Es gibt noch viele verschiedene Familiensystem, wo es ganz anders ist. Aber wir haben halt irgendwie so diese Aufteilung. Und jetzt im Hier und Jetzt 2024 leben wir zwei so, dass wir uns alles teilen und die Kinder gemeinsam erziehen, in die Kita bringen, abholen und und der ganze Schnickschnack, was nicht wenig ist. Das war zu Anfang anders. Also da haben wir ja noch in London gelebt. Das war jetzt auch kein strategisches Unternehmen, Eltern zu werden. Aber es war so ein Live Goal von mir. Und war auch eigentlich nicht geplant, nach London zu ziehen. Das habe ich dann gemacht, weil in dem Moment, wo wir zusammen kamen, er das schon ... ja ... unterschrieben hatte und dann sind wir ausgewandert, zusammen.
[00:12:59] Also er ein halbes Jahr noch vor mir und ich dann nachgekommen, alles abgewickelt, alles verkauft, um dann in einer kleinen Wohnung mitten in London zu leben, dann dort Eltern zu werden den totalen Reality Check zu haben. Denn da hat man zwei Wochen Elternzeit, als Vater, wenn man nicht irgendwie einen privilegierten Vertrag oder sonst was unterschrieben hat. Ja, dann saß ich alleine mit einem Kind mitten in London und war ziemlich, ja, auch frustriert, denn, ja, meine Selbständigkeit habe ich dann versucht, aufrecht zu erhalten. Ich hab unmögliche Sachen gemacht. Irgendwelche Deadlines, stillend, ja, nachts, irgendwie noch abzusenden und, also so mit dem Baby so eingeklemmt. Und ja. So Anfängerfehler, sag ich mal. Aber halt auch ambitioniert. Und ich hab gelernt aus der ganzen Sache, mir geht’s gut, wenn ich das machen kann, was ich gerne mache. Wenn ich davon jetzt zwei Jahre abgeschnitten bin, oder auch ein Jahr, da stirbt ein kleiner Teil in mir in dieser Zeit.
[00:13:58] Also das ist nicht mein Konzept. Für manche funktioniert das gut. Das finde ich auch schön und bewundere es auch, aber ... Ja, jeder Weg ist anders.
[00:14:08] Franziska: Was sind denn so typische Erfahrungen, die du machst als kreative Person mit Kindern, also vielleicht auch Challenges und und auch negative Erfahrungen im Berufsalltag.
[00:14:20] Amelie: Ja. Also eine ist, das oft davon ausgegangen wird ist, dass weil man Mutter ist, weniger arbeitet oder nur Teilzeit arbeitet. Und wenn ich zum Beispiel darüber klage, was ich alles nicht hinbekommen habe, sagen die: Ja. Du hast ja kleine Kinder. So nach dem Motto: Ja, natürlich bist du dann mit den Kindern!
[00:14:38] Aber ohne Kinder könnte ich vielleicht noch mehr die Arbeitszeiten so ausdehnen, aber ich arbeite tatsächlich Vollzeit, also hab nicht weniger Zeit, sondern ich hab das halt anders organisiert. Ich hab einen Partner, der da einfach auch ganz viel übernimmt, was eben für die meisten eben nicht selbstverständlich ist. Und dass eben immer noch die Frauen gefragt werden: Und wer passt grad auf die Kinder auf?
[00:15:04] Wenn ich vier Tage zum Beispiel in der Design-Jury immer wieder mal auch weg bin. Ja, da fragt ja meinen Mann keiner, wenn er irgendwie auf der Film-Messe ist, wer denn jetzt gerade auf seine Kinder aufpasst? Da ist es immer noch so, dass, ja, Mütter und auch Selbstständige irgendwie immer wieder ihren Standpunkt ganz klar machen müssen und sagen müssen: Nee, ich arbeite. Und ich arbeite Vollzeit. Und ich kann leider nicht mein Kind mehrfach die Woche in irgendeinen Turnverein ans andere Ende der Stadt bringen, weil ich da halt einfach noch arbeite. Deswegen geht es den Kindern auch nicht schlecht.
[00:15:39] Also wir verbringen auf jeden Fall viel Zeit mit ihnen, aber halt auch nicht immer alle gleichzeitig, sondern auch abwechselnd. Einer fängt früher an. Einer kommt früher heim. Und so haben wir halt ein System geschaffen, was für uns funktioniert.
[00:15:51] Aber was halt eben noch nicht so geläufig ist. Und davon ganz abgesehen: In unserem Beruf geht’s nicht, Homeoffice mit Kind zu machen. Dann muss man sich freinehmen. Also wenn die Arbeit nicht stattfinden kann. Ja, das das funktioniert nicht, das irgendwie nebenbei zu beschäftigen, weil wir eben nichts absitzen, keine Telefonkonferenzen oder so, sondern wir müssen unser Hirn ausquetschen und Stifte über das Papier gleiten lassen und so. Das da, da braucht man schon einen gewissen Fokus, ja, von daher sind es vielleicht sowohl Klischees, die unseren Beruf angehen, dass es nämlich auch keine Spielerei ist, sondern ein Business.
[00:16:24] Franziska: Mhm.
[00:16:25] Amelie: Als auch eben die Rolle der Mutter, die eben trotzdem auch mehrere Hüte aufhat.
[00:16:30] Franziska: Ja das ist ja ein total praktischer Hinweis oder n praktischer Tipp: Also sich bewusst zu machen, dass man das vielleicht öfters kommunizieren kann und vielleicht auch muss. Hast du noch einen anderen, konkreten, umsetzbaren Tipp oder eine Erfahrung, die du gemacht hast, wo du gemerkt hast: Okay, das habe ich anders erwartet, aber da merke ich das hilft mir, damit besser umzugehen?
[00:16:53] Die Tipps sind ja immer so eine Sache, man kann ja immer nur für sich selbst sprechen.
[00:16:57] Amelie: Ja. Genau. Also für mich ist es auf jeden Fall wichtig, sich ernst zu nehmen und entscheidungsfreudig zu sein. Zum Beispiel, was jetzt die ganze Selbständigkeit und an sich Glauben angeht. Von Anfang an muss man ja erst mal, ich sage mal, Anlauf nehmen, bevor das alles wieder ins Rollen kommt, wenn man eine Pause hatte – zwangsläufig, also, auch unbedingt.
[00:17:19] Ich sag auch: Mach eine Pause. Also ich will diese Babyzeit auch nicht missen. Ja, die geht wirklich rasend schnell vorbei und ich wünschte, ich hätte nicht stillend im Dunkeln noch auf dem Handy Mails geschrieben, sondern hätte dann einfach entspannt und auch geschlafen, anstatt mich zu zu stressen, in der Situation, wo ich eben nicht diesen Support hatte, diesen Gegenseitigen. Und gleichzeitig muss man, wenn man dann wieder durchstarten möchte, auch zulassen, dass es halt dauert, bis man halt ja wieder richtig Geld verdient. Denn das ist ja nicht ein Schalter, den man einfach umlegt.
[00:17:55] Da kommt ja dann nicht wieder ein Gehalt einfach am nächsten Monat, sobald diese Elternzeit irgendwie vorbei ist, sondern das läuft dann erst mal so an. Und das kann auch dauern und das ist ja auch wirklich eine Art Investment in sich: Ob man sich jetzt weiterbildet mit einer mit einem Coaching. Oder eine neue Webseite macht. Oder ja. Es ist einfach eben ein Marathon und kein Sprint.
[00:18:18] Franziska: Ja ja, und ich glaub das was du gerade gesagt hast, ist, glaube ich, auch ein wichtiger Hinweis – für alle Menschen, aber halt wahrscheinlich für Menschen, die Kinder bekommen noch nochmal um so mehr. Akquise braucht halt einfach Zeit. Und die die Zeit braucht’s für jeden. Aber natürlich, wenn man aus so einer Elternzeit wiederkommt, ist es, glaube ich, gut das einzuplanen. Weil es ist sehr normal, dass das dann langsam wieder anläuft und nicht sofort schnipp-mäßig sofort wieder da ist, so. Das das wäre sehr normal und erwartbar, dass das langsam wieder losgeht.
[00:18:56] Amelie: Da ist so eine Art Vorschuss-Vertrauen in sich selber halt auch sehr wichtig, damit überhaupt erst mal wieder ein Raum entsteht, in dem man etwas schaffen kann. Weil wir auch immer daran denken müssen, dass wir eine ganz wertvolle, kostbare Quelle sind, die wir pflegen müssen. Ob mit oder ohne Kind: wir können nicht einfach nur Output, Output, Output geben, sondern wir müssen uns auch Raum erkaufen, sozusagen, Freizeit erkaufen, mit Arbeitszeit vielleicht, in der wir ja uns uns selber unser Geist irgendwie füttern und uns Erholungen irgendwie gönnen, in welcher Form auch immer.
[00:19:34] Franziska: Damit der kreative Springbrunnen weiter fröhlich vor sich hin sprudelt.
[00:19:38] Amelie: Leichter auf jeden Fall gesagt in der Theorie als in der Praxis gemacht, weil am Ende chased man dann doch nur irgendwie die Deadlines. Und vergisst es völlig. Und und bricht dann freitags Abends total müde zusammen.
[00:19:52] Franziska: Ja, das kennen wahrscheinlich viele.
[00:19:54] In welchem Rahmen findet denn dein Vortrag statt? Du hast das grad schon erwähnt: im Rahmen einer Ausstellung. Was ist denn das für eine Ausstellung?
[00:20:03] Amelie: Im Klingspor Museum findet jährlich eine große Kinderbuch-Ausstellung statt. Und das ist jetzt die 68. Und da drin wird auch das Buch ausgestellt, das Sonja Eismann geschrieben hat, und ich illustriert. Das heißt »Wie siehst du denn aus? Warum es normal nicht gibt?« Das ist vor ziemlich genau vier Jahren erschienen. Punkt genau zum totalen weltweiten Lockdown!
[00:20:30] Franziska: Nein.
[00:20:32] Amelie: und das ist dann erst mal ganz schön untergegangen. In dem Buch, da geht es um Diversität und Vielfalt von Körpern. Wir haben ganz viele Körperteile. Ich hab sie gezeichnet und Sonja hat eben noch darüber Texte geschrieben. Über den Bauchnabel, über die Brust, den Po, Rücken, Arme, alles mögliche, Augen. Viele Fakten, ein paar Fun Facts, irgendwie Historisches und kulturelle Besonderheiten. Also die Texte sind auf jeden Fall sehr kurzweilig und die Illustrationen dazu sind immer so Doppelseiten, ganz unkommentiert, wo eben ganz viele Nasen zu sehen sind.
[00:21:12] Ganz viele Augen und so. Damit wollten wir ein Zeichen setzen. Das ist auch viel konzeptionelle Arbeit, die wir da gemeinsam mit dem Lektorat vorgenommen haben. Uns zu überlegen, wie kann man das denn machen, um wirklich ein schönes Buch zu machen? Was nicht kommentiert, was irgendwie zeigt, was alles normal ist. Was alles dazu gehört zu Körpern, die no filter mäßig gezeigt werden, wie sie wirklich aussehen. Mit kleinen Dellen und Narben und Pickeln und Leberflecken und Sommersprossen und Pigmentstörungen oder was auch immer. Alles einfach. Alles.
[00:21:46] Natürlich kann man nicht alles abbilden, weil wir so vielfältig sind wie wir Menschen. Aber n’ großen Teil haben wir schon mal so abgebildet. Das Buch, was glaube ich inzwischen in der vierten Auflage schon ist, im Beltz und Gelberg Verlag erschienen, da habe ich Originale in der Ausstellung. Und die werden erstmals so gezeigt. Also da kann man genau gucken, wie ich gearbeitet habe, damals in London, an meinem kleinen Tisch, mit ganz ganz vielen Buntstiften, Gouache und Aquarell. Genau da sind einige Originale und ein riesiger Druckbogen ist zu sehen. Der erste Druckbogen, der mir zugeschickt wurde. Das war ein sehr aufregender Moment. Ich habe nämlich noch nie einen Druckbogen bekommen und als der dann mit so einem, in so einem umschlag aus Deutschland irgendwie kam und ich den dann aufgefaltet hab und erst mal auf den Boden gelegt und das alles so gesehen, wie das Buch dann irgendwann vielleicht mal aussehen wird, das war sehr aufregend. Den habe ich denen auch ausgeliehen.
[00:22:39] Franziska: Wie spannend. Kann ich dich mal fragen, weil »Wie siehst du denn aus?« ist ja schon sehr ungewöhnliches Buch und es ist auch total toll, dass so ein Buch so erfolgreich ist und jetzt schon in die vierte Auflage geht. Das ist ja nicht selbstverständlich. Wie ist das Buch denn zu dir gekommen? Weil das ist ja nicht so ein klassisches »Verlag, denkt sich was aus und sucht einfach nur Dienstleister*innen, die das fertig machen«.
[00:23:04] Amelie: Ja, das war auch eine witzige Geschichte: Die Lektorin hatte irgendwann mal Kontakt zu mir gesucht, weil sie mich angefragt hat, ob ich ein Buch vom Schwedischen ins Deutsche übersetzen könnte, weil ich irgendwann mal randomly, als ich alle Jobs angenommen habe, die so zu mir kamen, für einen Verlag ein Buch auch übersetzt habe vom Schwedischen ins Deutsche. Wobei ich gemerkt habe, wie komplex Übersetzen ist. Und zwei Sprachen muttersprachlich zu beherrschen noch lange nicht reicht, um das irgendwie so nebenbei mal so schnell zu machen. Und ich habe auch gesagt: Nee, leider nicht, obwohl es natürlich genial gewesen wäre, irgendwie was für den Beltz Verlag zu machen. Aber so hatte ich den Kontakt der Lektorin und hab ihr ab und zu mal eine Karte geschickt.
[00:23:47] Also wirklich nicht oft, weil da war ich nie so richtig gut drin, irgendwie eben Akquise. Aber wenn, dann kam mir immer so von Herzen, und ihr hat sie sehr gefallen, Sie hat mir dann manchmal ein Foto geschickt, dass sie es über dem Schreibtisch hängen hatte. Und irgendwann hat sie mal gesagt: Ach, irgendwann kommt das richtige Projekt für uns. Wie man’s halt manchmal so sagt, ne? Und dann war ich mal auf einer Zugfahrt, ich glaube, es war so Ostern, von London nach Deutschland, zur Familie. Und mir wurde gerade irgendwie eine große Geschichte, für die ich mich beworben hatte, irgendwie so eine Förderung oder so ein Stipendium, irgendwie abgesagt und ich hatte die E-mail so im Zug so abgerufen. Das war schlechtes Internet, das hat voll lange gedauert, die Verbindung, und dann so: Nö. Und dann so »Urgh«. Und dann aktualisiert man so seine Mails.
[00:24:31] Eine halbe Stunde später kam diese im Postfach. Wir haben da so ein Buchprojekt. Kannst du dir das vorstellen? Ich kann mir das super vorstellen mit deinen Aquarell-Illustrationen und so. Dann ging die Miene wieder in die andere Richtung. Und ich habe erstmal ja gesagt weil ich total Lust drauf hatte und noch gar nicht geahnt, was da so auf mich zukommt. Aber ja, das haben wir dann gemeinsam entwickelt. Und ein Jahr später war’s dann draußen.
[00:24:55] Franziska: Wie toll. Das ist ja ganz oft so bei Buchprojekt, Das dauert ganz oft einfach so ein bisschen Zeit, bis es auch irgendwann gut passt.
[00:25:02] Amelie: Ja, die die Planungen von so Programmen und so sind irgendwie langfristig angelegt. Und das ist vielleicht auch noch mal ein wichtiger Reminder an sich selbst und an alle, die da irgendwie auch ungeduldig warten. Das ist, sage ich mal, so eher ein Marathon als so ein Sprint. Ich denke auch immer so: Oh. Ich hätte so gerne auch einen Comic. Viele von meinen Freund*innen haben Comics draußen. Und ja, mit Kindern und irgendwie diversen Projekten, die ich mache.
[00:25:33] Es dauert es einfach viel viel länger und als mir lieb ist. Aber ich weiß, irgendwann werde ich auch mal einen haben. Aber muss mich schon mit dem Gedanken abfinden, dass es halt noch ein bisschen dauert. Als ich eben Kinder bekommen hab, musste ich einfach lernen, bei dem ganzen FOMO, »trust the process«. Es hat alles seine Zeit und ich hab noch ein hoffentlich langes Leben vor mir und hab noch ganz viel Gelegenheit, Bücher rauszubringen und Projekte umzusetzen. Und es kommt alles, wenn es dann so weit ist. Und jetzt ist halt das. Jetzt bin ich Hier. Und morgens morgen. Und heut ist heute. Und in einem Jahr ist in einem Jahr. Und ja, von daher: Vielleicht sind auch Fünfjahrespläne wichtig. Oder Dreijahrespläne.
[00:26:16] Und es ist bestimmt auch sinnvoll, zu gucken: Okay, was will ich denn noch so machen? Aber auch da merk ich manchmal, wenn ich auf die drauf gucke. Dinge, die ich mir vor zehn Jahren gewünscht habe, sind immer noch auf meiner Wunschliste. Und ja, das muss man dann vielleicht bei seiner Positionierung mit bedenken, wenn es einem sehr wichtig ist, das nicht in 20 Jahren zu machen, sondern in zwei. Da muss man auch viel Zeit einräumen. Und das ist halt dann die Frage, ob man das auch ermöglicht.
[00:26:42] Franziska: Du hast ja in der allerersten Runde der Portfolio Akademie mitgemacht, im Herbst 2021. Und da warst du ja öfters mal mit deiner Tochter mit dabei, weil es ja auch noch gerade so in der Endphase der Pandemie-Jahre war, und ihr wart ganz oft zu zweit. Kannst du dich eigentlich erinnern, warum du dich damals entschieden hast, die Portfolio- Akademie mitzumachen? Was ja bedeutet hat, dass du dich entschieden hast, dich noch mal zu positionieren.
[00:27:08] Amelie: Ja, auf jeden Fall. Es ist so, dass man sich als Selbständige immer wieder positionieren muss oder ich ich nenn’s es auch mal neu erfinden. Und denke irgendwie immer an Madonna. In meiner Teenagerzeit gab’s MTV und so. Und dann mit jedem Video sah sie irgendwie anders aus. Und hatte eine neue Haarfarbe, einen komplett neuen Look. Und so. Ich denke mal so, komplett neu erfinden, muss man sich nicht.
[00:27:33] Aber es ist schon eine gewisse Transformation, die ich auf jeden Fall durchlaufen habe seit ich angefangen habe, im Jahr 2011. Habe ja damals einfach gestartet und erstmal alles angenommen, an Jobs, was, so kam. Und bin in der IO Mitglied geworden. Habe irgendwie alles hochgeladen und eine Webseite gemacht. Und dann ging’s los. Und dann hab ich wirklich von irgendwelchen Leuten, die mir irgendwie die Hochzeitseinladung von ihrem Vater, der zum zweiten oder dritten Mal heiratet. Keine Ahnung. So allerlei kam da so. Auch an Random-Geschichten. Und ich hab erstmal alles gemacht und keine Scheu gehabt. Und halt, sag ich mal, da holt man sich halt mal blutige Knie. So wie wenn man das erste Mal Rollschuh fährt. Dann lernt man und lernt. Und irgendwie aus manchen Fehlern lernt man, aus manchen irgendwie nicht. Vielleicht, dass man zu viel annimmt, zu viel Ja sagt. Ja, und dann war an der Zeit, dass ich nochmal überprüfe, was mache ich denn jetzt? Mit immer weniger Zeit. Mit jedem Kind weniger Zeit.
[00:28:31] Also bevor ich in einer Beziehung war, oder in dieser Beziehung, habe einfach sieben Tage die Woche gearbeitet. Aber wie ich Lust hatte. Manchmal 11 Uhr morgens, wenn ich dann mal fertig war, noch eine Waschmaschine gewaschen habe, bin ich ins Atelier, dann bis abends. Und dann konnte man da, im Frankfurter Bahnhofsviertel war das, da hatten wir so ein Atelierhaus. Und da konnte man dann direkt sich auf Drinks verabreden, dann Abends. Und dann ist man halt irgendwann wieder nachts Heim gekommen. Und so konnte man auch mal sieben Tage die Woche halt durcharbeiten.
[00:28:58] Ich sag jetzt nicht, dass es mir da richtig gut ging. Ich hatte auch kein richtiges Anfang und Ende. So. Und es fiel mir schwer, das zu strukturieren. Was sich schon mal geändert hat, als wir gemeinsam nach London gezogen sind. Eben, da war mein Partner den ganzen Tag im Büro und das war klar, wenn der dann kommt, machen wir was zusammen.
[00:29:16] Da sind wir dann durch London gezogen, haben was dort gegessen, sind ins Kino gegangen, spazieren gegangen, in Ausstellungen. Da hatte der Tag wieder eine Struktur. Genau. Und mit Kindern dann, hat es dann auch natürlich nochmal total viel verändert.
[00:29:30] Franziska: Mhm.
[00:29:31] Amelie: Dann kann man arbeiten, wenn die Tagesmutter offen hatte.
[00:29:34] Es war damals in London eben vier Tage die Woche was schon unbezahlbar war, also erstmal mehr gekostet hat als ich verdient hab – oder genauso viel. Und dann, wenn das Kind krank war, viele das auch noch weg. Und in der Zeit muss man ja auch alles andere machen, was einen selbst sozusagen angeht. Also alles, was man zu erledigen hat.
[00:29:53] Das ist ja dann nicht netto die Zeit, die man hat. Und ja das wurde immer weniger und ich musste halt immer mehr eigentlich schauen, was ich schaffe und hab mich übernommen oder manchmal in gewisse Sachen dann verrannt. Und hab dann Lust gehabt, mit der Portfolio-Akademie mir noch mal gewisse Fragen zu stellen und zu gucken, wo soll denn die Reise hingehen?
[00:30:16] Was ist mir wirklich wichtig? Ja, so leicht ist es auch nicht zu beantworten. Und dann war das halt auch wieder so eine Zäsur, mit so einem Baby. Ich hab auch gestillt. Das ist auch wirklich was, was einen irgendwie runterbringt. Zur Ruhe zwingt. Und zum Nachdenken: also wie so eine Katze, die sich auf den Schoss setzt und man kann nicht aufstehen, hat man dann so eine Zeit, wo man einfach nur so vor sich hin starrt und vielleicht irgendwie ... Eigentlich will man rennen, aber man kann nicht. Man man passt gerade auf jemanden auf. Man nährt jemanden, gibt dem auch Geborgenheit, Liebe. Was auch immer. Wenn die krank sind oder so.
Und da passiert aber auf jeden Fall trotzdem ganz viel im Kopf. Vielleicht hat man auch in einer Hand ein Handy und guckt auf Insta und sieht FOMO-mäßig, alle sind gerade bei der Buchmesse oder alle sind in Bologna oder beim Comicsalon in Erlangen oder so. Und man selber liegt da in so einem dunklen Zimmer mit einem kleinen schwitzenden, saueren, kleinen Bündel. Und dann habe ich unter anderem in dieser Zeit gescrollt und bei Ebay-Kleinanzeigen dieses Atelier gefunden, weil ich wusste, ich muss raus. Unsere Wohnung ist nicht groß genug. Meine Sachen waren alle in Kisten unterm Tisch. Das waren sie schon jahrelang in London, denn da konnte ich mir auch kein Atelier leisten. Und dann habe ich es auch geschafft. Dann mobilisiert man Kräfte. Und dann habe ich es geschafft, ein Atelier zu organisieren.
[00:31:39] Da bin ich dann durch Wind und Wetter mit dem Kinderwagen am nächsten Morgen sofort hin und sag »Ich nehm’s«, ohne groß drüber nachzudenken. Und ich hab es bekommen. Da kommt dann auch so eine Energie, eine große Entschlossenheit. Ich hatte auch so eine Entschlossenheit. Ich muss meine Webseite neu machen.
[00:31:53] Ich muss mir überlegen, was jetzt kommt. Und und wie ich meine Zeit klug nutze. Und dann kam es genau zur richtigen Zeit. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich wirklich auch nicht alle Aufgabenstellungen machen konnte und es nicht durchgespielt habe, bis zum Ende. Dieses Spiel. Aber viel. Und es hat schon einiges in mir in Gang gesetzt: einen Prozess.
[00:32:15] Franziska: Ich bin ja einfach ein Riesenfan von Positionierungen. Das was du beschreibst, ist, glaube ich, einfach so wichtig. Es gibt halt nie so dieses Ziel, wo man irgendwann ankommt. Sondern es ist eigentlich ein konstanter Transformationsprozess. Und diese Fragen diese typischen Positionierungs-Fragen, die sind ganz oft gar nicht so leicht zu beantworten und ich glaube auch ehrlich gesagt, dass es relativ normal ist, das, was du gerade beschreibst, dass man nicht alles schafft. Und dass sich das irgendwie auch immer so komisch unfertig anfühlt, weil es auf eine gewisse Art und Weise das ja auch ist. So, wenn man, ja, konstant weiter läuft und sich weiterentwickelt und Dinge sich im Außen dann wieder adaptieren müssen an an den eigenen Weg, den man gerade geht.
[00:32:55] Ich glaube auch, dass man sich nicht jedes Mal neu finden muss wie Madonna, aber ich find’s schon auch irgendwie total verrückt wie also wenn ich einfach nur auf meinen eigenen Weg zurück gucke, wie stark ich mich verändert habe in den letzten zehn Jahren oder 20 Jahren. ... das ist total crazy und ...
[00:33:11] Amelie: Eben. Ja!
[00:33:12] Franziska: ... also deswegen bin ich so ein Fan davon, weil Positionierung einfach Menschen hilft, diese Veränderung positiv zu gestalten. Selbstbestimmt. Was hast du denn über dich gelernt im Positionierungsprozess?
[00:33:25] Amelie: Ja also mein Pain Point, sage ich mal, waren meine kreativen Identitäten. Weil, du hast es ja, glaube ich, schon in der Einführung so ein bisschen gesagt. Was ich alles schon gemacht hab. Ich hab wirklich sehr viele Identitäten. Ich hab neulich in einer der Übungen, die ich noch mal gemacht hab gesehen, in der Landkarte des Lebens, dass ich ungefähr 20 Jobs hatte. Während meiner Schul- und Studienzeit. Von Übersetzerin zu Souffleuse. Ich hab an der Bar gearbeitet. Als Pianistin in einem Eiscafe. Im Callcenter. Auf der Buchmesse Sachertorte ausgegeben. Also die verschiedensten Sachen. Ja. So ist es irgendwie auch in meiner Arbeit. Deswegen liebe ich meinen Beruf, weil ich kann so viel machen.
[00:34:09] Also ich habe die Möglichkeiten, alles zu erschaffen irgendwie. Und deswegen fällt es mir aber schwer, das zu reduzieren. Oder die kreativen Identitäten auszusortieren. Oder zu gucken, priorisieren ... das ergibt sich dann manchmal erst vielleicht durch Aufträge.
[00:34:26] Dass ich sage: Okay, die macht jetzt mal ein Jahr Pause. Oder die ist noch da, die darf sein, aber man kann eben nicht alles auf einmal machen.
[00:34:33] Franziska: Ja, das ist so wahr. Vielleicht kannst du mal einen Comic darüber machen, mit deinen ganzen ganzen verschiedenen Jobs.
[00:34:40] Amelie: Ja.
[00:34:41] Franziska: Das das klingt total spannend. Ich find’s total schön, das von dir zu hören, weil jetzt wo du das sagst, kann ich dir mir das alles total gut vorstellen. Wie du Souffleuse bist. So. Oder diese ganzen vielen verschiedenen Sachen machst. Und es ist total schön, das noch mal so kennen zu lernen von dir. Und das, was du beschreibst, ist halt so wahr.
[00:35:01] Ich glaube, das geht ja ganz vielen Menschen so. Also ich glaube wirklich daran, dass vom Prinzip jeder Mensch verschiedene Sachen gut kann und es halt immer darum geht, auch diese Balance zwischen »Alles darf sein«. Aber natürlich kann man nicht alles gleichzeitig machen. So. Und es geht eben auch darum sich das zu erlauben, sich auf bestimmte Sachen zu fokussieren, und die anderen Sachen aber nicht zu verlieren, weil das fühlt sich ganz oft ...
[00:35:24] ... also ich kann da auch nur für mich selbst sprechen ... aber das würde sich anfühlen wie ein ganz großer Verlust. So. Und die brauchen vielleicht einfach nur so n Platz, im Herzen, wo die erst mal dann manchmal ja genau pausieren.
[00:35:36] Amelie: Ich denke mir, so Anteile, die man vielleicht schon mal hatte und die irgendwo in einem schlummern, die finden ja immer an verschiedenen Gelegenheiten wieder hoch ans Licht. So. Und so sehe ich dann auch, in mir in allem einen roten Faden. Wenn ich so zurückblicke. Auch habe ich so eine extreme Affinität zu Geschichten, aber ich sehe überall Geschichten und irgendwie Kreise, die sich schließen. Und und Dinge, die zusammenwachsen. Also ich habe als DJ während meines Studiums der Soziologie, ich habe Soziologie Master gemacht, währenddessen habe ich aufgelegt und habe bei einer Comic-Lesung, wo ein befreundeter Comiczeichner mich engagiert hat, bin ich mit Graphic Novels in Verbindung gekommen.
[00:36:17] Ich glaube, das war 2006 oder 2005. Und ich habe noch ein wunderbares Plattencover, das Mawil mir dann ... das war rot und das hat Mawil signiert oder hat es vollgemalt mit einer wahnsinnig tollen Zeichnung, mit TipEx und Edding. Und die ganzen bücher und so.
[00:36:34] Ich hab das zum ersten Mal so bewusst wahrgenommen, dass es sowas gibt. Und dachte so: Wow. Wie cool. Und hab angefangen, wieder zu zeichnen. Und ja, hab dann, als ich fertig war mit dem Studium, und endlich machen konnte, was ich wollte ... Das hat mein Vater immer gesagt: nach dem Studium kannst du ja dann machen, was du willst. Und das hat halt eine Weile gedauert. Aber dann habe ich auch gemacht, was ich wollte. Und und dann hat irgendwie am Ende alles Sinn gemacht. Und ähm die Inhalte meines Studiums helfen mir heute bei meinen Arbeiten, Konzepten, Anträgen Ideen, und fließen ganz stark in meine Arbeit ein. Also. Es ist jetzt auch nicht so vertane Zeit oder so. Es war irgendwie doch alles für irgendwas gut.
[00:37:14] Franziska: Ja, als eine Person, die auch was anderes studiert hat am Anfang, kann ich das halt auch sofort unterschreiben.
[00:37:21] Wenn du jetzt sozusagen ... Du hast ja vor zwei Jahren positioniert. Und natürlich, das hört irgendwie auch nie auf. Aber wenn du jetzt mal so zurückguckt, kannst du sehen, was sich dadurch verändert hat für dich?
[00:37:33] Amelie: Der Groschen ist nicht sofort gefallen, sage ich mal. Das war so eine Entwicklung. Ich glaube, das arbeitet dann trotzdem noch so weiter ja dass ich gemerkt habe, dass ich mich auch als Künstlerin identifiziere und gerne künstlerische Projekte mache. Also freie Projekte.
[00:37:50] Ich habe ähm Anträge gestellt auf Förderung oder so irgendwelche Stipendien und das ist natürlich schwierig. Denn Illustration wird doch oft anders eingeordnet und da sind wir an so ganz vielen Schnittstellen. Deswegen ist mir eigentlich diese Terminologie persönlich jetzt gar nicht so wichtig. Aber ich merke, dass es von Außen oft von der Wahrnehmung so ist. Und ich hab auch gemerkt, dass ich eigentlich gerne auch nicht auf so das Blatt reduziert werde oder auf so ein kleines Buch oder so, sondern dass ich auch gern große Sachen mache. Ich hab unter anderem eine Ausstellung gehabt, auf einer Litfaßsäule illustriert habe. Also ich hab die komplette Litfaßsäule sozusagen gestaltet, ich hab sie nicht bemalt, aber ich hab dieses Bild erstellt, was dann auf 3,50 Meter mal 4,30 Meter sozusagen tapeziert wurde. Und ich hab auch Murals gemacht und habe gemerkt: Ich brauche mehr Raum. Und ich hab Lust auf größere Formen, die vielleicht auch noch gar nicht so festgelegt sind. Deswegen ich mach auch Illustration.
[00:38:48] Ich zeichne ja auch oft ganz klein, so ist es ja nicht und auch auf Papier, ganz viel. Aber eben nicht nur. Und da möchte ich ein bisschen offener sein und das ist auch möglich.
[00:38:58] Franziska: Ja, ich glaub, das, was du beschreibst ... Also das nur mal so zurückgespiegelt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dadurch, dass ich ja über Illustrationen promoviert habe, wie stark Illustration oder wie ... verschieden die Wahrnehmung ist, was Illustration kann. Wenn man halt so zum Beispiel sich in der wissenschaftlichen Welt bewegt, dann wird Illustration ganz oft einfach ziemlich negativ konnotiert verwendet als Begriff und eine ganz starke Unterscheidung macht zwischen Illustration und Kunst.
[00:39:27] Und ich glaube, wir als Praktiker*innen sehen das ja ganz oft gar nicht so. Die Grenzen sind total fließend. Siehst du das auch so? Oder was ist denn für dich sozusagen die größte Unterscheidung, dass du jetzt sagst: Okay, ich verstehe mich mehr als Künstlerin.
[00:39:43] Amelie: Ich versuche gerade darüber nachzudenken, weil es ist mir, glaube ich, gar nicht so bewusst. Aber jetzt, wo du es sagst, denke ich, dass ich sehr viel Aufträge mir selbst gebe oder organisiere. Ich mache weniger Akquise. Also dieses Akquise-Ding habe ich schon immer vernachlässigt, habe oft das gemacht, was zu mir kam. Aber nicht alles hat eigentlich zu mir gepasst. Jetzt ist es so, dass ich eher die Dinge selbst mache und dann irgendwie gucke, wo könnten sie denn hinpassen. Und da viel freier bin. Und eben, wie ich schon gesagt habe, auch nicht so kommerziell. Ich muss halt natürlich trotzdem schauen, wie ist es denn überhaupt möglich, davon zu leben oder langfristig das stabil zu gestalten. Deswegen ich mach schon durchaus auch Auftragsarbeiten oder Live-Illustrationen. Das sind auf jeden Fall auch zwei Sachen, die ich mache, wenn ich dafür auch Zeit habe. Und wenn da Anfragen kommen.
[00:40:37] Die Hauptarbeiten, die ich mache, passen eben eigentlich nicht so in die Kategorien. Und ich merke dann auch manchmal, wo ich gerne mitmachen würde, aber wo ich eigentlich gar nicht so dazu gehöre. Was dann auch manchmal so ein bisschen schmerzhaft ist, wenn man merkt so: Hm, das schreibe ich mir so auf die Fahne, aber ist bin ich das oder so?
[00:40:53] Oder wenn ich auf der Messe bin, frage ich mich dann manchmal, wo passe ich denn überhaupt hin? Schön zu zeichnen reicht ja auch noch nicht aus. Es muss irgendwie ein richtiges Match sein. Und dann können die Dinge auch ja dann dann dann dann, dann können die sich weiterentwickeln.
[00:41:10] Franziska: Ja, danke, dass du das teilst. Weil ich mir gut vorstellen kann, dass jetzt hier einige zuhören und so denken: So ja, diese Gedanken kenne ich. Dieses: Darf ich das denn sein? Bin ich das denn überhaupt noch, wenn ich seit zwei Jahren keinen Illustrationsauftrag mehr gemacht habe. Oder: Gehöre ich da überhaupt hin, weil meine Sachen sehen anders aus als die der anderen. Und ich glaube, da sind das bestimmt einige ganz erleichtert zu hören, dass sie damit nicht alleine sind. Und ich kenn das halt auch und bin davon auch nicht frei. Ich find’s aber gleichzeitig auch wichtig, zu sagen, dass es ja am Ende auch immer eine Entscheidung für sich selbst ist. Am Ende dürfen ja alle alles sein.
[00:41:48] Für mich war das anfangs super schwer, zu sagen, ich bin Illustratorin. Weil ich mich immer gefühlt habe wie die Architekturstudentin, die so inkognito so tut, als ob sie dazu gehört. Und am Ende hat’s nur ne Entscheidung gebraucht. So eine innere Entscheidung, zu sagen: Ja, ich bin das jetzt. Und das ist bei allen Sachen im Leben so. Es braucht diese Entscheidungen, dass man das sein möchte und dann ist es dann ist man das auf einmal.
[00:42:11] Amelie: Ja, dann muss man das für sich eben ausfüllen.
[00:42:14] Franziska: Ja, genau!
[00:42:15] Amelie: Wie auch immer das dann aussieht.
[00:42:17] Franziska: Ja genau. Das hängt da als Rattenschwanz-Aufgabe mit dran. Aber das ist ja vielleicht auch eine schöne Aufgabe, das auszufüllen.
[00:42:23] Amelie: Genau. Also da passt auch vielleicht noch mal so ein Pain Point dazu. Diese Selbstzweifel, die es gibt wenn man eben vielleicht zwei Wochen nichts gezeichnet hat oder so. Weil es gibt noch so viel, was man machen muss als Selbständige. Planung und E-mails und ne Webseite und technischer Krimskrams und dann funktioniert irgendein Programm nicht und dann ist der Laptop irgendwie nicht mehr up-to-date oder kompatibel oder ich weiß nicht was abgestürzt. Also so viel Admin und Organisation und Papierkram, der auch ganz oft Energie und Zeit frisst. Ich fühl mich immer so wie so ein so ein Tennisspieler mit so einer Ballmaschine und ich muss die Bälle alle so parieren und und und einfach so, dass sie nicht rüberkommen über die Linie.
[00:43:09] Aber ich habe noch keine Zeichnung gemacht und ich habe nur sozusagen Bälle beantwortet oder irgendwie abgehalten und schon ist ein Arbeitstag vorbei und schon ist eine ganze Woche vorbei. Aus diversen Gründen ist man irgendwie mal nicht so produktiv, was auch dazu gehört, weil man eben keine Maschine ist, sondern ein Mensch, der auch mal aus dem Fenster gucken muss oder auch Phasen hat, wo man irgendwie vor Energie sprüht, und andere Phasen, wo man eher so im Rückzugsmodus ist brüten muss. Schmerzhaft brüten. Über Ideen oder Fragen oder was auch immer, die sich irgendwann bahnbrechen werden. Und das alles auszuhalten gehört eben auch dazu und das ist gar nicht so leicht.
[00:43:48] Da ist es sehr wichtig, sich so ein kleines Netzwerk aufzubauen. Ich hab super gute Freundinnen, das sind lustigerweise alles Frauen, mit denen ich mich so eng austausche, mit denen ich auch mal so remote zusammen zeichne. Ja, wir trinken Kaffee so digital oder erzählen uns über irgendwelche Dinge, die uns beschäftigen. Irgendwelche unerfreulichen Challenges. Oder auch irgendwelche Erfolge feiern wir miteinander. Und feuern uns an und entwickeln uns weiter.
[00:44:16] Wir tauschen uns über Honorare aus, über Nutzungsrechte, und vernetzen uns und helfen uns aus. Das fühlt sich total gut an so empowernd. Und ich bin da total dafür, weil ja ich kämpfe auch ganz stark dafür, dass sich die Bedingungen sozusagen verbessern oder zumindest gleich bleiben. Weil das gar keine Selbstverständlichkeit ist.
[00:44:36] Ja während momentan irgendwie alle streiken um uns herum, müssen wir einfach weitermachen, weil wir Einzelkämpfer*innen sind. Und bei manchen Jobs haben sich in zehn Jahren die Preise nicht geändert. Und das ist halt eigentlich ein Skandal. Ja, wenn wir gucken, dass alleine mit dem Kaffee oder der Butter oder ich weiß nicht was mit dem Liter Milch oder so geworden ist oder den Energiepreisen, die wir auch tragen in unseren Studios oder Wohnungen, oder ... Das sind schon so Sachen, die nicht so cool sind. Und da ist es ganz ganz wichtig, sich zu verbinden und zu vernetzen und sich Unterstützung zu holen. Sich gegenseitig zu unterstützen.
[00:45:15] Franziska: Ja. So ne Solo-Selbstständigkeit kann ganz schön einsam sein. Und da einfach ein Netzwerk zu haben und Austausch zu haben, ist einfach super super wichtig. Auch um zu wissen, dass man nicht die einzige Person ist, die da gerade die ganzen Tennisbälle über die Linie versucht zu kriegen.
[00:45:31] Amelie: Ja.
[00:45:33] Franziska: Voll gut. Vielleicht so als Abschlussfrage: Wenn du der Amelie vor 20 Jahren den Rat geben könntest: Was würdest du dir selbst für einen Rat geben?
[00:45:43] Amelie: Ich würde sagen: Du bist richtig, also stell dich nicht in Frage. Geh deinen Weg. Versteck dich nicht. Denn ja, kein anderer wird den Weg für dich gestalten. Das habe ich auch nie gedacht. Vielleicht würde ich mir noch mehr Mut wünschen.
[00:45:59] Der musste sich erst entwickeln. Aber ja im Grunde würde ich auch nichts anders machen. Es ist alles gut, wie es. Alles führt zu irgendetwas, was wichtig für die Entwicklung ist. Ich habe viele Umwege genommen und ja, ich habe in verschiedenen Städten gewohnt, auch in New York und London und nichts war irgendwie so strategisch. Wie die Kinder gekommen sind oder die Umzüge. Was sie dann fürs Elterngeld bedeutet haben. Also nichts Gutes. Weil äh wenn man dann umzieht, in ein neues Sozialsystem kommt als Selbstständige, muss man wieder von null anfangen.
Also man kriegt eigentlich dann quasi das Minimum. Und all diese Dinge. Ja, aber wir wohnen immerhin, oder wir leben in Deutschland. Auf jeden fall an einem ganz guten Ort, wo man sehr gut abgesichert ist. Und es immer irgendwie weitergehen kann, denke ich. Und ja, wir haben ganz viele Möglichkeiten. Was wir daraus machen, ist halt die andere Frage. Was wir daraus machen können. Und die Bedingungen sind auch nicht immer leicht. Also ich finde sie auch zur Zeit challenging. Herausfordernd irgendwie. Wie sich die Welt weiterentwickelt und auch was das vielleicht für unseren Beruf bedeuten wird.
[00:47:08] Bei mir ist es wirklich so, ich hab eigentlich keine Wahl. Ich ich muss es machen. Ich hab’s gemerkt. Ich werd ungenießbar, wenn ich nicht das machen kann, was ich mache. So das haben alle gemerkt ... Deswegen hat sich vielleicht auch mein Partner auf dieses Modell eingelassen. Das macht mich zu einem glücklichen angenehmen Mitmenschen. Und ja, das ist irgendwie auch inspirierend für, ich weiß nicht, für die nächste Generation. Unsere Kinder. Vielleicht wohnen wir in einer kleinen Wohnung, machen jetzt keine irren Urlaube, aber wir sind sehr glücklich und gehen super gerne arbeiten. Ja, ich denke wenn man das, was was einen selbst inspiriert und antreibt, irgendwie vermitteln kann, kann man ja irgendwie was weitergeben.
[00:47:55] Auch als ich letztes Jahr einen Unfall hatte, meine rechte Hand verletzt habe und drei Monate krankgeschrieben war, also nicht zeichnen konnte. Krank geschrieben sein bedeutet ja als Selbstständige eh das, was es vielleicht für jemanden angestellten bedeutet.
[00:48:09] Aber ich bin mit meiner verbundenen Hand täglich in mein Atelier gegangen und saß dann da und hab mit der linken Hand E-mails getippt und irgendwelche Dinge auf den Weg gebracht, die sich erst später dann manifestiert haben aber es ist einfach was ganz Starkes, was mich mehr erfüllt als vielleicht drei Monate Netflix zu gucken ... oder?
[00:48:30] Franziska: Kannst du sagen, was das ist? Was ist es, was dich antreibt?
[00:48:35] Amelie: Was treibt mich an? Ich denke, jeder Tag hält die Möglichkeiten für ganz viel bereit, und es liegt wie ein weißes Blatt vor mir. Und in jeder E-mail könnte was Spannendes stehen. Aber ich kann auch selbst mir einen Auftrag geben, und ich kann eine Zeichnung machen, und ich kann damit irgendwas bewirken. Und das wiederum zurückgespiegelt wird von anderen, die das sehen.
[00:49:00] Wenn man klein ist, sehen, dass die Eltern und freuen sich. Oder die Lehrerin. Oder man kriegt mal eine 1. Oder jemand lacht über eine kleine Karikatur, die man gemacht hat. Und man fühlt sich bestätigt. Bevor ich mich selbständig gemacht hab, habe ich kleine Cartoons gezeichnet, über meine Schwester, die ich sehr liebe, mit der ich auch sehr sehr nah bin, die in der Wohnung neben mir gewohnt hat.
Und ich hab die Szenen, die sich zwischen uns beiden abgespielt haben, habe ich in so ein kleines Moleskine rein gezeichnet und ich hatte dann ein so ein Heftchen voll mit Comics von uns beiden und lustigen Situationen. Wenn wir zusammen gegessen haben oder wenn wir zusammen zum Yoga gegangen sind oder wenn wir eben nicht zum Yoga gegangen sind und welche Ausreden wir uns dafür überlegt haben. Oder wie sie mein Autofahren kommentiert hat und diese Dynamiken zwischen zwei Schwestern.
Und als ich mich selbstständig gemacht hab, war das das erste Projekt, was ich umgesetzt habe. Ich habe daraus ein Zine gemacht, also einen Comic, den ich selbst erst mal rausgebracht hab. Und der wurde dann aufgegriffen von der SZ, die haben dann darüber geschrieben auf der Seite »jetzt«.
Und dann haben irgendwie Leute von Norden bis Süden, aus allen Ecken Deutschlands, bei mir dieses Heft bestellt, weil mit dem Thema Schwestern ganz viele Resonanz hatten. Und das hat mich, ja, das hat mich unglaublich bestärkt, denn ich hab da aus dem Nichts was gemacht ... und gemerkt, es hat Resonanz mit anderen.
[00:50:22] Und das ist mir immer wieder passiert mit Projekten, auch gerade selbst initiierten Projekten. Ich habe zum Beispiel eine Map, also einen Stadtplan illustriert. Von London. So als Abschiedsprojekt von meinem Weggang. Und hab den mit Kickstarter wollte ich irgendwie die Druckkosten finanzieren. Und plötzlich waren da irgendwie 250 Menschen weltweit, wirklich weltweit, die da irgendwie gepledged haben. Unter anderem auch richtig Prominente.
[00:50:47] Das war auch echt krass, also ein ganz, ganz berühmter Regisseur. Wo ich denke: Wow krass, wie kommen die auf mich? Die wollen das haben. Niemand kennt mich, aber die wollen meine Illustrationen haben, meine Zeichnung. Das sind dann so kleine Situationen, in denen dann so eine Bestätigung kommt und die dann wiederum das ganze System irgendwie am Laufen halten.
[00:51:07] Das ja, das ich denke: Okay, ich mach das nicht nur für mich. Ich kann damit andere glücklich machen. Oder ich lerne die Leute kennen, die sagen: Ach du bist die Illustratorin von dem und dem Buch. Ja, das hab ich schon x-fach verschenkt, das ist toll. Dann denke ich, ich kann irgendwo was in der Welt bewirken. Ja, also ich hab jetzt keinen wichtigen Job, der wirklich Leben retten kann, aber ich kann irgendwas mit meiner Arbeit bewirken, was irgendwie Momente für Menschen schöner macht. Und das ist was total Erfüllendes und das ist dann auch so eine Art Motivation, das irgendwie zu machen.
[00:51:42] Franziska: Ja, das ist ja total nachvollziehbar. Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit im Außen. Und das Teilen von Beobachtungen und Erfahrungen. Total schön, kann ich total nachvollziehen.
Vielen Dank, Amelie, für dieses schöne Gespräch und dass du da so auch so ganz ja ganz persönliche Sachen geteilt hast. Und wie gesagt, ich feuere dich an. Ich bin ein großer Fan deiner Arbeit und freue mich jedesmal, wenn du in meinem Instagram-Feed aufploppst. Und ich bin sehr gespannt, wo deine Reise noch hingehen wird.[00:52:18] Amelie: Danke. Ja, es ist auch gar nicht so leicht, immer sichtbar zu werden. Es ist auch nichts, was in meiner Komfortzone liegt. Wenn ich Fotos von mir poste, ist das nicht, weil ich mich selbst so toll finde. Aber ich weiß, ich muss mich zeigen.
[00:52:36] Franziska: Ja, genau.
[00:52:36] Amelie: Instagram ist eine Möglichkeit, sich niedrigschwellig zu zeigen.
[00:52:40] Franziska: Ja, aber du hast ja recht. Das ist gut, dass du es noch mal sagst. Sichtbarkeit. Auf die Bühne zu treten und sich den Raum zu nehmen, ist einfach total wichtig, auch wenn es manchmal unkomfortabel ist. Ich mag das auch gar nicht, meine Nase ständig in die Kamera zu halten, aber es gehört halt einfach dazu und und du machst das ganz toll. Das kann ich dir immer zurück spiegeln. Ich finde, du machst das ganz großartig.
[00:53:03] Amelie: Vielen Dank.
[00:53:04] Franziska: Wie schön. Dann bis bald, liebe Amelie.
[00:53:07] Amelie: Bis ganz bald. Vielen lieben Dank.
So. Das war das Gespräch mit der multidisziplinär aufgestellten Künstlerin Amelie Persson.
Was hast du mitgenommen? Und was hat dich überrascht? Positiver Wandel passiert ja, wenn wir uns gegenseitig anfeuern und unterstützen, unseren eigenen, individuellen Weg zu gehen. Deshalb jetzt auch mal die Frage an dich: Wie möchtest du deinen Weg mit der Kinderfrage gestalten? Was wünschst du dir? Und welche neuen Wege und passenden Strategien brauchst du dafür?
Und wenn du jetzt Lust bekommen hast, dich auch zu positionieren, dann hier noch einmal kurz und knapp eine ganz herzliche Einladung an dich in die Portfolio-Akademie. Die nächste Runde startet im September 2024. Aber du kannst dich jetzt schon auf die Warteliste eintragen, ganz unverbindlich. Check das mal aus, wenn dich das interessiert, unter www.diegutemappe.de/pa.
Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe,
Wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska
Darf ich dich heute um einen Gefallen bitten?
Für den Verkauf von Büchern sind gute Bewertungen enorm wichtig. Wenn du mein Buch »Die gute Mappe« schon gelesen hast und es dir gefällt, hilfst du mir sehr mit einer Rezension auf Amazon und Co. Du kannst sogar eine Bewertung hinterlassen, wenn du das Buch in einem anderen Buchladen gekauft hast (was ich begrüße). Sharing is caring! Danke dafür! Und auch ein ❤️ und ein Danke an die, die schon eine Rezension geschrieben haben.
Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

Für 0,00 Euro
Zum Auftragsindex
Zum Podcast
Zur Checkliste

Du siehst gerade ein im Rahmen der DSGVO blockiertes Anmelde-Formular meines Newsletter-Providers Active Campaign. Um das Formular zu nutzen, klicke bitte auf den Button. Bitte beachte dabei, dass Daten an Drittanbieter weitergegeben werden können. Ich tue mein Bestes, um deine persönliches Daten bestmöglich zu schützen.
Mehr Informationen