25. April 2024

#111 | Kreative Wende: Die Kunst der Selbstdefinition *Patrick Wirbeleit interviewt Franziska

Wie Patrick und Franziska mit Selbstbildern kämpfen, negative Kritik überwinden und sich in einer sich wandelnden Welt neu definieren

 

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Weitere Informationen

 
Du erfährst:

  • Warum fällt es Patrick schwer, sein frühes Selbstbild als talentierter Zeichner loszulassen? Und warum ist das überhaupt notwendig?
  • Wie hat Franziska ihre Identität als Illustratorin und Designerin entwickelt und welche Herausforderungen musste sie dabei überwinden?
  • Wer hat während dieser Entwicklung negative Rückmeldungen gegeben und wie ist Franziska damit umgegangen?
  • Warum ist es wichtig, als kreativer Mensch selbst zu entscheiden, wer man sein möchte, und welche Rolle spielt dabei die Selbstdefinition?
  • Warum ist es für Kreative entscheidend, auch und vor allem in ungewissen Zeiten flexibel zu sein und sich immer wieder neu zu definieren?
  • Welche Mechanismen können Kreative nutzen, um sich vor der Falle des Perfektionismus zu schützen, insbesondere beim digitalen Arbeiten?
  • Wie gehen Patrick und Franziska mit kreativer Überarbeitung und Erschöpfung um?

 
Heute satteln wir das Pferd mal von hinten auf – oder drehen den Spieß um. Denn heute werde ich interviewt: Vom Kinderbuchautor, Comiczzeichner, Event Facilitator, Bunte Hunte-Co-Founder und Carl-Buch-Preis-Gründer Patrick Wirbeleit.

Und das Gespräch geht los mit einer ganz großen Frage: Franziska, wer bist du?

Patrick und ich sprechen darüber, wie ich meine kreativen Identitäten als Illustratorin und Designerin entwickelt habe und welche Herausforderungen sich da so gezeigt haben ... Spoiler-Alert: mir wurde nicht nur einmal gesagt, dass ich nicht zeichnen kann ...

Und deshalb geht’s im Interview auch darum, was hilft, mit negativen Rückmeldungen umzugehen. Patrick und ich sprechen auch über Mechanismen, die Kreative nutzen können, um sich vor der Falle des Perfektionismus zu schützen, beim analogen Arbeiten, aber eben auch insbesondere beim digitalen Arbeiten – denn da ist es ja so viel leichter, alles zu glatt zu ziehen, bis am Ende kein Funken Leben mehr in der Illustration ist.

Und zum Schluß geht es auch noch einmal um Zeitmanagement und um Wege, wie Patrick und ich mit Stress im Arbeitsaltag umgehen.
 

Intro: Was ist das hier für ein Podcast?

Herzlich Willkommen im Portfolio-Podcast. Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst – aber eben auch wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt.

Mein Name ist Franziska Walther, selbst Illustratorin, Designerin, Autorin – und Expertin für Positionierung und Akquise in der Kreativwirtschaft und ich unterstütze seit über 10 Jahren Menschen dabei, sich nachhaltig zu positionieren und wirksame Akquise zu machen.
 

Komm zur Bunte Hunte

Übrigens war Patrick schon einmal im Portfolio-Podcast: in der Episode »#58 | Kann Mensch von Comics und vom Büchermachen leben?« Wenn dich das interessiert, findest du den Link zur Folge in den Shownotes.

Um diese Themen geht es übrigens auch auf der Bunte Hunte, dem Kongress für Kinderbuch-Illustration, der dieses Jahr im Juni in Buxtehude stattfindet. Patrick und Dirk Uhlenbrock organisieren gemeinsam diese Konferenz und haben mich eingeladen, auf der Bunte Hunte zum Kinderbuch-Markt in Zeiten von KI zu sprechen. Wenn du dein Ticket für die Bunte Hunte schon hast, dann sehen wir uns da – und ich freu mich schon sehr auf diese drei Tage voller inspirierender Vorträge, Workshops und vor allen Dingen Austausch mit Kolleg*innen.

Aber jetzt los: Lass uns gleich mal loslegen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und – wie immer – ganz viele Aha-Momente im Gespräch mit dem großartigen Patrick Wirbeleit und mir. Let’s go!
 

[Transkript des Interviews mit Patrick Wirbeleit]

Patricks Website: www.patrickwirbeleit.jimdofree.com
Patrick auf Instagram: @patrick_wirbeleit
Die Bunte Hunte: www.bunte-hunte.de
Zum Bunte-Hunte-Newsletter: Bunte-Hunte-Newsletter

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Patrick:
Okay, ja, ich fange mal mit einer ganz direkten Frage an. Und zwar: Wer ist Franziska Walter? Und ich sage dir mal kurz, was ich damit meine.

Franziska:
Okay.

Patrick:
Ich habe im Grunde seit der Schulzeit irgendwie das Selbstbild, dass ich derjenige bin, der gut zeichnen kann. Das war auch das Bild, das mir von den anderen Kindern oder Jugendlichen reflektiert wurde. Das ist auch etwas, worüber ich mein Selbstbewusstsein definiert habe. Und ich habe festgestellt, dass über die Zeit, wo ich mich verändert habe, wo ich mich anders aufgestellt habe, wo ich mittlerweile fast gar nicht mehr zeichne, der Punkt war, der mir am schwersten fiel loszulassen. Also dieses Selbstbild, dass ich der bin, der gut zeichnen kann. Wer bin ich denn dann, wenn ich das nicht mehr bin? Und wer warst du denn früher in der Schule?

Franziska:
Das ist eine echt gute Frage. Ich glaube, es ist wirklich wichtig zu fragen, wann. In der Schule war ich die, die am Rand gestanden hat, nirgends, wo er zugehört hat. Ab der sechsten Klasse. Als ich aufs Gymnasium gekommen bin, habe ich keinen Anschluss gefunden und war dann immer die, die außen stand. Oder vielleicht habe ich mich auch einfach nur so gefühlt. Das ist ja auch immer so eine Sache. Ich war schon ziemliche Außenseiterin. Ich habe auch in der Schule viel gezeichnet, aber ich habe mich zum Beispiel nie verstanden als eine Person, die besonders gut zeichnen kann. Das ist ja auch immer so die Frage: Was wird einem so erzählt? Also in meiner Familie wurde mir immer zurückgespiegelt, dass ich gut zeichnen kann, aber im Außen hatte ich schon auch so ein paar Situationen, wo mir das anders zurückgespiegelt wurde.

Patrick:
Hast du da eine spezielle Situation im Kopf?

Franziska:
Ja, diverse. Also in der Schule hatte ich eine Kunstlehrerin, die mir ab der 11. Klasse dabei geholfen hat, mich darauf vorzubereiten, mich an der Uni zu bewerben. Ich wollte damals freie Kunst studieren, ich wollte damals zwei Kunst studieren, weil ich nicht wusste, dass es andere Sachen gibt wie Design und Illustration. Deswegen hatte ich mich so auf freie Kunst fokussiert. Sie hat irgendwann mitbekommen, dass ich das machen möchte. Und ich kann mich daran erinnern, dass sie – hm, wie soll ich das sagen? – mit viel Mitgefühl, aber auch ein bisschen Mitleid auf meine Mappe geguckt hat. Sie hat mir gesagt, dass da ganz viele Sachen fehlen, weil es so typische Sachen sind, die man halt dafür braucht, um sich für Kunst zu bewerben. Also, weiß ich nicht, Stillleben mit Flaschen, wo man beweist, dass man Schatten zeichnen kann und Licht. Das hatte ich halt alles nicht. Ich habe damals schon super großformatige, sehr illustrative Porträts gemalt, mit Acryl und mit Öl. Und sie hat mir halt einfach zurückgespiegelt, dass ich daran arbeiten müsste, wenn ich das machen will. Da fehlen einfach ganz viele Sachen.

Patrick:
Ja.

Franziska:
Im Studium hatte ich Situationen. Also, ich hatte wirklich auch Situationen, wo Leute mir gesagt haben: »Du kannst einfach nicht zeichnen. Du musst das üben.« Und dann gab’s aber auch andere Situationen, wo Leute gesagt haben: »Nein, deine Sachen sind großartig.« Aber das Absurde ist ja auch, dass man sich an die negativen Sachen viel mehr erinnert als an die positiven. Und ich hatte eine Dozentin, die zu mir gesagt hat, dass ich nicht zeichnen kann.

Patrick:
In der freien Kunst, oder wo war das dann?

Franziska:
Nein, in der Illustration. Also, ich habe zuerst Architektur studiert. Da durchläuft man im Grundstudium so eine handwerkliche Ausbildung auch. Also, wir haben unglaublich viel freihand draußen gezeichnet. Das heißt, ich weiß halt, dass ich das kann, weil ich das da konstant immer wieder tun musste. Ich habe aber während des Architekturstudiums auch schon versucht, in Design und Illustration Projekte zu kommen. Habe mich damals bei einem Illustrationsdozenten vorgestellt, und der hat halt zu mir gesagt: »Ich kann nicht zeichnen.« Und hat dann gemeint: »Guck dir doch mal bitte Bilderbücher an.«

Und ich verstehe jetzt auch im Nachhinein, was er gemeint hat. Ich war halt Architekturstudentin, ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Geschichten erzählen. Ich habe mich auch nie damit beschäftigt. Es war mein allererster Versuch, eine Geschichte zu erzählen, und ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Die Bilder sahen irgendwie alle gleich aus, die Perspektive war immer die gleiche, die Figuren haben sich vom Prinzip nicht sonderlich viel bewegt. Ich hatte zwar Figuren, aber die waren auch nicht unbedingt sonderlich wiedererkennbar. Das ist ja auch nichts, was man einfach so aus dem Stand mal eben kann. Ja, es gibt ja eine Berechtigung dafür, dass man das erst mal lernt und übt. Und das passiert einfach durch Wiederholung. Und deswegen verstehe ich total, was er damals gemeint hat. In dem Moment war das ganz schön hart, weil ich es damals nicht verstanden habe. Auch das ist ja einfach so eine Chance, wo einen das Leben fragt: Möchtest du das wirklich? Und dann trotz dieser Ablehnung und dieser negativen Rückmeldung weiterzumachen, ist ja auch eine große Qualität. Weil ich einfach damals gemerkt habe: »Ja, ich möchte das halt. Also lasse ich mich davon nicht ab und mache halt einfach weiter und werde besser.«

Patrick:
Ja, und um jetzt noch mal zurückzugehen auf das frühe Selbstbild, oder vielleicht müssen wir gar nicht in die Schule gehen. Vielleicht kannst du, hast du so einen Moment, wo du das Gefühl hattest, das bin jetzt ich?

Franziska:
Ich kann mir vorstellen, dass es halt diverse Selbstbilder gibt. Also, ich kann bei mir schon sagen, dass es je nach Kontext definitiv unterschiedliche Selbstbilder gibt. Eine Sache, die mir sehr in Erinnerung geblieben ist und die für mich auch eine ganz schöne Kraftanstrengung war und deshalb wahrscheinlich auch so wichtig ist, immer noch so im Herzen, ist das: Als ich angefangen habe, Design zu studieren, habe ich mich halt jahrelang – also bestimmt die ersten eins, zwei, vielleicht sogar drei Jahre im Studium – gefühlt wie die Architekturstudentin, die immer noch so inkognito mit dabei ist, die einfach so tut, als ob. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass wenn ich möchte, dass sich das ändert, das ist halt meine Entscheidung. Und dann habe ich mich irgendwann ganz bewusst entschieden: »Ich bin Illustratorin und Designerin.« Und das ist für mich immer noch total wichtig, als Identität.

Patrick:
Musst du dir das auch immer noch sagen?

Franziska:
Das ist schon sehr tief drin angekommen.

Patrick:
Ja, wie alt warst du denn da?

Franziska:
Warte mal, da muss ich zurückrechnen. Ich habe mit 18 angefangen zu studieren, aber ich habe erst mit 25, 26 also mit meinem Designstudium angefangen. Das heißt, ich war wahrscheinlich 28? Ende 20?

Patrick:
Ah ja, okay, ja, das ist echt schon dann eine ganze Weile, bis du dann so irgendwie angekommen warst. Wobei am Ende also, wenn ich jetzt gucke, wie lange ich gebraucht habe, um irgendwo anzukommen, das hat auch lange gedauert.

Franziska:
Ja, ich glaube auch, dass sich das ja immer wieder verändert. Ich habe ja auch vor ein paar Jahren einen neuen Weg eingeschlagen mit dem Podcast und mit der Portfolio-Akademie, und ich merke auch, dass mein Selbstbild gerade ein Update braucht, weil ich habe sie ja, gerade bevor wir angefangen haben erzählt. Ich musste gerade einen großen Auftrag absagen, weil ich einfach nicht die Zeit habe dafür. Und ich merke auch gerade, dass ich an so einer Kreuzung angekommen bin, wo ich mich auch entscheiden muss: Bin ich bereit, bestimmte Sachen gehen zu lassen, weil ich kann nicht alles gleichzeitig haben und ich kann auch nicht alles gleichzeitig sein.

Patrick:
Ja, ja. Wenn du dich jetzt irgendwie auf einer Party vorstellst, würdest du dich immer noch eher so als »Ich bin Illustratorin« vorstellen oder würdest du auch sagen »Ich bin Podcaster«?

Franziska:
Ich glaube bis vor ’nem halben Jahr hätte ich ganz klar gesagt Designerin und Illustratorin. Und ich merke, dass dieses Bild langsam so ein bisschen sich nicht mehr ganz richtig anfühlt, und ich merke einfach, dass ich sehr oft darüber nachdenke: Wer bin ich denn eigentlich gerade?

Patrick:
Ja, weil du bist ja auch nicht nur Podcaster, du bist ja Mentorin, und das nimmt ja keinen geringen Teil deiner Arbeitszeit ein. Was würdest du sagen, wie viel? Wie viel Zeit verbringst du damit? Also, wenn du es jetzt so einschätzen würdest: Wie viel Illustratorin und Designerin ist noch da und wie viel Podcaster-Mentorin es ist in deinem Leben?

Franziska:
Ja, der Podcast braucht so zweieinhalb Tage in der Woche realistisch, das ist schon sehr sehr zeitaufwendig. Die Portfolio Akademie braucht mindestens einen Tag, das heißt, so über die Woche würde ich sagen, gehen da acht Stunden drauf, und dann bleibt ein Tag übrig, der eigentlich im Moment für meine eigenen Projekte reserviert ist und Aufträge passieren dazwischen ... oder etwas anderes muss Platz machen ... oder ich arbeite länger. Ich habe gerade wieder einen Auftrag, der gerade kurz vor Drucklegung ist, und da merke ich halt, dass da einfach 40 Stunden die Woche nicht ausreichen. Das schiebe ich dann halt davor und danach noch rein.

Patrick:
Ja, ja. Also, wenn man das jetzt mal so rein zahlenmäßig betrachtet, hat sich das ja eigentlich komplett gewandelt bei dir mittlerweile.

Franziska:
Ja.

Patrick:
Das wäre jetzt auch so meine Außenwahrnehmung gewesen, weil ich ja also wöchentlich ein paar Gäste mache. Das ist schon eine Menge Arbeit, was ich so mitbekomme von außen. Ja, wie hast du mir auch erst mal wieder bestätigt, und ich finde es sowieso echt beeindruckend. Ich habe mir jetzt noch mal die frühen Podcast-Folgen angehört als Vorbereitung für unser Gespräch, und ich muss sagen, es hat sich gar nicht so viel verändert. Also mal abgesehen davon, dass sie heute ein bisschen länger sind und dass ich das Gefühl habe, du hast heute deine Stimme gefunden, was ja auch ganz natürlich ist. Also, es ist ja auch beim Zeichnen so, also auch da, wenn man anfängt, braucht man ja eine Weile seine Stimme zu finden. Ist das in deiner Selbstwahrnehmung? Also, man selber ist ja immer viel viel kritischer, weil das – wie viele Folgen hast du mittlerweile?

Franziska:
Gestern ist die Folge 108 rausgekommen.

Patrick:
Wow, okay, das sind ja wirklich eine Menge Folgen. Wie siehst du da deine eigene Entwicklung?

Franziska:
Ja, also ich kann sehen, dass ich auch so meine Stimme gefunden habe. Ich finde das auch total schön, weil es doch so ein Grundthema ist, was ich schon immer habe: Mich zu trauen, mir den Raum zu nehmen, auch Dinge zu sagen, so wie ich sie sehe. Und so ein Podcast ist dann eine echt gute Übung, da immer wieder halt auch zu trauen, weil es wird halt erst spannend, wenn ich mich traue, da auch ehrlich zu zeigen, wie ich über Dinge denke und wie das halt bei mir vielleicht auch so ist.

Patrick:
Ich denke, das ist auch der Punkt, wo die Leute am stärksten anknüpfen.

Franziska:
Ja, und was? Ich halte irgendwie, was mich schon auch sehr froh macht, und das vielleicht auch noch so als Ergänzung zu deiner Frage eben.

Patrick:
Mhm.

Franziska:
Ich sehe mich schon auch immer noch als Illustratorin und Designerin, weil ich bin halt auch die Illustratorin und Designerin für meine Kanäle, die ich hier grad geschaffen hab. Also in diesen zweieinhalb Wochentagen Podcast-Entwicklung und Produktion, da steckt jede Woche mindestens eine Illustration drin. Ich designe alles, was ich mache, alle meine Produkte mache ich selbst gestaltet, und ich sehe das auch einfach immer alles unter einem Marken-Aspekt.

Und was ich jetzt schon sagen kann nach zweieinhalb Jahren ist, dass ich das sehr viel besser wuppe. Es ist so dieses Konstante, auch jede Woche ne Idee haben für eine Illustration. Das fand ich anfangs eine echt gute Übung, weil bei mir war das halt nie so, dass ich konstant illustriert habe, weil ich ja auch Designerin und Illustratorin bin. Das heißt, es gab bei mir immer mal so Phasen, wo ich ein halbes Jahr an einem großen Designprojekt gearbeitet hab und einfach gar nicht viel gezeichnet hab. Dann musste ich auch erst wieder so reinkommen, und am Anfang fand ich das schon eine echte Herausforderung, jede Woche zu wissen: »Oh, ich muss mir irgendwas ausdenken zu dem Thema.« Oh mein Gott! Und auch da kann ich sehen, dass ich halt auch meine Stimme gefunden hab und auch so, wie mir das halt total leicht fällt, und es macht mir auch wieder sehr viel mehr Spaß als am Anfang.

Am Anfang war es halt einfach stressig, und es kommt ja auch einfach mit der Übung. Wenn man das halt einfach zum 108. Mal gemacht hat, dann ist es halt einfach keine große Sache mehr so, und über die Übungen wird auf einmal aus Raum frei mehr zu machen, weil viele Sachen selbstverständlich werden oder einfacher werden. Und auf einmal, ich weiß nicht, am Anfang hätte ich nicht das alles gleichzeitig machen können, ich hätte einfach nicht die Kapazitäten gehabt. So, weil das super anstrengend war, und jetzt merk ich, so ist überhaupt kein Ding. Ich weiß, dass ich jetzt kann. Krieg ich hin. Das wuppe ich.

Patrick:
Und damals die Entscheidung, das gleich von Anfang an oder wöchentlich zu machen. Was war so der Hintergrund, warum hast du das gemacht? Weil du hättest auch sagen können, okay, ich mach mal eins pro Monat und guck mal, wie es läuft.

Franziska:
Ja, interessanterweise, ich hab das ja auch die ersten vier Wochen immer noch Audio-Blog genannt, weil mir Podcast zu groß erschien. Weil ich das Jahr davor gebloggt habe, also einfach jede Woche im Blogpost geschrieben habe und wusste, das kriege ich hin. Aber Podcast hat mir anfangs noch ganz schön Angst gemacht. Und die Entscheidung, das wöchentlich zu machen, war einfach, ich glaube, schon sehr an Kontinuität. Ich glaube, dass, wenn ich möchte, dass irgendwas so wird, wie ich das gern hätte und auch eine gewisse Reichweite und Relevanz bekommen möchte, dann komme ich nicht darum herum, das in einer regelmäßigen Frequenz zu machen. Ich hatte mich vorher so ein bisschen auch belesen. Ich hab ganz viele Fehler gemacht, die man, wenn man Podcast startet, am besten nicht machen sollte, weil ich einfach auch gar nicht zu viel recherchiert habe. Aber so ein paar Sachen hab ich mir halt schon angeguckt, und ich wusste, dass wöchentlich also das Minimum ist, um einen Podcast aufzubauen. Also sobald man auf zwei Wochen geht, dauert es einfach unverhältnismäßig viel länger, dass der Podcast eine gewisse Reichweite entwickelt, durch die Algorithmen der Plattformen.

Patrick:
Ah ja, okay, ja, ich muss auch zugeben, dass ich in meiner Hör-Gewohnheit kann das auch nur bestätigen. Also wenn ich irgendwie dann meinen wöchentlichen Podcast, den ich höre, nicht bekomme, bin ich auch total frustriert. Also man baut ja auch eine Erwartungshaltung auf.

Franziska:
Ja, genau, ich bin ja ich bin auch großer Podcast-Fan, ich hör auch so ein paar Podcasts super super regelmäßig und sehr sehr gerne und ja mir geht’s auch so, ich freue mich dann schon immer auf die neue Folge und warte da richtig drauf.

Patrick:
Ja, das heißt aber, dass du im Grunde ja schon. Also auch wenn du selber noch Illustratorin bist, also langsam wird denn dein Selbstbild Portfolio größer.

Franziska:
Ja, ja, und ja, ich weiß, ich habe ja mit in der guten Mappe dieses Modell entwickelt von der kreativen Seele mit den kreativen Identitäten, und ich glaube schon auch, dass es einfach für einen selbst als kreative Person wichtig ist, selbst zu entscheiden, wer möcht ich denn auch sein. Und wenn ich merke, was es so in meinem Herzen mir ist, ist es halt einfach super wichtig, Illustratorin und Designerin zu sein. Und selbst wenn ich gerade weniger Aufträge mache, weil ich einfach nicht die Zeit hab, die Aufträge machen zu können, die ich gern machen würde, weil es dann einfach größere Projekte sind.

Es ist es am Ende ja meine Entscheidung, wie ich mich definiere und wie ich mich sehen möchte, und mir da einfach so irgendwann so den Raum zu nehmen und zu sagen: Nö, ich darf das selbst entscheiden, und ich bin halt Illustratorin und Designerin, Podcaster und Autorin und Bababababap, und ich darf alles sein. Am Ende bin ich diejenige, die das entscheidet.

Patrick:
Definitiv, und ich finde sogar nicht nur, dass du das sein darfst, sondern dass du das als kreativer Mensch entscheiden musst. Ja, also, weil, als Kreativer muss man sich klar sein, dass man eigentlich die ganze Zeit autonom ist, ja, weil ansonsten gehen dir ja die Freiheiten im Kopf verloren. Also, das passiert mir durchaus auch natürlich auch bei mir. Ich muss nicht meine Identität als Illustrator aufgeben, aber ich muss auf jeden Fall das aktuelle Selbstbild ein bisschen nachrücken oder noch was drauflegen oder so was. Nein, das ist bei mir halt auch oft so, dass ich dadurch, dass ich viel in Außenkommunikation bin, sei es mit Schulen oder was auch immer, oder eben mit Illustrator*innen, gibt es ja auch eine Außenwahrnehmung, die dann auf mich, an mich ran getragen werden, und viele sind mittlerweile tatsächlich so erstaunt, dass ich auch zeichnen kann, während ich immer noch so denke: Ich bin doch der Zeichner.

Ja, also das ist halt so eine Diskrepanz, mit der ich immer noch so ein bisschen ringe, aber ja, das Ding ist ja auch. Ich glaube, wenn wir uns diese Freiheit selber nehmen, vergeben wir uns halt auch total viel. Ich meine, ich will jetzt gar nicht hier groß auf das Thema AI eingehen, aber das wird unsere Branche massiv durchrütteln, und da werden viele über die Kante fallen. Die Frage ist nur: Wenn du über die Kante fällst, wo fällst du hin, weil am Ende, wenn du es runter kochst, du bist nicht Illustratorin, du bist nicht Podcaster und und ich bin auch alles nicht.

Wir sind in der Basis sind wir einfach kreativ denkende Menschen, und wie wir diese kreative Quelle sozusagen sprudeln lassen, das können wir selber entscheiden, und sollten wir auch, und das Leben uns was im Weg steht, dann müssen wir eben drum rum gehen und gucken, wo, wo wir eine andere Möglichkeit für diesen Ausdruck finden. Das heißt nicht, dass jetzt alle irgendwie sagen: Ich höre jetzt auf zu illustrieren, aber ich finde es ganz beruhigend einfach zu sagen und auch das in meiner ich bin jetzt ja auch schon echt lange dabei, einfach im Laufe meiner Karriere festgestellt zu haben. Es geht und auch nicht jede Idee möchte das gleiche sein oder möchte aus einem Stift kommen oder möchte aus dem Mund kommen oder möchte keine Ahnung was auch immer, und von daher ist ist diese Identitätsfrage ist glaube ich echt nicht irrelevant, und man muss da immer noch mal wieder auf sich selber schauen. Nun sind wir als Kreative auch nicht davor gefeit, bequem zu sein wie alle Menschen, und man richtet sich halt so schön ein in dem, was man so kann und gemacht hat.

Franziska:
Ja, kreativ zu sein ist ja nicht beschränkt auf bestimmte Werkzeuge und Illustrationen, ist ja am Ende auch nur eine Art von »Ich benutze Stifte, ich mache Bilder«, also auch nur eine Art von Werkzeugkoffer mit einem bestimmten Medium, was wir bespielen. Aber die Fähigkeiten, die wir dazu nutzen, sind ja total gut übertragbar auf 1000 andere Sachen.

Und ich, ich habe mich vor kurzem mit einem Freund unterhalten, auch über KI. Es wurde ein sehr dystopisches, düsteres Gespräch, und irgendwann habe ich so gesagt: »Ich habe so viele neue Sachen gelernt in den letzten drei Jahren, dann werde ich einfach Content Creator.«, und dann hab ich gedacht: »Huch, das bin ich ja schon.«

Patrick:
Siehste wohl. Ja, genau, nur können wir nicht alle Content-Creator werden, aber wir sind auch nicht alle gleich. Also ich denke, es liegt auch gerade an uns Kreativen, eben die neue Zukunft, wie auch immer sie auf uns zukommen wird, mitzugestalten, und das kann ja ganz unterschiedlich aussehen. Also, ich sage jetzt nicht, dass wir alle AI adaptieren sollen. Aber es gibt ja, also gerade wenn man die Gesellschaft als Ganzes sieht, bestimmt ganz viele Möglichkeiten sich kreativ zu äußern.

Franziska:
Mhm.

Patrick:
Aber es fällt halt immer schwer, so liebgewonnenes loszulassen, und das geht mir ja auch so, und noch lass ich’s auch nicht los.

Franziska:
Ist das bei dir? Wie verteilt sich das denn bei dir? Mit der Illustration und dem Schreiben?

Patrick:
Ich zeichne ja eigentlich fast gar nicht mehr. Also ich habe keinen Illustrationsjob schon lange nicht mehr gemacht, schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Nun habe ich gerade den eigenen Comic illustriert, aber auch nur weil sich das nicht vermeiden ließ, weil den habe ich mit meinem Freund Andy zusammen gemacht, mit dem habe ich auch das »Unsichtbare Raumschiff« gemacht, und das ist viel organischer als alles, was ich sonst gemacht habe. Das heißt, also teilweise habe ich einen Text von ihm, wo ich dann was dazu zeichne, dann ändere ich aber ein bisschen den Text und mache visuell eine andere Pointe, weiß aber nicht, was der zum Schluss sagt, dann schicke ich ihm das wieder rüber und so weiter. Es ist sehr, sehr organisch, wie das ganze entstanden ist. Und teilweise war es auch schon so, dass Andy letztes Mal zu mir am Telefon gesagt hat, ja, er hat ja gar nicht so so viel Input in dieser Geschichte, und dann meinte ich »fast alle Witze sind von dir«, und er wusste das gar nicht mehr so richtig, weil ja, also wir arbeiten auch schon relativ lange daran, und das ist eben lange nicht so richtig aus dem Quark gekommen, diese Sache, weil ich halt nicht den Stift angefasst habe und gesagt habe: »Okay, komm, ich mach das jetzt und dann gucken wir mal, wie was kommt«.

Aber ich merk schon. Es ist nicht so, dass da jetzt ein neuer Flamme entfacht ist oder so was. Also es war schon so, dass es irgendwie nett war, aber ich merke schon, dass, ja, also dass dass ich mich davon eigentlich weg entwickelt habe, vom Zeichnen.

Wir hatten ja überlegt, ob wir auch mal über Fehler reden, und viele kreative Wege, die ich mit Andy gehe, entstehen dadurch, dass wir also er ist der Engländer und mein Englisch ist nicht schlecht, aber nichtsdestotrotz missverstehen wir uns total oft und dann gehen wir aber gedanklich, weil wir beide relativ schnell sind, im Kopf, was so was angeht. Wenn wir uns die Bälle zu werfen, gehen wir dann auf einmal beide in eine komplett andere Richtung. Und wenn wir dann wieder miteinander reden, deshalb kommt was komplett anderes raus, und aber das ist dann was was viel schwanger ist als als eigentlich die ursprüngliche Idee ja, und das ist irgendwie was ja also was was in diesem Falle diese Beziehung so besonders macht für mich, weil ihm oder auch wahrscheinlich für ihn, weil die halt immer wieder überraschend ist und und und Fehler ganz allgemein finde ich es super super wichtig also das Problem ist natürlich, sich zum einen zu trauen, Fehler zu machen und die Zeit zu haben, Fehler zu machen, das mit der Zeit stellen wir es mal kurz hinten an, aber sich zu trauen ist ja die eine Sache, ich traue mich immer.

Also ich muss mich nicht trauen, Fehler zu machen, denn ich bin ziemlich anspruchslos. Also was meine eigene Arbeit angeht, das hilft mir bei der kreativen Arbeit in meinem Leben hilft mir das nicht so viel, also so im echten Leben, im Alltag und so weiter. Aber was meine kreative Arbeit angeht, hilft mir das, und zwar deshalb, weil ich habe ja einen Lektor, dem schicke ich den ganzen Ranz, ich lese auch meine Sachen nicht noch mal doppelt, sondern ich schicke es einfach weg, wenn ich fertig bin und dann beschäftige ich mich noch mal damit, wenn ich halt Feedback bekomme.

Also da bin ich natürlich auch in einer luxuriösen Situation. Auf der anderen Seite kann man sich solche Menschen ja auch in seinem eigenen Umfeld suchen. Man kann sagen: Okay, ich mach jetzt einfach mal und dann gebe ich das jemand anders und dann gucke ich mal, was der davon hält.

Franziska:
Mhm.

Patrick:
Wie ist das bei dir? Ich hab so ein bisschen den Eindruck, du hast sehr, sehr hohen Anspruch an dich selbst und die Arbeit.

Franziska:
Ja, hallo, mein Name ist Franziska, i am a recovering perfectionist.

Patrick:
Da bist du hier leider in der falschen Selbsthilfegruppe.

Franziska:
Ich habe schon so einen sehr starken perfektionistischen Anteil, wobei ich auch schon sehr früh in meinem Leben, oder sehr früh, also so mit Anfang 20, so früh ist das gar nicht, aber da schon die Erfahrung gemacht habe, dass mir mein Perfektionismus einfach nicht hilft. Bis dahin habe ich immer so gedacht, das ist eine Qualität, und ich merke immer mehr, auch umso älter ich werde, wie schrecklich Perfektionismus eigentlich ist, weil es Fehler verbietet.

Perfektionismus sorgt auch dafür, dass man mit anderen Menschen ganz oft ganz schön unschön umgeht, so, weil es auch einfach immer so einen Vergleich aufmacht und auch immer bewertend ist. Deswegen bemühe ich mich halt schon auch sehr seit vielen Jahren, Wege zu finden, wie ich mit meinen Perfektionismus... Also, es ist einfach ein Anteil, der gehört einfach zu mir dazu, den irgendwie wegmachen zu wollen, ist keine gute Idee, weil dann wird er nur stärker. Aber einfach Wege zu finden, wie ich meinen Frieden damit schließen kann.

Und ich bin auch eine große Freundin von Fehlern. Ich weiß einfach, dass es fällt mir nicht einfach so oder leicht. Ich muss mich auch immer wieder mir das einfach jedes Mal bewusst erlauben, dass ich Fehler machen darf. Aber ich weiß halt auch einfach, dass das erstens nicht ohne geht. Wenn ich irgendwas cooles Neues machen will, werd ich Fehler machen, das ist einfach die Natur der Sache. Und ich hab halt auch die Erfahrung gemacht, dass ich über Fehler einfach echt viel lerne. Wenn ich mir, wie du schon gesagt hast, wenn ich mir erlaube, da hin zu schauen und mich nicht dafür verurteile, dass ich jetzt irgendwas falsch gemacht hab, sondern einfach ehrlich gucke und sage: Okay, was denn passiert, was kann ich das nächste Mal besser machen? Und dann einfach ja, lerne, und das das nächste Mal einfach besser mache, und zwar so gut ich kann und auch nicht perfekt.

Patrick:
Ja, das ist die eine Sache, dass man daraus lernt, aber es gibt ja auch diese sogenannten »Happy Accidents«, ja, wo du was machst und dann auf einmal feststellst, Oh, das habe ich jetzt so gar nicht erwartet, dass das passiert, aber es sieht gar nicht schlecht aus. Vielleicht kann ich in der Richtung weitermachen. Bei solchen Sachen ist natürlich immer schwierig, die kann man ja schlecht wiederholen, aber man kann zumindest den Weg weitergehen, den einem das vielleicht weist. Ich habe zum Beispiel früher bewusst so Cut-outs gemacht, mit einem relativ öddeligen Cutter und vergleichsweise dicken Papier, einfach weil ich reduzierter in meiner Form arbeiten wollte und dann einfach im Grunde dem Material folgen musste, weil ich ja, weil ich einfach nicht anders konnte, und dann eben Sachen, die unschön waren, man kann es als Fehler bezeichnen, einfach stehen lassen musste. Hast du da so Mechanismen, weil also ich denke, so als jemand, der perfektionistisch ist, dem würde ich als erstes raten, analog zu arbeiten, also wenn man sozusagen, wenn man gegen diesen Perfektionismus arbeiten möchte.

Franziska:
Ja, ja, das ist mit Sicherheit eine gute Idee. Da ich aber ja komplett digital zeichne und das auch sehr schätze, habe ich mir so ein paar Sachen überlegt, wie ich einfach Schmutz einbaue in meine Sachen. Also, ich habe einfach schon so ein paar Methoden und Techniken, wie ich dafür sorgen kann, dass ich eben nicht auf 800 % reinzoome, um dnn drei Pixel wegzuradieren, sondern mir einfach erlaube, dass das schmuddelig und ja einfach bollerig ist. Ich reduziere manchmal einfach Ebenen, um nicht zurückgehen zu können. Ich baue nicht alles auf eine einzelne Ebene, sondern packe das manchmal alles auf einer, damit es einfach schwer ist, das zu ändern, damit ich nicht irgendwie 100 Schritte rückgängig machen kann. Es gibt aber so ein paar Mittel, die ich benutze, damit das nicht so perfekt wird, und gerade in der Illustration. Ich weiß aber, dass meine Figuren zum Beispiel, die stimmen anatomisch überhaupt nicht. Ganz oft ist ein Arm viel zu lang und der andere wird zu kurz. Ist mir aber, ehrlich gesagt, da total egal, ich finde das einfach nicht wichtig. Es ist ja auch immer so eine Frage, was ist mir wichtig? Möchte ich halt anatomisch korrekt zeichnen? Das war mir noch nie wichtig.

Patrick:
Du kannst ja auch nicht zeichnen.

Franziska:
Ja, genau. Es kommt wahrscheinlich auch daher, dass ich irgendwann so gedacht habe: What the fuck, ist mir einfach egal. ... wie gesagt, ich glaube einfach, man kann sich da schon auch im Digitalen einfach helfen und davor beschützen, in so eine Perfektionismusfalle reinzufallen oder reintreten.

Patrick:
Mhm. Ich wollte dir gerade einen Vorschlag machen, ob du nicht trotzdem mal zum Pinsel greifst und irgendwie so auf dem Blatt arbeitest.

Franziska:
Ach, also, ich zeichne ja schon noch analog. Mit einer Freundin, mit Tine Annas, zeichne ich jeden Tag eine hässliche Zeichnung, die explizit besonders hässig werden darf. Die mache ich analog und ich habe auch angefangen mit einem relativ mit so einem 3B oder 2B Bleistift zu zeichnen, dann wurde der Bleistift immer dicker. Irgendwann habe ich echt so super fetten Pinselstift genommen, weil da kann man halt echt auch nichts rückgängig machen und das fand ich auch sehr heilsam und das macht auch irgendwie total Spaß. Es war Zeit war ich auch schwer, weil ja, manchmal sah es halt echt hässlich aus, aber es ist auch eine gute Übung, es einfach mal auszuhalten, dass einige Sachen hab ich halt einfach mal total verkackt und interessanterweise, ganz oft oder nicht ganz oft, aber ab und an mag ich dann so ein paar Monate später einige Sachen sehr.

Patrick:
Ja, also das ist auf jeden Fall ein Tipp an die Hörer*innen: niemals Zeichnungen wegschmeißen, einfach später noch mal draufgucken. Denn nicht selten es geht auch so, mag man die Energie, die da drin steckt, oder irgendeinen kleinen Moment an irgendeiner Ecke, der so ganz besonders ist, der eben tatsächlich nicht bewusst dorthin gesetzt wurde, sondern der einfach entstanden ist, durch das Tun oder durch das freie Tun.

Franziska:
Ja, und dadurch, dass das ja so eine tägliche Routine ist. Bei mir ist das ganz oft auch echt eine Tagebuch-Zeichnung. Ich zeichne ganz oft, weiß ich nicht, mich in der Sauna, wenn ich an dem Tag in die Sauna gegangen bin, oder halt einfach...

Patrick:
Da gibt’s ja wahrscheinlich dann mittlerweile einige Bilder von dir.

Franziska:
Es passiert recht oft. Und wenn ich dann ein halbes Jahr später zurückblättere, dann sehe ich diese Zeichnung, die vielleicht nicht die beste Zeichnung der Welt ist, aber ich erinnere mich einfach an die Zeit und an das, was passiert ist, und da kriegt das noch mal so einen ganz anderen Wert, finde ich.

Patrick:
Ja, definitiv. Ich glaube, das wird auch oft unterschätzt. Dabei ist das ja eine total intensive Auseinandersetzung mit dem Moment, ja, also auch mit dem Ort, aber auch mit dem Moment und selbst in der Zeit, wo ich einfach nicht mehr gezeichnet habe, habe ich mich gezwungen, im Urlaub eine Zeichnung zu machen, und jedes Mal, wenn ich mir die Zeichnung angucke, bin ich wieder da. Ja, also das ist auch eine völlig andere Geschichte als ein Foto gemacht zu haben oder sowas. Also das ist schon allein für einen selbst ist das eine tolle Sache, und das ist da, und da muss die Zeit nur nicht toll sein, das kann eigentlich praktisch jeder machen, weil es geht ja eher um die Beobachtungen und die Kommunikation zwischen dem, was man sieht, und was man aufs Blatt bringt, so.

Franziska:
Mhm.

Patrick:
Ja, wenn ich mir deine Zeichnungen angucke, sehe ich da so ein bisschen Trondheim. Sehe ich das richtig?

Franziska:
Was meinst du mit Trondheim?

Patrick:
Den Zeichner Lewis Trondheim.

Franziska:
Ah, sagt mir nichts.

Patrick:
Quatsch, echt? Wow, okay, wo kommst du her? Zeichnerisch, was hat dich so stilistisch geprägt? Also, muss ja die können ja sonst wo herkommen, also.

Franziska:
Ja, ich glaube schon, dass das, was in der Kindheit einen so umgeben hat, das ist das, was den Menschen dann prägt. Und ich bin sehr stark geprägt von Werner Klemke, ein Illustrator aus Berlin, der das Cover vom Magazin Jahrelang lang gemacht hat und auch viele Kinderbücher illustriert hat. Das ist so, glaub ich, der Illustrator, der meine Kindheit geprägt hat, so das waren Bilder, mit denen ich umgeben war, und da kann ich mich auch sehr gut drin wiedererkennen.

Patrick:
Irrer Typ, also super spannend. Auch seine Biografie, der hat ja unfassbar viele Bilderbücher gemacht. Also man hat das Gefühl, die Hälfte der Druckerzeugnisse sei von dem illustriert worden.

Franziska:
In der DDR, meint du? Ja, das definitiv, da war sehr präsent, aber auch einfach so. Es ist einfach ein großartiger Illustrator, ich mag seine Sachen immer noch total gern, ich find die immer noch super modern, ganz toll.

Patrick:
Der hat aber auch so einen ganz freien Strich, also gerade die Magazin-Sachen einfach so aufs Blatt gesetzt und fertig. Ja, ich find die auch, also ich find die finde ich echt richtig richtig toll, ja, aber das ist dann aber dann guck dir mal Lewis Trondheim an. Das ist einer meiner großen Einflüsse, vielleicht gar nicht so stilistisch, aber erzählerisch, also einfach ein toller Comic-Erzähler. Dass zum Beispiel einer, der gar nicht, glaube ich, groß mit Vorzeichnungen und auch nicht mit Skripten arbeitet, sondern der, so wie Ralf König, im Grunde auch der fängt einfach an loszuzeichnen, und wenn ihm dann eine Seite jetzt nicht gefällt, dann schmeißt du die halt weg und zeichnet die noch mal neu, also ich glaube, in erster Linie, vermute ich mal bei den beiden, dass es daran liegt, dass sie das für sich interessant halten wollen und sonst so schnell von ihrem eigenen Kram gelangweilt sind. Wie ist das bei dir also, du arbeitest jetzt zum Beispiel relativ lange auch schon an deinem, was hält das für dich? Interessant nur der Wille, das zu Ende zu bekommen.

Franziska:
Es ist eine gute Frage. Das habe ich mich vor kurzem auch gefragt und ich fand’s sehr befreiend, mir zu erlauben, auch wirklich darüber nachzudenken, ob die Zeit vielleicht auch einfach vorüber ist. Und dann habe ich gemerkt, ich glaub noch nicht, aber ich fand’s gut, mir zu erlauben, kurz mal innezuhalten und kurz zu überlegen, vielleicht ja doch. Aber ich glaube, bei dem Pony-Buch ist es halt so, dass es halt eine Geschichte ist, die mir wirklich passiert ist, die ich einfach gerne erzählen möchte, und das muss man ja auch sagen.

Dass das so lange schon sich so zieht wie Kaugummi, liegt ja nicht nur daran, dass ich zu wenig Zeit habe, sondern es hat auch so ein paar andere Gründe. Also es ist halt einfach durch so unglaublich viele Phasen gegangen. Weißt du so, es hat als Bilderbuch gestartet, vom Prinzip. Durchgezeichnet. Ich hätte das immer fertig machen müssen, also einige Seiten sind fertig, und dann ist es irgendwann war klar, es funktioniert nicht als Bilderbuch, dann habe ich versucht, das zu einem Erstlesebuch zu machen und hab da so rumprobiert.

Dann wollte ich es zu einer Graphic Novel machen für junge Erwachsene und hab es aufgeblasen. Also weißt du, er hat auf einmal so ein Projekt mit 200 Seiten, wo ich gemerkt habe, das fühlt sich an, als ob ich gerade so in Sirup laufe, weil es einfach auch, ich weiß nicht, ob ich bereit bin, 200 Seiten zu zeichnen, und dann habe ich erst vor kurzem dann gedacht, vielleicht darf ich mir auch erlauben bei dem Projekt, weil das ist eh kein Buch, was wirtschaftlich irgendwie für mich irgendeine Relevanz hat. Im Moment, wenn ich damit einen guten Verlag finde und sich das toll verkauft, freue ich mich, aber ich plane das nicht als wirtschaftliches Buchprojekt. Und dann kann ich mir ja auch erlauben, einfach die Geschichte zu erzählen, die ich erzählen will, und mich so ein bisschen frei machen von Dingen.

Patrick:
Was für Dinge?

Franziska:
Ja, zum Beispiel, für welche Zielgruppe ist das? Zu welchem Verlag passt? Das. Und dann habe ich so gemerkt: Nö, ich nehme das komplett aus der Schublade raus und mache einfach ein Buch, das ich machen will. Also ich muss so ein bisschen gucken, dass die Geschichte nachvollziehbar und glaubwürdig ist. Also weil das Problem mit dem Bilderbuch war, dass die Figur halt zu jung ist. Deswegen funktioniert es nicht als Bilderbuch.

Patrick:
Ah ja.

Franziska:
Und das ist ja dann sofort diese Zielgruppenfrage. Aber das ist das einzige. Ich muss halt eine Geschichte machen, die glaubwürdig ist, aber ich darf mich ansonsten komplett frei machen von dieser ganzen Zielgruppen-Diskussion. Und da bin ich jetzt. Die ganze Vorgeschichte hat halt auch echt viel Kraft gekostet und jetzt habe ich, glaube ich, auch eine Zeit gebraucht, um mich erst mal wieder so ein bisschen zu sammeln und aufzuraffen und sagen: Okay, ich geh es jetzt noch mal an, ich starte noch mal neu bei null sozusagen. Aber ich merke halt, es ist mir einfach wichtig, ich möchte diese Geschichte erzählen, so, und das ist, glaube ich, das, was mich antreibt.

Patrick:
Hm, das ist super. Also ich meine, wenn du das schon so lange dran arbeitest und vor allen Dingen finde ich es auch super, dass du dir die Möglichkeit gegeben hast, also dir erlaubt hast, das potenziell auch zu verneinen, zu sagen: Nee, eigentlich, ich mach das jetzt schon so lange und ich, ich, ich, ich weiß gar nicht mehr warum.

Franziska:
Ja, genau.

Patrick:
Und erst dann kannst du ja wieder sozusagen zur eigentlichen Quelle zurückkehren und oder vielleicht sogar eine Neue anzapfen. Ja, auch das, würde ich sagen, ist etwas, was man ich persönlich selber auch mir öfter mal wieder in Erinnerung rufen, dass das gilt, dass man einfach Sachen auch nicht dann weitermacht, weil die einfach vorbei sind, also man hat dann den die Kurve nicht rechtzeitig bekommen, und das war es. Oder man packt es weg.

Und tatsächlich ist dieses Buch, was ich gerade mit Andy mache, das ist schon über zehn Jahre alt, und das mal so Handpuppen-Video sein für Youtube, wahrscheinlich ist noch älter als zehn Jahre, und das fiel mir damals total schwer, das loszulassen, also weil wir so viele Ideen hatten, die ich toll fand, aber es hat einfach nicht geklappt, ich habe euch geweint damals, also auch die Zeit die die da reingeflossen ist und das nun dieser Verlust von all dieser der Zeit und der kreativen Energie und so weiter, aber ohne das konnte ich auch nicht so richtig weiter und das hat mir echt total gut getan anstatt ein totes Pferd weiter zu reiten, zu sagen nee, hier ruhe in Frieden und tatsächlich ist es jetzt ja passiert, dass dann dann noch mal von den Toten auferstanden ist ja, aber es hat eben viele, viele Jahre gebraucht und manche Sachen bleiben auch weiterhin begraben.

Wenn nicht bei eigenen Projekten, wann dann räumt man sich die Freiheit ein, das zu machen, was man möchte, also das wäre ja total quatsch, sich da im Vorhinein selbst zu begrenzen, aber wenn jemand so lange dabei ist, so wie du und sind die Scheren, die man so in den Kopf gesetzt bekommen hat von den Verlagen doch schon recht groß, und es ist nicht so einfach, diese zu ignorieren, das weiß ich natürlich auch.

Franziska:
Ja, und natürlich, was das schon bei mir auch mit reingespielt hat, war das Feedback, was ich von den Verlagen bekommen habe. Das war halt auch wichtig, noch. Die haben ja auch Ahnung. Also du hast natürlich recht, jetzt bei einem freien Projekt ist der einzige Maßstab, der gilt, der eigene. Aber natürlich will ich mich schon auch freuen, wenn das Buch nicht nur von fünf Leuten gekauft wird, und dann? Sobald man ein Feedback bekommt und hinhört, ist es halt auch eine Schwierigkeit, die Teile mitzunehmen, die helfen, und den anderen Kram liegen zu lassen, und dann auch bei bestimmten Sachen bewusst zu entscheiden, auch wenn die, ich weiß, dass sie recht hat, ich entscheide mich einfach dagegen aus den und den Gründen. Das war halt auch, also gerade bei dem Projekt schwierig, so mit, also, das hat Zeit gebraucht, bis ich dann so mir das erlaubt habe, dann auch bei bestimmten Sachen, um zu sagen: Okay, ich weiß, dass sie recht hat, aber jetzt, in dem Moment, entscheide ich mich dagegen.

Patrick:
Ja, und am Ende mal ganz ehrlich, so erfahren die Lektor*innen und Verlage auch sind, wie oft habe ich schon Sachen gehört, das und das funktioniert nicht oder das kann nicht und das geht nicht und la la la, und ein Jahr später macht das irgendjemand so und es wird ein Erfolg, ja. Also da, da bin ich echt davon ab, also was das angeht, auf Verlage zu hören, also klar, wenn irgendwelche Mechanismen nicht funktionieren, das ist aber das sind ja so technische Fragen, aber inhaltlich nein.

Franziska:
Ja, ja, da hast du recht, vollkommen. Die haben halt auch keine Glaskugel. Ich finde es auch immer wieder schön, wenn so Bücher, die eigentlich so rein theoretisch, wo man so denkt, wie zur Hölle kann dieses Buch erfolgreich werden, ich freue mich immer sehr, wenn solche Bücher erfolgreich werden.

Patrick:
a, ja, und das ist ja im Grunde eine Bestätigung dafür, dass es Sinn macht, seinen eigenen Weg zu gehen. Wenn Leute wie wir nicht unseren eigenen Weg gehen, dann passiert auch keine Innovation. Also von den Verlagen kommt die nicht, weil die machen das, was gut funktioniert hat, noch mal, bis es nicht mehr funktioniert.

Franziska:
Genau.

Patrick:
Und wie ist denn das bei dir? Ich war jetzt ja gerade für einen Monat in Ljubljana und war da in so einer Writers Residency, alles ganz toll und fancy, aber habe festgestellt, ich kann gar nicht umgehen mit Freiheit. Ich saß da rum und habe nichts gebacken gekriegt, also die 1. 2. Wochen, weil mir fehlte die Struktur, mir fehlte vor allen Dingen der Außendruck. Also ich funktioniere am besten, wenn mindestens ich drei Projekte gleichzeitig laufen habe und dann kommt mir noch eine Idee und denke, na ja, eigentlich müsste ich jetzt das und das machen, aber ich schreib das jetzt mal auf. Also mein Zeitmanagement ist wirklich eine Katastrophe, dass ich überhaupt das früher einigermaßen auf die Reihe gekriegt habe. Termine einzuhalten, weiß ich auch nicht, wie das geklappt hat. Viele Nachtschichten auf jeden Fall.

Franziska:
Mhm. Ja, ich glaube, wir haben ja alle so unsere Rucksäcke und Aufgaben. Etwas, was mir sehr schwer fällt, ist Pause zu machen. Also ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, seitdem ich mich selbständig gemacht habe, es gab nicht einen einzigen Tag, wo ich nichts zu tun hatte. Es gibt ja, also ich weiß das von Kolleginnen, dass es öfters mal so Phasen gibt, wo einfach nichts da ist und wo einfach mal so ein Zeitloch entsteht, man alles tun kann, das habe ich bei mir nicht, es existiert nicht. Und ich glaube, das liegt auch einfach daran, dass ich mir halt auch sehr gern selbst Aufgaben suche und die dann aber auch sehr ähnlich behandle wie Aufträge, was auch, glaube ich, damit zu tun hat, dass ich halt auch so ein bisschen Druck brauche, um in die Puschen zu kommen.

Also ich habe mich sehr lange dagegen gewehrt und gedacht, warum brauche ich immer so viel Druck? Zeitdruck, um dann wirklich ins Machen zu kommen? Irgendwann habe ich gedacht, es ist halt einfach so, es hilft halt nichts, und habe versucht, es umzukehren und zu benutzen. Also bei Aufträgen zum Beispiel warte ich halt wirklich immer bis dann, also ich messe halt, wie viel Zeit darf ich denn dafür brauchen? Und dann fange ich halt an, acht Stunden, okay, heute fange ich an eine Woche früher, weil sonst fülle ich diese eine Woche mit diesem Auftrag und es ist wirtschaftlich eine Katastrophe. Und bei den eigenen Projekten, wie gesagt, die versuche ich halt ähnlich zu handhaben. Das gelingt mir nicht immer gleich gut. Im Moment finde ich es gerade wirklich schwer, denen halt regelmäßig Zeit einzuräumen und die gleichwertig ernst zu nehmen. Ich mache es gut genug, sagen wir mal so.

Wobei ich glaube, dass die Situation, die du beschreibst, auch noch mal so eine ganz andere ist. Ich war ja auch mal einen Monat in einer Künstlerresidenz, wo die Aufgabe war, nichts zu tun. Es war so eine Silence-Residenz, es gab auch so schweigende Tage, und es war mitten im finnischen Winter, es war stockdüster draußen, es lag irgendwie ein Meter Schnee. Und ich weiß noch, ich bin dahin gekommen, ich hatte mir vorgenommen, an meinen Büchern zu arbeiten, und ich habe die ersten zwei Wochen eigentlich die ganze Zeit an meinem Schreibtisch gesessen und rausgestarrt, war wie in so einem Vakuum. Es gab halt kein Internet, es gab kein Telefon. Es war schon eine sehr extreme Situation, und das war sehr schräg. Ich habe dann halt einfach so zwei Wochen mit mir am Fenster gesessen und rausgeguckt und dem Schnee zugeguckt, bin ich ganz viel spazieren gegangen, und dann so nach zwei Wochen kam auf einmal Lust, und ich habe auch immer Lust bekommen, Sachen zu machen, und das war irgendwie ganz schön, das zu beobachten.

Patrick:
Ja.

Franziska:
Dass das dann passiert ist.

Patrick:
Stimmt, das ging mir im Grunde tatsächlich auch so, also dass ich dann auf einmal tatsächlich wieder Lust hatte, also ich arbeite ja seit Jahren einfach, arbeite so, und da war das dann tatsächlich auch so, dass ich auf einmal so dachte: Hey, cool, heute kann ich das und das machen. Aber das brauchte halt echt ewig, und in meinem, ich sage mal, normalen Leben kommt das eigentlich nicht vor. Ich weiß ja nicht, wie kriegst du das denn so mit deiner Freizeit hin? Also bei mir ist es oft so, dass aufgrund dieses Prinzips, dass ich eben ähnlich wie du alles auf den letzten Drücker mache beziehungsweise mir so viele Außentermine hinlege, dass ich eigentlich permanent unter Stress bin, damit ich überhaupt was gebacken kriege. Das führt natürlich aber auch irgendwann dazu, dass ich regelmäßig ausbrenne.

Franziska:
Wie mache ich das? Seitdem ich in Finnland bin, nehme ich mir wirklich ganz regelmäßig Zeit für die Sauna, weil das ja so zum finnischen Lebensstil dazu gehört. Und da bin ich ganz stolz auf mich, dass ich das auch in den schlimmsten Stressphasen nehme ich mir zwei bis zweimal die Woche die Zeit, um die in die Sauna zu fahren, auch wenn’s manchmal einfach nur rein raus rein raus und in den See hüpfen, duschen, zurückfahren ist, aber ich mach das halt. Wie gesagt, ich bin halt nicht wirklich gut darin, einfach mal gar nichts zu machen. Also so dieses. so komplett mal auf Pause drücken für zwei Wochen finde ich ganz schön schwer. Also dann im Urlaub ist das natürlich was anderes, weil da ist man an einem anderen Ort und kriegt irgendwie Inspiration von außen. Aber jetzt mal so zu Hause einfach mal so zwei Wochen nichts zu machen, das fällt mir echt schwer.

Patrick:
Wir reden, ja, vielleicht gar nicht von zwei Wochen, also hast du denn Wochenenden?

Franziska:
Ach so, so meinst du das. Ja, ich habe Wochenende, also klar, also ja, das muss man so ein bisschen relativieren. Es gibt so Phasen, da habe ich keine Wochenenden, das ist definitiv so, aber im Moment zum Beispiel versuche ich schon, mir bewusst auch Wochenenden zu nehmen und ich zum Beispiel. Schaffe ich mir, was ich halt total genieße an der Selbständigkeit, das wir müssen uns ja nicht an diese typischen Schubladen halten oder an diese Regeln. Ich mag das zum Beispiel total gern, dass ich mir auch an bestimmten Wochentagen erlaube auszuschlafen ohne Wecker, so, dann schlaf ich einfach so lange, wie ich schlafen will und das genieße ich total, dass ich das darf und ich hab auch überhaupt kein Problem, wenn ich dann an dem Tag einfach abends ein bisschen länger arbeiten muss, weil ich einfach ausgeschlafen bin, so, das find ich gar nicht schlimm, wenn sich das dann so ein bisschen verschiebt. Ich arbeite eh total gern abends, weil da ruft niemand mehr an und ich hab meine Ruhe. Ich weiß aber auch, dass auch, dass ich da sehr aufpassen muss auf mich wenn man viel Stress hat, ist das ja auch relativ leicht in in so einen Kreis reinzurutschen und dann auch irgendwann so wie so n Bär auf som auf so auf so einem Fahrrad einfach immer nur noch zu treten und zu treten und zu treten, auch so ein bisschen aus Gewohnheit so und dann aber in Phasen, wo es einfach möglich ist, dann wieder zu sagen okay, nee, jetzt stopp ich mal steig mal von meinem fahrrad ab, setz dich hier in die Sonne und geh spazieren und ess eis so das ist glaub ich gar nicht so einfach nach so einer stresssituation oder nach so einer nach so einer Zeitperiode wo viel passiert gleichzeitig finde ich’s aber auch normal, dass in der Selbständigkeit es auch mal solche Phasen gibt. Ich finde es auch nicht schlimm, ehrlich gesagt.

Patrick:
Nee nee, das sehe ich auch so. Also das ist halt also bei mir ist es so, ich muss halt tatsächlich gucken, dass ich das ja, also dass das Phasen sind und ich eingehend durchgehe also ich habe früher auch immer arbeiten mit in den Urlaub genommen vollkatastrophe das mache ich halt mittlerweile nicht mehr, egal wie viel auf dem Zettel ist. Also Urlaub ist Urlaub. Aber ja wie gesagt, früher habe ich das eben nicht gemacht und bei mir ist aber auch ich weiß nicht wie das bei dir ist ich habe auch ich ich fühle mich immer sofort schuldig, wenn ich irgendwie so ein paar Stunden rumsitze und nichts tue gibt es immer so. Ach eigentlich müsste ich noch dies machen, muss ich noch das machen und jetzt sitze ich irgendwie rum und tue nichts und ich muss da echt vielen mir das erlauben, dass es giltet, jetzt Feierabend zu haben sozusagen.

Franziska:
Ja, ja, ich habe bei mir eher das Gefühl, dass es so eine Gewohnheit ist. Was mir in letzter Zeit oft aufgefallen ist, dass ich abends an meinem Computer saß und dann irgendwann so: Was mache ich hier eigentlich? Ich könnte ja aufhören, aber ich sitze hier, weil ich das auf eine gewisse Art und Weise, weil ich mich so dran gewöhnt habe. Und das finde ich schon schwierig, weil es ja auch keine Korrektur von außen gibt. Ich, ich wohne ja alleine da, gibt’s niemanden, der dann irgendwann sagt »Hey, du, ist vielleicht nicht mehr Zeit aufzuhören.« So, und das heißt, ich muss das selbst machen und das war in den letzten Wochen. Ist mir das öfters mal aufgefallen, dass das gar nicht so einfach ist. Die letzten Wochen war ich jetzt hat man ja auch im Podcast ein paar mal vielleicht rausgehört, ich war schon auch echt erschöpft, weil diese Phasen bevor die Portfolio Akademie losgehen die sind halt echt anstrengend und ich merk aber auch, dass es ja auch so eine Interpretationssache ist. Also ich hab das früher sehr schnell sehr negativ bewertet, wenn ich dann gemerkt hab ich bin grad echt platt und auch so ein bisschen zerbeult und jetzt merke ich so: Nee, aber es ist eine total angemessene Reaktion so, es war echt anstrengend und ich darf auch gerade mal zerbeult sein und das einzige, was ich grad tun darf, ist gut zu mir zu sein und irgendwie dafür zu sorgen, dass ich ein paar mehr Pausen hab, mir gutes Essen zu kochen, regelmäßig rauszugehen, viel zu schlafen und dann geht es auch wieder weg. So, also ich merke halt, dass ich ein bisschen gelassener damit jetzt umgehe und mich auch nicht mehr so bewerte dafür, weil das vielleicht ist das das, was du meinst, ich hab mich früher auch sehr dafür bewertet, so und fand das doof, wenn ich da diesen Stresskreislauf reingefallen bin.

Patrick:
Also ich, was du auch in deinem Podcast erwähnt hast, was ich tatsächlich auch immer noch habe, auch wenn ich es eigentlich mittlerweile besser wissen müsste, ist, dass ich so eine Panik habe, mir fällt nichts mehr ein, mir fällt nie wieder was ein und und das ist natürlich völliger Quatsch. Ja und ich weiß das auch. Selbst in dem Moment, wo ich das denke, weiß ich genau. Also wenn ich jetzt, wenn ich jetzt mal eigentlich zwei Tage einfach geschlafen habe, der Schlafmangel weg ist und ich irgendwie einfach ein bisschen Input von außen bekommen habe oder einfach nur mal so ein bisschen rumgedödelt habe, weiß ich genau, mein Hirn lässt mich nicht in Ruhe also es wird mich schon wieder bombardieren mit irgendwelchen Quatsch, wo ich dann so denke »Okay, alles klar, muss ich dann mal wieder was aufschreiben oder so«, aber trotzdem so ziemlich ich das weiß, diese Erfahrung seit Jahren gemacht habe, habe ich diese leichten Anflüge von Panik immer noch zwischendurch, dass das dann auf einmal, dass die Quelle versiegt ist.

Franziska:
Ja, das kann ich auch nachvollziehen. Wie gesagt, ich merke halt, seitdem ich so ein bisschen milder da mit mir umgehe oder einfach netter zu mir bin, hab ich das Gefühl, geht’s sogar schneller. Ich hatte jetzt am Wochenende, hab ich wirklich auch so gemerkt, ich spür richtig wie die Energie wieder zurückkommt, nachdem ich einfach mal, wie du grad gesagt hast, einfach mal zwei Tage gut geschlafen hab, gut gegessen hab, mal an der frischen Luft war und ich find’s total schön zu merken, dass die kreative Inspiration zurückkehrt und ich fang an der mehr zu vertrauen, dass die halt eben zurückkommt, aber grundsätzlich ja ... I feel you ... Ich kenne diese Angst.

Patrick:
Ja, natürlich kommt die schneller zurück, wenn man sich keinen Stress macht, also wenn man die ganze Zeit sowieso schon auf halb acht hängt und dann aber versucht, daran festzuklammern und zu denken »Oh nein, ich muss jetzt irgendwas mir ausdenken, um mir zu bestätigen, dass es nicht weg ist, dass es nicht verloren ist.« Dann räumt man sich ja keine Ruhe ein, ja, im Grunde wie so eine Erkältung verschleppen, also dann verschleppt man die den Kreativitätsmangel. Ich finde, dass man irgendwie netter mit sich selbst sein muss, ist, glaube ich, eine wichtige Sache insgesamt, natürlich irgendwie für jeden, aber glaube, gerade wir Kreative neigen dazu, auch strenger mit uns selbst zu sein. Keine Ahnung, woran das liegt, oder selbst die selbstständigen Kreativen noch mal extra werden und dann kommt noch mal zusätzlich der Existenzdruck, der dir im Nacken hängt und ja!

Franziska:
Also ich kann da nur für mich selbst sprechen, aber ich weiß halt einfach, dass es früher für mich der größte Stress war, dass ich gedacht hab, ich muss extrem gut sein, um Aufträge zu bekommen. Ich muss unglaublich hohe Qualität abliefern und ich, wenn ich ganz ehrlich bin und und? die Aufträge mal mit dieser Perspektive sozusagen mir angucke, ist es halt so, dass die meisten Kund*innen wollen halt nicht das allerbeste, die wollen ganz oft einfach gutes Mittelmaß und sind total happy damit. Und gutes Mittelmaß ist halt, was, wenn man das einfach eine Weile schon gemacht hat, ist das ist gutes Mittel als das, was man mit seinem reinen Handwerk jedes Mal rauszaubert. Die Übung macht es dann auch, Innovation ist ja vielleicht nicht mit dabei, aber es reicht halt, es ist halt gut genug. Und ich merk halt um so mehr ich mir erlaube, das halt anzunehmen, um so einfacher wird es halt dann auch mit diesen kreativen Tälern oder mit diesen Erschöpfungszuständen umzugehen, weil mein Vertrauen in mein eigenes Handwerk wächst halt um. Es ist jetzt natürlich auch eine Übungssache, das kommt auch erst mit auch wieder mit Wiederholung.

Patrick:
Ja Franziska, machen wir uns doch mal jetzt zum Schluss verabschieden wir uns oder du stellst dich mir noch mal vor zum Abschied. Wir lernen uns jetzt gerade kennen auf der Party. Ich denke so, die ist ja ganz hübsch, sieht intelligent aus, die spreche ich mal an, also ich komm zu dir, »Hey, Franziska, wer bist du denn so, was machst du denn so?«

Franziska:
Mhm, dazu muss ich sagen, ich bin extrem schlecht in solchen sozialen Situationen, ich werde da sehr schnell sehr awkward.

Patrick:
Lustig? Also ich meine selbst in dieser gestellten Situation, das ist ja wahrscheinlich die Katastrophe mit dir auf ner Party ins Gespräch kommen zu wollen.

Franziska:
Ja, ja, es ist besser geworden, früher, auf jeden Fall. Heute würde ich wahrscheinlich sagen ... hmm ... warte mal, was würde ich sagen? Du musst mir halt noch sagen, in was für einem Kontext wir uns kennenlernen, weil meine Antwort würde sehr davon abhängen, in welchem Kontext sie uns kennenlernen, weil ich halt nicht jedes Mal diesen ganzen Rattenschwanz von Rollen raushole, sondern wenn ich wüsste, du bist Illustrator, würde ich sagen »Hey, ich bin auch Illustratorin.« Vielleicht wollte ich noch sagen, ich bin auch Designerin, aber wenn du ein Auftraggeber wärst oder ein Verlag, würde ich anders diesen Satz einfach anders formulieren.

Patrick:
Mhm, okay, und wenn ich einfach jemand bin, der dich gerade interviewt in den Bogen zum Anfang zurück spannen möchte, was würdest du denn sagen?

Franziska:
Mhm, ich würd sagen, »Ja, hi, ich bin Franziska, ich bin Illustratorin, Designerin, Podcaster, Buchautorin und Dozentin.«

Patrick:
Sehr schön, ja, dann danke ich dir, Franziska, Dozentin, Podcasterin, Illustratorin, Designerin und Dozentin, für dieses Gespräch ... hat mir Spaß gemacht, ich fand es echt interessant.

Franziska:
Ja, vielen Dank für deine Fragen.

Patrick:
Ich danke dir. Tschüss.

Franziska:
Tschüss.

 
So. Das war das Gespräch zwischen Patrick Wirbeleit und mir. Was hast du mitgenommen? Und was hat dich überrascht? Deshalb jetzt auch mal die Frage an dich: Braucht dein Selbstbild auch mal ein Update? Und welche deiner kreativen Identitäten ist dir besonders wichtig?

Und wenn du jetzt Lust bekommen hast, dich auch zu positionieren, dann hier noch einmal kurz und knapp eine ganz herzliche Einladung an dich in die Portfolio-Akademie. Die nächste Runde startet im September 2024. Aber du kannst dich jetzt schon auf die Warteliste eintragen, ganz unverbindlich. Check das mal aus, wenn dich das interessiert, unter www.diegutemappe.de/pa.

Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe,

Wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska
 

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