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6. Juni 2024

#117 | Wie findest du eine passende Agentur für deinen Stil *mit Maria Bogade

Erfahre alles über Dienstleistungen, Vertragsprozesse und wie eine Agentur dir helfen kann, deine Karriere als Illustrator*in voranzutreiben

 

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Weitere Informationen

 
Du erfährst:

  • Maria ist auch Illustratorin. Wie wurde sie auch Agentin?
  • Worauf achtet Maria in Portfolios?
  • Warum tut Portfolio-Arbeit auch mal weh?
  • Welche Aufgaben übernimmt eine Agentur für Illustrator*innen?
  • Was sind typische Fehler, die Illustrator*innen machen – und die Maria anders macht?
  • Wie wählt Maria die Kreativen aus, die sie in ihrer Agentur vertritt?
  • Wie viel vom Honorar bekommen Agenturen üblicherweise ab?
  • Welche Schritte sind notwendig, wenn du eine Repräsentanz möchtest?
  • Welche No-Gos gilt es zu vermeiden?
  • Welche Rolle spielt der Stil? Und wo ist Stil richtungsweisend?
  • Was kannst du tun, um deinen Stil zu stärken?
  • Was brauchst du, wenn du auf den internationalen Buchmarkt willst?
  • Welche Prognose gibt Maria ab zum Thema KI?

 

Eine Illustrations-Agentur macht vieles leichter

Macht dir Honorare und Verträge verhandeln Spaß? Und ist Akquise eine deiner Lieblingsbeschäftigungen? Die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass du gerade Nein gesagt hast. Denn auch wenn Vertrags- und Honorarverhandlungen und das Akquirieren neuer Aufträge zum kreativen Beruf dazu gehört wie Deckel zu Töpfen, würden viele Kreative gerne diese Aufgaben delegieren. Und die gute Nachricht ist, das geht. Wenn du eine Agentur hast, die dich vertritt, dann übernimmt diese viele unangenehme Aufgaben für dich – und akquiriert auch noch neue Aufträge.

Das klingt gut – und deshalb wünschen sich viele Kreative eine Repräsentanz. Welche Schritte notwendig sind, um von einer Repräsentanz vertreten zu werden und wie du eine zu dir passende Agentur findest, das erzählt dir meine heutige Interview-Gästin Maria Bogade.
 

Wer ist Maria Bogade?

Maria ist Agentin und die Inhaberin der Repräsentanz Wundergarden – aber gleichzeitig auch Illustratorin und Autorin. Damit hat sie eine ganz besondere Doppel-Kompetenz und kennt sich sozusagen in beiden Welten aus: Sie weiß, wie es sich anfühlt, als Illustrator*in auf Buchmessen zu fahren – und sie weiß auch, wie Verlage ticken. Und dieses Insider-Wissen teilt sie heute mit dir. Am Ende dieser Podcast-Episode weißt du, wie du dein Portfolio optimierst, damit es für Verlage interessanter wird. Du weißt, welche typischen Fehler du beim Verhandeln leicht vermeiden und welche No-Gos du mit wenig Aufwand umschiffen kannst.

Hier noch eine Randnotiz: Wenn du beim Zuhören Lust bekommst, dein Portfolio zu Maria zu schicken, dein Portfolio aber noch einmal ein bisschen pimpen und optimieren möchtest, dann lade dir gern noch die Portfolio-Checkliste herunter. In der habe ich für dich 7 typische Portfolio-Fehler aufgelistet – zusammen mit 7 Lösungen, wie du diese vermeidest. Die Checkliste bekommst du unter www.diegutemappe.de/checkliste. Und jetzt: Lass uns keine Zeit verlieren und loslegen.
 

 

Herzlich Willkommen im Portfolio-Podcast.

Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst – aber eben auch wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer Selbstständigkeit so mit sich bringt.

Ich bin Franziska Walther, selbst Illustratorin, Designerin, Autorin – und Expertin für Positionierung und Akquise in der Kreativwirtschaft und ich unterstütze seit über 10 Jahren Menschen dabei, sich nachhaltig zu positionieren und wirksame Akquise zu machen.

Und ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dem Interview mit der Illustrationsagentin, Illustratorin und Autorin Maria Bogade.
 

Die Portfolio-Checkliste hilft dir beim Portfolio-Optimieren

Wie du eine Marktanalyse machst, damit du deine Portfolios passgenau auf die Bedarfe deiner Kund*innen anpasst, lernst du in der Portfolio-Akademie, in die ich dich hier kurz und dafür umso herzlicher einlade.

Die PA ist mein Onlineprogramm für Designer*innen und Illustrator*innen und darin positionierst du dich – und zwar nachhaltig – also sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich. Denn am Ende geht es ja um beides. Darum, dass du mit deiner kreativen Arbeit gut Geld verdienst – aber eben auch darum, mit deinen eigenen Interessen und Stärken etwas in der Welt zu bewirken – damit dein Herz weiterhin für die Sache brennt.

Die nächste Portfolio-Akademie öffnet im September 2024 ihre Türen. Aktuell kannst du dich ganz unverbindlich in die Warteliste eintragen, dann bekommst du alle Infos zur PA und du bekommst sogar noch ein Special-Wartelisten-Angebot, bevor die Türen sich offiziell öffnen. Eintragen kannst du dich unter www.diegutemappe.de/pa.

 

[Transkript des Interviews mit Maria Bogade]

Wundergarden Agency : www.wundergarden.de
Maria auf Instagram: @mariabogade
Maria auf LinkedIn: www.linkedin.com/in/maria-bogade-1b59a312

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Franziska:
Hi Maria, wie schön, dass du heute im Portfolio Podcast zu Gast bist. Herzlich willkommen.

Maria:
Hi Franziska, ich freue mich auch total hier zu sein. Das ist schön, dass wir uns mal unterhalten und quasi so online treffen. Finde ich super.

Franziska:
Ja, ich auch. Kannst bitte kurz vorstellen für alle, die dich noch nicht kennen,

Maria:
Ja, ich bin Maria Bogade, ich bin die Agentin hinter Wundergarden, selbst Illustratorin, Autorin und habe einen Animationshintergrund, aber das liegt natürlich schon lange brach.

Franziska:
Du bist Agentin und Illustratorin. Wie bist du denn Agentin geworden? Wie ist das denn zustande gekommen?

Maria:
Das ist eine lustige Geschichte tatsächlich. Also, ich habe eine Freundin. Die ist eigentlich Auslöser dafür gewesen, weil als ich noch ganz neu in der Illustration war, hatte ich ja schon Erfahrungen mit Verträgen aus meiner Selbstständigkeit als 3D-Artist. Und die Freundin hat immer nicht verhandelt und das hat mich immer tierisch aufgeregt.

Und irgendwann habe ich dann gesagt, das fange ich jetzt auch an zu machen. Und habe daraufhin angefangen, eine Agentur zu gründen, habe erst mal Illustrator*innen angefragt, die ich so kannte, ob die dabei wären, wenn ich das starte, ob sie mir da vertrauen wollen.

Und haben wir diesen Agenturvertrag aufgesetzt. Und es ist in einer Symbiose entstanden und so war das. Das ist jetzt zehn Jahre her.

Franziska:
Okay. Was schätzt du am Agent*innen-Sein?

Maria:
Also das, was mir am Herzen liegt, ist eben für meine Illustrator*innen halt einzustehen. Und ich weiß nicht, ich bin manchmal ein bisschen wie ein Bodyguard, aber was ich auch total bereichernd finde und das, was mich am meisten antreibt, ist eben, Träume zu verwirklichen.

Also mit denen auch an Portfolios zu arbeiten. Deswegen das Spannendste ist tatsächlich immer, wenn man eine Reise gemeinsam beginnt. Also wenn man jemand neuen hat, der auch noch nicht so etabliert ist und mit dem dann das Portfolio aufmöbelt und da richtig ranackert. Und ich bin da auch, ich sage immer, es wird richtig wehtun.

Franziska:
Okay.

Maria:
Ohne das wird es meistens nichts. Und deswegen habe ich das wirklich auch konsequent angewandt, dass ich mit den Leuten am Portfolio arbeite, bevor wir quasi uns auf den Markt schmeißen, gemeinsam, und dann da gucken, wo der Bär steppt.

Franziska:
Ich habe hier ganz viele andere Fragen auf meiner Vorbereitungsliste, aber weil du es ja gerade schon angesprochen hast, würde ich dich jetzt einfach total gerne fragen: Worauf achtest du denn, wenn du mit dieser Portfolioarbeit mit deinen Illustrator*innen beginnst? Du hast ja auch gerade gesagt, es wird wehtun. Was sind so die Sachen, die ihr da macht?

Maria:
Also das ist ja ganz unterschiedlich. Das hängt immer davon ab, womit derjenige zu mir kommt. Also ich muss natürlich Potenzial sehen und dann testet man das gemeinsam aus. Also das pauschal zu sagen, ist schwer.

Es gibt unterschiedliche Beispiele. Also ich hatte zum Beispiel eine Illustratorin, da war das ganz wenig. Das waren nur die Gesichter und wie sie Hände und Füße gezeichnet hat. Und die kam zu mir und hat gesagt, sie ist eigentlich am Aufgeben. Also es ist jetzt ihr letzter Versuch, weil auf Messen und so hat alles nicht geklappt.

Dann habe ich das gesehen und gedacht: Das ist nichts, das ist leicht zu lösen. Und dann haben wir das zusammen gelöst. Und siehe da, es lief. Und eine andere Illustratorin, da war das deutlich mehr. Also was ganz häufig, glaube ich, sogar ist. Dass Figuren zu steif sind, dass man an der Beweglichkeit, und ich nenne das immer die Action Curve, arbeitet. Dann eben Bildtiefe, wie man Komposition .... Also es ist ganz unterschiedlich, wie viel da nötig ist. Man muss ja gucken, also ich verbiege denjenigen auch nicht gänzlich, sondern es geht eigentlich daraus, das Potenzial zu entfalten und das Maximum herauszukitzeln. Und je nach Stil ist das eben auch unterschiedlich.

Franziska:
Ich finde das total spannend, was du gerade sagst, weil das sind definitiv, also zwei Sachen, die du gerade angesprochen hast, waren auch Hürden bei mir.

Also meine Figuren waren halt auch sehr lange sehr steif. Und interessanterweise, ich habe dann irgendwann mit Ballett angefangen und mich selbst ständig im Spiegel zu sehen, hat geholfen, dass meine Figuren beweglicher wurden. Das fand ich total interessant. Und das mit den Gesichtern ist ja auch so ein ganz, ich glaube, es ist schon sehr kinderbuchspezifisch, oder?

Weil mir wurde auch immer zurückgespiegelt, am Anfang, dass meine Gesichter einfach nicht schön genug waren.

Maria:
Echt? Nicht schön genug. Wurde wirklich schön genug gesagt. Oder ging es um das Niedliche?

Franziska:
Also ich überlege gerade, was wirkliche Wortlaut war. Also ich hatte einmal eine Lektorin, die hat zu mir gesagt: Deine Figuren sind seelenlos.

Da hat mein Herz echt so: Pling. Es ist zerbrochen in dem Moment. Das fand ich echt hart. Aber ich glaube, meistens haben sie mir gesagt, die Figuren sehen zu alt aus. Ich glaube, das war Wortlaut, weil ich immer so Falten an den Augen zeichne. Und dadurch wirken die ja auch älter und weniger niedlich.

Aber du hast recht, das war sehr leicht zu lösen. Ich habe dann bei den Kinderbuch-Sachen die Falte einfach deutlich kleiner gezeichnet. Und auf einmal war es kein Problem mehr.

Maria:
Ja. Wenn man halt selber davor sitzt und auch die Erfahrung nicht hat, dann sieht man das nicht. Und ich finde auch, Feedback zu verstehen, ist ja nicht so einfach am Anfang. Ich betreue meine Illustrator*innen, auch gerade, wenn die zum ersten Mal einen Auftrag haben. Dann sehe ich die Skizzen von den Kund*innen und gehe mit denen da drüber. Und das Gleiche passiert mit den finalen Illustrationen.

Und dann, auch wenn da Feedback zurückkommt und das nicht klar ist oder man einfach nicht ganz genau versteht, was da gemeint ist, dann erkläre ich das. Und dann sage ich: Guck mal, das hat sie eher so oder so gemeint. Das ist, glaube ich, ganz wichtig und auch schön für die.

Und jeder braucht das unterschiedlich. Also für manche mache ich mehr, manche brauchen mich weniger, sage ich mal. Und grundsätzlich bin ich aber da. Also ich bin auch so ein bisschen der Feuerwehrmann. Wenn es dann irgendwo brennt, dann grätsche ich halt dazwischen. So muss das sein.

Franziska:
Ja, wie schön. Das klingt ja auch so, als ob du wie so eine Übersetzerin bist. Und ich glaube, ja, das ist, gerade wenn man wenig Erfahrung hat, total hilfreich, wenn einem jemand nochmal sagt, so hat Person das gemeint.

Maria:
Auf jeden Fall. Und ich meine, da spielen ja auch viele Unsicherheiten rein. Am Anfang ist ... keine Ahnung ... Man ist aufgeregt. Das ist das erste Projekt und das macht einen völlig nervös. Und ist man gut genug, das fragt man sich ja sowieso die ganze Zeit, das hört ja leider nie auf. Und dann ist es schön, wenn man da dabei sein und unterstützen kann, auf jeden Fall.

Franziska:
Was ich bei dir da so raushöre, ist, dass du ein sehr, sehr gutes Verständnis hast für die Aufgabe und auch sehr viel Erfahrung hast, wie diese Abläufe so ablaufen.
Wie hast du denn diese Erfahrung aufgebaut? Bist auch früher durch Tränentäler durchgelaufen oder hattest du von Anfang an einfach so einen Durchblick? Hast du dir sozusagen deine Erfahrung erarbeitet mit ganz vielen Beulen?

Maria:
Auf jeden Fall. Also anders geht es, glaube ich, gar nicht. Also als ich anfing als Illustratorin, das ist jetzt, 15 Jahre her. Da ich auch auf die Buchmesse und ich war total nervös.

Ich damals noch einem 3D-Studio, für die ich ganz viel gemacht habe. Die haben einen Autor gehabt und mit dem bin ich hingefahren. Und der hat mich dann immer zu den Ständen gepusht. Und ich habe am Anfang nur Absagen gekriegt. Aber witzigerweise nur auf dem deutschen Markt. Und dann fing das aber an, in den USA und in Großbritannien zu funktionieren.

Und erst später war ich dann auch irgendwie für deutsche Verlage interessant. Und das hat natürlich wehgetan. Und andere Sachen, muss ich sagen, also zum Beispiel Verträge und so, das kannte ich alles schon. Zudem hatte ich in meinem Studium zwei Semester Medienrecht. Und das war, glaube ich, gut, weil man einfach ein ganz anderes Verständnis dafür hat.

Auch nochmal diese zum Teil kryptische Sprache. Wenn man das verstehen kann. Von daher, ja. Aber es gehören Beulen dazu und ich denke auch, Fehler sind die besten Lehrer. Also immer nur alles glatt läuft, entwickelst du dich nicht. Aber wenn du dann mal, so schmerzhaft das ist, von irgendwo auch immer anstößt, aneckst, hinfällst und dich wirklich wieder neu aufrichten musst. Auch wenn es die Situationen sind, die wir vielleicht nicht so mögen, am Ende sind es die, die uns weiterbringen. Also definitiv. Und ja, das tut weh.

Franziska:
Du hast ja gerade gesagt, auch wenn du mit Kreativen, am Portfolio arbeitest, dann tut das auch mal weh. Aber ich kann mir vorstellen, dass das ja nochmal eine andere Art und Weise ist, oder? Also weil das ist ja ein sichererer Raum, wenn du da drauf schaust, als wenn ein Verlag da drauf schaut.

Maria:
Ja, aber es tut trotzdem weh. Also deswegen sage ich das auch. Ich glaube, ich bin da sehr genau. Ich glaube manchmal genauer als viele Lektor*innen. Aber ich will halt, dass die wachsen. Also ich will, dass die halt weiterkommen. Ich sage das natürlich lieb und so. Und mit Fingerspitzengefühl. Hoffe ich jedenfalls. Die meisten sind dann doch auch unglaublich happy damit und hätten nie gedacht, dass sie das können. Und das finde ich halt total schön.

Aber ja... Das ist ein schmerzhafter Prozess. Und anstrengend auch. Also gerade, weil das oft dann auf Messen zugeht. Und man dann weiß, okay, die Portfolios müssen jetzt dann und dann fertig sein. Sonst schaffen wir das nicht mehr. Und es muss halt ein gewisser Rahmen da sein, damit man jemanden in den Markt einführen kann. Sonst verpufft das und das ist auch nicht gut. Also das ist schon harte Arbeit.

Franziska:
Ja! Mit wem möchtest du denn als Agentin zusammenarbeiten? Worauf achtest du, wenn du neue Menschen kennenlernst und entscheidest: Ja, hier passt das und hier passt das nicht?

Maria:
Also als erstes sehe ich natürlich den Stil. Ich gucke mir das an, was die mir schicken und dann, je nachdem, ob das mein Interesse weckt, gucke ich noch weiter, was ich so finde. Durch Social Media sehe ich ja, wie sich Leute entwickelt haben, dann sehe ich, ob überhaupt eine Entwicklung stattgefunden hat oder ob das stagnativ immer das Gleiche ist.

Das ist auch wichtig und wenn ich da Potenzial sehe, dann unterhält man sich und dann guckt man halt, ob es menschlich passt. Weil das wahnsinnig wichtig für mich ist. Ich mache diese Arbeit gerne und finde, man arbeitet sehr eng zusammen. Und das auch ein Vertrauensverhältnis, das ganz wichtig ist und dann muss es einfach passen. Und wenn es menschlich nicht passt, dann hat es keinen Sinn. Dann sind beide, glaube ich, am Ende nicht glücklich.

Franziska:
Ja, das ist ja bei allen Sachen so. Ich finde, das ist ja bei Verlagen genauso, bei Lektor*innen. Da muss es ja irgendwie auch menschlich passen, wenn man mit denen tagtäglich so Austausch hat. Bei meinen Design-Kund*innen ist das auch so. Wenn ich die nicht mag, dann ist das keine gute Grundvoraussetzung.

Maria:
Nein.

Franziska:
Was gehört denn so zu Zusammenarbeit einer Illustrationsagentur mit Kreativen dazu? Also welche Aufgaben übernimmst du denn so in der Zusammenarbeit mit Illustrator*innen?

Maria:
Also, vorneweg die Portfolioarbeit. Akquise. Dann Verträge verhandeln. Honorare verhandeln. Dann mache ich auch für die so einen Zeitplan. Ich weiß also ganz genau, wann wer wie gebucht ist. Das heißt, die Verlage können mich fragen und fragen dann: Hat der da überhaupt Zeit? Dann kann ich sagen: Ja, nein, vielleicht, später da. Und dann guckt man von da aus weiter. Genau.

Franziska:
Du verhandelst auch die Honorare? Und die Verträge?

Maria:
Ja.

Franziska:
Das ist ja was, was ganz viele Illustrator*innen überhaupt nicht gerne machen.

Maria:
Was ja auch der Auslöser für diese Agentur ursprünglich war.

Franziska:
Ja, genau. Was sind denn so typische Fehler, die du siehst, die Illustrator*innen machen und die du anders machst?

Maria:
Der größte Fehler ist, glaube ich, immer, dass das Honorar einfach genommen wird, wie es auf dem Tisch liegt. Als Agentin habe ich schon Angebote gekriegt, da habe ich echt gedacht: Soll ich da jetzt noch drauf antworten? Was soll denn das? Bitteschön. Und die Argumentationen sind dann auch manchmal etwas hanebüchen.

Und dann bespreche ich das natürlich mit jeweiligen Künstler oder der Künstler*in. Und das Schönste ist dann immer, also wenn sie dann sagen: Im Notfall sagen wir einfach komplett ab. Spätestens dann bewegen sich die Leute, aber normalerweise kann ich auch einfach sagen: Also sorry. So nicht.
Das ist, glaube ich, einer der allergrößten Fehler. Und dass zu viel umsonst gemacht wird tatsächlich. Also klassischen Probearbeiten für lau. Und meistens ist man ja nicht der Einzige, der da arbeitet. Dann kriegt man noch nicht mal den Auftrag und so. Das geht natürlich auch nicht.

In den Verträgen – das ist ganz mannigfaltig. Zu viele Rechte abgeben, zu wenig Mitspracherecht. Gerade in Hinblick auf Bearbeitungsrechte und Auswertungen. Ja, das ist unterschiedlich. Aber wenn ich dann jemanden übernehme, der zum Beispiel auch schon mal einen Vertrag hat. Das gab es natürlich auch schon. Wo es ein Folgeprojekt gibt, und dann kriege ich den Vertrag quasi auf Basis des Vorgängers. Und denke dann immer: Okay, warum hast du denn das so unterschrieben?

Und das dann vergleichen, ergänzen, ändern, das ist immer schön. Aber da habe ich immer so ein bisschen Bauchweh. Also die lesen das, glaube ich, nicht. Das wird einfach unterschrieben und man denkt halt, das ist so ein Standardvertrag. So wird es einem ja auch zugeschickt. Das ist so ganz branchenüblich. Aber ja, auch da ist natürlich Flexibilität, weil man ist ja ein Vertragspartner.

Also man sollte sich ja auf Augenhöhe begeben und nicht eben, dass der eine dann diktiert, wie der Vertrag auszusehen hat und der andere nickt dankend ab. Von daher, genau. Aber das variiert auch von den Verlagen. Also manche Verlage, da muss man nicht viel korrigieren. Bei manchen muss man auch mal richtig streiten.

Das ist alles schon da gewesen, dass man da mit der Rechtsabteilung telefoniert und sich fragt, was das hier gerade ist.

Franziska:
Ja, ich mal ganz überrascht. Mir hat mal eine meiner Lektor*innen zurückgespiegelt, dass ich im Verlag bekannt bin als die harte Vertragsverhandlerin, wo ich aber so dachte: Ich habe doch gar nichts gemacht.

Ich habe einfach nur ein paar Änderungen reingeschrieben und nicht sofort unterschrieben. Also ich sehe nicht, dass ich da irgendwie sonderlich kompliziert war. Aber ja, es wird einem ja auch ganz oft so vermittelt. Das ist unser Standardvertrag, den unterschreiben alle. Bitte unterschreibe ihn einfach.

Maria:
Genau. Aber so ist halt nicht, ne?

Franziska:
So ist halt nicht. Diese Verlage.

Maria:
Man muss das ja ganz sachlich sehen. Also die sind ein Unternehmen und die haben ein Eigeninteresse. Das ist völlig legitim. Und man muss nur verstehen, dass man halt als Einzelunternehmer*in, und nichts anderes ist man als Illustrator, muss man seine eigenen Interessen vertreten und dafür einstehen.
Und das ist ganz wichtig. Und ich glaube, dieser unternehmerische Gedanke, der fehlt ganz vielen Illustrator*innen. Und die sehen sich als Künstler*in. Und das ist schwierig, weil sie, also jetzt breche ich hier echt eine Lanze, jetzt werden mich wahrscheinlich viele auch ein bisschen hassen, aber man ist halt kein freier Künstler.

Also Illustration ist ist Auftragskunst. Und ja, man hat einen Kunden und die Wünsche muss man eben umsetzen, bis zu einem gewissen Grad innerhalb seines Stiles und so weiter. Aber man muss sich schon auch da bewegen. Und selbst ein Künstler, der als freier Künstler arbeitet, ist immer noch ein Unternehmer.

Also weil der wird ja auch seine Bilder nicht einfach nur verschenken, weil er so Freude dran hat. Also ich sage dann immer: Der Bäcker schenkt dir deine Brötchen auch nicht. Also der liebt sein Handwerk genauso. Und genau das ist es. Es ist halt ein Handwerk. Ein künstlerisches Handwerk, das wunderschön ist, aber man ist halt Einzelunternehmer*in.

Und genau so muss man sich verstehen und auch auftreten. Und das haben viele nicht auf dem Schirm so.

Franziska:
Ja, das deckt sich total mit meinen Erfahrungen. Und finde es gut, dass du das aussprichst. Ich glaube auch nicht, dass dich alle dafür hassen. Ich glaube, es ist gut, das auch mal zu hören, auch von der Person in deiner Rolle. Du bist ja auf der Seite der Illustrator*innen.

Wie siehst du das denn? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Illustrator*innen total gerne eine Repräsentanz hätten, um sich nicht um diese ganzen Vertragssachen kümmern zu müssen, weil du das ja dann in dem Fall auch wirklich übernimmst. Und ich habe da immer so ein bisschen Bauchschmerzen, weil ich so denke, ich finde es wichtig, dass man sich damit auskennt.

Ich finde es wichtig, dass man schon mal einen Vertrag gelesen hat. Selbst wenn man eine Person hat, die das dann für einen übernimmt, glaube ich, dass es gut ist, sich damit auszukennen. Wie siehst du das?

Maria:
Genau so. Also ich meine, ich verhandle das und ich sage denen immer, die sollen das lesen und mich fragen, was sie nicht verstehen.

Und der eine oder andere oder die eine oder andere macht sich auch die Mühe. Und dann haben wir da hier ein stundenlanges Telefonat und gehen das durch. Gerade am Anfang, wenn man das noch nie gesehen hat. Und dann erkläre ich: Das ist das. Das ist das. Und darum das. Und hier das. Und das ist ganz wichtig.

Und ich habe auch Illustrator*innen, die schon länger dabei sind, die trotzdem, obwohl sie wissen, dass ich das lese, immer nochmal drauf gucken und dann auch manchmal: Sag mal, ist das so richtig? Sag ich dann: Ja, das ist so richtig, weil so und so und so und so und so und so und so. Von daher, also auf jeden Fall sollte man die Verträge auch lesen, auch wenn da vorher ein Agent drüber gegangen ist.

Und dann kann man entsprechend Fragen stellen, das erörtern. Manchmal ist vielleicht auch wichtig, also dass man dann sagen kann: Mir wäre noch wichtig, dass das und das drin steht zum Beispiel. Dann kann man ja immer nochmal den Unterzeichnungsprozess in dem Fall quasi stoppen und sagen: Wir haben noch ein Anliegen. Das ist jetzt so aufgekommen im Gespräch. Das muss noch ergänzt werden.

Das ist ja auch wichtig, also auf jeden Fall. Auch wenn es viele Böhmische Dörfer sind. Man sollte wissen, wo man seinen Servus runtersetzt, in jedem Fall.

Franziska:
Ja, meine Oma hat immer gesagt, man muss alles lesen, was man unterschreibt.

Maria:
Ja.

Franziska:
Wie ist denn das so? Du übernimmst da ja auch einfach ganz wichtige Aufgaben. Wie viel Prozent bekommst du vom Honorar? Was ist so üblich bei Repräsentanzen? Was ist so eine übliche Zahl, an die man sich gewöhnen darf, wenn man eine Repräsentanz haben möchte?

Maria:
Das variiert ja ganz stark, wo die sitzen und welchen Markt die bedienen. Also ich sage jetzt mal, was üblich ist. Und zwar zwischen 10 und 40 Prozent. Wobei ich 40 als viel zu viel empfinde. Aber das findet man zum Teil in britischen und amerikanischen Agenturen. Auf dem deutschen Markt sind es zwischen 10 und 20 Prozent.

Franziska:
Du einen Tipp? Wenn man sich jetzt als Illustrator*in um eine Agentur bemüht hat? Man hat einen Vertrag vor sich liegen und da steht eine Zahl drin, die man nicht einschätzen kann. Was macht man denn da?

Maria:
Am besten mit den Agent*innen drüber sprechen. Und auch mal durchrechnen. Also Beispiel: Für so ein Bilderbuch bekommt man, sagen wir mal, 3.000 Euro. Dann, wenn das 10% sind, sind 300 Euro weg. Wenn das 20% sind, sind 600 Euro weg. Heißt, ich habe nur noch 2.400 Euro.

So, dann muss ich mir das halt ausrechnen. Wie lange sitze ich ungefähr da dran? Macht das für mich Sinn? Also, dann muss ich mir überlegen, wie viel Zeit würde ich investieren, wenn ich Akquise und alles alleine mache. Die Zeit spare ich mir. Also, ich muss mit dem Kunden nicht verhandeln. Ich muss es mal gelesen haben, aber irgendwann... kann ich es auch nur noch überfliegen. Das spart ja auch ungemein Zeit und auch Bauchschmerzen. Wenn man was nicht gut kann und man muss sich dann mit so etwas Ernstem wie Verträgen rumschlagen. Das ist ja jetzt keine Freude. Schiebt man gerne auf die lange Bank und dann liegt da so ein Haufen Verträge, die man noch bearbeiten muss.

Nicht gut. Weil man kriegt ja auch erst Geld, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Muss man ja auch wissen. Vorher kommt überhaupt nichts. Also da muss man das alles mal miteinander abwägen. Und ich denke, es gibt Illustrator*innen, die brauchen keine Repräsentanz, ganz ehrlich. Also es gibt welche, die haben das selber so gut drauf.

Die machen das dann vielleicht trotzdem, dass sie sich jemanden nehmen, weil sie ja keine Lust mehr haben, sich um Verträge und so. Aber im Prinzip können die das auch alleine. Und dann gibt es andere, die brauchen das wirklich. Also die sind auch dankbar. Und bei denen wäre es vielleicht auch ohne einfach gar nicht gelaufen.

Also wie zum Beispiel die eine Illustratorin, von der ich vorhin kurz erzählt habe. Die hätte halt aufgegeben. Das wäre es halt gewesen. Also wie gesagt, man muss es sich überlegen. Und manche Honorarsätze von Agenturen tun weh, finde ich. Also es ist schwierig. Man muss auch sagen, man verdient zum Beispiel auf dem deutschen Markt weniger als im Ausland.

Das liegt an der Größe des Buchmarktes. Also in den USA sind die Auflagen einfach viel höher. Das heißt, die Honorare sind entsprechend. Und genauso sieht es dann aus in den Niederlanden, sind die Honorare noch niedriger, weil der Buchmarkt noch kleiner ist. Also das hängt ja alles miteinander zusammen.

Aber ja, ist keine einfache Rechnung. Da muss man sich einfach überlegen und gucken, ob sich das gut anfühlt. Also es ist mich ist es ein Team. Es ist mehr als eine Geschäftsbeziehung, aber es ist eine geschäftliche Beziehung und wenn das gut anfühlt und man den Mehrwert spürt, dann ist das auf jeden Fall eine gute Sache. Aber wie gesagt, keine Pflicht.

Franziska:
Das hast du schön formuliert, weil ich glaube, es ist eine Geschäftsbeziehung, aber es ist eben eine Beziehung. Da sollte man sich auch einfach die Zeit nehmen, sich kennenzulernen und zu gucken, auch so: Stimmen die Werte? Glauben wir so an die gleichen Sachen? Funktionieren wir ähnlich? Schauen wir ähnlich auf die Welt? Weil man ja auch so viel Zeit miteinander verbringt.

Und ich habe selbst keine Repräsentanz, aber ich höre immer wieder so Geschichten von Menschen, die dann halt ein Angebot bekommen und sofort Ja sagen, einfach weil die so Notanker ist, um diese ganzen unangenehmen Sachen nicht mehr zu machen, sagt man einfach Ja zu allem.

Und unterschreibt den Vertrag auch wieder, ohne ihn zu lesen, einfach nur, um diese unangenehmen Sachen nicht mehr machen zu müssen. Und ich glaube, das ist keine gute Entscheidung.

Maria:
Das ist gar nicht gut, weil manche haben so Klauseln, dass man dann ein Jahr lang mit bestimmten Leuten oder man kommt aus dem Vertrag nicht so einfach raus oder darf mit entsprechenden Kund*innen dann nicht arbeiten und so weiter.

Ich meine, das ist schwierig, weil es basiert auch viel auf Vertrauen. Und auch Agent*innen machen negative Erfahrungen. Das gehört auch leider dazu. Das ist halt menschlich. Ja, aber man muss sich das schon überlegen. Aber ich denke, das Wichtigste ist eh, also wenn man anstrebt, mit einer Agentur zu arbeiten, dass man am Anfang mit denen ein ordentliches Gespräch führt und sich da vorher alle Fragen aufschreibt, die einem so durch den Kopf gehen und die auch wirklich abarbeitet in dem Gespräch und guckt, was da so rüberkommt.

Franziska:
Ja, das ist vielleicht eine gute Überleitung zu einer Frage, die viele jetzt haben. Wie finde ich denn die richtige Illustrationsagentur für mich? Ich hätte gerne eine Repräsentanz, wie mache ich das?

Maria:
Also das Erste ist natürlich zu gucken, wer so am Markt ist. Und dann sollte man das Portfolio der Agentur mal durchforsten und sich überlegen, ob man da überhaupt reinpasst. Ich kriege immer wieder Zusendungen von Leuten, deren Stil so gar nicht in meine Agentur passt.

Und ich habe natürlich eine Vorliebe. Also ganz klar, ich mir Stile, die mir halt auch gefallen. Ich kann ja ... Also das klingt jetzt gemein, aber ich kann nichts verkaufen, was mir nicht gefällt. Das heißt nicht, dass das schlecht ist. Es ist nur nicht meins.

Das schreibe ich dann manchmal auch dazu und ermuntere die Leute: Dann bitte einfach woanders. Aber ich bin dann einfach nicht die Richtige dafür. Also das Wichtige ist, glaube ich, die müssen deine Kunst lieben. Also deine Illustrationen. Sonst können sie es nicht verkaufen. Wenn sie dich nur nehmen, weil sie halt noch einen Platz frei haben und den füllen wollen. Solche Agenturen gibt es auch. Dann ist es eine schlechte Wahl. Also die müssen von deinem Zeug echt einfach begeistert sein und das musst du quasi merken, dass wenn dann die E-Mail zurückkommt, dass da irgendwas drin steht: Oh ja, super.

Und dann, ja. Wie gesagt. Auf jeden Fall auf Tuchfühlung gehen im Gespräch, was die so alles für dich machen für das, was sie dann an Anteil bekommen von deinem Honorar. Das abklopfen. Was ich wichtig finde, was nämlich auch nicht alle Agenturen wirklich richtig machen, dass die auch wirklich Verträge behandeln. Also die auch mal wirklich durchgelesen haben und da eventuell nachverhandelt haben. Das ist was, was ich einfach wichtig finde. Das ist halt so ein bisschen mein Thema, glaube ich. Von daher empfehle ich das jedem und lege das jedem ans Herz. Also weil, ja, sonst bringt die Agentur nicht viel, wenn die dann auch nur auf irgendwelche Standardverträge.

Franziska:
Ja, das macht total Sinn. Und ich bin mir ganz sicher, dass jetzt einige hier zuhören und sich so fragen: Ja, aber wie, Maria? Also wie kontaktiere ich dich, wenn ich deine Arbeit gut finde und glaube, dass ich gut in dir dazu passe? Was mache ich da? Wie? Wieeee? 😉

Maria:
Also, grundsätzlich hat jede Agentur auf ihrer Seite irgendwo vermerkt, wie man sich bewerben kann und welche Richtlinien man einhalten soll.

Das ist wie bei jedem anderen Unternehmen, wo man sich quasi auch bewirbt. Man muss halt die Bewerbungsanforderungen erfüllen und dann schreibt man eine E-Mail. Und ganz wichtig ist, dass man weiß, an wem man die schreibt. Ich muss immer ein bisschen in mich reinschmunzeln und bin dann, also ganz ehrlich, manchmal geneigt, nicht zu antworten.

Ich tue es aber inzwischen doch, wenn Leute nur mit Hallo schreiben. Und dann nicht so ganz klar ist, ist die E-Mail an mich? Ist das eine E-Mail, die sich anfühlt, als hätte er die an 10.000 andere geschickt? Also das ist ein Bewerbungsschreiben. Das heißt, ich muss auch auf das Unternehmen eingehen. Und sie müssen auch das Gefühl haben, dass sie wirklich gemein sind. Jemand, der mir irgendeine E-Mail, die er an zehn andere Agenturen schreibt, schreibt, der kriegt von mir eine Absage. Der hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Also, der möchte von mir ja auch nicht so behandelt werden. Also, der möchte ja auch eigenständig und individuell betreut werden.

Und wenn er mir das noch nicht mal entgegenbringen kann, in der allerersten E-Mail, ist das ein ganz schlechter Einstieg. Also, gucken, was da auf der Seite steht. Da will jede Agentur was anderes. Und das wirklich erfüllen. Gucken, an wen man schreibt, dass der Name da drin steht. Und dass derjenige auch weiß, ja, du meinst wirklich mich und du hast wirklich geguckt.

Und du magst vielleicht trotzdem daneben liegen und dein Stil passt leider nicht. Aber du hast dir die Mühe gemacht. Und dann macht der andere sich auch die Mühe. Und das ist, glaube ich, wichtig. Das ist eine Gegenseitigkeit. Das geht eigentlich für alles im Leben so gut.

Franziska:
Das gilt definitiv für alles im Leben. Und wo das definitiv auch eins zu eins übertragbar ist, ist klassische Auftragsakquise. Da ist es auch so. Die Person, der man da irgendwas schickt, möchte gerne gesehen werden als eigenständiger Mensch mit einem Namen und mit auch einem gewissen Interessen und Bedürfnissen. Niemand möchte gerne so eine Copy-Paste-E-Mail bekommen.

Maria:
Nein, und schon gar nicht, wenn es um eine Bewerbung geht, um eine mögliche Zusammenarbeit. Das ist ein No-Go. Genau.

Franziska:
Du hast es ja vorhin schon angesprochen, dass der deutsche Markt ganz anders funktioniert als zum Beispiel der englischsprachige Markt. Eine deiner Stärken ist ja auch, dass du, also das habe ich so von außen beobachtet und das wurde mir so angetragen von diversen Kolleg*innen, dass du halt auch einfach sehr gut daran bist, Kolleg*innen auf dem internationalen Markt zu positionieren, was ja auch, hast du ja vorhin auch schon gesagt, wirtschaftlich auch einfach sehr oft ein sehr sinnvoller Schritt ist als Illustrator*in. Gibt es unterschiedliche Anforderungen an Illustrator*innen auf den jeweiligen internationalen Märkten? Also zum Beispiel deutschsprachiger Markt, Kinderbuch: niedlich, erste Priorität. Wie schätzt du das ein? Ist das auf dem englischsprachigen Markt zum Beispiel anders?

Maria:
Nee, finde ich nicht. Also niedlich ist grundsätzlich Kinderbuch. Und dann ist es tatsächlich eine Stilfrage, ob man international funktioniert oder nicht. Also es gibt einen Illustrationsstil und eine bestimmte Art zu zeichnen, die wird als Deutsch empfunden. Und dann kriegt man keinen Fuß in die Tür. Ja, und wenn man das aber bricht oder da auch offen ist, zum Beispiel ein bisschen, also ich melde das auch zurück, manchmal kann man nicht aus seiner Haut, dann ist das so.

Dann arbeite ich eben nur mit deutschen Verlagen. Aber wenn jemand das hinkriegt und entsprechend anders zeichnet oder zeichnen kann. Das sind vor allem die Gesichter oder Körperposen. Also ja, dann ist es gut und dann funktioniert das. Dann kriegt man da immer wieder Aufträge. Also ich habe auch Illustrator*innen, die gar nicht in Deutschland Fuß fassen können, weil deren Stil nicht hierher passt.

Die arbeiten dann in Großbritannien, Frankreich und USA. Also das gibt es auch. Aber das ist wirklich eine Stilfrage tatsächlich. Und manchmal kann man das sich erarbeiten und manchmal ist es echt einfach nicht drin.

Franziska:
Wie schaust du denn so auf Stil drauf? Was ist Stil für dich?

Maria:
Was ist Stil für mich? Oh Gott. Also erst mal hat jeder einen Stil, auch wenn das jeder nicht sieht. Und also auch die Frischlinge unter den Illustrator*innen und Illustrator*innen haben einen Stil. Es ist wie eine Handschrift. Und die kann man verfeinern. Und man kann sich manchmal auch neue Nuancen antrainieren. Aber ich habe es noch nie gesehen oder es hat noch keiner hingekriegt, dass ich nicht erkannt hätte, jetzt von meinen Schützlingen, sage ich mal, dass ich nicht gesehen hätte: Ah, das ist von dem.

Und das hat mit Farbwahl zu tun. Das hat mit dem Charakterdesign zu tun. Gesichter sind da ganz wichtig. Also das umfasst eigentlich die ganze Art, wie man eine Illustration handhabt.

Franziska:
Wie schätzt du das denn ein, wie viel Persönlichkeit und vielleicht auch persönliche Reife steckt in so einem Stil drin?

Also weil, was ja schon so ein Klassiker ist, ist, dass am Anfang, wenn jemand anfängt zu zeichnen, ja ganz oft man ganz viel ausprobiert und es dauert erst eine gewisse Zeit, bis man so die eigene Stimme findet und damit auch irgendwie so ein Gefühl für den eigenen Stil bekommt.

Maria:
Ja, das ist eine Sache von Übung. Also mir hat mal jemand gesagt, ich weiß nicht, wo das Zitat ursprünglich herkommt, das war noch aus meiner Animationszeit, hat mir mal jemand gesagt, man muss 10.000 Stunden in eine Sache stecken, bevor man gut ist. Und genau das ist es. Und irgendwann hat man einen Stil. Das heißt aber nicht, dass der vorher nicht da war. Der war noch nicht so stark und noch nicht so nuanciert.

Und ja, man wird auch technisch besser nach diesen 10.000 Stunden. Und trotzdem, auch wenn man diesen Stil hat, darf man sich niemals als Illustrator*in darauf ausruhen. Also ich glaube, jedem, der das eine Weile macht, ist das irgendwann auch klar, dass der Prozess des Lernens und Vorankommens und dieser ganze kreative, künstlerische Stil-Prozess, der hört nie auf. Und das darf er auch nicht, weil sonst läuft man sich irgendwann tot.

Dann bleiben quasi die Aufträge aus. Also es ist ganz wichtig, dass man auch immer am Ball bleibt. Selbst wenn man jetzt sagt: So, oh jetzt bin ich an einem Punkt. Ach toll. Der ist auch gut der Punkt. Den muss man genießen. Das ist toll. Da hat man was erreicht. Aber frag denjenigen nochmal in zwei Jahren und meistens ist er dann ganz unzufrieden. Und dann fängt nämlich das wieder an und das ist wichtig. Und dann entwickelt man sich nochmal weiter, nochmal in eine andere Richtung, wie auch immer. Und das ist, ja, muss man umarmen, diesen stetigen Kampf mit sich selbst.

Franziska:
Ja, das hast du schön beschrieben, es ist wie so eine Achterbahnfahrt. Es gibt immer so die Höhen und dann gibt es wieder die Tiefen. Und man kann sich aber irgendwie auch darauf verlassen, dass wenn man gerade in so einer Tiefe ist, wenn man einfach nur weitermacht, kommt auch wieder so eine Höhe.

Maria:
Ja, es gibt auch, wenn man illustriert, ich finde jedes Bild sieht irgendwann richtig scheiße aus. Es gibt so ein Stadium, wenn man das ganz bewusst, dann darf ich scheiße sein. Auf jeden Fall, durch den Punkt muss man durchgehen und dann wird es gut. Und ich glaube, dass viele an dem Punkt aufgeben. Und das ist dann, was die Spreu vom Weizen trennt.

Wenn man durch dieses Tal durchgeht und das Bild dann zu Ende malt, dann fühlt sich das auch richtig toll an. Genauso ist es mit Stil. Man kommt immer wieder an einen Punkt, wo man denkt: Ah nee. Und schon wieder. Und warum kriege ich das nicht hin? Das habe ich schon so oft. Und irgendwann macht es auf einmal Klick und man denkt: Wow. Okay, da sind wir.

Franziska:
Ja, das stimmt. Also das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Und auch genau diesen Moment, wenn sage es jetzt auch mal, wenn man weiß, die Illustration ist gerade scheiße. Mhm. Ich finde es ganz lustig, weil ich habe so in meinen Büchern, ich glaube es gibt es ja wahrscheinlich, das kennt jeder, es gibt so ein paar Bilder, mit denen habe ich gekämpft.

Da gibt es diverse Versionen von und es war ein Kampf, immer und immer wieder. Und mir ist irgendwann mal aufgefallen, dass, wenn ich mir erlaube, dann nochmal anzufangen. Also wirklich auch manchmal nochmal zu sagen: Nee, das landet jetzt in der Tonne. Ich fange einfach nochmal an. Und mir das auch erlaube, dass das mehrfach passieren darf.

Das sind ganz oft Bilder, die richtig gut werden und die ich zum Schluss total liebe im Buch. Das kann ich mir im Prozess immer gar nicht vorstellen, weil das sich so doof anfühlt und so schwer ist und zäh und kaugummiartig. Aber, oft sind das dann die Bilder, die ich am meisten mag. Und dann versuche ich mich in dem zählen und schwierigen Prozess daran zu erinnern, dass das vielleicht so ein Bild werden könnte. Einfach weitermachen.

Maria:
Ja, das Traurige daran ist natürlich, wenn man jetzt wieder auf die wirtschaftliche Seite guckt vom Buchillustration, dass die Honorare solche Sachen eigentlich kaum zulassen, wenn wir ganz ehrlich sind. Also ich habe das auch schon gemacht, dass ich Illustrationen sang- und klanglos in die Tonne geknallt habe und dann eben dieses Magische passiert ist. Dass man dann nochmal eine ganz andere und dann wow, da war es das.

Aber ja, das ist immer so ne Krux. Also ich sage zum Beispiel auch meinen Illustrator*innen: Also, du solltest maximal so und so lang an der Illustration arbeiten. Gerade wenn die neu sind, sage ich mal: Stopp die Zeit. Krieg ein Gefühl dafür, wie lang du überhaupt brauchst und dann sprechen wir darüber. Und dann sage ich: Oh, kuck mal, ob du so und so noch schneller werden kannst, weil ... Ja, es wird effektiv nicht bezahlt. Ich meine, du kannst Glück haben und es kommen noch Tantiemen. Aber da sage ich immer, das ist wie so ein Bonbon. Das ist eine Lotterie. Manche Titel und es sind witzigerweise oft auch Titel, wo man so denkt: Ach, das ist doch nicht mein Lieblingsprojekt. Und die verkaufen sich dann und man denkt so: Okay, danke.

Und dann sind es wieder Titel, wo man quasi fast schon Herzblut reingesteckt hat, die dann irgendwie am Markt nicht funktionieren. Und da steckt man nicht dran, das sind ganz viele Parameter, die da mit rein laufen. Und man hat es ehrlich gesagt auch nicht in der Hand. Man zeichnet das, man gibt das ab und dann ist es in der Welt und man gibt es aus der Hand.

Das ist wie so ein, ich weiß nicht, ein Ding von einem selbst, was man in die Welt schickt und dann guckt, was damit passiert.

Franziska:
… ein Kind …

Maria:
Das ist ein bisschen so, gell?

Franziska:
Ja, aber voll gut, dass du die Zeit ansprichst, weil die Zeit ist, glaube ich, einer der wichtigsten Faktoren, wie man als Illustrator*in dafür sorgen kann, wirtschaftlich zu sein, weil es einer der wenigen Faktoren, über die man Kontrolle hat.

Maria:
Ja, auf jeden Fall. Ich mein, am Anfang ist man langsam, weil man noch unsicher ist. Man wird in der Regel mit der Zeit und mit der Erfahrung schneller und dann muss man sich natürlich auch überlegen, bei manchen Stilen, wenn manche sehr, sehr langsam sind, ob sie an der einen oder anderen Stellschraube drehen oder ob das halt ihr Ding ist.

Also ich bespreche das ganz offen mit meinen Künstler*innen und Künstlern und das ist deren Entscheidung. Also wenn die dann sagen: Ja, nee, aber ich möchte genauso arbeiten und nicht anders und dann ist das halt so. Dann sage ich: Okay, dann ist das halt so. Ich sage dir, ich melde dir nur zurück. Das ist die Situation, in der wir sind.

Und die und die Stellschrauben haben wir. Die muss derjenige dann selber stellen wollen. Ich kann den ja nicht dazu zwingen. Nein, geht auf keinen Fall. Genau. Aber man muss halt offen drüber sprechen und darauf aufmerksam machen.

Franziska:
Ja, ja, wenn ich so höre, wie du mit deinen Schützlingen und deinen Kreativen arbeitest, denke ich mir so: Oh, das was wünsche ich mir auch.

Das klingt einfach nach ob du mit so kleinen Cheerleading ..., wie heißt denn das, Cheerleader-Puscheln am Rand stehst und halt so wie so ein Coach, der tough ist manchmal, aber einfach will, dass man erfolgreich ist, aber auf Augenhöhe und mit ganz viel Respekt da auch begleitet. Das klingt ganz, ganz toll.

Maria:
Ja, wobei man sagen muss, das ist ganz unterschiedlich. Also ich habe mit manchen ein extrem enges Verhältnis, weil das irgendwie sich so entwickelt hat und die das auch brauchen. Andere brauchen mich viel weniger. Das ist aber auch okay. Also je nachdem, was derjenige haben möchte und wie eng der betreut werden möchte, dann passe ich das eben an.

Und wie gesagt, jeder ist halt anders. Also man kann ja nicht so ein Pauschalkonzept rüberstülpen, sondern man muss halt gucken: Was habe ich da, wen habe ich da, wie tickt der und wie kommen wir gut miteinander klar und wie kann ich dem helfen. Also das ist meine Aufgabe, da zu unterstützen und zu helfen.

Also ich helfe gerne und manchmal gelingt es nicht. Und das ist manchmal richtig hart, weil ich sehe, woran es liegt und ich kommuniziere das auch, aber der Künstler kann oder will es nicht umsetzen. Und dann kommt man nicht vorwärts.

Was man auch verstehen muss, nur weil man eine Agentur hat, heißt es nicht unbedingt, dass man ein volles Auftragsbuch hat. Die Agentur hat nur die Möglichkeit, mit dem zu arbeiten, was sie hat. Und manchmal ist das nicht gesucht. Und es ist total hart und es tut mir dann auch weh und leid, weil ich bringe ja das Feedback zurück. Ich packe das ein und biete dann Möglichkeiten oder Ideen, wie man es lösen kann.

Maria:
Aber am Ende kann ich es nicht lösen. Am Ende muss es derjenige selbst lösen. Und das ist manchmal schade oder das mich so ein bisschen traurig, weil eigentlich das Ziel ist, zu helfen. Und manchmal kann man es nicht. Und ja, deswegen: Eine Agentur ist nicht immer die komplette Lösung. Es ist ein Baustein, der einem hilft. Aber der Ende, ich als Illustratorin oder Illustrator, bin ich die Kernsache und von mir geht alles aus. Deswegen ja, den Markt studieren, ist auch noch ganz wichtig. Das haben wir, glaube ich, gar nicht besprochen.

Franziska:
Das heißt, mit Markt studieren meinst du, Schauen, was gibt es denn da eigentlich? Was wird gebraucht? Was wird in verschiedenen, jetzt wenn wir mal sagen, den Buchmarkt, was wird in den verschiedenen Büchern dargestellt, welche Art von Anforderungen gibt es da eigentlich? Das meinst du damit, oder?

Maria:
Man kann für sein Portfolio immer Sachen malen, die man selber liebt, abgöttisch, die man sich an die Wand hängen würde und so weiter. Aber man muss, wenn man Illustrationen für Bücher macht, verstehen, dass es ein Markt ist, der Bedürfnisse hat. Und die muss man wenigstens ansatzweise bedienen. Sonst wird man nicht gebucht. Das ist hart, weil ich habe auch Illustrator*innen, deren Arbeiten ich absolut liebe. Ich hatte das auch mal, da bin ich einer auf Instagram gefolgt und die hat das natürlich gesehen, hat mir geschrieben und dann habe ich gesagt: Oh ja, ich liebe deine Sachen abgöttisch. Aber für einen Buchmarkt gehen die leider nicht.

Und das war für die, glaube ich, ganz heftig. Aber die hätte sich komplett verändern müssen, aber so für an die Wand und so. Wahnsinn, Wahnsinn. Und das ist einfach, ja. Es ist halt eine angewandte Kunst. Auch Farben sind so oft ein Thema. Ja, der Buchmarkt ist sehr quietschig. Und es gibt immer wieder Ausnahmen und es bewegt sich auch ein bisschen was, aber der ist nicht nur in Deutschland quietschig. Also wenn man international guckt. Das ist einfach quietschig.

Und es hat zum Teil auch einfach was damit zu tun, wie Kinder darauf reagieren, weil die Buchverlage, die wollen halt verkaufen. Also würden auch gerne nur Bücher machen, die ihnen gefallen. Letztes Jahr in Frankfurt habe ich mit einer Programmleitung gesprochen und da hat mir auch das Thema quietschig. Und manchmal hat man so Lust. Und sie sagt auch, sie würde so gerne, aber wenn sie dürfte, wie sie wollte, würde sie zum Beispiel das und das und das mal machen. Geht nicht.

Da muss man gucken und da muss man sich ein bisschen überprüfen und vielleicht auch überlegen, ob man für einen Stil so brennt, der auf dem Buchmarkt nicht funktioniert, ob man vielleicht woanders zu Hause ist oder eben ein Portfolio für Illustrationen im Buchmarkt macht und dann ein Portfolio für andere Sachen, wo man mit dem anderen Zeug eben besser hinpasst, wie Wall-Art, also dieser Licensing-Markt, der sieht ja auch nochmal ganz anders aus.

Also es gibt ja unterschiedliche Märkte oder Editorial oder Schlag mich tot oder man macht tatsächlich auf einmal Malerei. Also ich habe auch einen Illustrator bei mir, der hat jetzt schon seine zweite Ausstellung. Also der flüchtet so und das ist toll, weil der entwickelt sich in eine ganz andere Richtung und ich finde es total genial und das ist auch absolut richtig.

Franziska:
Ja, ich gut, dass du das sagst, weil ich glaube auch, dass da viele Missverständnisse draußen in der Welt herum geistern und es ist wichtig zu wissen, dass der Buchmarkt am Ende ein Markt ist. Verlage wollen Bücher verkaufen und die können sich, die haben da auch einfach so Limitationen, weil einfach die am Ende die Käufer*innen entscheiden, was gekauft wird.

Vielleicht nochmal so als Abschluss zu dem internationalen Markt. Wenn jetzt hier jemand zuhört, und denkt: Ich würde total gern auf dem englischsprachigen Markt zum Beispiel arbeiten, habe aber im Moment keine Agentur, keine Repräsentanz. Hast du da einen Tipp, wie man das am besten macht? Wie kriegt man den Fuß in die Tür?

Maria:
Ich würde nach Bologna auf die Buchmesse fahren und da Stände abklappern. Das wäre mein Erstes und gucken, dass man da an E-Mails kommt. Weil die meisten werden nicht in die USA auf irgendwelche Buchmesse fahren wollen. Man könnte noch die Londoner Buchmesse, aber das ist auch ein bisschen speziell.

Ich glaub, in Bologna ist man gut bedient. Wobei manche auch ihre Creative Teams in Frankfurt dabei haben. Aber da braucht man natürlich, da muss man erst mal gucken, dass man einen Kontakt hat. Also. Bologna, würde ich sagen. Eine Packung Mut. Schöne Visitenkarten. Vielleicht noch ein Postkärtchen, was man mitgeben kann. Und einfach hingehen und fragen. Ich weiß, es ist anstrengend und aufregend. Also das Schlimmste ist ein Nein. Mehr passiert nicht.

Franziska:
Ja, da hast du vollkommen recht. Weil ich einfach so unterschiedliche Stimmen gehört habe in letzter Zeit. Glaubst du, dass es wirklich sinnvoll ist, eine Repräsentanz zu haben, wenn man auf dem internationalen Markt arbeitet? Oder ist es da auch so wie auf dem deutschsprachigen Markt: Einige brauchen es, andere brauchen es nicht?

Maria:
Also dort ist es tatsächlich üblicher, über Agent*innen zu gehen. Also die ... ich weiß gar nicht mehr, welche Art Direktorin das war, ich glaube, die von Chronicle Books. Die hat mir mal irgendwann gesagt, dass sie fast 90 Prozent aller Illustrator*innen, mit denen sie arbeiten, haben eine Repräsentanz und die gucken da auch.

Also die mögen das auch gerne, weil dann die Agent*innen auch, wenn es mal irgendwie blöd läuft, dann ist der Agent halt dazwischen und man ist dann wie so ein Schiedsrichter und kann Sachen entzerren. Das ist in manchen Situationen, das hatten wir jetzt auch schon öfter, dass ich dann einspringen musste und dann ließ sich das alles auflösen. Aber manchmal ist einfach der Wurm drin, dann ist das immer gut, wenn da wie so ein, ich sag mal neutraler, dann das Ganze rausnehmen kann. Und ja, also da läuft sehr viel über Agenturen. Das heißt nicht, dass es nicht geht. Es ist nur ein bisschen schwerer.

Franziska:
Ich würde dich total gerne fragen, wie du das einschätzt mit KI? Wie verändert sich der Buchmarkt? Hast du ne Prognose? Wir können ja alle nur in unsere eigenen Glaskugeln gucken und Prognosen aussprechen.

Maria:
Also ich weiß es nicht. Ich habe keine Prognose. Ich habe auch keine Angst vor der KI. Also wenn ich einen Tipp abgeben sollte, würde ich sagen, dass das dazu führen könnte, eventuell, dass traditionelle Illustrationen wieder mehr wertgeschätzt wird.

Und das ist lustig, weil als ich anfing und ich habe auch digital gezeichnet und hatte nur ein Skizzenbuch, das Aquarell war. Und bin damals nach Frankfurt. Und digital war so ein No-Go auf dem deutschen Markt. Vor 15 Jahren durftest du das nicht machen. Und jetzt ... ich habe, glaube ich, vier Illustrator*innen und Illustrator*innen insgesamt, die noch traditionell arbeiten. Die sind schon fast Koryphäen.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich das umdreht. Das Ding ist, aufhalten kann man es nicht. Damit arbeiten aus urheberrechtlichen und gesamtrechtlichen Gründen auch überhaupt nicht, weil viele dieser KI-Anwendungen darf man ja gar nicht kommerziell nutzen. Das heißt, das für die eigene Arbeit zu nutzen, halte ich sowieso für schwierig.

Und dann kann die KI ja immer nur aus dem schöpfen, was schon da ist und nicht aus meinem Hirn. Also ich weiß es nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier und da vielleicht sogar eine Bereicherung ist. Aber wo das hinführt, das weiß im Moment noch keiner.

Franziska:
Ja, das ist wohl so. So, als allerletzte Frage. Okay. Was war denn so einer der Höhepunkte in deinem Leben als Agentin?

Maria:
Oh Gott, also da gibt es ganz viele. Nur einen. Wie soll ich das denn machen? Oh Gott, keine Ahnung.

Franziska:
Worüber freust du dich denn? Was sind denn so diese ständigen Höhepunkte, wo du so, jetzt mal so, yes!

Maria:
Wenn ich sehe wie Leute vorwärtskommen. Also Franzi Höllbacher war ja neulich bei dir. Als das jetzt dann war, dass ihr erstes Jugendbuch unter Vertrag gekommen ist.

Das war toll, weil die Franzi hat schon, ich habe der Franzi ganz oft gesagt, dass ich schreiben kann. Und die hat aber auch nicht so richtig an sich geglaubt. Aber das hat sie ja alles erzählt. Das muss ich nicht wiederholen. Also das war so ein Höhepunkt. Dann die andere Illustratorin, wo es nur an den Augen und Füßen gehangen hat.

Und als dann die Aufträge und die völlig aus dem Häuschen war. Und auch andere. Also immer, ich weiß nicht, es ist eigentlich immer wieder, wenn man halt sieht, dass da schöne Projekte entstehen und dass die Leute glücklich damit sind. Und das sind einfach immer wieder neue Höhepunkte und ganz unterschiedliche. Eigene Geschichten schreiben und weiterentwickeln und wenn die dann staunen, was die alles können. Das finde ich toll. Das ist einfach gut. Ja.

Franziska:
Ach, wie schön. Vielen, vielen, vielen Dank, Maria, das war ein großartiges Gespräch. Danke, dass du uns so einen tiefen Einblick gegeben hast und auch so ehrlich geteilt hast, was für Erfahrungen du gemacht hast und deine Perspektiven. Auf die Dinge. Dankeschön.

Maria:
Gerne. War sehr schön mit dir. Sehr schönes Gespräch.

 
So, dass war das Interview. Ich bin sehr gespannt, was du heute für dich mitgenommen hast. Wie geht es dir denn jetzt nach dem Hören des Interviews: Hättest du gerne so eine Person in deinem Leben, die dich in der Rolle als Agentin anfeuert, für dich eintritt, auch mal ehrlich Feedback gibt, selbst wenn es weh tut, für dich die besten Verträge verhandelt – damit du erfolgreich bist? Diskutiere gern mit auf Instagram unter @diegutemappe oder auf LinkedIn. Dort findest du mich unter Dr. Franziska Walther.

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Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe, wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska

 

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Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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