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11. Dezember 2025

2025 war unbequem, schön und überraschend – mein ehrlicher Rückblick als Kreative

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Zwischen Erfolg, Erschöpfung und Neugierde – was ich aus einem intensiven Jahr in der Kreativbranche mitnehme

 

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Weitere Informationen

 
Dieses Jahr war eine Achterbahnfahrt. Unbequem, überraschend, berührend. In dieser Episode teile ich, was 2025 mich gelehrt hat – als Illustratorin, Designerin, Autorin, Dozentin und Podcasterin. Vielleicht erkennst du dich wieder. Und vielleicht hilft dir diese Folge auch dabei, dein eigenes Jahr bewusst abzuschließen und deine nächsten Schritte klarer zu sehen. Eine Einladung zur Reflexion – ohne Perfektionsanspruch, aber mit Neugier und Haltung.

🌿 Darum geht es in dieser Folge:

  • Warum ich Erfolge schneller vergesse als Kritik
  • Wie Medien- und Input-Überflutung meine Kreativität beeinträchtigt hat
  • Warum der kreative Prozess selbst nach Jahren noch anstrengend bleibt
  • Wie Erfahrung plötzlich wie ein Korsett wirken kann
  • Wieso Neugierde mein wichtigstes Werkzeug bleibt
  • Und warum Pausen keine Unterbrechung, sondern Teil der Arbeit sind

📣 Erwähnte Ressourcen & Links

 
Das Ende von 2025 ist zum Greifen nahe. Wir sind ja jetzt schon in der Mitte des Dezembers angekommen. Deshalb lade ich dich heute ein, das Jahr mit mir zusammen Revue passieren zu lassen und für dich zu notieren, was du geschafft und gelernt hast – und ich teile mit dir, was ich gelernt habe.

Dazu erzähle ich dir heute meine wichtigsten 4 Erkenntnisse aus den letzten 12 Monaten und was ich zum Thema Unternehmensaufbau, kreativer Prozess, Personenmarke und zur Arbeit in der Kreativwirtschaft gelernt habe.

Nimm dir gern einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand, damit du aufschreiben und dokumentieren kannst, was dir beim Zuhören zu deinem Jahr einfällt. Und dann geht’s auch schon los. Let’s go!
 

Herzlich willkommen im Portfolio-Podcast mit Dr. Franziska Walther

Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit gut zu dir passende Aufträge akquirierst und wie du gleichzeitig dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt. Auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt.

Ich bin Franziska Walther und jetzt geht’s los.
 

Warum ein Jahresrückblick wichtig ist – besonders für kreative Selbstständige

Ein Jahresrückblick ist für kreative Selbstständige wertvoll, weil er hilft, den eigenen kreativen Prozess, die Positionierung und das kreative Business bewusster zu steuern. Statt im Alltagsstress unterzugehen, schaffst du dir einen klaren Blick auf Erfolge, Herausforderungen und Wachstum. Ein regelmäßiger Jahresrückblick unterstützt Illustrator*innen und Designer*innen dabei, ihre kreative Selbstständigkeit strategisch auszurichten, Prioritäten neu zu setzen und stärker mit der eigenen Motivation in Kontakt zu kommen.
 

Learning #1: Erfolge sichtbar machen statt vergessen

Lass uns dazu zu allererst mit Konfetti beginnen. Beziehungsweise mit der Frage: Was hat dieses Jahr gut geklappt? Worauf bist du stolz? Fallen dir da aus dem Stand sofort ein paar Sachen ein, die du aufschreiben kannst? Ja, sehr gut!

Aber vielleicht geht es dir auch wie mir. Dann fällt es dir deutlich schwerer als du dachtest, eine Liste mit Erfolgen aufzuschreiben.
 

Warum ich meine Erfolge vergesse

Denn ja, bei mir ist das so. Ich neige dazu, meine Erfolge schnell zu vergessen. Lieber sprinte ich nach einer durchlaufenden Ziellinie gleich wieder los und fokussiere mich einfach auf das nächste Ziel.

Das sorgt zwar für viel Momentum und viele Ergebnisse, ist aber auf Dauer sehr kräftezerrend und nicht nachhaltig. Weil die Erfolge so nicht zu einer stärkenden Ressource werden können.

Weil es eigentlich nie reicht, weil ja immer schon das nächste Ziel am Horizont wartet.
 

Die »Gute-Worte-Liste«: Ein Tool für Designer*innen und Illustrator*innen

Deshalb nutze ich seit diesem Jahr eine Gute-Worte-Liste, in der ich positives Feedback und Erfolge dokumentiere – damit ich sie nicht vergesse.

Wenn du mir zum Beispiel schon einmal eine positive Nachricht zu einer Podcast-Folge geschickt hast, dann befindet sich diese als Screenshot in genau dieser Liste.

Und ja, wenn ich mal Gegenwind bekomme oder mich Kritik erreicht, dann kann ich ganz schnell einen Blick in diese Gute-Worte-Liste werfen und mich daran erinnern, dass neben dieser ganzen Kritik eben auch ganz viele positive Rückmeldungen bei mir angekommen sind.
 

Der Negativity Bias: Warum wir Lob ausblenden und Kritik speichern

Denn ja, das kennst du ja vielleicht auch. Kritik, Absagen und Misserfolge bleiben oft so viel länger hängen als ihre positiven Gegenstücke. Wir tragen sie so viel länger mit uns herum – sozusagen so lange, bis die Beule wieder verheilt ist. Und das dauert.

Dagegen sind Lob, Zusagen und Erfolge bei vielen Menschen nur Kurzzeit-Gäste. Schwupp – und dann sind sie schon wieder weg bzw. nicht mehr fühlbar.

Schuld daran ist der sogenannte »Negativity Bias« des menschlichen Gehirns. Das ist eine evolutionäre Überlebensstrategie, was bedeutet, dass wir alle damit auf die Welt kommen. Wir können uns das also nicht aussuchen.

Durch den Negativity Bias neigt das Gehirn dazu, negative Sachen intensiver und länger wahrzunehmen als Lob. Denn Kritik ist zwar schmerzhaft, aber eben gleichzeitig auch eine große Motivation für Veränderung und Wachstum.

Dein Gehirn will also eigentlich nur, dass du besser wirst in dem, was du tust, und möglichst viel lernst.

Aber wie so oft ist hier gut gemeint nicht unbedingt gut gemacht. Denn zu viel Fokus auf die Dinge, die schlecht laufen, kostet Kraft.

Dagegen kann der Fokus auf positive Erlebnisse eine kraftspendende und stärkende Ressource sein. Aber eben nur, wenn es dir gelingt, deine Erfolge nicht zu vergessen und diese emotional abzurufen.

Wie gesagt: Mir fällt das echt schwer. Und deshalb brauche ich Hilfe. Die hole ich mir seit diesem Jahr durch meine Gute-Worte-Liste.
 

Die Jahresziele-Liste: Ein Tool, dass die Richtung vorgibt in deiner Selbstständigkeit

Und ja, parallel mache ich auch noch etwas anderes. Wenn du den Podcast schon seit ein paar Jahren hörst, dann weißt du schon, dass ich mir für jedes Jahr eine Jahresziele-Liste schreibe.

Diese schreibe ich üblicherweise in der Silvester-Nacht. Und ich nutze dazu ein großes Blatt Papier, das dann für die kommenden 12 Monate neben meinem Schreibtisch an der Wand hängt. So habe ich meine Ziele immer vor Augen.

Auf der 2025-Jahresziele-Liste stehen ganz konkrete Dinge, wie zum Beispiel: »mindestens 3 Mal als Expertin für Positionierung auf einer großen Bühne stehen« oder »70 Seiten Pony-Buch fertig illustrieren«.

Aber einige meiner Ziele sind auch nicht messbar. Auf meiner aktuellen Liste steht deshalb zum Beispiel auch: »In 2025 bin ich eine Kreative, die positiven Wandel, Selbstbestimmung, Mut und Integrität kultiviert – mit ihren Büchern, im Portfolio-Podcast und in der Portfolio-Akademie.«

Klar muss ich jetzt hier am Ende des Jahres selbst entscheiden, ob mir das gelungen ist – ist ja nicht messbar – aber gleichzeitig war dieser Satz auch im gesamten Jahr der Kompass für meine Arbeit.

Wenn ich mir unsicher war, ob eine Aktion, ein Podcast-Thema oder ein Auftrag zu mir passt, dann konnte ich das mit diesem Satz überprüfen – indem ich mich gefragt habe: Hilft mir dieser nächste Schritt, mehr so zu werden, wie mein Jahresziele-Satz.
 

Nicht alle Ziele müssen erreicht werden

Dieses Silvester-Ritual des Jahresziele-Schreibens mache ich schon seit über 10 Jahren. Und ja, wie jedes Jahr konnte ich über das Jahr einiges auf meiner Jahresziele abhaken. Aber – wie auch in jedem Jahr – habe ich einige der Ziele nicht erreicht.

Das ist aber gar nicht schlimm, denn manches braucht einfach nur etwas mehr Zeit als ein Jahr. Gleichzeitig kann ich, wenn ich dann am 31. Dezember meine neue Liste für 2026 schreibe, überlegen, ob diese noch offenen Ziele überhaupt noch zu mir gehören. Und je nachdem kommen sie dann wieder auf die neue Liste oder eben nicht.

Wenn du Lust hast, dir auch so eine Jahresziele-Liste zu machen, dann nutze gern meine freie Ressource dazu. Die Jahresliste-Vorlage für 2026 kannst du dir zusammen mit einer Anleitung unter https://www.diegutemappe.de/Jahresziele/ für 0 Euro herunterladen.

Und ja, mit diesen beiden Listen hatte ich also zwei konkrete Quellen, mit denen ich beim Jahresrückblick die wichtigsten Konfetti-Momente auflisten konnte.
 

Mini-Reflexionsfrage: Welche fünf Dinge sind dir gelungen?

Und jetzt bist du dran: Schreib du jetzt auch mindestens 5 Sachen für dich auf, die dieses Jahr gut funktioniert haben.

Große Sachen, kleine Sachen. Berufliche Sachen. Private Sachen. Hier ist alles erlaubt. Du bestimmst, was Erfolg für dich bedeutet.

Und ja, beim Erfolge feiern gilt eben nicht: Weniger ist mehr. Beim Feiern gilt: Mehr ist mehr. Erlaub dir, alles aufzuschreiben, was dir einfällt.

Drück kurz auf Pause und schreib los … fertig? Sehr gut!

Und ja, wenn dir das gerade schwer gefallen ist, dann nutze ab jetzt mein Learning #1 des Jahres 2025: Dokumentiere deine Erfolge, am besten visuell, mit Bildern, so dass du sie emotional abrufen kannst und sie auch bei dir bleiben.

Ich mach das übrigens ganz easy-peasy und ohne viel Technik-Brimbamborium mit der Notizen-App auf meinen iPhone.
 

Learning #2: Kreativität braucht Ruhe, Natur und Grenzen

Ok, weiter geht’s. Und wir machen mit etwas weiter, was sogar ein noch schöneres Thema ist. Nämlich mit der Frage: Was hat dich dieses Jahr glücklich gemacht?
 

Medienüberfluss, Weltlage und Kreativblockaden

Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Für uns alle war 2025 eine emotionale Achterbahnfahrt.

Politisch war auf unserem Planeten die Hölle los. Wirtschaftlich war es schwierig. Eine Krise folgte der anderen. Und über all dem hängt gefühlt das Damoklesschwert »Generative KI«, wo keiner so richtig weiß, wie das die Zukunft verändern wird. Und deshalb macht sich Ungewissheit, Verunsicherung und ja, auch Angst, breit.

In so einer anstrengenden Gemengelage geht schnell mal die Balance verloren.
 

Warum deine Kreativität angstfreie Räume braucht

Und das ist problematisch für alle Menschen. Aber für die, die in ihrem Beruf kreativ und innovativ sein müssen, ist das noch einmal schwieriger.

Denn Kreativität braucht angstfreie Räume, um wirken zu können. Wenn wir in einer Stressreaktion gefangen sind, ist es physiologisch nicht möglich, kreativ zu denken.

Bei mir hat sich das Anfang Juni so schwer und belastend angefühlt, dass ich dachte, dass ich ein Burn Out habe. Ich hatte ständig schlechte Laune und die Lust am Machen war – wenn ich ehrlich bin – so gut wie weg. Und ja, ich hab mir wirklich Sorgen deshalb gemacht.
 

Mediale Überreizung erzeugt Stressreaktion

Glücklicherweise ist mir dann aber eine Sache aufgefallen. Denn: Ich hatte seit Januar und mit dem Regierungswechsel in den USA immer mehr Nachrichten konsumiert. Denn ja, es ist ja auch ständig was passiert. Und zwar eine verrückte Sache nach der anderen.

Und so verbrachte ich auf einmal so viel mehr Zeit auf News-Plattformen, in den sozialen Netzwerken, hab Podcasts dazu gehört und YouTube-Video dazu gesehen.

So viel, dass mein Kopf irgendwann total überfüllt war mit der Weltlage – so sehr, dass für meine eigenen Gedanken und Ideen nicht mehr genug Platz war.

Und weil sich das so unangenehm angefühlt hat, hab ich die stillen Momente beim Spazierengehen im Wald dann auch noch mit Podcasts und AudioBooks und noch mehr Input gefüllt, um das unangenehme Gefühl zu übertönen.

Ich hab also die ganze Zeit Informationen in mich reingefüllt.

Nachdem mir das aufgefallen war, habe ich auf den Stopp-Knopf gedrückt. Und eine Nachrichten- und Input-Pause eingelegt.
 

Persönliches Beispiel: Mein Sommer in Finnland

Das war im Juni. Und weil ich ja in Finnland lebe, war das glücklicherweise auch gerade eine der schönsten Zeiten im Jahr. Der finnische Sommer ist ja magisch. Alles blüht. Die Nächte sind weiß. Die Seen und der Himmel sind blau. Und das Wasser ist immer noch so richtig kalt.

In dieser Zeit will jeder eigentlich die ganze Zeit nur draußen sein. Und das hab ich dann auch gemacht. Ich bin viel spazieren gegangen – ohne Input, also ohne Kopfhörer auf den Ohren.

Und: Ich bin morgens nach dem Aufstehen schwimmen gegangen.

Und wenn ich jetzt zurückblicke auf mein Jahr, dann sind vor allen Dingen diese morgendlichen 15 Minuten am See die Momente, die mich am glücklichsten gemacht haben.

Kurz ins Wasser hüpfen. Das kalte Wasser spüren. Mich leicht fühlen. Wieder rausklettern. Ein paar Runden barfuß auf dem Holzsteg laufen und dann 5 Minuten in der Sonne trocknen und mit etwas Glück einer Hummel zuhören, wie sie gerade ihre Morgenschicht beginnt.

In diesen Momenten fühle ich mich lebendig und spüre das Leben – in mir und um mich herum. Und dabei habe ich auch gemerkt, dass der Frieden, der dabei in mich einkehrt, so viel mehr wert ist als alle Erfolge dieser Welt.
 

Reflexionsimpuls: Was hat dich dieses Jahr wirklich glücklich gemacht?

Mein zweites Learning ist also eigentlich nichts Neues, aber ich habe das Gefühl, dass ich es dieses Jahr noch einmal so viel tiefer verinnerlicht habe: Nämlich, dass meine Seele Natur braucht, um gesund zu sein. Und nur wenn meine Seele gesund ist, kann ich auch kreativ sein.

Und mit diesem Gedanken möchte ich auch dich fragen: Was hat dich dieses Jahr so richtig glücklich gemacht? Wobei fühlst du dich lebendig? Und wo findest du Ruhe und Frieden in deinem Kopf?

So, wenn du das jetzt aufgeschrieben hast, dann haben wir uns jetzt schon einmal gefeiert. Und wir haben einen Raum für das Glück geschaffen. Jetzt lass uns noch einmal auf einige Aspekte des kreativen Prozesses schauen.
 

Learning #3: Der kreative Prozess ist nicht linear (und oft unangenehm)

2025 war ja mein viertes Jahr Portfolio-Podcast. 185 Folgen sind in den letzten 4 Jahren entstanden.

Wenn du mir das im Januar 2022 erzählt hättest, damals als ich angefangen hab, dann hätte ich dich bestimmt mit großen Augen und etwas ungläubig angeschaut.

Und ja, mir macht das Podcasten immer noch viel Freude.
 

Sinnhaftigkeit und Selbstwirksamkeit im kreativen Schaffen

Ich mag vor allen Dingen, dass ich tolle neue Menschen kennen lerne. Auch kann ich Themen und Projekte, die mir wichtig sind, mit meiner eigenen Plattform sichtbar machen. Und ich kann am öffentlich Diskurs teilnehmen.

Damit fühle ich mich selbstwirksam und das erzeugt Sinn.

Es hat mich zum Beispiel sehr zufrieden gemacht, dass ich Tim Weiffenbach in den Podcast einladen konnte, um mit ihm mit einer lösungsorientierten Perspektive auf Generative KI in der Kreativwirtschaft zu schauen.

Denn die Stimmung in der Branche dazu war dieses Jahr manchmal echt schwer auszuhalten – und ich wollte zeigen, dass wir als Kreative Handlungsoptionen haben. Und Tim war dafür ein ganz toller Gesprächspartner.
 

Der kreative Prozess erzeugt Wissen

Eine weitere Sache mag ich am wöchentlichen Podcasten auch sehr: Nämlich, dass ich durch das Podcast-Skript-Schreiben jede Woche auch denke. … das klingt so ein bisschen komisch …

Aber ich werde oft gefragt, warum ich die Folgen denn vorschreibe und ob ich nicht einfach etwas zu einem Thema erzählen könnte: so frei Schnauze. Das wäre ja viel weniger zeitaufwendig.

Und ich merke dann: ja, könnte ich. Aber dann würde ich wahrscheinlich immer das gleiche erzählen.

Denn das Schreiben ist ja genauso wie das Illustrieren oder das Gestalten ein kreativer Prozess. In dem geht es nicht nur darum, Wissen in eine Form zu gießen, sondern der Prozess selbst verändert das Ergebnis.

Und ja, mir hilft er beim Denken. Und das mag ich total gerne.
 

Der kreative Prozess: Routine hilft

Jetzt im vierten Jahr bin ich auch so viel gelassener beim Schreiben der Folgen geworden. Ich lege das Podcast-Thema meistens erst am Montag, also drei Tage vor der Episoden-Veröffentlichung fest.

Früher hätte mich das fürchterlich gestresst, weil ich Angst gehabt hätte, dass mir nichts einfällt.
 

Die unangenehme Mitte: Wenn Ideen noch unfertig und chaotisch sind

Aber gleichzeitig hört es auch nicht auf, unangenehm zu sein. Und das ist etwas, was mich dieses Jahr auch überrascht hat.

Denn ich habe lange gedacht, dass das Schreiben irgendwann leichter werden wird. Einfacher. Dass es vielleicht auch mehr Spaß machen wird, wenn mein Handwerk stabiler wird. Und ja, das ist auch so …

Aber jetzt, nach vier Jahren, merke ich eben auch, dass selbst wenn vieles leichter geworden ist – ein bestimmter Teil unbequeme Gefühle ist konstant da im kreativen Prozess.

Beim Schreiben einer Podcast-Folge gibt es immer diesen langen Mittelteil, der wirklich zäh wie Kaugummi und sehr unangenehm ist.
 

Warum Disziplin wichtiger ist als Motivation

Ich hab mich dabei beobachtet, dass ich dieses Jahr ein paar Mal dachte, dass ich irgendwas falsch mache. Weil ich immer in der Mitte des Prozesses Momente hatte, in denen ich gedacht hab: Mist, das wird die erste Folge, die so richtig, richtig schlecht wird.

Das hat sich dann nicht bestätigt, sondern war einfach ein natürlicher Teil des Prozesses. Denn im Mittelteil weiß ich oft nicht, wo ich hinlaufe und das fühlt sich – gerade für so eine Perfektionistin wie ich es bin – ganz, ganz unangenehm an.

Aber ist gleichzeitig auch unglaublich befriedigend, wenn dann am Ende des kreativen Prozesses etwas rauskommt, wo ich merke: ja, das Laufen im Dunkeln, das Weitermachen hat sich gelohnt.

Und dann hab ich mich erinnert an eine Illustration von Christoph Niemann, in der er beschreibt, dass es im kreativen Prozess immer diese Phasen gibt, die weh tun, unkomfortabel sind und echt keinen Spaß machen.

Beim Zeichnen sind die bei mir kürzer als beim Schreiben. Da quäle ich mich nur so lange, bis die Bildidee steht. Und außerdem freue ich mich dann immer schon auf das Kolorieren. Weil ich dann Podcasts hören kann und der Druck weg ist.

Beim Schreiben freue ich mich immer nur, bevor es losgeht und wenn’s fertig ist. Und die Kaugummi-Phase zwischendrin, die ist echt unkomfortabel.

Das ist mein Learning #3: Der kreative Prozess macht nicht immer Spaß. Ganz im Gegenteil. Ein ganz großer Teil des Weges ist äußerst unangenehm. Und das ist normal. Und das wird immer so bleiben.
 

Reflexionsfrage für dich: Wo ist es unkomfortabel und warum?

Und dich möchte ich jetzt fragen: Wie ist das denn bei dir dieses Jahr gewesen? Wie oft fühlt sich dein kreativer Beruf auch nicht gut an und sind vielleicht zumindest einige dieser Phasen diese umkomfortablen Tränentäler im kreativen Prozess?

Ich sag nicht, dass das so sein muss. Es gibt genug andere Dinge in einer kreativen Selbstständigkeit, die unbequem und unkomfortabel sind. Aber ich finde es hilfreich, hier genau zu unterscheiden.
 

Einladung in die Portfolio-Akademie

Und kurze Randnotiz in eigener Sache: Wenn du dir als Illustrator*in und Designer*in Unterstützung bei den businessmäßigen umkomfortablen Sachen wünschst, also zum Beispiel Unterstützung in der Auftragsakquise, beim Positionieren und beim Angebote entwickeln, dann schau dir gern mal mein 14-wöchiges Live-Gruppen-Programm an – die Portfolio-Akademie.

Dort machst du genau das. Du positionierst dich und machst Akquise – aber nicht alleine, sondern zusammen mit gleichgesinnten und ganz tollen Kreativen – und mit meiner Unterstützung.

Die nächste Portfolio-Akademie startet am 3. März 2026 und du kannst dich jetzt schon unverbindlich auf eine Warteliste eintragen. Und ja, es lohnt sich, auf der Liste zu stehen, weil die letzten Male die 30 verfügbaren Plätze innerhalb weniger Tage vergeben waren. Mehr Infos dazu findest du unter www.diegutemappe.de/pa. P wie Portfolio und A wie Akademie.
 

Learning #4: Erfahrung hilft, kann aber auch bremsen

Genau! Und eine weitere Sache ist mir beim Blick auf meinen kreativen Prozess auch noch aufgefallen.

Wenn ich mir heute die Folgen der ersten zwei Jahre anhöre, dann erkenne ich darin diese große, vielleicht manchmal auch etwas blauäugige Leichtigkeit, die jedem Anfang inne wohnt.

Heute, nach 4 Jahren wöchentlichem Podcasten, vermisse ich diese Blauäugigkeit ab und an.

Klar. Die letzten Jahre haben dafür gesorgt, dass ich sicherer geworden bin.

Mit der Erfahrung und der Wiederholung wird das wöchentliche Produzieren leichter. Ich weiß, wie mein Schreibprozess abläuft, kenne das Tränental, weiß, wie viel Zeit ich für die Produktion der Folge und die Podcast-Illustration benötige und für den ganzen Marketing-Rattenschwanz, der an jeder Episoden-Veröffentlichung dran hängt.

Aber manchmal merke ich auch, dass diese 4 Jahre Erfahrung auch eine Schattenseite im Gepäck haben. Denn die Erfahrung sitzt ab und an wie ein fettes Brett vor meinem Kopf.
 

Wenn Routine zur Komfortzone wird

Als Anfängerin hab ich mir erlaubt, vor allen Dingen einfach mal zu machen, zu experimentieren und dabei zu lernen.

Und jetzt merke ich, dass ich immer noch die Aufgabe habe, weiterhin Experimente zu machen und mich weiterzuentwickeln.

Aber das ist gar nicht so einfach. Weil mit der wachsenden Erfahrung und auch dem häufigeren Feedback von Außen und der Erwartungshaltung, die dadurch auch entsteht, wird es immer schwerer, sich wirklich frei zu bewegen.

Das ist gut übertragbar auf jedes kreative Vorhaben. Egal ob du Designerin bist oder Illustratorin oder in einem anderen kreativen Bereich arbeitest – du wirst diese verschiedenen Phasen von Wachstum durchleben.
 

Die Anfangsphase: Lernen und Experimentieren

Am Anfang gilt es vor allen Dingen, zu starten, obwohl du vielleicht noch nicht alles weißt. Du wirst dich wahrscheinlich sogar noch nicht bereit fühlen, aber es ist gut, loszulaufen. Denn du lernst beim Machen.

Dann kommt eine Phase des Wachsens. Du wirst sicherer und selbstbewusster. Du weißt immer besser, wer du bist und was dir wichtig ist in deiner kreativen Arbeit.
 

Die Wachstumsphase: Sicherheit und Selbstbewusstsein

Diese Sicherheit ermöglicht dir, schnell Ergebnisse abliefern zu können – und erlaubt dir damit oft auch, dein kreatives Unternehmen auch auf wirtschaftlich stabilere Beine zu stellen.

Du kannst Aufträge gut abschätzen, denn du hast das schon einige Male gemacht. Du weißt, was du kalkulieren musst, wie der Ablauf ist und wie viel du dir parallel an Zusatzaufgaben in den Kalender stellen kannst.

Diese Sicherheit bringt also ganz viele Vorteile mit sich.
 

Die Korsett-Phase: Erfahren, aber unbeweglich

Aber irgendwann kommst du an einem Punkt an, an dem du dich fragst: Laufe ich eigentlich noch oder sitze ich gerade hier fest?

Denn wenn du erst mal deinen Platz gefunden hast, passiert es schneller als gedacht, dass man es sich dort gemütlich einrichtet. Na klar ist das auch was Gutes. Dann erntest du die Früchte des Erfolges. Aber es birgt eben auch eine gewisse Gefahr in sich.

Denn Erfolg kann dann auch ein Korsett werden.
 

Sichtbarkeit, Feedback und Verletzlichkeit als Personenmarke

Gerade das Feedback von Außen kann gefährlich sein. Denn dadurch entsteht oft auch eine Erwartungshaltung. Ein Bild von dir. Und es ist auch menschlich und gut, hier konsistent und berechenbar sein zu wollen.

Kund*innen buchen dich ja oft, weil sie eigentlich das gleiche Ergebnis haben wollen wie von diesen anderen Auftrag. Und du fühlst dich vielleicht wohl in deinem Stil, weil du endlich weißt, wie du was darstellst.

Mit Sicherheit wächst auch dein Anspruch an deine eigene Arbeit in dieser Phase. Aber dieser Anspruch kann sich eben schnell auch wie so ein Korsett anfühlen, das jede ungewöhnliche Bewegung schwer macht.

Das liegt auch daran, dass mit dem Erfolg oftmals auch mehr Sichtbarkeit und dadurch auch mehr Verletzlichkeit entsteht. Denn konstant immer wieder auf die Bühne zu treten und dort eben auch bewertet zu werden, ist anstrengend.

Und ja, wenn du als Personenmarke ständig Haltung zeigst, bekommst du auch ständig Gegenwind. Denn Haltung zu zeigen zeichnet sich ja dadurch aus, dass man es nicht allen recht machen kann. Aber ständiger Gegenwind tut irgendwann auch weh.
 

Die Balance zwischen Sicherheit und Weiterentwicklung

Und ja, da kann das Erfahrungs-Korsett auch wie eine Schutzrüstung Sicherheit kreieren.

Das habe ich früher bei anderen beobachtet, jetzt beobachte ich es bei mir selbst. Oder zumindest merke ich, dass ich Angst bekomme, dass ich irgendwann wirklich nur noch das Gleiche erzähle – schön eingehüllt in meine Erfahrungs-Schutzrüstung.

Ich hab viel darüber nachgedacht, was es braucht, um nicht irgendwann im Korsett festzustecken.

Ob es zum Beispiel bedeutet, dass man sich immerzu verletzlich zeigen muss, oder immerzu etwas Neues erfinden muss. Und allein der Gedanke daran hat mich schon erschöpft.
 

Neugier ist essenziell für kreatives Wachstum

Diese Frage hat mich einige Wochen lang beschäftigt. Und jetzt am Jahresende merke ich: Die Lösung ist so einfach wie gut. Denn es braucht eigentlich nur eine Sache, um eben nicht in der eigenen Entwicklung feststecken zu bleiben.

Und diese eine Sache ist … tamtaram … Neugierde. Denn die ist der Antrieb deiner Kreativität und die sorgt auch dafür, dass mit ihr auch die Offenheit, Flexibilität und Beweglichkeit nicht verloren gehen.

Und das ist mein Learning #4: Neugierde ist der Motor von Kreativität, weil sie Experimente fördert. Mit Neugierde ist auch klar, dass nicht alles in Stein gemeißelt ist und Neugierde erlaubt auch, mutig zu sein und Neues auszuprobieren.
 

Fragen, die Kreative sich regelmäßig stellen sollten

Und dich frage ich: Wo hast du dieses Jahr deiner Neugierde Raum geschaffen? Und kannst du nächstes Jahr etwas tun, um noch mehr davon zu kultivieren?

Ich hab noch ganz viele andere Sachen dieses Jahr gelernt – aber das hier sind meine 4 Favoriten. Und weil die Folge eh schon länger ist als gewöhnlich, komme ich hier jetzt mal zum Ende.
 

Fazit: Was bleibt aus 2025?

Und frage auch dich noch einmal: Was hast du dieses Jahr gelernt? Nimm dir jetzt noch einmal 5 Minuten Zeit, um deine Gedanken aufzuschreiben.

So … fertig? Sehr gut. Ich bin sehr gespannt, was du für dich herausgefunden hast.

Ok! Das ist übrigens die letzte Folge des Jahres 2025. Ich gehe jetzt in eine dreiwöchige Winterpause. Aber keine Sorge: Für diese Zeit habe ich dir drei Folgen aus dem Archiv herausgesucht. Und ich hab extra Folgen gewählt, die gut zu dieser Zeit zwischen den Jahren passen – und die Reflexion und ein kurzes Innehalten fördern.

Am 8. Januar 2026 geht’s weiter – mit ganz viel Karacho. In der ersten Folge des Jahres spreche ich über die Trends für 2026 in der Kreativwirtschaft. Ich freu mich schon sehr, dich dann wieder hier zu treffen.

An dieser Stelle möchte ich dir auch noch einmal ganz doll und von Herzen danken. Danke, dass wir gemeinsam ein Stück des Weges gehen und dass du mich in 2025 begleitet hast auf meinem Portfolio-Podcast-Abenteuer. Danke, dass du hier bist!

Und ich freu mich auf das, was kommt!

Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe. Wir hören uns wieder nächste Woche – mit einer Folge aus dem Archiv.


Ich freu mich auf dich.

Bis dahin, tschüss!


Deine Franziska
 

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Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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