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Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen Moment: Ich stehe vor einem Spiegel und versuche, die Aufgaben, die mir die Logopädin gibt, nachzumachen – und der Spiegel offenbart: meine Zunge kann das nicht mehr.
Denn durch eine OP wurde meine Zunge partiell gelähmt, und damals dachte ich: »Ok. Das war’s. Ich werde nie wieder normal sprechen können.«
Dieser Moment war vor 14 Jahren – und heute verdiene ich mit meiner Stimme und mit Sprechen hier im Portfolio-Podcast mein Geld. Und dass diese Geschichte gut ausgeht, ist gar nicht so ungewöhnlich: Denn oftmals werden gerade aus unseren Schwächen genau die Stärken, die uns von anderen unterscheiden.
Wie du deine eigenen Schwächen in Stärken verwandelst und welche Perspektivwechsel dir dabei helfen – das erfährst du heute in dieser Podcast-Folge.
Hier erfährst du, wie du mit deiner kreativen Arbeit mehr Aufträge akquirierst – aber eben auch wie du dafür sorgst, dass dein Herz weiterhin für deine kreative Arbeit brennt – auch mit dem ganzen Brimbamborium, den der Berufsalltag einer kreativen Selbstständigkeit so mit sich bringt.
Ich bin Franziska Walther und jetzt geht’s los.
Wenn du mir vor 14 Jahren gesagt hättest, dass ich später mal mit meiner Stimme arbeiten würde, dann hätte ich dir das nicht geglaubt.
Denn einerseits war ich früher wirklich sehr, sehr schüchtern. In einer Gruppe von Menschen zu sprechen, ist mir schwer gefallen.
Ganz schnell wurde ich rot. Ruckzuck fing auch meine Stimme an zu zittern, weil, sobald mehr als zwei Leute vor mir standen, ich so nervös geworden bin, dass Puddingbeine und Schnappatmung unvermeidlich waren.
Die junge Franziska wäre also nie auf die Idee gekommen, freiwillig auf eine Bühne zu treten. Sie stand gern am Rand, hat lieber geschwiegen als geredet und hat Herzklopfen bekommen, wenn mehr als zwei Augenpaare auf sie gerichtet waren.
Mir Raum zu nehmen, meine Haltung auszusprechen und auch mal zu polarisieren, ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Umso älter ich wurde, desto mehr wurde klar, dass das manchmal nötig ist – aber es war für mich ein langer und anstrengender Weg, meine Stimme zu finden.
Kurze Randnotiz: Das, was hier am meisten geholfen hat, war Psychotherapie. Wie mir Therapie geholfen hat, erfährst du hier.
Allerdings ist dann zusätzlich noch etwas passiert, was es noch einmal schwerer gemacht hat.
Im Jahr 2011 wurde ich am Hals operiert. Man sieht es noch heute – dort sitzt meine kleine Piratennarbe.
Damals hatte sich meine rechte Speicheldrüse über die Jahre immer wieder entzündet und plötzlich schlug auch noch ein Lymphknoten am Hals Alarm. Deshalb entschied ich mich, beides entfernen zu lassen.
So eine Speicheldrüsen-Entfernung ist eigentlich keine große Sache. Das Gefährlichste daran ist die Vollnarkose – und nach fünf Tagen Krankenhaus ist man wieder Zuhause.
Als ich allerdings aus der Narkose wach wurde, konnte ich weder sprechen noch schlucken. Denn die OP war durch diverse Umstände komplizierter gewesen als geplant.
In Folge dessen waren Gesichts- und Zungennerven verletzt worden. Normales Sprechen, Kauen und Schlucken ging auf einmal nicht mehr.
Die ersten Tage im Krankenhaus konnte ich nur mit Mühe flüssige Nahrung zu mir nehmen. Mein Arzt sagte mir aber, dass sich der Gesichtsnerv nur etwas erschreckt hätte und dass die Beweglichkeit innerhalb von ein paar Tagen bis Wochen wiederkommen würde. Ich glaubte ihm.
So bin ich dann guter Dinge nach ein paar Tagen nach Hause gefahren. Ich kann mich noch erinnern, dass mein Partner und ich damals als erstes Abendessen Zuhause Pizza bestellt haben, weil ich komplett ausgehungert war.
Um die Pizza zu kauen und zu schlucken, musste ich meinen Kopf nach links kippen, damit die Schwerkraft ein bisschen helfen konnte. Aber irgendwie ging es. Der Hunger war groß genug.
Und ja, in den folgenden Tagen und Wochen konnte ich zumindest wieder besser sprechen. Wenn auch mit einem starken Lispeln.
Mehrere Monate habe ich mich so irgendwie durchgewurschtelt. Telefonate waren die Hölle. In Kund*innengesprächen erklärte ich meine Schwierigkeiten beim Sprechen. Ja, ich weiß. Ich spreche undeutlich. Aber ja, ich hatte eine OP. Und irgendwie ging es auch.
Kund*innen hatten Verständnis. Sollte ja alles nur temporär sein.
Aber nach ein paar Monaten kam ein Punkt, an dem ich mir eingestehen musste, dass das Ganze ein Problem darstellte.
Denn auch wenn ich wieder mit einigen Umwegen normal essen und schlucken konnte, habe ich immer noch stark gelispelt. Und es wurde einfach nicht besser. Sondern, wenn ich ehrlich zu mir war, wurde es eher schlimmer.
Deshalb ging ich zu meinem Hausarzt. Der kuckte in meinen Mund und fragte mich, ob meine Zunge schon immer so schief und asymmetrisch gewesen wäre. Natürlich nicht! Ah! Aha, sagte der dann zu mir – und gab mir eine Überweisung zu einer Logopädin.
Dort ging ich dann hin – und zwar für viele, viele Monate.
Wie gesagt: Ich erinnere mich noch gut an die erste Stunde, in der meine Logopädin mich vor einem Spiegel Übungen mit der Zunge machen ließ, um das Ausmaß der halbseitigen Zungenlähmung abzuschätzen – denn das hatte ich, eine halbseitige, partielle Zungenlähmung.
Und ich sah mich im Spiegel und auf einmal schossen mit Tränen in die Augen, weil mir mit meinem Spiegelbild bewusst wurde, was ich verloren hatte.
Meine Zunge konnte ganz viele, ganz simple Dinge nicht mehr machen. Zungenschnalzen ging zum Beispiel nicht mehr. Die rechte Backenzähne mit der Zunge berühren war ein Ding der Unmöglichkeit. Und bestimmte Buchstaben, wie G, K, D, T, N und L waren einfach nicht drin.
Diese ganzen Selbstverständlichkeiten waren auf einmal keine Selbstverständlichkeit mehr.
Glücklicherweise hatte ich eine Logopädin an meiner Seite, die mir Mut machte. So haben wir geübt. Aus Wochen wurden Monate. Aus Monaten wurden Jahre. Und mit gefühlten Millimeter-kleinen Schritten kam die Beweglichkeit der Zunge teilweise zurück.
An dieser Stelle schicke ich hiermit ein ganz großes Dankeschön an meine Logopädin Mandy Hahn aus Weimar. Ohne sie würde es den Portfolio-Podcast nicht geben.
Denn damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich jemals wieder mit meiner Stimme und mit meinem Sprechen öffentlich sichtbar werden wollen würde. Weil es mir so peinlich und unangenehm war, wie undeutlich ich gesprochen habe.
Warum erzähle ich dir das?
Weil du ganz sicher auch Schwachpunkte und Einschränkungen hast, die es für dich schwerer machen, bestimmte Dinge zu machen. Dinge, die anderen Menschen leicht zu fallen scheinen, und die dir schwer fallen.
Aber ganz oft haben diese Schwächen das Potenzial, eine ganz große Stärke von dir zu werden.
Und ich hab dir heute drei Perspektivwechsel mitgebracht, die dich dabei unterstützen. Denn Schwächen haben eine Schattenseite – aber wie fast alles im Leben auch eine Sonnenseite.
Lass uns gleich mal starten mit Schattenseite #1.
Als ich den Portfolio-Podcast vor drei Jahren gestartet habe, war mir sehr wohl bewusst, dass ich immer noch minimal lispele. Und das hat damals in mir meine Ängste auf den Plan gerufen.
Was ist, wenn jemand sagt, dass ich undeutlich spreche? Oder noch schlimmer: Was ist, wenn mich jemand auslacht? Oder sich lustig macht?
Und ja, es kostet mich auch heute noch ein Mü Überwindung, dir meine Geschichte zu erzählen, denn wenn du ab jetzt genau hinhörst, wird dir wahrscheinlich auffallen, dass ich bestimmte Buchstaben-Kombis und Laute immer noch nicht ganz korrekt aussprechen kann.
Denn: Ja, meine Zunge ist immer noch schief. So schief, dass die Zungenspitze nicht vorne in der Mitte ist, sondern ein Stück weiter nach links gewandert ist.
Meine tolle Zunge hat sich einfach an die neue Situation angepasst und sich gedacht: Hmm … dann versetzten wir die Spitze einfach ein Stück. Wer sagt denn, dass die Spitze in der Mitte sein muss.
Ja, mein Gaumensegel ist immer noch weniger beweglich. Meine Gesichts- und Zungenmuskulatur ist immer noch ein Mü beeinträchtigt. Und wenn du genau hinhörst … sozusagen mit gespitzten Fuchsbären-Ohren … dann hörst du das.
Die Schwäche bringt mit ihrer Schattenseite also Ängste und Verletzlichkeit mit. Ja, ich habe hier einen wunden Punkt. Aber genauso gibt es auch eine Sonnenseite.
Für mich gab es damals vor 14 Jahren vorm Spiegel neben meiner Logopädin kein Zurück. Es gab nur den mutigen Weg nach vorn. Mitten durchs Gestrüpp.
Der Weg war nicht gemütlich, sondern dornig und schwer. Aber das Geschenk von Schwächen ist, dass sie dich mutiger machen.
Wenn du trotz deiner Schwäche durch deine Ängste durchgehst, wirst du automatisch mutiger. Weil: Mut ist trainierbar. Und umso mutiger du sein musst, desto größer wird der Mut-Muskel.
Nicht weil du willst, sondern weil du gezwungen wirst. Das ist zugegebenermaßen nicht sonderlich charmant von der Schwäche, aber schlussendlich macht es dich stark.
Schwächen sind also das beste Mut-Fitness-Studio. So lernst du mit jedem Schritt, mit deinen Unsicherheiten umzugehen – und das macht dich langfristig widerstandsfähiger und selbstbewusster.
Denn du machst damit die Erfahrung, dass du deinen Schwächen nicht ganz und gar machtlos ausgeliefert bist, sondern dass es auch Bereiche gibt, die du selbst in die Hand nehmen kannst, um dein Leben zu gestalten. Und das fördert Resilienz.
Gleichzeitig zwingt dich eine Schwäche, sich mit ihr zu beschäftigen. Und damit sind wir schon bei Schattenseite #2.
Mein Lispeln hat mich damals gezwungen, mich intensiv mit meiner Stimme und meiner Aussprache auseinanderzusetzen. Das habe ich mir nicht freiwillig ausgesucht – und das war krass anstrengend. Aber es bringt auch ein Geschenk mit.
Vor meiner OP habe ich nie darüber nachgedacht, wie ich rede. Ich hab es einfach getan. Und alles, was meine Zunge gemacht hat, habe ich als Selbstverständlichkeit hingenommen.
Durch meinen verletzten Zungennerv habe ich mich viele Stunden mit Artikulation, Betonung und Sprachwirkung auseinander gesetzt. Ich habe meine Aussprache und somit meine Stimme so viel mehr trainiert als eine Person, die nie darüber nachdenken musste.
Mit diesem Bewusstsein habe ich auch angefangen, mir Brücken zu bauen, um Dinge auszugleichen. Wenn du wüsstest, wie oft ich einzelne Buchstaben nach der Podcast-Aufnahme noch einmal aufnehme und reinschneide.
Das Tolle ist ja: Das geht. Ich mache ja einen Audio-Podcast. Da ist nichts live und in Farbe. Und ich mache Übungen, mit denen ich meine Zunge fit für die Aufnahme mache.
Genauso darfst du dir helfen, damit du um deine wunden Punkten herum navigieren und sie umschiffen kannst. Es gibt nicht den einen einzigen richtigen Weg – du darfst dir dein Leben so gestalten, dass es für dich funktioniert.
Schwächen müssen nicht immer bezwungen werden. Oftmals geht es darum, sie so zu behandeln, dass du trotzdem das machen kannst, was dir wichtig ist. So machen Schwächen dich langfristig flexibler und anpassungsfähiger. Und Flexibilität und Adaptionsfähigkeit sind Superkräfte.
Dann sind wir schon bei Schattenseite #3.
Oder anders gesagt. Das ist oftmals das, was wir Menschen mit unseren Schwächen machen. Wir definieren uns über sie. Die Schwäche wird dann zu einem großen Makel.
So habe ich mich damals zumindest gefühlt. Meine undeutliche Aussprache hat sich angefühlt wie ein gigantischer Makel, der mein Leben definiert. Wie eine Hürde, über die ich nicht drüber klettern kann und die zukünftige Möglichkeiten für mich drastisch limitiert.
Klar. Ich hatte damals großes Glück im Unglück. Ich hatte eine Logopädin an meiner Seite, die mich unterstützt hat. Und ihrer Hilfe ist es zu verdanken, dass meine Aussprache-Einschränkungen heute nicht mehr das erste sind, was Menschen von mir wahrnehmen.
Doch gleichzeitig habe ich auch meinen Frieden damit geschlossen. Klar. Manchmal nervt es mich, dass ich, gerade, wenn ich müde werde, undeutlicher spreche. Dass ich auf der rechten Zungenseite immer noch wenig schmecke. Dass manchmal, gern in echt unpassenden Situationen, meine Zunge sagt: Nö! Geht nicht.
Aber all das gehört zu mir dazu. Es ist ein Teil meiner Geschichte und dieser Teil hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Und so wird die Schwäche letztendlich zu einer Stärke.
Wenn du deine Schwächen akzeptierst und integrierst, dann werden vermeintliche Schwächen oft ein Teil dessen, was dich besonders macht.
Sie werden zu dem, was dich von anderen unterscheidet und was dafür sorgt, dass du eine besondere Perspektive für bestimmte Themen mitbringst. Und dass du einen wertvollen Beitrag leisten kannst, den sonst niemand anderes leisten könnte.
Vielleicht hast du ja ADHS. Oder eine Lese-Rechtschreibschwäche. Oder du hast physische oder psychische Besonderheiten, die sich wie eine Hürde anfühlen.
Ich möchte dich heute einladen, einen wohlwollenden Blick auf deine vermeintlichen Schwächen und Unvollkommenheiten zu werfen.
Und ich möchte dich fragen: Wie haben deine Unvollkommenheiten deinen Weg mit bestimmt? Welche neuen Perspektiven hast du dadurch gewonnen? Was für Erfahrungen hast du dadurch gemacht und wie können diese die Welt bereichern?
Teile deine Gedanken dazu gerne auf Instagram unter @diegutemappe oder auf LinkedIn. Dort findest du mich unter Dr. Franziska Walther.
Und wenn dir diese Podcast-Folge einen guten Gedankenanstoß gegeben hat, dann schicke die Folge gern auch einer befreundeten Person, die auch davon profitieren könnte.
Dann unterstützt du damit deine Freund*innen und Lieblingsmenschen – und den Podcast. Und von mir bekommst du dafür ein ganz, ganz großes Dankeschön!
Und damit wünsche ich dir für heute alles Liebe, wir hören uns wieder nächste Woche, ich freu mich auf dich,
bis dahin, Franziska
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Hast du noch mehr Portfolio-Fragen? Schreib mir gern, dann nehme ich diese gern in den kommenden Blogposts auf. Liebe Grüße, Franziska

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