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Diese Podcast-Folge ist für dich, wenn du wissen willst, wie große kreative Herzensprojekte umgesetzt werden! Denn heute ist Comiczeichner, -autor und Illustrator Tobi Dahmen zu Gast und Tobi teilt mit uns, wie er es geschafft hat, seine über 500 Seiten starke Graphic Novel »Columbusstraße« fertig zu zeichnen – ohne zwischendrin den Stift an den Nagel zu hängen. Mehr noch. Tobi hat parallel sogar auch noch als Illustrator Aufträge bearbeitet. Warum, dass erzählt er dir gleich selbst.
»Columbusstraße« ist im Mai 2024 bei Carlsen erschienen – und jetzt schon in der dritten Auflage. Das nenne ich mal einen Comic-Bestseller! Und das kommt nicht von Ungefähr. Denn auch schon Tobis Vorgänger-Buch »Fahrradmod« verkaufte sich gut – und wurde in der Presse viel besprochen. Das hat nicht ausschließlich nur mit der Qualität von Tobis visuellem Storytelling zu tun, sondern auch mit smarten Positionierungs- und Marketing-Entscheidungen. Und auch diese teilt Tobi im Interview mit uns.
Ich freu mich wirklich riesig, dass Tobi heute zu Gast ist und ich dieses Gespräch mit dir teilen kann. Ich hoffe, du findest es genauso spannend und sympathisch wie ich. In diesem Sinne ...
Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst – aber eben auch wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt.
Ich bin Franziska Walther und jetzt geht’s los mit dem Interview mit dem großartigen Comiczeichner, Comicautor und Illustrator Tobi Dahmen.

[Transkript des Interviews mit Tobi Dahmen]
Tobis Website: www.tobidahmen.de
Tobi auf Instagram: @fahrradmod
Tobi auf LinkedIn: www.linkedin.com/in/tobidahmen»Columbusstraße« bei Carlsen
»Fahrradmod« bei CarlsenHier kannst du Tobi auf der Frankfurter Buchmesse treffen:
Signierstunde am IO-Stand am Mittwoch, 15 bis 16 Uhr
Signierstunden am Freitag, Samstag und Sonntag bei Carlsen
Lesung auf der OpenBooks am Freitag- - -
Franziska:
Hi, Tobi.Tobi:
Hi, Franziska. Ich bin Tobi Dahmen. Ich bin Comiczeichner und Illustrator, arbeite für die unterschiedlichsten Kund*innen, aber mache daneben auch ab und zu mal ein sehr dickes Buch, Graphic Novels wie man sie heutzutage nennt, über, ja, meistens Themen, die relativ dicht bei mir selbst liegen.Franziska:
Tobi, du bist Comiczeichner.
Wie hat denn der Comic seinen Weg in dein Leben gefunden? Wann hast du angefangen, Comics zu zeichnen?Tobi:
Ja, also Comics habe ich schon immer gerne gelesen. Das erste Buch, was ich glaube ich, so auseinandergepflückt habe, war eine Ausgabe von 1949 von meiner Mutter, von Hergé, vom Arumbaya-Fetisch auf Französisch.Ich weiß nicht, ob es das überhaupt noch gibt, aber da fehlen ein paar Seiten. Ich fürchte, das war ich. Ja, und das hat mich immer schon fasziniert. Als Kind kann ich mich erinnern, dass ... dass ich Hausaufgaben gemacht habe und immer nur auf die Comics geguckt habe, die auf dem Stapel lagen und bin in die Stadtbücherei gegangen.
Und irgendwann habe ich halt auch angefangen, Comics so für meine Klasse zu zeichnen. Ich war da der Nerd und keiner hat mich irgendwie gesehen und irgendwie akzeptiert, aber das war dann irgendwann mein Kanal, um zu zeigen, dass ich irgendwas auch drauf habe und habe dann halt so Comics über den Schulalltag gemacht, die dann sehr schnell ziemlich abgedriftet sind.
Wenn man sich das vorstellen kann. Das kann man heutzutage auch niemandem mehr zeigen, das ist alles nicht korrekt. Naja, damit fing das eigentlich an. Und hat mir dann eigentlich auch echt eine Bestätigung gegeben. Und zu zeigen, ja, okay, das funktioniert. So kann ich mit Leuten kommunizieren. Später funktioniert es dann auch auf normalen Wegen, aber das war so mein Einstieg. Und dann habe ich das während meines Grafikdesignstudiums, hieß offiziell visuelle Kommunikation, was ich auch ein sehr schönes Wort finde, da habe ich das dann weitermachen wollen, aber naja, das kam dann in unserer Fachschule erstmal gar nicht so gut an.
Da hatten die Comics noch ein ganz anderes Standing, aber ich habe es trotzdem halt gemacht. Ich habe dann meine eigenen Geschichten gemacht. Eine längere Geschichte war dann so ein Album, auch von so einem Nerd, der dann sich irgendwie in einer großen Stadt versucht zurechtzufinden und in Umfeldern, die eigentlich gar nicht so für ihn gemacht sind.
Das war dann eigentlich mein erstes Comic-Album, Scoot Riders. Das waren halt lauter Comics über so Rollerfahrer. Da ging das dann los mit meiner Subkultur-Affinität. Und diese ganzen Geschichten, die ich in meiner Jugend erlebt habe, in dieser Subkultur der Mods habe ich dann aufgezeichnet mit einem großen Graphic-Novel namens Fahrradmod.
Das hat ja dann ganz schön Wellen geschlagen. Davor gab es aber auch noch die Zeit so direkt nach dem Studium, wo ich dann mit befreundeten Zeichner*innen unser Comic-Magazin Herrensahne gegründet habe. Und da haben wir uns halt ständig ausprobiert, haben jede Ausgabe unter ein Thema gestellt und die dann auch versucht, dann irgendwie in so eine Ausstellung auch zu gießen, also den Comic auch in den Raum zu bringen.
Das war eine super Zeit, da haben wir auch tolle Ausstellungen gemacht und wilde Partys gefeiert. Naja, dann kam Fahrradmod und nochmal acht Jahre später mein aktuelles Buch Columbusstraße über meine Familiengeschichte.
Franziska:
Bevor wir mit Columbusstraße so richtig einsteigen, wollte ich dich nochmal fragen, Fahrradmod ist ja 2015 bei Carlson erschienen und vorher als Webcomic.Wie lange hat denn das Buch von der ersten Idee bis zum veröffentlichten Buch gebraucht?
Tobi:
Ziemlich genau acht Jahre, glaube ich. Hm. Ich weiß schon, dass ich eigentlich, obwohl ich natürlich viel arbeite, aber trotzdem irgendwie immer so eine Motivation brauche und eigentlich ein fauler Hund bin, habe ich halt erst mal so einen Blog kreiert. Das war auch damals so sehr angesagt, um mich selber am Ball zu behalten sozusagen und aber auch immer so Häppchen zu streuen.Erste Überlegungen, Storyboards habe ich dann da reingestellt. Aber dann hatten wir beschlossen, dass der Verlag Zwerchfeld das Buch rausbringen würde und die sagten: Ja, das dauert jetzt noch ein paar Jahre bis du damit echt fertig bist. Es ist nicht schlecht, wenn wir da auch schon im Vorfeld ein bisschen was zu zeigen.
Dann haben wir gesagt, ja, das ist nicht schlecht, dann machen wir ein Webcomic draus. Da habe ich anfangs dann wirklich zwei Seiten pro Woche präsentiert. Eine auf Deutsch und eine auf Englisch. Oder vielmehr beide sogar, Deutsch und Englisch. Das wurde dann aber echt zu viel Arbeit, dass ich dann irgendwann nur noch mal eine gemacht habe.
Aber das hat tatsächlich sehr gut funktioniert, weil natürlich diese ganze Szene sehr international vernetzt ist auch und sich gerade über das Internet sehr austauschen und da ist das halt sehr schnell erkannt worden und verbreitet worden und dadurch hat es auch als Buch dann sehr schnell funktioniert, hat sich sehr schnell verkauft.
Also vor allen Dingen erstmal in der konkreten Szene, aber hat dann auch schnell breiter gestreut.
Franziska:
Wie hast du denn Carlsen für Fahrradmod gefunden am Ende, weil Fahrradmod ist ja bei Carlsen erschienen.Tobi:
Ja, das war auch lange Geschichte. Ich habe halt irgendwann gemerkt, Zwerchfell ist halt ein sehr kleiner Verlag und ich hatte wirklich große Ambitionen mit dem Buch und habe da ja auch wie gesagt acht Jahre reingesteckt und dachte, das muss funktionieren. Aber die kleinen Comic-Verlage haben ein Problem, weil sie ja kaum Geld oder sowieso nicht viel verdienen mit den Sachen, die sie machen.Das tun sie oft so als Nebenprojekt, also aus Herzblut was ich natürlich großartig finde. Aber in unserem Fall wäre es, glaube ich, so gewesen, wenn die das Buch rausgebracht hätten, dann hätte das ein ganzes Weilchen gedauert, bis das Geld, was sie mit dem Buch verdient hätten, überhaupt wieder drin gewesen wäre.
Und in der Zwischenzeit hätten sie es sich nicht leisten können, eine zweite Auflage zu drucken. Das ist ja auch ein Thema, was jetzt nicht unbedingt hoch oben auf der Agenda steht. In der Zwischenzeit wäre das dann durchaus bei ein paar Presseleuten gelandet und dann hätten sie vielleicht drüber geschrieben.
Aber das Buch wäre womöglich gar nicht mehr verfügbar gewesen. Das war meine große Sorge Und ich hatte halt mit Klaus Schikowski, der war eigentlich auch so ein bisschen mit Ideengeber, weil ich immer meine Geschichten dann über meine Jugend erzählt hatte und da sagte er, die musst du mal irgendwann aufzeichnen.
Also ich hatte das schon so grob im Kopf, aber das hat das so bestätigt. Und dann habe ich mit dem nochmal gesprochen und der war dann irgendwann inzwischen bei Carlsen und dann haben wir uns alle, also der Piwi, der Klaus Schikowski und ich in Erlangen zusammengesetzt, lassen wir das zusammen machen, Zwerchfell macht weiter die Redaktion und Carlsen bringt das Buch dann raus.
Da musste Klaus allerdings den Carlsen noch überzeugen das hat dann aber ganz zum Glück funktioniert.
Franziska:
Ja, Fahrradmod hat ja auch 480 Seiten, das ist ja auch für einen Verlag, also es ist ja auch was anderes, als ein Buch mit 120 Seiten, einfach so von der Produktion.Tobi:
Ja, das merkt man dann auch. Also gerade wenn man es dann auch an ausländischen Verlagen vorstellt. Die sind dann erstmal ein bisschen vorsichtiger.
Ich glaube, das ist auch ein Problem von dicken Büchern, dass man, man kann da sehr viel erzählen worum sich ein Buch dreht aber eigentlich muss man es lesen und der Redakteur muss daran glauben. Und das macht natürlich ein dickes Buch auch schwieriger. Aber naja, dafür kriegt man halt, wenn man die Leute überzeugt hat, auch eine ganz andere Leseerfahrung, als wenn man so ein dünnes Heftchen liest.Also ich mache meine Bücher auch aus ... und meine eigene Leseerfahrung nehme ich da natürlich auch mit rein. So ein kurzes Büchlein habe ich schnell vergessen, aber wenn ich weiß, dass ich ein paar Stunden damit verbracht habe und mehrere Sessions vielleicht, dann bleibt das auch viel mehr bei mir. Und ich habe auch die Zeit, sehr tief in ein Thema einzusteigen.
Ich liebe die Comics, aber manchmal fehlt einem das, dass man nicht noch so ein bisschen mehr Raum drumherum kriegt. Was möglich wäre, um Atmosphäre zu schaffen oder Hintergrundinformationen noch zu beleuchten etc.
Franziska:
Ja, total. Ich merke immer, dass ich beim Comiclesen sehr oft danach traurig bin, weil das Buch vorbei ist und weil ich es eigentlich so in drei Stunden einfach so durchgeschrotet habe.Tobi:
Ja, das Schöne am Comic ist natürlich, dass man das auch immer wieder aus dem Regal ziehen kann. Das habe ich früher sehr viel gemacht und jetzt fehlt mir einfach die Zeit dafür, leider. Das Gefühl erkenne ich. Also ich kenne es aber auch als Zeichner. Das war ganz ... kann ich mich noch erinnern. Da hat so ein Facebook-Bekannter von mir ganz stolz verkündet, ich habe dein Buch.Das war ja wirklich mein erstes großes Buch, wo ich dachte, oh Gott, hoffentlich floppt das nicht. Ich habe hier so viel Zeit reingesteckt und der verkündete das dann auf Facebook. Und dann zwei Stunden später sagt er: aus. (ausgelesen) Was sollte ich mit der Information? Also soll ich mich darüber freuen? Ja, super, du hast es in Einem weggelesen. Das ist natürlich eigentlich auch ein Qualitätsmerkmal, aber gleichzeitig tat es eigentlich nur weh.
Franziska:
Ja, das verstehe ich total. Aber genau, es ist eigentlich, umso spannender die Geschichte ist, umso schneller lese ich das Ganze. Und umso trauriger bin ich am Ende.Tobi:
Ja, aber wie gesagt, ich denke, sobald so ein Buch raus ist, hat man ja überhaupt keine Kontrolle mehr darüber. Aber ich versuche dann immer so im Kopf mir zurecht zu malen, vielleicht lesen es ja so viele Leute, also die Hoffnung hat man, dass am Ende so viel Zeit damit verbracht worden ist, wie viel ich selber reingesteckt habe.Das wäre natürlich schön. Aber ob es so ist, das kann nie jemand nachprüfen. Aber vielleicht ist es ja so. Also ich weiß, dass Fahrradmod viele Leute auch mehrmals gelesen haben, das freut mich dann immer besonders.
Franziska:
Ja, was für ein schöner Gedanke. Ich kann mich noch daran erinnern, wie du mir auf der Buchmesse in Frankfurt von deinem neuen Buchprojekt erzählt hast, in dem du die Geschichte deiner Familie während des Zweiten Weltkriegs dokumentieren wolltest.Das muss so 2017 oder 2018 gewesen sein. Ja. Und jetzt ist Columbusstraße bei Carlsen erschienen. Ich finde es total krass, dass du das so durchgezogen hast und ich freue mich total für dich. In Columbusstraße erzählst du die Geschichte deiner Familie in den Jahren 1935 bis 1945.
Warum wolltest du diese Geschichte erzählen? Wie ist es zu dem Buchprojekt gekommen?
Tobi:
Ja, also als Zeichner ist man ja auch immer so auf der Suche nach Geschichten. Und ich bin halt eben, wie gesagt, keiner, der sich so große Abenteuer ausdenkt. Ich suche das schon immer eher in meinem näheren Umfeld. Wie gesagt, viel autobiografisch. Und ja, ich hatte auch schon früher, als ich in Düsseldorf gewohnt habe, weil mein Vater in Düsseldorf aufgewachsen ist, hatte ich dann natürlich auch noch einen familiären Bezug zu und kannte auch manche Geschichten, die so in der Familie rumschwirrten.Irgendwann muss ich die mal aufzeichnen, wenn es da ein konkretes Thema zu gibt. Ich hatte ja parallel mit der Herrensahne auch bei manchen Anthologien mitgemacht, Panik Elektro zum Beispiel. Und das waren dann eher Kurzgeschichten, die ich dann auch in Sperrbezirk zusammengefasst habe. Das war eigentlich mein erstes Buch, oder das zweite dann mit Scoot Riders.
Naja, aber da dachte ich, vielleicht macht irgendwann mal jemand eine Anthologie zum Thema Krieg oder so. Dann kann ich da eine dieser Geschichten erzählen. Aber als mein Vater dann gestorben ist, fiel mir auf, dass ich jetzt der Letzte bin, der diese Geschichten, die er mir erzählt hat, weitererzählen kann. Wenn meine Tochter mal fragt oder so.
Und da entstand so ein Druck eigentlich. Das machte mir ein bisschen Sorgen. Weiß ich denn überhaupt alles? Also ich hatte vorher so ein Gespräch mit ihm geführt und das hatte ich auf einer Zugreise aufgenommen. Da war ich ganz glücklich drüber und hatte das auch mit meiner Mutter geführt.
Weil ich das irgendwie schon so geahnt habe. Es wäre mal ganz gut, dass alles so in chronologischer Reihenfolge, sofern man das bei meinem Vater sagen kann, der ist schon auch immer gerne von Höckschen aufs Stöckchen gekommen.
Aber ich hatte es halt parat, total schlechte Audioqualität, aber es war halt da irgendwie. Und dann habe ich gedacht, so jetzt beschäftige ich mich mal damit.
Und dann tauchte aber parallel in einem Nachlass von meinem Vater wahnsinnig viel Material auf. Eben Briefe, die der mal in diesem Gespräch erwähnt hat. Die müssen wir uns mal angucken Aber auch Fotoalben. Vieles wurde dann bestätigt, was mein Vater mir erzählt hat, aber ich kriegte dann halt auch wirklich einen tiefen Einblick in diese Familie.
Fotos von Leuten, von denen ich gehört hatte, aber ich wusste gar nicht, wie die aussahen. Das hat ganz schön was katalysiert. Und mein Vater ist gestorben und ich war mittendrin, Fahrradmod fertig zu machen. Ich hatte also eigentlich ein ganzes Jahr keine Zeit, um zu trauern. Und irgendwie wurde das immer bewusster, dass ich mich da mit meinem Vater beschäftigen muss.
Und dann bin ich halt eine Woche weggefahren in unser altes Ferienhaus, hab die ganzen Dokumente mitgenommen und hab das alles gesichtet. Und das hat mir auch so gut getan. Ich hab nur in meinem Kopf gelebt. Also, ein Urlaub ganz ohne Familie, aber mit meiner alten Familie. Das finde ich immer noch als einen der schönsten Urlaube sozusagen, auch wenn man es heutzutage Workation nennen würde, meines Lebens.
Also ja, das hat wirklich gut getan, sich nur mit sich selber zu beschäftigen, wo man herkommt. Naja, und dann habe ich irgendwann angefangen. Jetzt muss ich daraus eine Geschichte machen. Also das war eine ganz logische Konsequenz und die dann allerdings immer weiter gewachsen ist, weil ich immer neues Material fand.
Ich fand dann auch, manche Sachen muss ich erklären, wobei ich auch nicht alles erklären möchte. Aber von den Hintergründen und so weiter und was sich in dieser Zeit alles abgespielt hat. Naja, und parallel habe ich mich auch mit der Geschichte meiner Mutter beschäftigt. Da tauchte ein Tagebuch auf von meiner Großmutter und ich dachte, das ist auch eine Geschichte, die also in der Nachkriegszeit unter sowjetischer Besatzung, das ist auch eine Zeit, die nicht so viel erzählt worden ist.
Aber wenn ich mich jetzt nur darauf stürze, dann haben wir wieder so ein Narrativ von wegen, ach ja, da können die Deutschen sich auch wieder so ein bisschen entschuldigen. Seht ihr, die anderen waren ja auch so schlimm. Deswegen dachte ich, man muss eigentlich beides erzählen. Weil eben diese sowjetische Besatzung natürlich eine Konsequenz ist aus dem Naziterror und den Angriffskriegen, die Nazi-Deutschland geführt hat.
Na, also und dann wurde das halt immer größer wie gesagt. Vier Jahre habe ich mich dann so on and off damit beschäftigt. Viel gelesen. Viele Briefe transkribiert. Das hat wahnsinnig lang gedauert. Da hatte ich aber auch Hilfe dabei. Und dann irgendwann angefangen zu schreiben und Storyboard machen. Das hat vier Jahre gedauert. Bis ich dann kurz vor Corona angefangen habe, wirklich zu zeichnen. Und dann hatte ich natürlich abends auch immer ganz gut was zu tun. Ja.
Franziska:
Ich kann das total nachvollziehen, dieses Bedürfnis, die eigene Geschichte auch besser kennenzulernen. Und ich glaube, das ist ja auch so ein typisches deutsches Phänomen. Also ich kann es nur für mich selbst sagen, aber ich weiß, dass es in meiner Familie schon auch diverse Geheimnisse gibt, über die halt niemand gesprochen hat.Und ich finde es auch total tragisch. Vor zwei Tagen, glaube ich, war das. Was ist heute? Heute ist Freitag. Am Dienstag ist die Schwester meiner Oma gestorben. Meine Oma ist hoch dement. Und die können das halt einfach nicht mehr erzählen. Und die nehmen diese ganzen Geheimnisse jetzt mit ins Grab. Und das macht mich total traurig, weil ich auch sehen kann, dass das ja auch so, es sind ja auch so Staffelstäbe, die weitergegeben werden. Und wenn man die Geschichte dazu nicht weiß, ist der Staffelstab so unsichtbar.
Tobi:
Und trotzdem ist das Bedürfnis da.Franziska:
Ja, und es ist so tragisch.Tobi:
Es ist sehr tragisch.Franziska:
Ich finde es total toll, dass du das gemacht hast, weil ich glaube schon, dass es auch einfach anderen helfen kann. Vielleicht kann man da nicht die eigene Geschichte kennenlernen, aber zumindest gibt es da ja einfach ganz viele Parallelen.Tobi:
Ja, also das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen auch mit dem Buch. Also auch bevor das Buch raus war, habe ich das schon gesagt. Fragt, fragt fragt. Solange ihr noch könnt. Erst mal ist das auch etwas, was die Generationen dann wieder verbindet.Ich weiß das ja auch als Vater, dass man für die Kinder vor allen Dingen derjenige ist, der für sie sorgt. Aber was man für eine Person dahinter ist, das interessiert einen gar nicht so sehr. Bis man irgendwie selber Kinder hat. Oder in ein Alter kommt, wo man sich damit beschäftigt. Warum bin ich eigentlich so, wie ich bin? Was waren denn die Einflüsse dafür? Warum haben mich meine Eltern so erzogen, wie sie mich erzogen haben?
Daraus entstehen ja dann auch ganz neue Fragen. Wie sind die denn eigentlich aufgewachsen? Welche Ängste hat deren Leben bestimmt? Was hat die glücklich gemacht? Und das ist, wenn man solche Fragen an seine Eltern stellt, dann merkt man, schlägt einem auch eine gewisse Dankbarkeit entgegen. Natürlich sind sie nicht nur Eltern, sind auch Personen mit Träumen gewesen und Ängsten. Oder noch immer, natürlich. Und das verbindet einen dann auch.
Und wie wichtig das ist, ist mir jetzt auch wieder aufgefallen. Ich bin ja jetzt nach Vancouver eingeladen gewesen für ein anderes Projekt. Da haben wir dann mit Indigenen gesprochen. Da von Turtle Island, dem Indigenen aus der Ecke. Und ja, wie wichtig das innerhalb dieser Kultur ist, das Wissen, was sie mitbekommen haben von ihren Eltern und Vorfahren, das aufzubewahren, also weil das ist ein kollektives Wissen und sind kollektive Fertigkeiten. Die geben wir weiter.
Ich selber bin gar nicht so wichtig. Ich bin nur der Transmitter, um das den Generationen nach mir weiterzugeben. Die denken sieben Generationen vorher, sieben Generationen nachher. Und wirklich wunderschön finde ich das.
Und das bedeutet natürlich auch einen ganz anderen Umgang mit ihrer Umgebung, mit The Land. Das wird halt nicht ausgebeutet, weil wir brauchen das ja noch für die danach.
Aber da habe ich dann auch wieder so Rückschlüsse für meine Arbeit rausgezogen. Was eigentlich, wenn das Wissen oder das, was unsere Vorfahren gemacht haben, ein Riesenhaufen Scheiße gewesen ist? Auf Deutsch gesagt. Ja, und was macht das dann mit uns?
Das sieht man ja, dass Leute da auf Teufel komm raus das nicht akzeptieren wollen, das nicht in ihrem Leben haben wollen und sich da in irgendwelche Fantasien flüchten. Auf der anderen Seite gibt es immer noch dieses Bedürfnis von unseren Vorfahren zu lernen. Wir können ja auch was aus dem Negativen lernen. Aber wenn da gar nichts drüber gesprochen wird, dann ist man so lost.
Franziska:
Ja.Tobi:
Und dieses Schweigen, was diese Generation so ausgezeichnet hat, hat auch bei uns unglaublich viel angerichtet, glaube ich.Franziska:
Ja, das glaube ich auch. Dieses Schweigen ist so eine ganz ungesunde Mischung aus Schuld, Scham, Trauma. Und die Schuld ist ja auch ein total berechtigtes Gefühl. Aber dadurch, dass sich das so vermischt. Scham ist ja einfach sehr verheerend für jeden Menschen Ja.Tobi:
Aber gleichzeitig muss man natürlich auch immer die Situation von damals irgendwie auch mit einrechnen, dass man eine neue Gesellschaft aufbauen wollte. Die Leute hatten überhaupt gar nicht die Möglichkeit, sich in die Ecke zu setzen und mal über ihre Missetaten nachzudenken. Sondern sie mussten weiterhin Essen auf den Tisch bringen und ihr Haus war zerbombt, womöglich.Und gleichzeitig musste eine neue Gesellschaft, ein neuer Staat, aufgebaut werden. Das spielt natürlich auch eine Rolle. Und dadurch sind natürlich auch viele Leute, die wirklich Dreck am Stecken hatten, dann auch wieder in hohe Positionen gekommen.
Diese ganze Aufbearbeitung, das zeigt ja, dass die Generationen selber sich da gar nicht so mit beschäftigt haben, ging ja eigentlich erst mit den Studentenprotesten in den 60er Jahren erst los.
Franziska:
Ja, du hast total viel recherchiert und du warst in ganz vielen Archiven und hast ganz viele Dokumente gesammelt. Wie bist du denn vorgegangen? Also wie wurden denn aus diesen ganzen Fakten die Geschichte, die du erzählt hast.Tobi:
Wenn ich jetzt auf die Archive immer gewartet hätte, dann hätte das noch viel länger gedauert. Also es gibt wirklich sehr viele Anfragen, was ja gut ist. Da hat es zu wenig Leute, die das bearbeiten können. Corona hat es natürlich auch komplizierter gemacht. Aber was ich halt rausgekriegt habe, was ich aus den Briefen hatte und dann auch später dann noch mit den Ergebnissen aus den Archiven, als sie dann ankamen, gemacht habe, ist, alles in einen Zeitstrahl zu gießen.Auch die kleinsten Ereignisse, Brief aus Molensk oder eben Karl heiratet Lissi. All diese Ereignisse habe ich gesammelt. In einer sehr praktischen App. Aeon heißt sie, Aeon Timeline. Also das kann man sowohl für Projektplanung nutzen, aber auch eben beispielsweise für eine, für ein Szenario oder für ein Drehbuch. Du kannst diesen Zeitstrahl machen mit allen Ereignissen, kannst dir aber auch verschiedene Farben geben, wenn es das eine ist, in der einen Familie, das andere ist in der anderen Familie. Dann machst du aber auch parallel noch die historischen Ereignisse, die größeren, aber auch die regionalen. Der Pfingstangriff auf Düsseldorf beispielsweise. Und du kannst dann aber auch diese Ereignisse mit Protagonisten verknüpfen, die kannst du dann halt auch etablieren und kannst denen auch eine Lebensspanne geben. Das heißt, du siehst dann auch immer genau, also kannst du dann sagen, okay, dieses Ereignis haben die und die Leute erlebt. Die verknüpfe ich dann mit dem Ereignis, aber auch mit einem Ort, und dann sehe ich sofort, dass mein Vater während der Pogrome sechs Jahre alt war und dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der diesen Moment, was er beschreibt, dass er die knirschenden Glassplitter unter seinen Schuhen bemerkt hat, dass das wahrscheinlich auf seinem Schulweg passiert ist.
So kann ich dann wieder Rückschlüsse ziehen. Das ist jetzt ein ganz einfaches Beispiel, aber gibt es natürlich auch komplexere. Und das war wahnsinnig hilfreich, auch um die Übersicht zu behalten. Und dann macht man daraus quasi so, jetzt streiche ich hier quasi alles raus, was für die Handlung nicht besonders wichtig ist.
Und dann hat man schon so einen ganz groben Ablauf von der Geschichte eigentlich. Das war wahnsinnig hilfreich. Und dann, das sind ja dann so, kann man sagen, Szenen. Die arbeite ich dann quasi aus. Und das kann ich nicht irgendwie so zwischendrin machen. Da muss ich, wie gesagt, wieder in so einen verlassenen Ort fahren, so ein Häuschen mitten im Wald am besten.
Und lebe dann echt eine Woche nur in meinem Kopf und schreibe das dann alles auf. Und ein bisschen Recherche nebenher noch. Und daraus dann entsteht dann das Storyboard und irgendwann die fertigen Zeichnungen, die Seiten.
Franziska:
Wie ist das bei dir? Zeichnest du das Storyboard komplett durch und beginnst dann irgendwann sozusagen mit der finalen Zeichnung? Oder wie dynamisch bleibt das Ganze?Tobi:
Ziemlich, glaube ich. Also ich würde das sehr gerne so machen. Das wäre natürlich auch sehr hilfreich für Verleger und so. Okay, so viele Seiten werden das jetzt. Aber es ist sehr dynamisch bei mir. Also ich merke dann auch manchmal, dass ich da ganz am Ende noch, dass da noch was fehlt.Beispielsweise ich dachte, ich hätte mein Buch fertig Ende 2000. Also wir haben jetzt 2024, 2023. Ende 2022 dachte ich, ich habe alles gezeichnet. Wobei dann noch alles nicht koloriert war, aber so die Seiten sind gezeichnet. Und dann habe ich aber gemerkt, hier fehlt noch was. Dann tauchte noch ein sehr wichtiger Brief von Eberhard auf. Und dann habe ich echt noch 30 extra Seiten gezeichnet, die ich mittlerweile sehr wichtig finde. Die ich dann auch in der Lesung beinahe komplett abbilde, weil das doch wichtig ist für den Handlungsablauf, aber auch für die Hintergründe.
Ja, und so habe ich das Gefühl, dass es sowieso eigentlich immer noch weitergeht. Man weiß sowieso immer noch nicht alles und wenn jetzt noch neue Fakten auftauchen sollten, ja, was mache ich dann damit? Das wird dann spannend.
Das Buch war schon in der Lito und dann schickte mir das Stadtarchiv Wesel noch eine Information über meinen Großonkel, der eine Arztpraxis hatte in Wesel. Und ich wusste so gut wie nichts über den, aber dann sagten die, ja, aber diese Praxis, die hat vorher einem jüdischen Arzt gehört.
Franziska:
Oh.Tobi:
Das ist ja interessant. Und dann sagten die, ja, wahrscheinlich haben die sich irgendwie geeinigt. Es ist nicht in das Schlimmstmögliche passiert. Der Herr Dr. Falkenstein ist auch erst mal nach Köln gezogen. Das beruhigt einen natürlich so. Es ist nicht geraubt worden, was aber natürlich Unsinn ist. Natürlich ist da jemandem eine Lebensgrundlage geraubt worden und mein Großonkel hat dann davon profitiert.Die Praxis lag direkt gegenüber von einer Kaserne. Das ist ein Goldesel sozusagen. Aber was einen beruhigt hat, dann immerhin, ist, dass dieser Arzt und seine Familie, die sind dann ausgewandert nach Amerika und haben überlebt. Wobei zwei seiner Brüder, wenn ich das richtig erinnere, in Auschwitz gelandet sind.
Da stößt man dann auch wieder auf die nicht so schönen Fakten. Ich habe dann Carlsen quasi angefleht, können wir das irgendwie, wenn es nur über eine Sprechblase ist, kurz noch thematisieren. Und dann haben sie gesagt, natürlich, machen wir sofort.
Also das fand ich dann auch super, dass Carlsen da auch sehr flexibel gewesen ist. Also es ist wirklich nur eine Sprechblase. Ich konnte hier keine Seite mehr umzeichnen oder so, aber das ist dann immerhin drin. Also naja, und so sieht man halt, wie dankbar man auch diesen Institutionen sein muss, die sich nur damit beschäftigen, solche Informationen durchzureichen. Das ist wirklich viel wert.
Franziska:
Weil du es gerade erwähnt hast, ab wann war denn Carlsen als Verlag involviert in deinem Projekt? Also bis wann war es ein freies Projekt und ab wann war klar, das Buch kommt bei Carlsen aus?Tobi:
Eigentlich relativ spät Also die waren schon sehr interessiert, eigentlich auch während des ganzen Prozesses. Und da war halt auch Corona ein bisschen so ein ... Hindernis, wollte mich immer mit Klaus treffen und über das Projekt sprechen, aber das war halt eben sehr lange Zeit nicht möglich, aber ich wollte das nicht abwarten, habe halt die ganze Zeit daran gearbeitet.Und dann am Ende ging es noch mal darum, wer betreut das jetzt eigentlich wirklich. Und das gab dann noch ein bisschen hin und her. Und jetzt haben es also am Ende Annina Brell und Klaus Schikowski zusammen gemacht. Das war ein ziemlicher Ritt. Es musste dann alles sehr schnell gehen und da habe ich also wirklich das letzte halbe Jahr, also so eigentlich von Ende September bis März durchgearbeitet, ohne ein Wochenende. Außer Weihnachten. Und ziemlich wenig geschlafen, aber das hat ja funktioniert. Und es war sehr intensiv, aber es passierte tatsächlich erst sehr spät.
Wobei ich natürlich auch immer mal Leuten gezeigt habe. Also PDF und dann die Rückmeldungen waren auch echt wichtig. Also beispielsweise vom Christoph Weber, Geschichtslehrer, der auch mir bei dem Glossar geholfen hat. Solche Eingaben waren dann immer auch schon während des Prozesses auch sehr wichtig.
Franziska:
Du hast es ja gerade schon so angedeutet. Columbusstraße hat 528 Seiten. Ich habe extra nachgeguckt. Wie hast du das hinbekommen, zeitlich? Wie hast du das gemacht?Tobi:
Ja, strenge Disziplinen. Da gehen halt andere Sachen für drauf. Das kann man nicht anders sagen. Ich arbeite ja auch als Illustrator und Corona war nicht eine Zeit, wo bei mir alles liegen geblieben ist. Also das gab es mal kurz. Aber dann haben halt viele meiner Auftraggeber*innen auch das Geld, was sie sonst anders ausgegeben hätten, für andere Sachen ausgegeben. Beispielsweise für Illustrationen.Also da kam schon noch ein bisschen was. Also ich war sehr beschäftigt aber ich hatte mir halt vorgenommen, wusste ja noch gar nicht, wie groß wird das Buch. Ich glaube, das hilft mir auch, dass ich es anfangs noch nicht weiß, wie viel es wird. Sonst würde ich vielleicht gar nicht anfangen. Ich habe mir halt vorgenommen, drei Seiten pro Woche. Das muss sein. Das ist auch in meiner Arbeitsweise ohne Kolorierung auch ohne Weiteres zu schaffen.
Weil ich abends vom Fernseher arbeite dann. Also die Familie hat sich dann irgendwelche Talkshows angeschaut oder irgendwelche Flirtshows, die Mädels. Und ja, ich habe dann da die ganze Zeit gesessen und gezeichnet.
Und habe aber, wie gesagt, was andere Leute dann abends machen, Serien gucken oder Filme gucken, das habe ich halt die ganze Zeit beinahe nicht gemacht. Ab und zu mal irgendwas, wenn ich es wirklich unbedingt sehen wollte. Aber das fiel halt alles so bisschen weg.
Aber der große Vorteil, ich habe das ganze Buch ja nahezu auf dem iPad gezeichnet bis auf die ganz großen Seiten, also Doppelseiten, wo ich mit noch mehr Ebenen arbeiten musste. Sonst habe ich das eigentlich, wie gesagt, auf dem iPad gemacht. Was sehr praktisch war.
Also da konnte ich eben immer noch neben meiner Familie sein und war nicht so weg. Konnte immer noch ab und zu mal einen Kommentar eingeben Wenn wieder Quatsch erzählt wurde in den Talkshows.
Franziska:
Ich kann es mir total gut vorstellen. Ja.Tobi:
Ob es ein schönes Bild ist, da sitzt einer, gekrümmt, am anderen Ende des Sofas und redet von schlimmen Zeiten. Opa erzählt wieder vom Krieg. Aber wie gesagt, auch mal an dieser Stelle, ohne die und deren Sport hätte ich das nicht geschafft. Und deren Geduld halt.Also, dass sie das auch als wichtig erachten und akzeptieren. Und meine Frau hat das die ganze Zeit nicht gelesen. Also, sie wollte das abwarten bis es als Buch da ist. Und ich dachte, oh Mann, wenn die das schlecht findet, dann wird sie sich fragen, warum haben wir jetzt so viel unserer gemeinsamen Zeit dafür aufgenommen. Aber sie hat gesagt, sie ist Fan. Also insofern ist das beruhigend.
Franziska:
Voll gut. Ja, das wäre jetzt auch so meine nächste Frage, weil so große Projekte ... also wie siehst du das denn? Aber meine Erfahrung ist, bei diesen großen Projekten ist ja das Durchhalten eine der Hauptaufgaben. Also das wird ja, am Anfang ist es leicht, wenn die Motivation hoch ist. Aber spätestens nach so ein, zwei Jahren wird es dann irgendwann ziemlich zäh. Und dann halt acht Jahre, oder wie viel war das jetzt, wann hast du angefangen?Tobi:
Ja, vier Jahre Recherche, gut, das war so on and off, aber die vier Jahre durchzeichnen, das braucht natürlich echte Disziplinen.Franziska:
Ja, wie machst du das, wie hältst du durch?Tobi:
Ich glaube, die Antwort ist ganz einfach. Also ich habe das die ganze Zeit als enorm befriedigend empfunden. Also es ist halt, ich glaube, wenn das ein Auftragsprojekt gewesen wäre, hätte ich mehr Pausen gebraucht oder eine sehr gute Bezahlung, aber weil es zu viel mit mir zu tun hat und weil es auch irgendwie, weil ich mich eigentlich die ganze Zeit mit meinem Vater beschäftigt habe, mit meiner Familie und diesen ganzen Dingen, womit wir jetzt auch wieder zu tun haben, das auch als einen gesellschaftlichen Beitrag sehe, der nötig ist, das hat mich irgendwie so durchgezogen.Wie gesagt, auch in dieser letzten Phase, als das echt, echt anstrengend war, habe ich das immer noch gerne gemacht. Am liebsten würde ich nichts anderes machen, weil es wirklich eine sehr befriedigende Arbeit ist. Also gut, also wenn ich wirklich meinen kompletten Alltag mit Krieg und Not gestalten würde, dann würde mir da irgendwie natürlich schon auch was fehlen.
Meine Auftragsarbeiten sind ja meist komplett was anderes. Aber wie gesagt, es war eine große Befriedigung. Das ist natürlich umso schöner, dass das jetzt so angenommen wird und akzeptiert wird und also, dass ich da irgendwo richtig gelegen habe. Also, auch wenn man das jetzt nicht irgendwie über den grünen Klee loben möchte, ich finde immer noch natürlich auch viele Sachen, die ich vielleicht auch anders machen würde heute. Aber nee, das ist natürlich schon schön und beruhigt einem zumindest.
Franziska:
Ja, es ist halt sehr sinnstiftend. Und ja, ich kann es total nachvollziehen. Ich finde es auch total schön, wie du das beschreibst.Tobi:
Aber es ist tatsächlich so, dass man irgendwann, also gerade wenn man so sehr tief in einem Projekt drin ist und man das Ende noch nicht sieht, also der Mikael Ross, Kollege von uns, der ja auch ganz tolle Bücher macht, hat das mal gesagt, es ist eigentlich wie wenn man über einen Ozean schwimmt.Eine Weile sieht man noch, wo man hergekommen ist. Man sieht das Ufer, das hinter einem liegt. Auch alle Begründungen, warum man irgendwie angefangen hat. Aber irgendwann ist man mittendrin. Dann sieht man ja auch das andere Ufer noch nicht. Und dann fragt man sich, schwimme ich denn eigentlich in die richtige Richtung? Was mache ich hier?
Vielleicht hilft es dann einfach ein bisschen zurückzublättern und zu gucken, was habe ich bisher geschafft? Ja, im Idealfall ist es immer noch das, was man machen wollte und dann trägt es einen, glaube ich, weiter auch.
Franziska:
Und ich kann mir vorstellen, dass jetzt einige, die zuhören sich fragen, wie ist das denn wirtschaftlich? Also bei einem Buch ist es ja üblicherweise so, dass man vielleicht eine Vorauszahlung kriegt, aber die wird dir ja nicht die acht Jahre Vorarbeit finanziert haben. Wie hast du das gemacht?Tobi:
Naja, die Vorauszahlung wurde mir immer in Aussicht gestellt, aber dann habe ich halt gesagt, ja, das ist ja gut und schön, ist auch ein schöner Betrag, aber damit komme ich halt nicht so lange hin, wie ein Buch dauert, bei Weitem nicht.Ich muss halt nebenher meine Auftragsarbeiten machen. Ja, das bedeutet dann halt eigentlich, dass man zwei Jobs hat. So ist es de facto. Also tagsüber bin ich der, wenn man es mal despektierlich sagen möchte, Erfüllungsgehilfe. Meine es aber nicht so. Ich mache das auch sehr, sehr gerne und finde es auch total schön mit einem Kunden oder einer Kundin zusammen, deren Vision dann so auszuarbeiten und das, was sie sich vorstellen, finde ich wahnsinnig interessant.
Weil ich, wie gesagt, mein eigener Fokus ist ja auch begrenzt. Dadurch finde ich es auch ganz schön, wenn ich dann immer mal so ganz andere Themen irgendwie in mein Blickfeld komme. Oder beispielsweise beim WWF, was ich dann über unsere schöne Tierwelt so alles lerne. Das ist alles echt sehr angenehm. Aber dann muss man halt das dann abends machen in der übrig bleibenden Zeit.
Wenn man dann so sagt, ich gucke mal, wann ich wieder Zeit habe dafür, dann wird das nichts. Und auch wenn ich jetzt gesagt hätte, okay ... ich tue jetzt mal so, als ob ich eine Lehrstelle hätte oder irgendwas und ich mache das am Freitag immer nur, dann hätte das auch noch viel länger gedauert, auch weil man dann immer wieder rauskommt.
Es gäbe wahrscheinlich verschiedene Möglichkeiten, sich da Finanzieller irgendwie abzusichern. Aber habe mich leider nicht um Stipendien beworben. Das heißt, um eins habe ich mich wohl beworben. Die Leibinger Stiftung. Da habe auch ziemlich viel Geld reingesteckt. Geld, schön wäre es. Andersrum soll es ja sein.
Ziemlich Zeit reingesteckt. Auch ein großes Exposé geschrieben und so weiter. Was ich damit alles will und so. Aber ich glaube auch, dass ich da vielleicht die Jury ein bisschen erschlagen habe mit meinen 300 Seiten, die ich denen da geschickt habe. Weiß ich nicht. Also hat nicht funktioniert. Die logische Konsequenz wäre eigentlich, mich um Stipendien zu bemühen.
Vielleicht auch von Stiftungen, also, der Erinnerungsarbeit. Ich bin aber so ein Typ, der scheut Papierkram sehr. Und ich denke dann immer, also es ist halt wirklich dumm, kann ich nicht anders sagen, aber ich sage dann echt, ich zeichne da lieber eine neue Seite. Aber das ist wirklich blöd. Es ist auch im Interesse meiner Familie. Blöd.
Ich muss mich da jetzt mal mit auseinandersetzen. Ich will ja noch einen Nachfolger machen und da geht es jetzt darum, doch mal vielleicht hier und da anzuklopfen. Vielleicht hilft es ja, dass das Buch jetzt auch eine gewisse Verbreitung erfahren hat und das Thema des Nachfolgers im Zuge unserer gemeinsamen, also der gesamtdeutschen Erinnerung, finde ich das auch, wichtig ist. Und vielleicht gibt es da was.
Oder vielleicht hört ja irgendein Mäzen oder eine Mäzenin diesen Podcast. Die können sich auch gerne bei mir melden, wenn sie nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Ich hätte da Verwendung für.
Franziska:
Ja, Stipendien sind ein guter Hinweis, aber ich finde, das ist ja auch immer so ein bisschen die Krux. An dem Buch, an dem ich gerade arbeite, habe ich auch ein Stipendium bekommen. Über 7000 Euro. Und das klang im ersten Moment total toll.Aber es war einfach nicht genug, damit ich mir wirklich Zeit dafür nehmen konnte. Ich musste immer die ganze Zeit parallel arbeiten. Und am Ende habe ich das Geld zurückgegeben, weil ich es nicht hingekriegt habe, diese Balance zu finden zwischen am Buch arbeiten und Auftragsarbeit.
Tobi:
Ja, das ist halt auch die Frage. Was erwarten die von einem. Also für dieses Stipendium.Wenn die sagen, so, wir wollen das jetzt aber in einem halben Jahr fertig haben, sage ich, ja, aber okay, euer Geld reicht vielleicht so weit, aber damit kann ich immer noch nicht meine Familie ernähren. Also ich kann ja jetzt auch nicht all meine Verpflichtungen, die ich gegenüber anderen Kund*innen habe, absagen.
Franziska:
Ja genau. Das ist ja das Ding. Man kann ja nicht einfach so auf Pause drücken und die ganzen Sachen kurz stoppen. Die kommen ja die ganze Zeit rein.Tobi:
Ja, also wie gesagt, das ist, finde ich, auch echt eine Schwierigkeit. Aber da muss man halt, glaube ich, wenn die ihre ganz starren Statuten haben, dann funktioniert das halt eben nicht. Aber wenn es halt ein bisschen flexibel ist, dann schon.Was ich jetzt zum Beispiel eine super Initiative finde, ist dieses, weiß gar nicht, da kriegt man ein monatliches Gehalt. Das finde ich super. Also für ein Jahr. Hat eben besagter Mikael Ross, glaube ich, auch gekriegt. Aber da falle ich dann schon wieder raus.
Weil ich zwar Deutscher bin, aber in den Niederlanden wohne. Also das ist auch so ein Ding, wo vieles für mich einfach gar nicht in Frage kommt.
Franziska:
Ja, du hast ja gerade schon gesagt, du machst Auftragsarbeit. Was machst du denn neben Comics? Also was sind denn so deine verschiedenen Standbeine?... Am 17. Oktober 2024 geht es hier weiter mit Teil 02 des Interviews.
So, das war der erste Teil des Interviews mit Tobi Dahmen. Nächste Woche geht es weiter mit Teil 2, in dem dir Tobi Einblick in seine Positionierung und seine Akquisekanäle gibt.
Apropos: Wenn du nächste Woche auf der Buchmesse bist, dann gibt es wirklich viele Veranstaltungen zu »Columbusstraße«. Du kannst zum Beispiel Tobi persönlich treffen am Messe-Mittwoch am IO-Stand. Dort gibt es eine Signierstunde. Oder am Carlsen Stand oder am Freitag Abend auf einer kostenlosen Lesung der Open Books, dem Frankfurter Lesefest. In den Shownotes findest du eine Auswahl von Terminen.
Für heute hier noch zwei Fragen an dich:
Hast du denn ein Herzensprojekt, das du umsetzen möchtest? Was daran motiviert dich so sehr, dass du so viel Befriedigung und Zugkraft darin findest, um jeden Tag weiterzumachen? Und kannst du dir das Arbeiten vielleicht etwas leichter machen oder einen Kompromiss finden, der es dir erlaubt, Dinge miteinander zu verbinden? Zum Beispiel das abendliche Zeichnen auf dem Sofa?
Ich bin gespannt, wie es dir mit den Impulsen des Interviews geht. Lass es mich wissen. Ich bin neugierig. Gern auf Instagram unter @diegutemappe oder auf Linkedin. Dort findest du mich unter Dr. Franziska Walther. Und wenn du danke sagen möchtest für den Podcast, dann schenk dem Podcast eine positive Bewertung. Das dauert 2 Sekunden. Oder leite die Episode an eine befreundete Person weiter, die sich auch für Comics interessieren. Dann unterstützt du deine Freund*innen – und den Podcast. Ganz lieben Dank dafür.
Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe, wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska
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Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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